Pferdezuchtverein Sudweyhe und Umgebung e.V.                      ( in Bearbeitung)

Hermann Greve: 200 Jahre Pferdezucht in Weyhe / Heinz Tödtmann

Weyhe Mai 2021

 

 

Im Natursprung haben hier in Sudweyhe Celler Hengste

fast 18.000 Fohlen gezeugt

 

Wer sich mit der Geschichte des Pferdezuchtvereins Sudweyhe und Umgebung e.V. beschäftigt, kommt nicht daran vorbei, sein Augenmerk auch auf die Vorgeschichte zu richten.

1583

Nach dem Ableben des letzten Grafen von Hoya im Jahr 1582 gelangt die Niedergrafschaft mit den Ämtern Hoya, Bruchhausen. Liebenau und Nienburg in den Besitz des Celler Herzogs Wilhelm der Jüngere. Dieser lässt zunächst einmal eine Bestandsaufnahme seiner Rechte und Besitzungen durchführen. Das Ergebnis wird in einem sogenannten Erbregister festgehalten. Darin gibt es den Hinweis, dass unter anderem Zehntfohlen an das landesherrliche Vorwerk abzuliefern sind. Diese sollen "nach Gelegenheit" verkauft werden. Wenn man die Fohlen "aufstallen und zum Sattel gebrauchen kann", so heißt es weiter, "soll solches unserem Gnädigen Fürsten und Herrn untertänig gemeldet werden."

 

1618-1648

Bedingt durch den 30jährigen Krieg - Requisitionen, Plünderungen, Diebstähle .schrumpft in der hiesigen Region der Bestand an Pferden extrem zusammen.

 

1658

Zehn Jahre nach dem Ende des 30jährigen Krieges betreiben die welfischen Herrscherhäuser den Ausbau ihrer Fürstentümer zu modernen, absolutistisch regierten Ländern. Dabei sollen stehende Heere den Machtanspruch nach innen und außen sichern. Dazu ist berittenes Militär und Zugtiere für die Artillerie erforderlich: Man braucht Pferde in großer Zahl. Dies ist keine leichte Aufgabe, denn man zählt im Jahr 1658 im Amt Syke, das sich von Nordwohlde bis Riede und von Brinkum bis Jardinghausen erstreckt, über 50 % weniger Pferde als 1583. 

 

1672

Der Bedarf an Pferden seitens des landeseigenen Miltiärs aber auch der ausländischen Armeen ist sehr groß, womit die Pferdezucht in der hiesigen Region zu neuer Blüte kommt. Um die eigenen Kassen zu füllen, betreiben die welfischen Herzoge ebenso wie andere deutsche Fürsten eine lukrative Subsidienpolitik: Sie stellen große Teile ihrer Truppen in den Dienst fremder Mächte, die hierfür und für den politischen Beistand mit klingender Münze zahlen. Der Effekt ist ein stetiger Ausbau der Militärapparate. Dies und die kriegsbedingten Verluste an Zug- und Reittieren steigern den Bedarf an Pferden. 

 

1692/1693

Der Türkenkrieg erfordert hohe Verluste an Soldaten und Pferden. Landstriche wie die Grafschaft Hoya bemühen sich nach Kräften die Militärs im In- und Ausland mit den begehrten Vierbeinern zu versorgen. 

 

1695

Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg residierte bis zum  seinem Tod (1705) in Celle.
Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg residierte bis zum seinem Tod (1705) in Celle.

Vor dem Hintergrund dieser ständigen Pferdeexporte sieht Herzog Georg Wilhelm von Celle, zu dessen Herrschaftsgebiet der überwiegende Teil der Grafschaft Hoya gehört, den Nachschub für sein eigenes Militär gefälhrdet und so klagt er in einem Edikt vom 5. Juli, "es sei wahrgenommen worden, daß duch die itzige gar häufige Ausführung der jungen Füllen auß Unserer Grafschaft Hoya in frembde Lande die Pferde in Unserm Fürstenthumb und Landen" sehr abgenommen haben. Er befürchet, "daß, wann dieser häufigen Ausführungnicht in Zeiten vorgekehret wird, nichts taugliches an Pferden im Lande verbleiben wird." Daher wird den Bauern in den Ämtern Syke, Hoya, Bruchhausen, Westen und Nienburg untersagt, Fohlen unter drei Jahren "an Ausländer" zu verkaufen. Weil ihm aber bewusst ist, dass ein striktes Ausfuhrverbot mit der Erhaltung der Finanzkraft der Steuer zahlenden Bauern kollidiert, lässt er ein kleines Hintertürchen offen. Für den Fall " da etwa ein oder ander von Unsern Unterthanen einige Füllen zu verkauffen genötigt werden würde", sollen Fohlen auf dem Bruchhauser Bartholomäusmarkt "beysammen gebracht" werden. Ein von der Celler Regierung autorisierter Fachmann soll sie untersuchen und nur die Fohlen von geringer Qualität zum Verkauf zulassen, der "beste Leist" hingegen muss im Land bleiben.

 

1705

Nach dem Tode des Heideherzogs fällt dessen Herrschaftsgebiet, darunter das Amt Syke, an Georg Wilhelms Schwiegersohn und Neffen, den Kurfürsten Georg Ludwig in Hannover. 

 

1714

Der Kurfürst Georg Ludwig besteigt als Georg I. den englischen Königsthron und begründet damit die bis 1837 aundauernde britisch-hannoversche Personalunion. 

 

1727

Georg I. verstirbt , ihm folgt sein Sohn Georg als König und Kurfürst. Unter seiner Regentschaft werden in der hannoverschen Pferdezucht Meilensteine gesetzt.

 

1735

Die wichtigste Tat Georgs II. für das hannoversche Warmblutpferd ist die Gründung des Landgestüts Celle, die er "zum Besten seiner Unterthanen und zur Erhaltung einer guten Pferdezucht [...] absonderlich im Herzogthum Bremen und in der Grafschaft Hoya" anordnet. Vordergründig soll diese neue Einrichtung der Landwirtschaft zugute kommen, aber eigentlich geht es darum, Zuchtziele für das Militärpferd zu bestimmen.

 

13 Hengste machen den Anfang. Diese kauft der Oberjäger der Celler Hirschmeute; Gabriel Roger Brown, in Holstein ein. Es sind Beschäler, die vornehmlich über neapolitanisches und andalusisches Blut verfügen. Vorher ist Brown durch die Zuchtgebiete gereist und hat u.a. in der Wesergegend zwischen Hoya und Stolzenau einen guten Schlag Stuten gesehen, überwiegend "Mittelschlag". 110 von ihnen wählt er aus, um sie von den künftigen Celler Beschälern decken zu lassen. Die Bauern sind zunächst misstrauisch. Erst als Brown ihnen verspricht, dass sie über die Fohlen frei verfügen können, erklären sie, dass sie noch weit bessere Pferde besitzen und bereit sind, "für jeden Sprung einen Himten Hafer zu geben und für jedes Füllen einen Taler extra."

 

Auch die Pferdehaltung im Amt Syke wird in diesem Jahr einer Prüfung unterzogen. Dabei werden immerhin 228 gute und tüchtige Zuchtstuten gezählt, allein 79 im Kirchspiel Weyhe. Die Kirchspiele Brinkum und Leeste, in denen viele Bauern als Fuhrunternehmer - als die sogenannten Leister - unterwegs sind, können dagegen nur mit 55 tauglich befundenen Zuchtstuten aufwarten.  Auch in dem Marschdistrikt zwischen Brinkum und Riede sowie in den Geestdörfern Okel, Osterholz, Gödestorf und Wachendorf findet sich gutes Material.

 

1739

Es gilt als sicher, dass in diesem Jahr die Hengststation im Flecken Syke den Betrieb aufnimmt. Syke ist in dieser Zeit bereits das gewerbliche Zentrum des Amtes Syke. Bis 1783 werden durchschnittlich 107 Stuten pro Jahr zur Syker Station gebracht, wo regelmäßig drei Hengste gehalten werden. Für die Staatsdiener der Amtsverwaltung steht der Erfolg der Deckstelle außer Frage.

 

1743

Inzwischen verfügt das Landgestüt Celle bereits über 40 Hengste. 

 

1748

1763

Kurz nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges erklärt die Syker  Amtsverwaltung, die Gestütshengste aus Celle hätten für guten Nachwuchs gesorgt und etliche ihrer Fohlen seien im Krieg hochpreisig verkauft worden. 

 

1765

Die Hengste des Celler Landgestüts werden in jedem Frühjahr auf die Reise geschickt, um in den eingerichteten Deckstationen des Kurfürstentum für Nachwuchs zu sorgen. In diesem Jahr gibt es bereits über 30 Stationen, auf die alljährlich von Ende Februar bis Mitte Juli rund 50 Beschäler verteilt werden. Die Grafschaft Hoya ist dabei mit 3 Deckstellen - in Syke, Hoya und Nienburg - vertreten.

 

 

 

 

 

1768

Ein Ausschreiben der kurfürstlichen Regierung in Hannover v. 3. Februar 1768. Es zeigt das Brandzeichen, das von den Mitarbeitern des Landesgestüts Celle auf den Deckstellen verwendet werden soll. Sofern sich die Züchter einverstanden erklären, soll dem Nachwuchs der Celler Landbeschäler das Zeichen "auf der lincken Lende ohnentgeldlich behutsam" eingebrannt werden.

1772

Der Rappe Tompeux wird geboren, ein Pferd aus der "Hoyaischen Landesrace".

 

1775

In einer Beschreibung zeigen der Chef der Amtsverwaltung und seine Kollegen auf, dass nach wie vor das Militär Hauptabnehmer ist, was wiederum die Pferdezucht im Amt lukrativ macht. Man hofft, dass dies die Bauern, die ebenfalls Beschäler halten, positiv beeinflusst. Einige der nach Syke geschickten Celler Hengste würden "jenen zur löblichen Ermunterung" gereichen, "um gleich gute Beschäler anzuschaffen."

 

1778

Die Bauern halten derzeit 15 Deckhengste, denen 270 Wallache und 767 Zucht- und 556 "güste" Stuten gegenüber stehen.

 

1782

Die Zahl der Hengste auf dem Celler Landgestüt hat sich inzwischen auf 86 erhöht. Die Beschäler rekrutieren sich vornehmlich aus der Holsteiner Zucht. Nur wenige werden aus Dänemark, Ostpreußen und Andalusien angekauft. .

 

1783

1785

Der Oberamtmann Georg Rumann führt jetzt die Verwaltung des Amtes Syke. Er bemüht sich um die Stärkung der Wirtschaftskraft und die Verbesserung der Lebensverhältnisse der ländlichen Mittel- und Unterschichten. Mehr als seine Vorgänger engagiert er sich für die Pferdezucht im Syker Amt.

 

1786

In diesem Jahr lässt Rumann Erhebungen über den Stand der Pferdezucht durchführen. Der Vogt des Kirchspiels Nordwohlde teilt ihm daraufhin mit, dass in diesem Bezirk nur 11 der 41 Zuchtstuten den Celler Hengsten zugeführt worden sind, weil man hier glaubt, dass "von solchen keine so fest arbeitstüchtige Pferde entstehen und nicht so früh und nicht so jung gebraucht werden können als von Privathengsten. Andere glauben, daß die Privathengste zum Theil schöner sind [...] Einige mögen auch keine Holsteinischen Pferde leiden. Bei Verschiedenen haben aber auch die wenigen Kosten den Privat-Beschälern den Vorzug gemacht."

Diese Antwort lässt erkennen, dass die bäuerlichen Zücher  - trotz aller guten Geschäfte mit dem Militär - sich vorrangig nach den Bedürfnissen der Landwirtschaft orientieren müssen.

"Specificatio derer in der Voigtey Weihe befindlichen Anzahl Pferde überhaupt, und wie viele Stuten von denen Privat-Hängsten bedeckt sein" - zusammengestellt von dem Amtsvogt des Kirchspiels Weyhe, Johann Hinrich Gehle, am 27. April 1786

Auch in den Bauerschaften Kirch- und Sudweyhe spielen privat gehaltene Deckhengste eine herausragende Rolle. Die Eigentümer der 3 Deckhengste im Kirchspiel Weyhe sind der Vollmeier Claus Tobelmann aus Kirchweyhe, der Vollmeier Heinrich Reiners aus Dreye und der Vollmeier Johann Hinrich Wetjen, der ein stattliches Gehöft an der Sudweyher Dorfstraße  gegenüber dem Schulhaus bewirtschaftet. 

