Philipp Sigismund Bremer

Heinz Tödtmann

Juli 2026

 

 

Mit Sicherheit war Philip Sigismund Bremer eine ganz besonders schillernde Persönlichkeit, als landesherrlicher Verwalter ausgesprochen zuverlässig und erfolgreich, als Unternehmer äußerst geschickt. Er war clever, erfahren und mit Sicherheit ein guter Kaufmann, der auch den 30jährigen Krieg unbeschadet überstanden hat. Aber war er auch der Wohltäter, der armen, in Not geratenen  Bauern bereitwillig und gern mit Krediten zur Verfügung stand oder war er der Kredithai, der die Notlage ausnutzend nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht war? Wahrscheinlich trifft alles auf ihn zu.

 

Eine kleine Chronik:

 

1621

Philip Sigismund Bremer wird am 26. März in Dreye geboren. Sein Vater Johann Bremer war Zollverwalter in Dreye, der sich seit den 1620er Jahren mit Landkäufen und herzoglichen Privilegien bereits eine beachtliche Stellung aufgebaut hatte.

 

 

1640

ie "allergnädigste Herrschaft" verpachtete das Vorwerk Erichshof an "verdiente Beamte", so auch an den bisherigen "braunschweig-lüneburgischen Verwalter zum Erichshof Philip Sigismund Bremer", geboren am 26. März 1621 in Dreye, Amtsschreiber in Stolzenau, seit 1632 Amtmann in Syke  und Sohn des Zöllners Johann Bremer zum "braunschweig-lüneburgischen Verwalter zum Erichshof" bestellt. Er möchte allerdings weiter expandieren und setzt zunächst auf der erworbenen Kötnerstelle einen Verwalter ein, um danach einen weiteren Hof auf neu erworbenen Grundbesitz zu gründen. Man darf annehmen, dass die Bewirtschaftung eines eigenen landwirtschaftlichen Betriebes mit seiner nicht weit entfernten Pachtung des Erichshofs ihm viele Vorteile gebracht hat. Man denke nur an die wöchentlichen Dienstpflichten der Leester und Brinkumer Bauern, die ihm als Pächter und Nutznießer zustehen oder bei einer Zugeldregelung in barer Münze gezahlt werden, Auf jeden Fall kann man davon ausgehen, dass die Pachtjahre auf dem Erichshof bis 1660 einen guten Verdienst erbracht haben.

Deutlich wird seine Methodik durch das Gesuch vom 9. Juli 1640:

A.B. und H. R. "zu Brinkum eingesessene arme und verbrannte Meyers" bitten den Pachtinhaber des Erichshofs, die angebotenen 8 Rthlr. Dienstgeld anzunehmen, da ihr Haus und Hof "in dieses hochverderblichen Kriegswesen in die Asche ist gelegt undt noch bis dato nicht wieder aufgebauwet worden, beyde zum öfteren des Unsrigen beraubt worden, als nunmehro alte betagte Leute, kaum das liebe tägliche brott mit den Unsrigen haben können..."

 

1646

Am 14. September heiratet er Catharina Elisabeth Meyer, geboren in Stolzenau 

 

1649

Aus dem Nachlass eines Nachkommen von ihm geht seine Geschäftstüchtigkeit hervor:

 

"Nach geendigtem 30-jährigen Kriege und zwar anno 1649 hat er in Brinkum einen Kothhoff, welchen die Dorfschaft, weil er sie in denen Kriegstroublen mit Geldern beygestanden dadurch sie die angelegten Brandschatzungen abgekaufft, zur Danksagung von allen Abgiften frey gemachet. Zu diesem Hoff sind nach und nach mehrere Länder angekauft, größtenteils geschenket, theils durch Geld acquiriret, auch von einigen Bauernhöffen Meyer Zinss daby geleget, dass andlich ein guter Meyerhoff daraus geworden auf welchem Hoff dann dieser Philipp Sigismund ein gutes Haus nebst anderen zum Haushalt nötigen Gebäude gebaut und bis an sein Ende darauf gewohnt. "

 

Ohne Probleme kann er eine Kötnerstelle in Brinkum käuflich erwerben. Die Pflichten und Dienste dem Amt Syke gegenüber bleiben allerdings erhalten. Desgleichem muss auch der Zehnte wie bisher  nach Bremen geliefert werden. Aber auch dieser Verpflichtungen versteht Bremer sich zu entledigen.1649 erlangt er einen Freibrief für die Kötnerstelle.Zunächst nur als Verwalter des Vorwerks Erichshof tätig, ist Bremer vor dem Hintergrund des 30jährigen Krieges stets bemüht, seine geldlichen Einkünfte als Beamter wertbeständig anzulegenöchte allerdings weiter expandieren und setzt zunächst auf der erworbenen Kötnerstelle einen Verwalter ein, um danach einen weiteren Hof auf neu erworbenen Grundbesitz zu gründen. Man darf annehmen, dass die Bewirtschaftung eines eigenen landwirtschaftlichen Betriebes mit seiner nicht weit entfernten Pachtung des Erichshofs ihm viele Vorteile gebracht hat. Man denke nur an die wöchentlichen Dienstpflichten der Leester und Brinkumer Bauern, die ihm als Pächter und Nutznießer zustehen oder bei einer Zugeldregelung in barer Münze gezahlt werden, Auf jeden Fall kann man davon ausgehen, dass die Pachtjahre auf dem Erichshof bis 1660 einen guten Verdienst erbracht haben.