Wetjens Deckhengst ist besonders begehrt und taucht in einer Statistik  als einziger Privat-Beschäler im Kirchspiel auf  - mit 43 von ihn gedeckten Stuten. Rumann ist weiterhin bemüht, dem Celler Landgestüt mehr Geltung in seinem Wirkungsbereich zu verschaffen. Für ihn steht außer Frage, dass der Einsatz der Celler Beschäler effizienter gestaltet werden kann. Er nimmt also Kontakt mit Georg Christoph Koch auf, dem Stallmeister des Gestüts und versucht ihn davon zu überzeugen, die Syker Deckstation durch zwei neue, zentraler gelegene zu ersetzen. Koch kann sich aber nur dazu durchringen, die Verlegung von Syke nach Kirchweyhe zu empfehlen.

 

1791

Die neue Deckstation Kirchweyhe nimmt mit drei Celler Hengsten ihre Arbeit auf. Gleich im ersten Jahr  werden 210 Stuten gedeckt, die 127 Fohlen zur Welt bringen. Die Abfohlquote von 60 % kann sich sehen lassen, zumal sie in den Vorjahren knapp 47 % betragen hat. 

 

1792 

Das gute Ergebnis des Vorjahres setzt sich nicht fort.

 

1793

Krieg gegen Frankreich. Durch die Personalunion des Kurfürstentlums Hannover mit Großbritannien ist auch unsere Region betroffen. In englischem Sold stehende Regimenter erleiden bittere Niederlagen und hohe Verluste. 

 

1794 

Trotz der unruhigen Zeiten verliert Rumann seine Projekte nicht aus dem Auge und so nimmt er erneut Kontlakt mit Stallmeister Koch auf, um ihn nochmals von der Notwendigkeit einer weiteren Deckstation zu überzeugen. Er berichtet, dass 53 ein- bis zweijährige Stutfohlen im Kirchspiel Kirchweyhe gezählt worden sind. Allein 36 gingen dabei auf Celler Beschäler zurück. Ausschlaggebend für dieses gute Ergebnis sei die Verlegung der Deckstation nach Kirchweyhe. Koch zeigt sich beeindruckt. In einem Bericht verweist er zunächst auf die durch den Koalitionskrieg verursachten "Hindernisse und Unterbrechungen", dann aber beschreibt er, dass man durch die "unhermüdliche Wirksamkeit  des Herrn Oberamtmanns Rumann ein nicht unbedeutendes plus an Fohlen" zu verzeichnen habe. Er fügt hinzu, dass er bei seinem letzten Besuch in Syke davon überzeugt worden sei, die Geestdörfer Wachendorf, Gödestorf und Okel nicht von den in Kirchweyhe stationierten Celler Beschälern profitieren könnten. Daher schlägt der Stallmeister nun vor, in Osterholz eine zweite Station einzurichten, die mit 2 Celler Hengsten besetzt werden soll. 

 

Bedeckungsziffern und Abfohlergebnisse für die Deckstelle Kirchweyhe 1791 bis 1794. Die Tabelle wurde von Landstallmeister Koch abgezeichnet und vermutlich auch erstellt.

Bedeckungsziffern und Abfohlergebnisse für die Deckstelle Kirchweyhe 1791 bis 1794. Die Tabelle wurde von Landstallmeister Koch abgezeichnet und vermutlich auch erstellt.

 

1798

Die Geschäfte mit Warmblutpferden laufen wegen der pollitischen Großwetterlage gut. "Wenn der noch immer fortdauernde leidige Krieg andere Länder verheerte, so hat er bißher uns nichts als Vortheil und Gewinn gebracht die hiesige Gegend ist reich geworden" notiert im August der in Kirchweyhe residierende Superintendent Johann Gottlieb Conrad Meyer.

Die Maßstäbe, die unter Herzog Georg Wilhelm für den Brokser Markt gesetzt wurden, gelten noch immer. Der Lüneburger Beamte und Landeskundler Urban Friedrich Christoff Manecke schreibt: "Füllen, von welchen es anscheint, daß sie kein taugliches Remonte- oder sonstiges gutes Pferd abgeben werden", werden den Pferdehändlern überlassen, welche sich aus Thüringen und Hessen kommend auf dem Bruchhauser Batholomäusmarkt  in Menge einfinden werden."

 

1799

Eine Zählung ergibt, dass Okel, Osterholz, Gödestorf und Wachendorf zusammen die Hälfte der 210 trächtigen Stuten im Geestdistrikt besitzt. Amtweit werden 469 trächtige Stuten und 18 privat gehaltene Hengste erfasst.

 

Zahl der von den Cellern Beschälern gedeckten Stuten im Amt Syke

(1739-1790 Durchschnitt pro Jahr)

 

Jahr                     Anzahl Stuten

1739-1783           107

1784-1788           129

1789-1790           192

1791                    210

1792                    193

1793                    116

 

1803

Napoleon überrollt das Kurfürstentum Hannover, das Stammland des britischen Königs mit Zugang zur Nordsee. Da die heimischen Truppen sich in einem desolaten Zustand befinden, stoßen die französischen Truppen auf keinen nennenswerten Widerstand. Für die Celler Beschäler bedeutet dies, dass sie zum großen Teil nach Mecklenburg und Sachsen evakuiert werden müssen. Einige Beschäler gelangen dank der Personalunion gar nach England. Um Celler Hengste einer Beschlagnahme durch die Franzosen zu entziehen, werden sie zum größen Teil privat untergebracht. Insofern versucht man - wenn auch unter großen Schwierigkeiten - auch in dieser Zeit die Zuchtarbeit fortzusetzen. 

 

1812

Das Celler Landgestüt zählt nur noch 50 Hengste, vor der Invasion sind es noch mehr als 90 gewesen. Weyhe und das Umland sind inzwischen Teil des französischen Kaiserreichs. Es werden hier rund 380 Pferde registriert, ebenso viele wie vor dem Einmarsch der französischen Truppen. Für die Zucht stehen 2 Privatbeschäler, auf Bauernhöfen in Kirch- und Sudweyhe, zur Verfügung. Mehr als 170 Stuten haben Mai das Prädikat "zur Zucht tauglich" erhalten. 

 

1813

Bis zum Ende der "Franzosenzeit" im Herbst gelingt es nicht, den Zuchtbetrieb im früheren Umfang wieder herzustellen. Mit Blick auf den Kanton Alt-Bruchhausen führt der Maire Ludwig Reiche bittere Klage darüber, dass die Pferdezucht während des zurückliegenden Jahrzehnts "gänzlich in Verfall" geraten ist. Er berichtet weiter darüber, dass wegen der von den Bauern zu leistenden Kriegerfuhren erhebliche Nachteile erwachsen sind und es darüber hinaus an guten Beschälern mangelt, zumal das unweit von Hoya gelegene landesherrliche Gestüt Memsen nicht mehr existiert. Dort und im Flecken Hoya haben zuvor Deckhengste des 1785 gegründeten königlich-kurfürstlichen Marstalls in Hannover ihren Dienst getan.Im November sitzt die alte hannoversche Regierung wieder im Sattel; sie macht sich daran, vornapoleonische Verhältnisse wieder herzustellen. Da der Endsieg über Napoleon aber noch aussteht, verbleiben verbundete Truppen nach wie vor im Land mit der Folge, dass die Bevölkerung Einquartierungen nach wie vor hinnehmen muss.

 

1814

Am 12 Oktober wird das Kurfürstentum Hannover vom englischen Prinzregenten zum Königreich erklärt.

 

1815 

In diesem Jahr, dem Jahr von Waterloo, gibt es einen Meilenstein in der Weyher Pferdezucht. Die Deckstation Kirchweyhe wird wieder eröffnet und so treffen im Frühjahr hier mit Ajax und J. Grosvenor  2 Hengste des Celler Landgestüts ein. Grosvenor, der bis 1818 auf der Weyher Deckstation bleibt, stammt aus dem Mecklenburger Gestüt Ihlenfeld und ist ein Enkel des englischen Araberhengstes Lord Grosvenor. 

 

1821

Anmerkung: die Zahlen bei den Beschälern: Anzahl der gedeckte Stuten/Anzahl der geborenen Fohlen

 

Beschäler:             Herseck 49/32                                       Stationsvorsteher: Schmidt

                              Bellerophon 50/35

                              Jupiter 46/28

                              Selim 47/29                       

 

Die Deckstelle Kirchweyhe wird nach Sudweyhe verlegt und Deckstelle des Niedersächsischen Landgestüts. Schmidt wird Deckstellenvorsteher (bis 1843). In diesem Jahr entsteht in Sudweyhe eine Deckstation des Niedersächsischen Landgestüts. Der erste Deckstellenvorsteher ist Herr Schmidt. Bei ihm einquartiert sind die Beschäler Bellerophon, Jupiter, Selim und Herseck

 

1822

Beschäler:             Bellerophon 59/36                                Stationsvorsteher: Schmidt

                              Herseck 59/40

                              Cid  41/27

                              Smart 41/27

 

1823

Beschäler:             Herseck 67/34                                      Stationsvorsteher: Schmidt

                              Colossus 50/27

                              Smart 70/33

                              Ulysses 27/16

 

1824

Beschäler:             Herseck 60/32                                      Stationsvorsteher: Schmidt

                              Colossus 61/28

                              Smart 60/28

                              Ulysses 40/23

 

 

1825

Beschäler:             Herseck 70/40                                      Stationsvorsteher: Schmidt

                              Colossus 70/46

                              Smart 70/38

                              Ambaldo 35/21

 

1826

Beschäler:             Smart 74/46                                          Stationsvorsteher: Schmidt

                              Colossus 74/32

                              Ambaldo 74/43

                              Amulet 37/32

 

1827

Beschäler:             Smart 66/42                                          Stationsvorsteher: Schmidt

                              Ambaldo 66/39

                              Amulet 66/45

                              Bencalion 34/26

 

1828

Beschäler:             Smart 70/38                                          Stationsvorsteher: Schmidt

                              Ambaldo 70/36

                              Bencalion 70/37

                              Biomed 50/20

 

1829

Beschäler:             Smart 70/38                                          Stationsvorsteher: Schmidt

                              Ambaldo 70/35

                              Bencalion 70/47

                              Biomed 70/33

 

1830

Beschäler:             Smart 61/31                                          Stationsvorsteher: Schmidt

                              Bencalion 61/25

                              Biomed 63/38

                              Ambaldo 61/25

 

 

Dem weltweiten Ruf nach Vollblütern kann und will sich das Landgestüt auf Dauer nicht entziehen. Das hannoversche Warmblutpferd soll durch ein deutliches Mehr an Vollblut veredelt werden, aber zur Zeit verfügt man nur über einen Vollbluthengst.

 

1831

Beschäler:             Smart 69/41                                          Stationsvorsteher: Schmidt

                              Bencalion 40/26

                              Maldorado 40/27

                              Ambaldo 70/44

                              Phöbus 20/10

 

1832

Beschäler:             Smart 66/32                                          Stationsvorsteher: Schmidt

                              Phöbus 62/40

                              Maldorado 63/38

                              Ambaldo 69/36

 

Der Chronist Erich Clausen beschreibt in einer Veröffentlichung, dass das Landgestüt Celle es sich nicht habe erlauben können, in Gegenden mit ungenügender Grundlage wertvolle Hengste zu entsenden. Wenn Celle also Ajax und J. Grosvenor spricht dies für den mit Weyhe verbundenen hohen Qualitätsanspruch. Den in deutschen Zuchten seit etwa 1800 zu beobachtenden Einsatz von Arabern, wird von Celle zunächst abgelehnt. Dass der dortige Stallmeister August von Spörken  den Hengstbedarf des Gestüts vor allem in Ivenack und Ihlenfeld abdeckt, erklärt Erich Clausen wie folgt: " Er hatte seine guten Gründe, einmal produzierten beide Gestüte ein ziemlich einheitliches Material , zum anderen sollte einer Verfeinerung des Materials, die durch Verwendung von zu viel Araber-Blut erfolgt wäre, vorgebeugt werden."

Anerkennende Worte finden die "Möglinschen Annalen der Landwirthschaft": "Da der wohlbegründete Ruf besteht, daß die Hoyasche (Pferde-) Rasse konstant ist, daß kein schlechtes ausgeartetes Mutterpferd zur Zucht gebraucht und auf die Auswahl der Beschäler die größte Sorgfalt verwendet wird, wo werden die Märkte im Hoyaschen von auswärtigen Pferdehändlern gern und fleißig besucht. Als Fohlenmarkt zeichnet sich der Marktflecken Bruchhausen aus, wohin die Landleute nicht allein aus dem Hoyaschen, sondern auch aus andern benachbarten Distrikten ihre verkäuflichen Thiere zusammenbringen, und von wo ab viele tausend Säuger, auch ein- und zweijährige Thiere [...] nach Franken, Hessen, Sachsen etc. vertrieben werden." 

Auszug aus dem Deckregister des Landgestüts Celle
Auszug aus dem Deckregister des Landgestüts Celle

 

1833

Beschäler:             Ambaldo 47/22                                        Stationsvorsteher: Schmidt

                              Tancred 31/17

                              Phöbus 65/27

                              Smart 65/40

                              Priam 32/19

 

 

1834

Beschäler:             Bolivar 48/28                                           Stationsvorsteher: Schmidt

                              Phöbus 66/45

                              Smart 64/36

                              Ambaldo 64/33

 

 

1835

Beschäler:             Bolivar 61/34                                           Stationsvorsteher: Schmidt                                  

                              Montrose 40/31

                              Phöbus 70/48

                              Ambaldo 69/38

 

 

1836

Beschäler:             Grisatre 70/45                                         Stationsvorsteher: Schmidt

                              Phöbus 71/50

                              Montrose 71/46

                              Ambaldo 70/40

 

 

1837

Beschäler:             Ambaldo 60/24                                       Stationsvorsteher: Schmidt

                              Grisatre 67/41

                              Montrose 62/39

                              Abelard 66/39

 

Die bäuerlichen Pferdehalter sind hinsichtlich der neuen Veredlungstendenzen noch sehr skeptisch. Dies wird in einem Protokoll vom 19. September deutlich. Anlass ist ein Visitationsbesuch des Landdrosten v. Dachenhausen. Die kleine Beamtenriege der Syker Amtsverwaltung berichtet ihm, dass "ein allgemeines Steigen des Wohlstandes nicht zu verkennen ist, als dessen Quellen man [...] auch die sich stets hebende Pferdezucht nicht übersehend darf" Hierauf bemerkt v. Dachenhausen, es muss hauptsächlich dahin gewirkt werden, dass die Leute die Pferde länger behalten, und nicht schon als Fohlen verkaufen, damit sie besser über die Qualitication einzelner Stuten zur Zucht ein Urtheil gewinnen können, und dann auch geneigt sind, sich der Vollbluthengste zum Beschälen zu bedienen." Im Frühjahr ist in die Deckstation Sudweyhe mit Traveller der erste Vollbluthengst eingezogen. Geboren wurde er in Mecklenburg. Travellers Nachfolger Sirius und Scavalo stammen aus Pommern.

 

1838

Beschäler:            

                               Ambaldo 73/33                                       Stationsvorsteher: Schmidt

                              Grisatre 73/46

                              Montrose 73/39

                              Traveller 48/27

 

1839

Beschäler:             Ambaldo 40824                                      Stationsvorsteher: Schmidt

                              Grisatre 61/42

                              Montrose 61/29

                              Traveller 19/12

 

1840

Beschäler:             Ambaldo 18/9                                       Stationsvorsteher: Schmidt

                              Grisatre 61/30

                              Montrose 61/21

                              Traveller 19/12

 

1841

Beschäler:             Grisatre 48/30                                      Stationsvorsteher: Schmidt

                              Montrose 46/18

                              Marksman 55/35

                              Traveller 16/11

 

Die Zahl der Vollbluthengst ist inzwischen auf ein gutes Drittel des Gesamtbestandes auf insgesamt 71 Hengste angestiegen - mit überwiegend britischen Wurzeln. Im Königreich Hannover gilt wie überall in Europa das erfolgreiche englische Vollblut als großes Vorbild. Selbstverständlich bemüht man sich in Züchterkreisen, auch die britischen Grundsätze der Pferdezucht zu übernehmen.

 

1842

Beschäler:             Sirius 15/12                                          Stationsvorsteher: Schmidt

                              Montrose 49/20

                              Marksman 63/34

                              Grisatre 57/27

 

1843

Beschäler:             Sirius 17/13                                         Stationsvorsteher: Schmidt

                              Montrose 38/15

                              Marksman 51/31

                              Grisatre 59/31

 

1844

Beschäler:             Sirius 7/6                                         Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Montrose 44/28

                              Incognito 16/8

                              Stallas 48/27

 

Johann Heinrich Ebeling wird Deckstellenvorsteher (bis 1864).

 

1845

Beschäler:            Scävola 9/5                                       Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                             Montrose 49/19

                             Mohum 48/25

 

1846

Beschäler:            Scävola 25/19                                   Stationsvorsteher:  Johann Heinrich Ebeling

                             Montrose 48/27

                             Mohum 54/34

 

1847

Beschäler:            Regulator 15/11                                Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                             Paroli 64/44          

                             Doubtful 69/50

 

Jetzt sind die beiden Hengste Regulator und Doubtful, beide wieder aus Mecklenburg stammend, auf der Sudweyher Deckstation einquartiert. Regulator wird dort bis 1850 verbleiben, insgesamt stand er als Zuchthengst 21 Jahre zur Verfügung. Auch Doubtful, bis 1849 in Sudweyhe, hat sich - so versichert später  der Chronist und Pferdekenner Erich Clausen - sich einen großen Namen gemacht."Mit dieser Vollblutbesetzung", urteilt Clausen, "konnte die Station Sudweyhe höheren züchterischen Ansprüchen gerecht werden, da blutmäßig sehr viele Bindeglieder geboten waren. Andererseits kamen sie auf eine verhältnismäßig einheitliche Grundlage, so daß sichere Vollblutvererbung möglich war. Leider war die Vollblutepoche in Station Sudweyhe zu kurz, so daß eine seltene Zuchtgelegenheit, die sich infolge einer klassischen Plazierung bot, ungenützt verpaßt wurde."

 

1848

Beschäler:             Regulator 16/10                         Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Paroli 67/42

                              Doubtful 68/49

                              Iwan 27/17

 

1849          

Beschäler              Regulator 10/7                          Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling 

                              Paroli 62/46

                              Doubtful 67/43

                              Iwan 70/28

 

1850

Beschäler:             Regulator 18/12                        Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Paroli 68/40

                              Iwan 71/41

                              Schäfer 69/46

 

Die erste Vollblutperiode auf der Sudweyher Station geht zu Ende, weil das Landgestüt Celle seinen Bestand an Vollbluthengsten reduziert hat. Die sogenannten Nationalhannoveraner sind nun auf dem Vormarsch. "Die Mutterlinien hatten einen festen Bau", schreibt Erich Clausen, "und die ersten größeren Hengstlinien waren züchterisch stark genug", um sich durchzusetzen. 

 

1851

Beschäler:             Paroli 60/43                             Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Iwan 58/37

                              Schäfer 46/23

 

1852

Beschäler:             Ebor 57/43                              Stationsvorsteher; Johann Heinrich Ebeling

                              Iwan 61/41

                              Paroli 34/20

 

Das Landgestüt schickt mit Ebor erstmals einen seiner englischen Halbbluthengste nach Sudweyhe. 

 

1853

Beschäler:             Ebor 68/46                              Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Grambow 34/18                                              

                              Iwan 66/39

                              Paroli 31/22

 

1854

Beschäler:             Ebor 71/55                               Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Grambow 70/44                                              

                              Iwan 70/46

 

1855

Beschäler:             Ebor 70/52                               Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Grambow 67/46                                            

                              Iwan 68/61

  

Nur noch auf neun der insgeamt 63 Deckstationen kommen Vollbluthengste zum Einsatz. Sowohl den Züchtern als auch den Landstallmeistern ist bewusst geworden, dass "nicht dosierte Benutzung von Vollblut oft Nachteile im Exterieur und im Temperament" bewirkt, so Arnold Schlie in seinem Standardwerk "Der Hannoveraner".Von Celle ausgehend beschreitet man einen neuen Weg - mit Vertreten schwerer Halbblutrassen, die wiederum aus England geholt werden. Sie sollen, so Arnold Schlie, der hannoverschen Zucht "an Solidität und wohl auch an Charakter das zurückgeben, was durch die reichlich wahllose Benutzung von Vollbluthengsten verloren gegangen ist."

 

 

 

1856

Beschäler:             Ebor 70/53                               Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Grambow 70/46  

                              Samos 70/51            

 

1857

Beschäler:              Ebor 74/51                              Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                               Ramiro 72/46

                               Palafox 73/52

 

1858

Beschäler:             Hermes 71/54                           Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Palafox 72/50

                              Pharao 72/54

 

1859

Beschäler:             Hermes 61/46                           Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Palafox 70/45

                              Pharao 70/51

 

Im Frühjahr zieht zum ersten Mal ein aus der Region stammender Hengst, der in Stedebergen gezüchtete Pharao, auf die Deckstelle Sudweyhe. Hier ist er mit zwei weiteren Beschälern bis 1863 tätig. 

 

1860

Beschäler:             Hermes 55/31                          Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Palafox 62/40

                              Pharao 57/35

 

1861

Beschäler:             Cabrera 70/51                          Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Palafox 71/44

                              Pharao 62/37

  

1862

Beschäler:             Cabrera 70/48                          Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Ebor 70/47

                              Grambow 72/42

 

1863

Beschäler:             Cabrera 62/42                         Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Grambow 62/34

                              Patrick 35/22

 

1864

Beschäler:             Dandolo 40/30                         Stationsvorsteher: Johann Heinrich Ebeling

                              Grambow 34/23

                              Incognito 50/41

 

Von nun an tun mehrheitlich Hengste aus inländischer Zucht auf der Deckstation Sudweyhe ihren Dienst.

 

1865

Beschäler:             Flock 40/29                             Stationsvorsteher: Horstmann

                              Incognito 47/40

 

Horstmann wird neuer Deckstellenvorsteher (bis 1871).

1866

Beschäler:             Flock 38/22                             Stationsvorsteher: Horstmann

                              Incognito 55/36

 

In der Geschichte des hannoverschen Warmblutpferdes zeichnet sich eine neue Epoche ab, die bis zum Ende des II. Weltkrieges andauern wird. Sie ist geprägt von der weitgehenden Konsolidierung der Zucht, in der vorwiegend einheimische Stämme Berücksichtigung finden. Zugleich wird der Anteil der Vollbluthengste massiv zurückgedrängt.

 

1867

Beschäler:            Braack 40/22                           Stationsvorsteher; Horstmann

                             Bosco 58/26

 

1868

Beschäler:            Braack 40/22                           Stationsvorsteher; Horstmann

                             Bosco 58/26

 

1869

Beschäler:            Braack 44/19                           Stationsvorsteher: Horstmann

                             Bosco 37/21

 

1870

Beschäler:            Braack 30/15                           Stationsvorsteher: Horstmann

                             Bosco 33/20

 

Seit 1846 liefert der Verdener Bezirk einen beträchtlichen Teil landeseigener Hengste nach Celle.

 

1871

Beschäler:             Sykora 67/40                           Stationsvorsteher: Horstmann

                              Gram 43/24

 

1872

Beschäler:             Sykora 79/40                           Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Gram 81/40

 

Hasselmann wird neuer Deckstellenvorsteher (1901).

 

1873

Beschäler:             Stehlick 77/41                         Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Gram 73/38

                              Charley 88/36

 

Das Landgestüt Celle schickt bis 1877 den Halbbluthengst Charley Merry Legs, ein Vertreter der Hackney-Rasse- auf die Sudweyher Deckstation, ein bedeutender Hengst, wie sich letztendlich herausstellt.