 

1650

Sohn Claus Ernst Bremer (geb. Brinkum am 27. Januar 1650) stirbt 1693 in der Schlacht bei Landen in Brabant. Er ist 1687 Rittmeister, zuletzt Major, Hausbesitzer in Brinkum, verheiratet seit 1675 mit Maria Elisabeth Langehenning aus Langenhagen (gest. Brinkum 1715)  

 

1652

Seine Tochter Hedwig Margarethe Bremer (geb. 7.Februar .1652, gest. 10.9.1729) ist seit 1671 verheiratet mit Brinkumer Zöllner Dietrich Hermann Müller, Sohn des Zöllners Statius Müller.

 

1655

1655 erwirbt er eine zweite Kötnerstelle in Brinkum und gründet dort einen Krug. Er erhält für eines seiner Häuser in Brinkum die Abgabenfreiheit.

 

1660

Bis zu diesem Jahr ist Bremer wohl Pächter des Erichshofs gewesen und es hat den Anschein, dass ihm dies finanziell überaus gut bekommen ist. Er tätigt einen ansehnlichen "freyen" Grunderwerb in Brinkum und Syke.  Aus den Gesuchen der dienstpflichtigen Bauern geht hervor, dass deren Hofstellen zum Teil im Krieg vernichtet wurden. Bremer leiht den verarmten Bauern Geld, was häufig dazu führt, dass ihm und seinen Erben noch 1678 im Erbregister zahlreiche Ländereien als ihm „versetzet“ zugeschrieben werden. Ob das nach heutigen Maßstäben moralisch war, sei dahingestellt. Solche Kreditgeschäfte waren im 17. Jahrhundert durchaus üblich. Ob Bremer dabei außergewöhnlich skrupellos war oder lediglich konsequent nach den damaligen Gepflogenheiten handelte, lässt sich im Nachhinein nicht beurteilen.

 

Sicherlich kommt Bremer dabei zugute, dass er als langjähriger Verwalter des Vorwerks bis zur späteren Pachtübernahme einen guten Überblick hinsichtlich eines risikofreien Pachtangebots oder Pachtpreises mitbringt. Ebenso hat er in den vergangenen Jahren gelernt, den Absatz der verhältnismäßig großen Mengen an landwirtschaftlichen Produkten mit Erfolg zu organisieren, ein Erfahrungsschatz, über den nachfolgende Pächter offenkundig nicht verfügen.

 

1663

16 Dezember Tochter Maria Elisabeth Bremer wird geboren in Brinkum

 

1668

Sohn Christian Friedrich Bremer (geb. am 20. Februar in Brinkum) fällt 1708 in Neumark/Polen als schwedischer Hauptmann. Er hat 1700 in Brinkum Elisabeth Stolting (gest. 1725) geheiratet.

 

1671

wahrscheinliches Todesjahr von Philip Sigismund Bremer

Am 9. Januar wird seine Tochter Agnes geboren. Aus dem Nachlass eines Nachkommen von ihm geht seine Geschäftstüchtigkeit hervor:

 

"Nach geendigtem 30-jährigen Kriege und zwar anno 1649 hat er in Brinkum einen Kothhoff, welchen die Dorfschaft, weil er sie in denen Kriegstroublen mit Geldern beygestanden dadurch sie die angelegten Brandschatzungen abgekaufft, zur Danksagung von allen Abgiften frey gemachet. Zu diesem Hoff sind nach und nach mehrere Länder angekauft, größtenteils geschenket, theils durch Geld acquiriret, auch von einigen Bauernhöffen Meyer Zinss daby geleget, dass andlich ein guter Meyerhoff daraus geworden auf welchem Hoff dann dieser Philipp Sigismund ein gutes Haus nebst anderen zum Haushalt nötigen Gebäude gebaut und bis an sein Ende darauf gewohnt. "

 

1678

Noch 1678 erscheinen im Erbregister zahlreiche Grundstücke als Bremer oder seinen Erben „versetzt“. Das ist ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass sich aus den Kriegsschäden ein erheblicher privater Grundbesitz entwickelte.

 

1701

Catharina Elisabeth Meyer, Ehefrau Bremers, , geboren in Stolzenau, verstirbt in Brinkum am 14. Oktober 

 

 

Fazit: 

 

Sein Werdegang zeigt, dass er erheblichen Wohlstand erlangte:

  • Erwerb mehrerer Höfe in Brinkum,
  • Kauf des landtagsfähigen Gutes „Placken“ und später des Klenkenschen Burglehns in Syke,
  • Gründung eines Kruges in Brinkum,
  • Ausbau der Stellung der Familie Bremer, die in den folgenden Jahrzehnten zum regionalen Honoratiorengeschlecht wurde.

 

Interessant ist auch, dass spätere Überlieferungen Bremer nicht nur als Pächter, sondern fast als eigentlichen Gestalter des Erichshofs während der Kriegs- und Nachkriegszeit sehen. 

 

  • als landesherrlicher Verwalter: offenbar ausgesprochen erfolgreich und zuverlässig;
  • als Unternehmer: äußerst geschickt und vermögensbildend;
  • gegenüber den abhängigen Bauern: wohl eher ein nüchterner Geschäftsmann als ein Wohltäter. Die Vermögenszunahme der Familie Bremer beruhte zumindest teilweise auf der Verschuldung kriegsgeschädigter Bauern.