 

1874

Beschäler:             Stehlick 55/37                         Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Gram 76/44

                              Charley 54/29 

                              Borronco 39/17

 

1875

Beschäler:             Stehlick 59/32                        Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Gram 69/36

                              Charley 89/47

                              Borronco 42/22

 

1876

Beschäler:             Stehlick 53/34                         Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Boxer 65/35

                              Charley 70/29

                              Borronco 21/10

 

1877

Beschäler:             Stehlick 37/18                        Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Boxer 74/34

                              Charley 27/14

                              

1878

Beschäler:             Arnim 32/10                           Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Boxer 44/22

                              Melchior 32/12

 

1879

Beschäler:             Arnim 38/21                           Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Solo 83/44

                              Melchior 33/9

 

1880

Beschäler:             Arnim 40/26                           Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Solo 84/42

                              Melchior 27/7

 

1881

Beschäler:             Arnim 32/17                           Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Solo 77/39

                              Seeräuber 14/8

 

Von nun an finden Pferderennen in der jetzt preußischen Provinzhauptstadt Hannover statt, ein Schaufenster für die Zucht der Hannoveraner. In kleinerem Maßstab gibt es ähnliche Veranstaltungen auch auf dem platten Land. Die Organisatoren sind Reit- oder Rennvereine, die sich das Trainieren der Pferde sowie deren Erprobung im Rahmen pferdesportlicher Begegnungen zur Aufgabe gemacht haben.

 

1882

Beschäler:             Nordost II 49/26                                         Stationsvorsteher:  Hasselmann                          

                              Arnim 16/11

                              Solo 54/34

 

1883

Beschäler:             Nordost 68/41                                          Stationsvorsteher:  Hasselmann

                              Solo 70/37

 

1884

Beschäler:             Nordost 74/41                                          Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Solo 74/35

 

1885

Beschäler:             Solo 88/45                                                  Stationsvorsteher:  Hasselmann                                          

                              Nordost 95/63

                              Prater 50/36

 

1886

Beschäler:             Solo 64/38                                                  Stationsvorsteher:  Hasselmann                                          

                              Nordost 69/42

                              Prater 68/39

                              Schlavo 40/20

 

Füllenschein vom 14. Mai 1886, ausgefertigt von dem Vorsteher der Sudweyher Hengststation Hasselmann:

"Daß Johann Meier in Habenhausen Stadtgebiet Bremen laut Bedeckungsregister der Station Sudweyhe vom Jahre 1855 No. 82, eine schimmel-Stute durch den Königlichen Landbeschäler Solo hat bedecken lassen, aus welcher Stute im Jahre 1886 den 18ten März ein Stutfüllen Fuchs recht(er) hinterfuß weiß gefallen, solches wird hierdurch attestirt."

Original in Privatbesitz

 

1887

Beschäler:             Solo 47/24                                                  Stationsvorsteher:  Hasselmann                                          

                              Nordost 76/46

                              Prater 56/24

                              Schlavo 53/30

 

1888

Beschäler:             Solo 50/27                                                  Stationsvorsteher:  Hasselmann                                          

                              Nordost 76/46

                              Prater 51/30

                              Schlavo 42/27

 

Zu den herausragenden Errungenschaften der Konsolidierungsphase zählt das in diesem Jahr gegründete "Hannoversche Stutbuch für edles Warmblut".

 

1889

Beschäler:             Solo 59/30                                                 Stationsvorsteher:  Hasselmann                                          

                              Nordost 71/35

                              Prater 51/25

                              Schlavo 18/7

 

1890

Beschäler:             Solo 41/27                                                  Stationsvorsteher:   Hasselmann                                         

                              Nordost 51/22

                              Prater 39/17

                              Fisch 43/24

 

1891

Beschäler:             Solo 41/26                                                 Stationsvorsteher:   Hasselmann                                         

                              Nordost 62/35

                              Fisch 62/39

 

1892

Beschäler:             Edzard 47/27

                              Nordost 61/37

                              Fisch 36/19

 

Als Zuchtziel propagiert der Celler Landstallmeister Wilhelm Hubert Grabensee die Erzeugung eines möglichst starken Warmblutpferdes, das jede Arbeit in der Landwirtschaft verrichten kann, aber auch so viel Blut, Nerv und Gang besitzt, um als starkes Reit- und Wagenpferd Verwendung finden zu können. Und nicht zuletzt soll es auch noch den Ansprüchen des Militärs genügen.

 

1893

Beschäler:             Kent 39/22                                                 Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Nordost 66/37

                              Juliushall 44/21

 

1894

Beschäler:             Nordost 42/33                                           Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Juliushall 30/14

                               Kent 31/13

 

1895

Beschäler:              Norki 35/25                                                Stationsvorsteher:  Hasselmann      

                              Juliushall 49/24

                               Kent 30/16

  

1896

Beschäler:              Juliushall 46/13                                         Stationsvorsteher: Hasselmann

                               Junker 90/41

                               Padua 33/12

 

1897

Beschäler:              Junker 75/30                                             Stationsvorsteher: Hasselmann

                               Norki 49/19

                               Padua 40/19

 

1898

Beschäler:             Norki 33/14                                                 Stationsvorsteher: Hasselmann 

                              Padua 37/18

                              Don Juan 84/50

 

1899

Beschäler:             Padua 46/27                                               Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Don Juan 88/52

                              Schildpatt 26/14

 

1900

Beschäler:             Padua 53/26                                               Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Don Juan 72/43

                              Schildpatt 40/21

 

Der Anteil der Vollbluthengste in der Zucht hannoveranischer Pferde liegt nur noch bei 3 %, nach Ansicht der Experten völlig ausreichend und zweckmäßig.

 

1901

Beschäler:             Padua 38/20                                               Stationsvorsteher: Hasselmann

                              Don Juan 53/31

                              Junicus 56/30

 

1902

Beschäler:             Padua 25/11                                               Stationsvorsteher. Ebeling

                              Don Juan 42/20

                              Junicus 63/34    

 

Ebeling wird neuer Deckstellenvorsteher (bis 1911).

 

1903

Beschäler:             Don Juan 43/27                                          Stationsvorsteher: Ebeling

                              Junicus 66/43

                              Schnick 9/4

 

1904

Beschäler:             Kinsky 53/25                                              Stationsvorsteher: Ebeling

                              Schnick 6/4

                              Junicus 71/48

 

1905

Beschäler:             Kinsky 48/29                                              Stationsvorsteher: Ebeling

                              Junicus 76/41

                               Annual 19/9

 

Um 1905 auf dem Halbmeierhof Brüning in Lahausen: Der künftige Hofbesitzer mit dem besten Pferd im Stall. Foto: Ralph Schierenbeck-Brüoning, Sudweyhe
Um 1905 auf dem Halbmeierhof Brüning in Lahausen: Der künftige Hofbesitzer mit dem besten Pferd im Stall. Foto: Ralph Schierenbeck-Brüoning, Sudweyhe

 

1906

Beschäler:             Junicus 76/46                                         Stationsvorsteher: Ebeling

                              Annual 41/23

                              Schlemmer 21/13

 

1907

Beschäler:             Junicus 90/42                                         Stationsvorsteher: Ebeling

                              Annual 48/24

                              Schlemmer 28/19

 

1908

Beschäler:             Junicus 90/47                                         Stationsvorsteher: Ebeling

                              Annual 72/39

                              Schlemmer 30/22

 

1909

Beschäler:             Junicus 104/46                                        Stationsvorsteher: Ebeling

                              Annual 83/33

                              Lolar 24/15

 

1910

Beschäler:             Junicus 81/46                                         Stationsvorsteher: Ebeling

                              Annual 62/32

                              Lolar 30/14

 

Familienidyll mit Pferden. der Dörgeloh'sche Halbmeierhof (Hausname Jehanns) in Ahausen um 1910. Am Tisch sitzend: Pächter Johann Heinrich Dörgeloh und seine Ehefrau Magdalene. Foto: Gemeindearchiv Weyhe
Familienidyll mit Pferden. der Dörgeloh'sche Halbmeierhof (Hausname Jehanns) in Ahausen um 1910. Am Tisch sitzend: Pächter Johann Heinrich Dörgeloh und seine Ehefrau Magdalene. Foto: Gemeindearchiv Weyhe

Rund um Weyhe locken vor dem ersten Weltkrieg Flach-, Galopp-, Trab- und Hindernisrennen, die in Okel, Syke, Schwarme, Bassum und Hoya, ausgerichtet werden, nicht nur Pferdeliebhaber und Züchter an. Eingebettet in ein breites Rahmenprogramm werden die Rennveranstaltungen zu herausragenden, gesellschaftlichen Ereignissen mit Tausenden von Besuchern. Sie sind Ausdruck des nahezu ungebremsten wirtschaftlichen Aufschwungs, der unsere hiesige Region erfasst hat.

 

1911

Beschäler:             Annual 72/17                                           Stationsvorsteher: Ebeling

                              Lolar 75/26

                              Amberg 48/20

                              Schwabenland 40/15

 

der "Reitclub Lahausen" im Jahr 1911 / Foto (Postkarte): Gemeindearchiv Weyhe
der "Reitclub Lahausen" im Jahr 1911 / Foto (Postkarte): Gemeindearchiv Weyhe

 

1912

Beschäler:             Lolar 70/24                                               Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amberg 82/28

                              Schwabenland 76/25

                              Althing 33/6

 

Der 1885 in Klein Eicklingen bei Celle geborene Gestütsleiter (bis 1924) August Meyer ist es, der im Winter 1913/14 die Gründung des Pferdezuchtvereins anregt und vorantreibt.

 

1913

Beschäler:             Lolar 55/39                                               Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amberg 84/41

                              Schwabenland 74/35

                              Althing 46/20

 

Im "Hannoverschen Stutbuch für edles Warmblut" sind bereits über 4.800 Stuten verzeichnet. Die "fetten Jahre", von denen die hiesige Landwirtschaft  bis zum Ausbruch des I. Weltkrieges profitiert, bringt einen Bestandsrekord in der Pferdehaltung. Verantwortlich hierfür ist einerseits die Intensivierung der Landwirtschaft, andererseits die Hochrüstung im wilhelminischen Deutschland. Die Zuchtgebiete der alten Grafschaft Hoya beliefern das Heer vornehmlich indirekt, durch Fohlenverkäufe an Remonteaufzüchter in Mecklenburg und in den Marschen an Elbe und Nordsee. Vor allem die Geschäfte mit dem Militär machen die Pferdezucht rentabel. "Die Armee verlangt ein Reitpferd, leichter im Kaliber, aber mit Adel und Nerv [...]Das Fahrpferd der Armee wird etwas stärker im Kaliber verlangt, sonst aber fordert man die gleichen Eigenschaften." 

Seit 1892 haben sich in der Zwischenzeit in Okel die Zahl der Pferde fast verdoppelt, die Gemeinden Sudweyhe, Kirchweyhe und Riede kommen auf 35, 40 und knapp 37 %, wohingegen Leeste, Barrien und Gessel mit 88, 79 und 89 % auftrumpfen. Die Landwirtschaft in den Geestdörfern holt auf, angesichts verbesserter Anbaumethoden und durch die Umwandlung der oft weiträumigen Heide-, Bruch- und Moorflächen in Ackerland  oder in ertragreiche Wiesen und Weiden. Vorangetrieben werden die Kultivierungsarbeiten durch den verstärkten Einsatz von Kunstdünger und durch den Schweinemastboom, der den Kreis Syke vor dem I. Weltkrieg erfasst und zu einem führenden Schweineproduzenten im Deutschen Reich macht.

 

1914

Beschäler:             Amur 101/41                                             Stationsvorsteher: August Meyer

                              Welser 100/32

                              Lolar 104/36

                              Schwabenland 78/27

 

Das "Gasthaus zur Königlichen Deckstation" in Sudweyhe. Das Hauptgebäude fiel im Februar 1924 einem Brand zum Opfer, während die Deckstelle (am rechten Bildrand erkennbar) offenbar unbeschädigt blieb.

Repro in: Gemeindearchiv Weyhe

Als der Vorstand im März zu einer Besichtigung der Deckstation einlädt, kommen fast 200 Mitglieder und Freunde des Vereins nach Sudweyhe. Dabei führt der Vorsteher August Meyer vier "prachtvolle" Hengste vor: Amur, Welser, Lolar und Schwabenland. Sie erregen allgemeine Bewunderung und jeder ist voll des Lobes über dieses vorzüglich Materiial, besonders Amur, ein Schimmel arabischer Abkunft, wird von allen mit hohem Interesse besichtigt.

 

In Syke werden Anfang August Hunderte von Pferden aus dem Kreisgebiet (den früheren Ämtern Syke, Freudenberg und Harpstedt) gemustert. Das Militär nimmt nur die besten, bezahlt sie aber gut. "Nur die besten" heißt, dass Dörfer wie Okel auf Anhieb 51 von ihren rund 160 Pferden abliefern müssen udn dass plötzlich Zugtiere für die Heuernte und für die Getreideernte fehlen. . In einigen Fällen haben Bauern mit zwei Pferden sogar beide hergeben müssen. Die Leute helfen einander so gut es eben geht. Es werden häufig gemeinsame Gespanne zusammengestellt, um die Erntearbeiten überhaupt  bewältigen zu können. Gelegentlich legen einige Bauern auch eine ihnen zugesprochene Bauernschläue an den Tag und entziehen ihre Pferde dem Zugriff der Militärs.

 

1915

Beschäler:             Amur 130/59                                           Stationsvorsteher: August Meyer

                              Welser 109/45

                              Lolar 110/49

                              Schwabenland 105/32

                              Schwabicus 47/24

 

1916

Beschäler:             Amur 109/37                                            Stationsvorsteher: August Meyer

                              Welser 76/14

                              Lolar 83/33

                              Neon 83/27

                              Schwabenland 85/25

                              Nimrod 93/36

                              Schwabicus 74/38

 

Da Pferde zu Zehntausenden an der Front krepieren, hat die Deckstation Sudweyhe Hochkonjunktur. Das Landgestüt Celle versorgt die Station mit 7 Beschälern.

 

1917

Beschäler:             Gallant Fox 70/33                                   Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amurath 28/4         

                              Lolar 73/35

                              Neon 108/50

                              Nimrod 111/35

                              Schwabicus 112/37

                              Notgrimm 64/24

                              Schnapphahn 69/18

 

Auch in diesem Jahr stehen der Deckstation 7 Celler Beschäler zur Verfügung.

 

1918

Beschäler:             Gallant Fox 44/23                                    Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amur 74/38       

                              Lolar 89/47

                              Neon 106/45

                              Nimrod 111/50

                              Schwabicus 112/46

                              Schnapphahn 55/21

                              Alciatus 50/24

 

In diesem Jahr hat Sudweyhe sogar 8 Beschäler, doppelt so viele wie vor dem Krieg. Sogar ein Vollbluthengst wird Sudweyhe nach jahrzehntelanger Abstinz erneut zugewiesen: Gallant Fox. Der Dorfschullehrer Heinrich Stophelmann berichtet, dass im Februar 1918 wieder gemustert werden und der Preis für ein kräftiges Arbeitspferd auf 7.000 Mark gestiegen ist. Er berichtet weiter, dass es inzwischen Karten gibt, die dazu berechtigen, Hafer für Pferde mahlen zu lassen. Die Kost für die Pferde sei mit 2 Pfund Hafer pro Tag sehr mager bemessen. Insgesamt sind hohe Verluste durch direkte und indirekte Kriegseinwirkungen für die Pferdehaltung der Provinz Hannover entstanden. Fast 90.000 Pferde aller Züchtungen enden an der Front oder in Schlachthäusern - mehr als ein Viertel des Gesamtbestandes.

 

1919

Beschäler:             Gallant Fox 58/20                                   Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amur 104/36       

                              Lolar 118/26

                              Neon 127/27

                              Nimrod 134/16

                              Schwabicus 139/38

                              Alciatus 105/35

                              Fleckner 16/4

 

1920

Beschäler:             Ecco 42/19                                               Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amur 83/34

                              Lolar 57/33

                              Neon 43/21

                              Nimrod 74/23

                              Theobald 56/24

                              Schwabicus 86/36

                              Alciatus 99/49

                              Fink 31/19

 

Der Vollbluthengst Ecco, geb. 1914, in Sudweyhe von 1920 bis 1928 / Foto in: Jürgen Hahn/Butry, Hannovers edles Warmblut
Der Vollbluthengst Ecco, geb. 1914, in Sudweyhe von 1920 bis 1928 / Foto in: Jürgen Hahn/Butry, Hannovers edles Warmblut

Herausragend ist der Vollblüter Ecco, ein sehr schnelles Pferd mit hoher Knieaktion, das, neben anderen Siegen, einen zweiten Platz im Deutschen Derby errungen hat. Der im Hauptgestüt Graditz bei Torgau geborene Fuchshengst ist von 1920 bis 1928 in Weyhe aktiv. Die Syker Zeitung wird später berichten: kombiniert mit dem älteren Schimmelhengst Amur  "[...] schuf er bildschöne Pferde, die für den Reitdienst hoch geeignet waren. Beide drückten der Station einen Stempel auf, den man ruhig als Stempel der Qualitätsware bezeichnen darf."

 

Viele Bauern sind nach dem Kriege auf der Suche nach einem stärkeren Arbeitspferd. Das Kaltblut mit belgischer Grundlage scheint das Problem zu lösen. Um Orientierungshilfe bemüht sich u.a. auch der preußische Oberlandstallmeister Groscurth. Im Februar  erklärt er in einem Interview: "[...] in fast allen Landesteilen Preußens, die jetzt für die Züchtung von Arbeitspferden für die Landwirtschaft und den Handel in Betracht kommen, haben sich "Richtungen" gebildet im Kampf der Geister über eine bessere Eignung des Halb- oder Kaltblüters. Um diese Strömungen in ein Bett zu leiten, muß ich vor allen Dingen versuchen, die Züchtung dahin zu bringen, daß sie selbst einmal wissen, was sie wollen." Bis 1930 wird in der Provinz Hannover mit dem vorhandenen Material wild gezüchtet, erst  dann erfasst man die besten Kaltblutstuten un schließt sie zu einem eigenen Zuchtverein zusammen.

 

Am 12. März findet eine kleine Hengstparade statt, zu der ca. 200 Besucher erscheinen. Neun Beschäler aus Celle können begutachtet und bewundert werden, u.a. auch der inzwischen 17jährige Schimmelhengst Amur und der 3jährige braune Hengst Fink, der allseitig wegen seiner schönen Form, seiner Knochenstärke und wegen seines vorzüglichen Gangs gelobt wird. Alicatur punktet wegen seines "forschen Aussehens und schwungvollen Ganges". Außerdem wird der Vollblüter Ecco (siehe Bild) vorgeführt, in den große Erwartungen gesetzt werden. Das Publikum ist begeistert.

 

Um sich qualitativ hochwertigen Hannoveraner-Nachwuchs zu sichern, richtet die Celler Gestütsverwaltung im früheren Remontedepot Hunnesrück eine staatliche Hengstaufzuchtanstalt ein. Diese Neugründung im Solling und der beträchtliche Zuwachs an Landbeschälern von 367 vor dem Weltkrieg (auf über 500 Mitte der 20er Jahre) führen letztendlich zur Teilung des Landgestüts Celle. 

 

In diesem Jahr stehen sogar 9 Beschäler in Sudweyhe zur Verfügung - die höchste Zahl seit Bestehen der Deckstation. 

Am 12. Juni findet die "Stuten- und Stutfüllen-Schau" statt, eine Veranstaltung, die den gesamten Kreis Syke einbeziehen soll. Die teillnehmenden Züchter kommen jedoch im Wesentlichen aus dem Einzugsgebiet des "Landwirtschaftlichen Vereins Syke", der die Stuten- und Fohlenschauen ausrichtet. Normalerweise finden diese in Syke statt, wegen des 100jährigen Bestehens der Sudweyher Deckstelle wird diese Veranstaltung hierher verlegt. Wegen des Jubiläums gibt es nicht nur eine Prämienschau der Stuten- und Stutfüllen auf dem Gelände des v. Schwicheldt'schen Gutshofes, sondern auch eine Präsentation der Celler Deckhengste. Am Nachmittag ziehen die Zuschauer zur Esdohr'schen Weide um, wo der "Reitverein Sudweyhe und Umgebung" seine Gäste mit Reit- und Fahrvorführungen begeistert. Eine Material- und Leistungsprüfung bildet den Abschluss. Die Syker Zeitung berichtet, dass die hier vorgeführten Pferde einen Wettbewerb bei Leistungsprüfungen in Hannover nicht zu scheuen brauchen.

Der Sudweyher Gutshof um 1930 / Foto: Gemeindarchiv Weyhe
Der Sudweyher Gutshof um 1930 / Foto: Gemeindarchiv Weyhe

 

1921

Beschäler:             Ecco 20/7                                               Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amur 76/34

                              Lolar 73/32

                              Nimrod 76/22

                              Theobald 56/26

                              Schwabicus 76/37

                              Alciatus 84/40

                              Fink 55/33

 

Celle beliefert die Deckstation Sudweyhe mit 8 Hengsten.

Deckstellenleiter:

Die Sudweyher Deckstellenleiter sind, wie ihre Kollegen auf den zahlreichen anderen Stationen, stets mehr als Wegbegleiter der Landbeschäler. Ausgestattet mit einem fundiertem Fachwissen, mit einem untrüglichen Blick für die Stärken und Schwächen des Zuchtmaterials ist ihr Wort, ihr Urteil in der Station gefragt. Der Deckstellenleiter übt eine Mittlerfunktion zwischen Landgestüt  und Züchtern aus. Einerseits hat er als Sendbote seines Gestüts dessen Hauspolitik zu vertreten, andererseits erhält er während der knapp 5monatigen Aufenthalte auf der Station den wohl besten Einblick in die pferdezüchterische Interessenlage an der Basis, die er berücksichtigen und mit den Weisungen des Landstallmeisters in Einklang bringen muss. Die Landgestütsverwaltung erwartet absolute Zuverlässigkeit von den extern tätigen Mitarbeitern, auf deren Schultern während der Bedeckzeit die Verantwortung für die Hengste ruht. In einer 1840 herausgegebenen Dienstanweisung verlangt das Celler Landgestüt zudem ein gehöriges Maß an Charakterstärke. Den ausgesandten "Lohn- und Kostknechten" wird "ein sittliches, nüchternes Betragen, und vor allen Dingen Bescheidenheit gegen die Unterthanen" empfohlen. Dazu passt dann auch, dass das zweite Zuhause eines Deckstellenleiters oft alles andere als komfortabel ausfällt. Wer Frau und Kinder hat, muss außerdem die alljährliche Trennungszeit tapfer ertragen. Auch an Aufgaben für einen Deckstellenleiter fehlt es nicht. Die Betreuung, die Pflege und das Decken der Hengste machen nur einen Teil der Arbeit aus. Hinzu kommen oft intensive Beratungsgespräche mit den Züchtern, die ordnungsgemäße Führung des Deck- und Abfohlregisters und des Kassenbuches sowie die Einziehung und Ablieferung der Deck- und Fohlengelder. Abstammungsnachweise müssen ausgestellt und das Brennen der Fohlen durchgeführt werden. Gemeinsam mit dem Pferdezuchtverein organisieren die hiesigen Deckstellenleiter die Stutenschauen und Stutbuchaufnahmen. Sie führen auch die Stutbuchregister und sind im Verkaufsgespräch präsent. Zur tagtäglichen Pflege und Wartung gehört es, den Hengsten ausreichend Bewegung zu verschaffen.

 

1922

Beschäler:             Ecco 24/11                                               Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amur 81/31

                              Lolar 69/42

                              Nimrod 70/22

                              Theobald 43/19

                              Schwabicus 83/28

                              Alciatus 86/52

                              Fink 46/21

 

Weiterhin stehen in Sudweyhe 8 Hengste zur Verfügung.

 

Am 1. März wird die erste Satzung des Pferdezuchtvereins verabschiedet. Den Vereinsvorsitz übernimmt für kurze Zeit der Sudweyher Landwirt Albert Esdohr, sein Stellvertreter wird Friedrich Lahrs aus Lahausen. Beide sind Gründungsmitglieder des 1914 entstandenen "Reitclubs Sudweyhe und Umgebung", in dem Albert Esdohr ebenfalls das Amt des 1. Vorsitzenden innehat.

 

Den Anstoß zur Bildung des Reitclubs und möglicherweise auch des Pferdezuchtvereins hat der Vorsteher der Deckstation, August Meyer, gegeben. Dass als aktive Mitglieder zunächst nur Reservisten, die in der berittenen Truppe gedient haben, in die kleine Reiterschar aufgenommen werden, entspricht ganz dem Zeitgeist des Wilhelminischen Deutschland. Pferdezucht und Reitverein arbeiten Hand in Hand und so es es nicht verwunderlich, dass es eine Reihe von Doppelmitgliedschaften gibt. 

 

Der Aufbau der Pferdebestände nach dem I. Weltkrieg wirkt hektisch und für das strenge züchterische Auge  vielfach chaotisch. Es ist von einer pferdezüchterischen Inflation  rund um das hannoversche Warmblutpferd die Rede. Um den Bedarf auf dem Lande befriedigen zu können, erhöht das Landgestüt Celle die Zahl seiner Beschäler laufend. So berichtet die Syker Zeitung am 2. März: "Der seit Jahren in steter Zunahme begriffene Stutenandrang hatte [...] die Notwendigkeit ergeben, für die Deckzeit 1922 eine wesentliche Vermehrung der Landbeschäler eintreten zu lassen, wenn nicht dem weiteren Vordringen der Kaltblutzucht auf Kosten des edlen hannoverschen Halbblutpferdes und dem Umsichgreifen der Privathengste zweifelhafter Abstammung bewußt Tür und Tor  geöffnet werden solle. Unter solchen Umständen war die Zahl der Celler Landbeschäler um 20 Köpfe vermehrt worden, so daß für die bevorstehende Deckzeit 489 Hengste (darunter 12 Vollblüter) zur Verfügung standen."

Feiner Kerl Foto: Landgestüt Celle
Feiner Kerl Foto: Landgestüt Celle

 

1923

Beschäler:             Ecco 20/10                                             Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amur 46/20

                              Lolar 39/19

                              Nimrod 35/15

                              Schwabicus 46/26

                              Alciatus 68/37

                              Fink 43/30

                              Neukölln 32/15

                             

1924

Beschäler:             Ecco 25/11                                               Stationsvorsteher: August Meyer

                              Amur 40/11

                              Schwabicus 70/30

                              Alciatus 67/35

                              Fink 51/26

                              Neukölln 39/18

                              Lothringer 39/29

 

Der Deckstellenleiter August Meyer beendet seinen Dienst beim Pferdezuchtverein. Er ist es gewesen, der 1913/14 die Gründung des Vereins angeregt und möglicherweise auch vorangetrieben hat. Während des ersten Weltkrieges und in den frühen 20er Jahren, als die Zahl der zugewiesenen Landbeschäler mit acht Hengsten ihren Höchststand erreicht hat, hat Meyer sich großen Herausforderungen stellen müssen. Um die wachsenden Aufgaben stemmen zu können, hat ihm das Celler Landgestüt versierte Kollegen an die Seite gegeben: Wilhelm Meyer, Fritz Kruse, Willi Weber, Emil Beneke, Ernst Ebeling, August Tietje, Gustav Kobbe und Ernst Willenberg.

 

1925

Beschäler:             Ecco 42/22                                               Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Amur 4/2

                              Schwabicus 23/9

                              Alciatus 32/14

                              Fink 18/12

                              Neukölln 9/8

                              Lothringer 44/27

 

Die Hengstaufzuchtstation Osnabrück-Eversburg wird eröffnet, sie beliefert u.a. die ehemalige Grafschaft Hoya und den westlich der Weser gelegenen Teil des Kreises Verden.

 

1926

Beschäler:             Ecco 23/10                                               Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Schwabicus 9/3

                              Alciatus 8/5

                              Lothringer 30/20

                              Allwetter 28/10

 

In dem Verwaltungsbericht des Kreises Syke heißt es: "Nach dem guten Material war Nachfrage und wurden auch etwas höhere Preise gezahlt". Aber im Allgemeinen sei "die Pferdezucht nach wie vor unretabel."

 

1927

Beschäler:             Ecco 28/8                                               Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Goldring 35/12

                              Lothringer 34/20

                              Allwetter 38/20

 

1928

Beschäler:             Ecco 21/7                                               Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Lothringer 14/7

                              Allwetter 33/20

                              Flutland 51/22

 

1929

Beschäler:             Hödur 41/14                                            Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Flutland 45/29

                              Spee 34/17

 

Die Zahl der Hengste ist in den Jahren nach und nach zurückgegangen. jetzt sind es nur noch drei. Das bedeutet aber keineswegs ein Verlust an züchterischen Standards. Die Syker Zeitung lobt später, dass das Sudweyher Stationsgebiet als Bezirk des edlen Reitpferdes sehr vorangeschritten sei.

Im Bericht des Kreises Syke heißt es: "Die Aufzucht von Fohlen nimmt einen merklichen Rückgang. Es ist daher für die Zukunft mit einer Steigerung der Preise zu rechnen, während im Berichtsjahr Arbeits- und Durchschnittspferde noch keine besseren Preise erlösen konnten. Für beste Reit- und Turnierpferde sind ie Preise gut und ansteigend."

 

1930

Beschäler:             Hödur 28/12                                           Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Flutland 38/26

                              Spee 45/25

 

Der Vollmeierhof der Famlie Wetjen an der Sudweyher Dorfstraße. Die Aufnahme aus den 30er Jahren zeigt die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts neu errichteten Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Repro im Gemeindearchiv Weyhe

 

1931

Beschäler:             Hödur 30/14                                            Stationsvorsteher: August Hoppe 

                              Flutland 31/21

                              Spee 33/18

 

Die Hoffungen auf steigende Preise erfüllen sich nicht: Die Syker Kreisverwaltung berichtet, dass angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage bessere Preise nicht erzielt werden können, schlimmer noch: Pferde sind zum Teil unverkäuflich.

 

1932

Beschäler:             Fleckstein 59/28                                       Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Spee II 46/26

                              Hödur 20/10

 

1933

Beschäler:             Hödur 22/16                                              Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Fleckstein 56/34

                              Spee II 73/35

                              Kormoran 22/10

 

1934 

Beschäler:             Fleckstein 62/40                                       Stationsvorsteher:  August Hoppe

                              Spee II 100/38

                              Gleitflug 45/22

                              Hödur 30/10

 

1935

Beschäler:             Fleckstein 73/47                                       Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Spee II 103/52

                              Gleitflug 82/40

                              Flirting 51/26

 

1936

Beschäler:             Amsinck 41/18                                          Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Fleckstein 76/24

                              Spee II 118/29

                              Gleitflug 102/30

 

1937

Beschäler:             Fleckstein 76/41                                        Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Ansturm 79/40

                              Gleitflug 82/43

                              Feinschnitt 53/29

 

1938

Beschäler:             Fleckstein 42/26                                        Stationsvorsteher: August Hoppe

                              Ansturm 71/35

                              Gleitflug 70/36

 

Der Deckstellenleiter August Hoppe beendet seinen Dienst bei Pferdezuchtverein. Er hat dafür gesorgt, dass die Zahl der Beschäler dauerhaft aufgestockt worden ist. 

 

1939

Beschäler:             Ansturm 58/22                                            Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Gleitflug 56/27

                              Feinschnitt II 82/44

                              Anführer I 64/34

 

Nachdem in der Nacht vom 25. auf den 26. August unzählige Wehrpflichtige ihren Marschbefehl erhalten haben, beginnen die Pferdemusterungen. Der Osterholzer Dorfschullehrer Wilhelm Sudenn notiert in seinem Tagebuch: "Heute wurde das Heu bis in die späte Nacht gefahren, denn morgen müssen etwa 16 Pferde nach Syke abgegeben werden." Eine große Anzahl von Pferden aus Syke und den umliegenden Orten werden beim Gasthaus "Deutsche Eiche" vorgeführt und angemustert. Wie schon im 1. Weltkrieg bereitet dieser Aderlass den Landwirten riesige Probleme. Wieder muss bei der Ernte und der anschließenden Feldbestellung improvisiert werden.  

 

1940

Beschäler:             Abbo 57/9                                                   Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Gleitflug 54/25

                              Feinschnitt II 83/67

                              Anführer I 84/57

                              Jütland 40/27

 

Am 27. Februar treffen Sudweyher Station fünf Hengste ein. Die Wehrmacht macht keinen Hehl daraus, dass sie im Krieg einen hohen Bedarf an Warmblutpferden hat. Wenngleich die Musterungen und Beschlagnahmungen von Pferden weitergeht, können die Landwirte die anfänglichen Substanzverluste nach und nach ausgleichen.

 

1941

Beschäler:             Abbo 35/8                                                   Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Schanghay 55/31

                              Gleitflug 43/24

                              Feinschnitt 92/67

                              Anführer 63/40

                              Konstantin 42/31

 

1942

Beschäler:             Schanghay 58/27                                      Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Feinschnitt II 92/47

                              Anführer I 70/34

                              Konstantin 84/38

                              Sonntag 67/32

 

1943

Beschäler:             Schanghay 63/32                                      Stationsvorsteher: Friedrich Rohde   

                              Feinschnitt II 101/57

                              Anführer I 85/41

                              Konstantin 97/57

                              Axtmann 94/31

 

1944

Beschäler:             Feinschnitt II 115/65                                  Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Anführer II 95/46

                              Konstantin 104/52

                              Axtmann 99/40

                              Dassek 50/28

 

Die 88 Pferdehalter verfügen inwischen wieder über 212 Pferde, gemessen an den im Kriege durchgeführten Beschlagnahmungen eine recht hohe Zahl. 

 

1945

Beschäler:             Feinschnitt II 69/21                                    Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Anführer 47/11

                              Konstantin 65/22

                              Axtmann 58/23

                              Dassel 47/15

                              Schatzmeister 56/20

 

1946

Beschäler:             Feinschnitt II 98/32                                   Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Anführer 83/23

                              Konstantin 110/28

                              Axtmann 84/24

                              Dassel 102/25

                              Schatzmeister 108/41

 

1947

Beschäler:             Feinschnitt II 89/30                                   Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Anführer 84/23

                              Konstantin 121/35

                              Axtmann 82/25

                              Dassel 108/27

                              Schatzmeister 110/42

 

1948

Beschäler:             Feinschnitt 74/36                                      Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Konstantin 81/29

                              Axtmann 67/28

                              Dassel 58/22

                              Schatzmeister 88/52

                              Jumper 38/11

                              Astfarn 83/31

 

Die private Hengsthaltung hat sich im Laufe der Jahre auf rund 5 % reduziert.

 

1949

Beschäler:             Konstantin 38/22                                       Stationsvorsteher: Friedrich Rohde                                      

                              Axtmann 66/45

                              Dassel 23/12

                              Schatzmeister 59/39

                              Astfarn 55/35

                              Abendjäger 30/12

                              Aranda 41/21

 

Die für 1949 vorgesehene Besetzung der Deckstellen

Diek, Hoyerhagen, Ochtmannien und Sudweyhe. Bekanntmachung

im "Amtlichen Verordnungsblatt für den Kreis Grafschaft Hoya" vom 26. Februar 1949

 

1950

Beschäler:             Astfarn 34/17                                              Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Abendjäger 53/21

                              Graf v. Burghof 28/13

                              Axtmann 54/32

                              Schatzmeister 19/13

                              Amselschlag 21/15

  

Am 10. März feiert der Pferdezuchtverein auf seiner Jahreshauptversammlung die Sudweyher Deckstelle als "eine der erfolgreichsten Stationen" in Niedersachsen.

 

1951

Beschäler:             Axtmann 57/23                                          Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Dassel 35/20

                              Astfarn 38/18

                              Abendjäger 27/12

                              Graf v. Burghof 36/17

 

1952

Beschäler:             Axtmann 61/24                                          Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Astfarn 24/12

                              Abendjäger 33/9

                              Graf v. Burghof 35/14

 

 

Die Zahl der von Osnabrück nach Sudweyhe beorderten Hengste sinkt. Waren es bisher fünf, so sind es in diesem Jahr nur noch vier.

 

1953

Beschäler:             Axtmann 41/26                                                   Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Abendjäger 15/7

                              Domänenrat 39/36

                              Pilot 13/8

 

Im März übernimmt Albert Wendt, der neben seiner Funktion als Landrat des Kreises Grafschaft Hoya eine Vielzahl öffentlicher Ämter bekleidet, den Vorsitz im Pferdezuchtverein. Als passionierter Reitsportler und Pferdezüchter hat bereits seit mehreren Jahren dem Vorstand angehört und tritt nun die Nachfolge des verstorbenen Okeler Landwirts Johann Meyer an. Auf der am 6. März anberaumten Jahreshauptversammlung fordert er die Züchter auf, die Tradition der hannoverschen Pferdezucht "trotz der augenblicklichen Flaute" weiterhin zu pflegen und sie nicht aus materiellen Gründen fallen zu lassen. Der Gastreferent Wilfried Pabst, Geschäftsführer des Landesverbandes der niedersächsischen Reit - und Fahrvereine fordert zum Nutzen der Gesamtzucht eine intensiv betriebene Qualitätssteigerung durch Züchtung von guten Stuten und das weniger leistungsfähige Potenzial nach und nach auszusondern. Neben allen züchterischen Einsichten komme es vor allem auf die ideelle Einstellung  an, auf die Begeisterung für das Pferd, für das Reiten und Fahren. Züchtervereinigungen und Reitvereine sollten sich zusammen tun, denn beide hätten das gleich Ziel: das leistungsstarke, züchterisch gute und vielseitige hannoversche Pferd. Dies allerdings ist für die Reiter und Züchter in Sudweyhe kein Neuland, dieses Ziel verfolgen sie bereits seit den 1920er Jahren.

 

1954

Beschäler:             Axtmann 42/23                                                  Stationsvorsteher:  Friedrich Rohde         

                              Kosak 87/15

                              Domänenrat 67/47

 

1955

Beschäler:             Kurland 47/30                                                  Stationsvorsteher: Friedrich Rohde 

                              Domänenrat 49/28

                              Axtmann 28/13

 

Albert Wendt und der Geschäftsführer des Pferdezuchtvereins haben sich für den Neuzugang des Jahres, den Apfelschimmel Kurland, stark gemacht. "Seine Abstammung von einem Anglo-Araber-Vollblut und einer hannoverschen Warmblutstute ist erstklassig; der vierjährige Hengst hat einen breiten und tiefen Bau, einen ausgezeichneten, energischen Gang, sieht robust und doch nervig aus. Es ist anznehmen, daß er sich so hervorragend wie seine Eltern vererben wird. Man hält ihn für trefflich geeignet, um den Adel unserer schweren Stuten zu verjüngen." In der Ausgabe vom 5. März beschreibt die Kreiszeitung für die Grafschaft Hoya den Sohn des Araberhengstes Kurde als "schönen, muskulösen Schimmelhengst mit viel Fundament. Schwungvolle Gänge und ein guter Adel machen ihn zu einem geschmackvollen Beschäler von Qualität."

 

1956

Beschäler:             Kurland 37/23                                                   Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Domänenrat 40/22

                              Axtmann 12/4

 

1957 

Beschäler:             Domänenrat 35/25                                            Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Kurland 26/11

                              Ernö 36/24

 

Sudweyher Stutensach, 3. Juli: Ia-Preis für eine Stute des Landwirts Heinrich Oetjen / Original: Marlies Oetjen, Sudweyhe
Sudweyher Stutensach, 3. Juli: Ia-Preis für eine Stute des Landwirts Heinrich Oetjen / Original: Marlies Oetjen, Sudweyhe

 

1958

Beschäler:             Domänenrat  44/28                                              Stationsvorsteher: Friedrich Rohde     

                              Ernö 73/51

 

1959

Beschäler:             Wolfgang 26/19                                                  Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Domänenrat 31/20

                              Ernö 77/57

 

1960

Beschäler:             Wolfgang 11/9                                                    Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Domänenrat 27/17

                              Ernö 64/41

 

1961

Beschäler:             Ernö 55/43                                                         Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Ceylon 50/32

 

1962

Beschäler:             Ernö 63/42                                                        Stationsvorsteher: Friedrich Rohde       

                              Ceylon 52/20

 

1963

Beschäler:             Ernö 57/38                                                        Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Ceylon 50/31

 

Jubiläum 1963: Friedrich Rohde bezieht zum 25. Mal sein Quartier in der Sudweyher Deckstelle. Die Aufnahme zeigt ihn zusammen mit Ceylon und Ernö.,

 

Foto: Eickhorst, veröffentlicht am 14. März im "Allgemeinen Kreis-Anzeiger"

Friedrich Rohde: Auf dem Kirchweyher Bahnhof führt er den Celler Rapphengst Ernö aus dem Waggon

 

Foto: Eickhorst, erschienen im "Allgemeinen Kreis-Anzeiger" vom 14. März

 

1964

Beschäler:             Ceylon 42/31                                                      Stationsvorsteher: Friedrich Rohde

                              Adlerfarn II 70/43

 

Ehrenurkunde für den Pferdezuchtverein Sudweyhe und Umgebung, der auf der Kreistierschau in Twistringen einen ib-Preis für seine Pferdesammlung erhielt.
Ehrenurkunde für den Pferdezuchtverein Sudweyhe und Umgebung, der auf der Kreistierschau in Twistringen einen ib-Preis für seine Pferdesammlung erhielt.

 

1965

Beschäler:             Ceylon 52/28                                                        Stationsvorsteher: Friedrich Rohde                      

                              Adlerfarn II 73/45

April 1965: Günter Mußmann mit Adlerfarn II auf der Hengstvorführung in der Dörgeloh'schen Hofweide

 

Foto: "Allgemeiner Kreis-Anzeiger" vom 20. April

 

1966           

Beschäler:             Ceylon 53/27                                            Stationsvorsteher: Rohde

                              Adlerfarn II 73/49

 

Der bisherige Deckstellenleiter Friedrich Rohde scheidet aus seinem Dienst aus. Er hat in Sudweyhe die ersten Fohlenverkäufe nach Ostpreußen vermittelt. Man bescheinigt ihm, "ein strammes Regiment" beim Verkauf geführt  und ein untrügliches Gespür dafür besessen zu haben, welcher Käufer welches Pferd braucht. Gern erinnert sich die Züchtergemeinde daran, dass Friedrich Rohde dienstliche Fahrradtouren unternommen hat, die ihn mitsamt Brenngeschirr zu den Bauernhöfen der Umgebung geführt haben, wo das Brenneisen kurzerhand im Küchenherd heiß gemacht worden ist. 

 

1967

Beschäler:             Ceylon 50/27                                            Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Adkerfarn II 74/40

 

März 1967: Hermann Bremke mit Ceylon und Adlerfarn II

Foto in "Allgemeiner Kreis-Anzeiger" vom 10. März

 

1968

Beschäler:             Ceylon 41/25                                             Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Adlerfarn II 61/34

 

1969

Beschäler:             Adlerfarn ii 54/27                                       Stationsvorsteher: Hermann Bremke               

                              Dezember 49/34

 

1970

Beschäler:             Adlerfarn II 71/35                                       Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Dezember 43/27

 

1971

Beschäler:             Adlerfarn ii 69/22                                        Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Dezember 36/17

                              Duft I 32/10

                              Censor 5/2

 

1972

Beschäler:             Censor 22/17                                              Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Adlerfarn II 78/41

                              Dezember 47/26

 

1973

Beschäler:             Adlerfarn II 92/51                                         Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Dezember 40/18

                              Eisenherz II 59/40

 

Das Landgestüt Celle wird als zentrale niedersächsische Besamungsstelle anerkannt

Eisenherz 1973-1979 Foto: Landgestüt Celle
Eisenherz 1973-1979 Foto: Landgestüt Celle

 

1974

Beschäler:             Adlerfarn II 83/46                                       Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Dezember 37/20

                              Eisenherz II 64/38

 

1975

Beschäler:             Adlerfarn II 77/41                                       Stationsvorsteher:  Hermann Bremke

                              Dezember 34/17

                              Eisenherz II 63/42

 

1976

Beschäler:             Adlerfarn II 85/43                                       Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Dezember 66/41

                              Eisenherz II 38/17

 

Noch verkündet Dr. Burchard Bade vom Celler Landgestüt, dass die künstliche Besamung wegen des großen Aufwandes in absehbarer Zeit nicht auf breiter Basis angewendet werden wird. Auf dem Landgestüt findet aber bereits künstliche Besamung statt. 

 

1977

Beschäler:             Dezember 35/15                                        Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Eisenherz II 51/33

                              Akzent 65/36

 

Akzent 1977-1988 und 1995-1998 Foto: Landgestüt Celle
Akzent 1977-1988 und 1995-1998 Foto: Landgestüt Celle

 

1978

Beschäler:             Akzent 98/63                                            Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Eisenherz II 30/15

                              Dezember 19/12

 

1979

Beschäler:             Akzent 100/57                                          Stationsvorsteher: Hermann Bremke

                              Abseits 33/22

                              Eisenherz II 14/6

 

Der Deckstellenleiter Hermann Bremke scheidet aus seinem Dienst aus und geht in den Ruhestand. Bremke, der bereits 50jährig seinen Dienst im Jahr 1967 angetreten ist, hat nach Auskunft älterer Mitglieder des Pferdezuchtvereins viel für den Fohlenverkauf getan.

 

1980

Beschäler:             Saloniki 33/15                                           Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk

                              Abseits 19/7

                              Akzent 77/40

 

1981

Beschäler:             Saloniki 59/25                                           Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk

                              Akzent 78/45

                              Pik Solo 6/3

 

1982

Beschäler:             Saloniki 28/16                                            Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk

                              Akzent 106/55

                              Lanthan 63/34

 

Lanthan 1982-1988 Foto: Landgestüt Celle
Lanthan 1982-1988 Foto: Landgestüt Celle

Lanthan, Lombard-Sohn, ein "bildschöner Glanzrappe" lässt die Züchterherzen höher schlagen. Damit hat der Verein wieder einen Hengst, der als schönster Typ seines Jahrgangs angesehen wird. Von Beginn an wird Lanthan auf der Deckstelle viel in Anspruch genommen und es stellt sich bald heraus, dass er optimal zur Nachkommenschaft von Akzent passt: "Große Fohlen mit Chick und Schnick, mit einer herrlichen Oberlinie, guter Widerrist- und Kruppenformation sowie glasklaren Beinen" wird er von einem Pferdekenner beschrieben.

 

1983

Beschäler:            Saloniki 21/9                                                Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk

                             Akzent 122/57

                             Lanthan 86/38

 

1984

Beschäler:             Saloniki 26/9                                              Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk                               

                              Akzent 107/65

                              Lanthan 105/55

 

1985

Beschäler:             Saloniki 28/13                                            Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk

                              Akzent 109/55

                              Lanthan 90/56

 

1986

Beschäler:             Saloniki 27/9                                              Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk

                              Akzent 93/40

                              Lanthan 86/50

 

1987

Beschäler:             Frescobaldi 7/4                                          Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk

                              Akzent 74/46

                              Lanthan 102/62

 

1988

Beschäler:             Akzent 89/48                                              Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk                                              Lanthan 111/66

                              Tiroler 24/18

 

Im März verkündet der 1. Vorsitzende des Pferdezuchtvereins Heinrich Mysegades: "Der Natursprung ist überholt." Mit Hilfe künstlicher Befruchtung lassen sich sechs- bis siebenmal mehr Stuten befruchten. Die Vereinsmitglieder sind beunruhigt, wo wird ie geplante zentrale Besamungsstation entstehen? Muss die traditionsreiche Sudweyher Decksstelle am Ende sogar aufgelöst werden? Die Vereinsmitglieder erklären, dass sie es gern sähen, wenn die geplante Deckstation in Sudweyhe eingerichtet würde. Das Landgestüt entsendet in diesem Jahr letztmalig noch 3 Beschäler; Lanthan, Akzent I und der Neuling Tiroler. Sie werden auf dem Hof Kleemeyer rund 400 Zuschauern vorgeführt. Die drei Beschäler decken bis zum Ende der Saison 224 Stuten.

 

1989

Beschäler:                                                                              Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

 

Das Landgestüt Celle entscheidet sich für Süstedt als neue "Besamungsstelle Nordhannover" und so werden Lanthan und Akzent I mit neun weiteren Hengsten in Süstedt einquartiert, mit dem Natursprung ist es nun endgültig vorbei. Durch die künstliche Besamung kann dafür das Erbgut einem größeren Züchterkreis zugänglich gemacht werden. Während die Deckstellen Diek, Hoyerhagen und Sulingen geschlossen werden, bleibt die Sudweyher Deckstelle mit zwei Beschälern des Celler Landgestüts Wendelin I und Godewind vorerst noch in Betrieb. Am 23. Februar legt der Gestütsassistent Dr. Hans-Dieter Nebe auf der Jahreshauptversammlung bei einem Rückblick in die jüngere Geschichte des Vereins den Finger noch einmal in eine alte  Wunde: Seit 1964 sind auf der Station 3830 Stuten von elf verschiedenen Beschälern aus Celle gedeckt worden, aber das Abfohlergebnis mit 2088 Fohlen (gleich 55 %) liegt weit unter dem Durchschnitt aller Celler Landbeschäler.Dr. Nebe: "Die Wirtschaftlichkeit der Pferdezucht wird maßgeblich von dem Abfohlergebnis pro Stute und Jahr beeinflußt. Auch die Station Sudweyhe ist aufgebrochen, mit der Anwendung der Frischsamenübertragung neue Wege zu beschreiten. Die Vorteile der Besamung, die Verminderung des Hygienerisikos verbunden mit einer besseren und dabei schonenderen Auslastung der Spitzenhengste, liegen auf der Hand."

 

 

Godewind 1989 Foto: Landgestüt Celle
Godewind 1989 Foto: Landgestüt Celle
Wendelin 1889-1991 Foto: Landgestüt Celle
Wendelin 1889-1991 Foto: Landgestüt Celle

 

1990

Beschäler:                                                                          Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

 

1991

Beschäler:                                                                           Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

 

1992

Beschäler:                                                                           Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

 

Ab diesem Jahr steht nur noch ein Beschäler zu Verfügung, seit 1989 waren es zwei pro Jahr. Er dient zunächst als Probierhengst und darf nach wie vor im Natursprung decken. 

 

1993

Beschäler:                                                                            Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

Der neu gewählte Vorsitzende Heinz-Hermann Schierenbeck erinnert an die züchterischen Leistungen der drei großartigen Landbeschäler Lanthan, Akzent I und Adlerfarn II. Mit ihnen, so Schierenbeck, ist der Sudweyher Pferdezuchtverein zu einem der erfolgreichsten im Verband aufgestiegen.

Westbury 1993-1996 u. 1999 Foto: Landgestüt Celle
Westbury 1993-1996 u. 1999 Foto: Landgestüt Celle

 

1994

Beschäler:                                                                             Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

 

Inzwischen ist die Nachfrage nach künstlicher Besamung bei den Züchtern gestiegen und so werden in dieser Saison schon rund 200 Stuten auf der Deckstation künstlich befruchtet. Gefragt sind als Beschäler vor allem der englische Vollblüter Prince Thatch xx, der eine gute Rittigkeit und Dressurqualitäten an seinen Nachwuchs weitergibt, und der Holsteiner Accord II, ein guter Springpferdvererber. Unter den Junghengsten stehen Falkland, Buenos Aires, Wesley und Drosselklang II an erster Stelle.

Priince Thatch xx, geb. 13.04.1982
Priince Thatch xx, geb. 13.04.1982

 

1995

Beschäler:                                                                             Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

 

1996

Beschäler:                                                                              Stationsvorsteher:Karl-Heinz Gottschalk 

 

Geschäftsführerin Annelene Meyer stellt ihren Posten zur Verfügung. Der 1. Vorsitzende Heinz-Hermann Schierenbeck (rechts im Bild) und sein Stellvertreter Heinrich Meyer verabschieden die frühere Jugendsprecherin. Foto: Heiner Büntemeyer, Barrien

 

1997

Beschäler:                                                                            Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

 

1998

Beschäler:                                                                            Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk 

 

Karl-Heinz Gottschalk mit Akzent I. Das Pressefoto der "Kreiszeitung" enstand am 28. Februar anlässlich der Geburtstagsfeier für den 25jährigen Landbeschäler Akzent I.

Am 24. Mai werden auf der zweiten Fohlenschau auf dem Hof Kleemeyer in Sudweyhe 3o Fohlen präsentiert. Der Okeler Züchter Heinrich Bolte präsentiert Contessina. Die drei Monate junge Fuchsstute (Vater: Cordoba, Mutter: Wunderschöne) siegt fast konkurrenzlos und erringt den Titel "Bestes Fohlen der Schau".

 

1999

Beschäler:                                                                             Stationsvorsteher: Karl-Heinz Gottschalk

 

Karl-Heinz Gottschalk beendet seinen Dienst als Deckstellenleiter. Die hiesigen Züchter sind voll des Lobes. Seine Fähigkeit, Pferde zu beurteilen sind herausragend gewesen. Er hat stets die Stärken der Fohlen deutlich gemacht und auf diese Weise zu guten Verkaufserfolgen beigetragen. Sein Verhältnis zu den Pferdezüchtern ist ausgesprochen freundschaftlich gewesen und deren Zusammenarbeit mit ihm angenehm. 

Anlässlich des 200jährigen Jubiläums erscheint in der Kreiszeitung ein umfangreicher Bericht:

 

200 Jahre Pferdezucht in Weyhe

 

Sudweyhe. Am Sonnabend, 27.Juni, veranstaltet der Pferdezuchtverein Sudweyhe auf dem Gelände des Hofes Kleemeyer am „Apelsdamm“ die diesjährige Fohlenschau. Mehr als 30 Fohlen aus bekannten Vererbern wie „De Niro“ oder „Finest“ werden ab 13 Uhr den Richtern Hartmut Kettelhodt und Jörn Kusel vorgestellt und in den drei Kategorien jüngere dressurbetonte, ältere dressurbetonte und springbetonte Fohlen bewertet. Vorgestellt wird auch das Siegerfohlen der Fohlenschau Brüning in Ochtmannien. Insgesamt haben 21 Züchter für diese Schau gemeldet.

 

Nicht in den Vorführring geht allerdings der putzmuntere „Skuddi“, ein am 15. Mai geborenes Hengstfohlen, von „Scolari“, dessen Mutter „Brentina“ einige Tage nach der Geburt an einer Kolik verstarb und das von der Familie Kleemeyer mit der Flasche aufgezogen wurde. „Skuddi“ hat jedoch vollen Anschluss an die anderen Fohlen auf dem Hof und wird auch von den fremden Stuten im Fell gekrault. „Er wird bestimmt mal ein gutes Reitpferd“ ist sich Ursula Kleemeyer sicher, aber ohne Mutter muss „Skuddi“ bei der Schau im Stall bleiben.

 

Eine Fohlenschau ist nicht nur eine interessante Veranstaltung für Pferdezüchter, Reiter und andere Fachleute, ein Besuch lohnt sich auch für Gäste, die einfach Spaß und Interesse an springlebendigen Fohlen haben. Selbst bei nicht so gutem Wetter lohnt sich der Besuch, da die Gäste die Schau bei freiem Eintritt aus einem Zelt heraus betrachten können.

 

Im Anschluss an die Fohlenschau wird ab 19.30 Uhr „200 Jahre Pferdezucht in Weyhe“ gefeiert. Aus diesem Anlass beauftragte der Verein den Kreisarchivar Hermann Greve, die Geschichte der Pferdezucht im hiesigen Raum aufzuarbeiten. Er stellte dabei fest, dass die alte Grafschaft Hoya schon vor Jahrhunderten als Hochburg in der Zucht des hannoverschen Halbbluts gilt.

 

1582, nach dem Tode des letzten Grafen von Hoya, ließ der Celler Herzog Wilhelm der Jüngere in einem Erbregister die Rechte und Besitzungen in der geerbten Grafschaft Hoya auflisten. Darin findet sich der Hinweis, dass unter anderem „Zehntfohlen“ an das landesherrliche Vorwerk in Hoya abzuliefern seien. Die Pferde wurden damals für das Militär benötigt, aber die Zuchtziele und die Rahmenbedingungen für die Vermarktung änderten sich im Verlaufe der Jahrhunderte.

 

Nach dem ersten Weltkrieg führten Debatten über das richtige Zuchtziel zur Gründung lokaler Pferdezuchtvereine. Die erste Satzung des „Pferdezuchtvereins des Kreises Syke“ datiert vom 1. März 1922. Erst 1960 wurde daraus der „Pferdezuchtverein Sudweyhe und Umgegend“. Seinerzeit waren der Sudweyher Landwirt Albert Esdohr Vorsitzender und Friedrich Lahrs aus Lahausen sein Stellvertreter. Beide waren auch Gründungsmitglieder des 1914 entstandenen „Reitklubs Sudweyhe und Umgegend“, in dem Albert Esdohr ebenfalls Vorsitzender war.

 

Den Anstoß zur Gründung des Reitklubs gab der seinerzeitige Vorsteher der Deckstation Sudweyhe, August Meyer. Hermann Greve vermutet, dass er auch die Gründung des Pferdezuchtvereins angeschoben hat. Pferdezucht- und Reitverein arbeiteten Hand in Hand und standen hinter dem vom „Provinzialverband hannoverscher Warmblutzüchter“ propagierten Zuchtziel. Hinzu kam eine enge Zusammenarbeit mit der Sudweyher Deckstelle und dadurch mit dem Landgestüt.

 

Schon 1739 waren die ersten Landgestütshengste in die hiesige Region gekommen. „Seitdem gab es in Sudweyhe eine Deckstelle, die mit Leuchtturmcharakter in die Region strahlte“, berichtet Landstallmeister Dr. A. Brockmann. Von Beginn an waren vier Hengste in Sudweyhe stationiert, zu Beginn des vorigen Jahrhunderts waren es zeitweise sogar acht Hengste. Mit der Einführung der künstlichen Besamung sank, wie in anderen Regionen auch, die Bedeutung der Deckstationen. 1999 wurde die Deckstelle Sudweyhe geschlossen, die über die Jahrhunderte hinweg auch ein Ort der Kommunikation war, an dem sich alte und junge, neue und erfahrene Züchter austauschten und Erfahrungen weiter gaben.

 

Auch die vereinseigene Stutenschau wurde aufgegeben. „Aber die Sudweyher Züchter haben es immer verstanden, sich in größeren Gemeinschaften zurecht zu finden und ihre Eigenständigkeit dabei zu bewahren“, lobt der Zuchtleiter Dr. Werner Schade vom Hannoveraner Verband. Sie hätten sich stets Neuerungen gegenüber aufgeschlossen gezeigt, ohne darüber die Tradition zu vernachlässigen. So habe der Verein mit Insa Kracke 1997 die erste Deutsche Jungzüchter-Meisterin gestellt.

 

Hannoveraner Warmblutpferde gehören weltweit zu den Besten und sind bei allen internationalen Turnieren gefeierte Stars. Sie zeichnen sich durch ein gutartiges Temperament und einen zuverlässigen Charakter aus, zeigen hervorragende Reitqualitäten, einen schwungvollen, elastischen Gang und haben Kraft und Zähigkeit. Hannoversche Zuchthengste, Mutterstuten, Reit- und Olympiapferde werden in mehr als 30 Länder exportiert. Das Fundament dafür bilden die traditionsreichen ländlichen niedersächsischen Pferdezuchtvereine mit gut 17.000 eingetragenen Mutterstuten und mehr als 500 Zuchthengsten.

 

 

 

Heinz Büntemeyer

Das Foto zeigt zwei erfolgreiche Sudweyher Züchter: Dietrich Orthmann (2.v.l.) und Heinrich Kleemeyer (2.v.r.) bei einer Sudweyher Stutenschau.
Das Foto zeigt zwei erfolgreiche Sudweyher Züchter: Dietrich Orthmann (2.v.l.) und Heinrich Kleemeyer (2.v.r.) bei einer Sudweyher Stutenschau.