Der Hansa-Kanal

Paul Athmann
 
Einen Kanal als Wasserstraße gibt es in Weyhe nicht – sieht man vom Zuleitungskanal ab, der für die Bewässerung der Leester Marsch angelegt und später wieder zugeschüttet wurde. Auch der 1779 gegrabene künstliche Wasserlauf der Weser bei Dreye ist heute als Teil des Weser-Flussbettes anzusehen und wird nicht mehr als Kanal bezeichnet. 

Fast wäre jedoch ein Kanal über das Weyher Gemeindegebiet gebaut worden: der HansaKanal. Aber es kam anders … 
 
Erste Planentwürfe werden 1919–-1922 von dem Bremer Wasserbau-Ingenieur Ludwig Plate ausgearbeitet. Der Kanal soll die Fahrt von der Rhein-Ruhr-Region zu den deutschen Seehäfen Bremen und Hamburg erheblich verkürzen und dadurch die Industriegebiete im Einzugsbereich des Rheins stärker von den niederländischen Seehäfen unabhängig machen. Zudem soll der Wettbewerbsvorteil englischer Kohle auf dem deutschen Markt durch sinkende Frachtkosten für Ruhrkohle verringert werden. 

Schon am 16.3.1922 gründet sich ein HansaKanalverein in Bremen. Es entsteht eine Reihe von Entwürfen, die die Öffentlichkeit beschäftigten. Die Bremer Baubehörde veröffentlicht 1919 einen Entwurf mit der Bezeichnung "Bramsche-Stade-Kanal". Oberbaurat Höch aus Hamburg nennt seinen Entwurf "Hoya-Kanal" (Hoya-Seevemündung). 
 
Ein anderer Entwurf vom Strombaudirektor Plate aus Bremen, genannt "Achim-Kanal", verläuft von Bramsche bis zur Hunte, kreuzt die Weser bei Achim und erreicht das Elbetal bei Buxtehude (Einmündung bei Moorburg in die alte Süderelbe). 
 
Zu dieser Zeit haben sich Kohlebergbau, Schwerindustrie, Großhandel und Schifffahrtsverbände sowie die Handelsplätze an der Küste zur "Zentralstelle der Hansa-Kanal-Vereine" zusammengeschlossen. Die Verhandlungen mit dem Verein führen dazu, dass der Strombaudirektor Plate 1922 einen neuen Entwurf aufstellt, der die Vorteile der verschiedenen Linienführungen vereinigt und die Billigung der beteiligten Kreise findet. 
 
Dieser Entwurf wird von den Senaten Hamburgs, Bremens und Lübecks dem Reichsverkehrsministerium mit dem Hinweis auf die große volkswirtschaftliche Bedeutung des Hansa-Kanals mit der Bitte vorgelegt, sich für die Schaffung einzusetzen. 
 
Seit 1926 gibt es dann Pläne für einen sogenannten Nordseekanal (Hansa-Kanal) von Bramsche (Mittellandkanal) nach Hamburg. 
 
Im Oktober 1926 lehnt der preußische Finanzminister Hermann Höpker-Aschoff jedoch den Bau weiterer Kanäle ab, weil seiner Auffassung nach Kohle zunehmend am Förderort weiterverarbeitet 
werde, also nicht in großen Mengen abtransportiert zu werden brauche. Den von Brandi und anderen vorgeschlagenen Einbezug des Hansakanal-Projekts in das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung lehnt Reichskanzler Brüning 1930 ab. 

Die Wasserstraßendirektion Hannover erhält den Auftrag, zum Entwurf und der Wirtschaftlichkeitsberechnung Stellung zu nehmen. Das Ergebnis dieser Stellungnahme läßt die große wirtschaftliche Bedeutung des Hansa-Kanals erkennen und gibt den Anlass zur Inangriffnahme eingehender Vorarbeiten. Durch Erlass des Preuß. Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten sowie des Reichsverkehrsministers vom 7. Januar 1927 wird in Verden am 15. 1. 1927 das preußische „Vorarbeitenamt für den Hansa-Kanal“ errichtet. Es sollte die Vor- und Entwurfsarbeiten ausführen. 
 

Auch Bohrungen gibt es schon 1928 und 1929. Nach diesen lässt sich ein geplanter Verlauf wie folgt konstruieren: 
 
                  Nordwohlde, Schorlingkamp, Barrien, Okel, Osterholz, Heiligenbruch, Donnerstedt, Dibbersen nach                    Uesen und Achim. 
 
Ab 1935 werden detaillierte Pläne für einen Zweigkanal  vom Hansa-Kanal nach Bremen inklusive einer Verbindung („Abstieg“) zur Weser bei Dreye erstellt [NLA Stade Rep. 98 Verden Nr. 32, 1935 – 1957]
 
1940 werden weitere Erkundungsbohrungen unter anderem in Wulfhoop, Melchiorshausen und Gessel durchgeführt. Als (alternative?) Trasse ergibt sich damit wie folgt: 
 
                  Stuhr-Wulfhoop, Melchiorshausen, Barrier Heide, Gessel, Barrien, Okel, Osterholz, Heiligenbruch,                       Donnerstedt, Dibbersen nach Uesen und Achim. 
 
Damit wäre ein Verlauf über Weyher Gebiet im Bereich des Möglichen gewesen. 
 
1940 wird das Vermögen des Hansakanal-Vereins vom Bremer Kanalverein übernommen. Nach 1945 übernimmt der Weserbund deren Geschäfte. 
 
Um 1955 werden die Pläne aufgegeben, für die Verbindung von Bramsche nach Achim schon 1950.  1960 wird noch einmal die Verbindung zwischen Weser und Elbe geprüft, aber ebenfalls wieder verworfen. 
 
In den 1990er Jahren werden die alten Pläne, einen Hansakanal zu errichten, erneut aufgegriffen. Die parallel  verlaufende Autobahn Hansalinie soll demzufolge durch den Kanalbau vom ausufernden Schwerlastverkehr entlastet werden. Auch das kommt nicht zur Ausführung.
 


i Quellen: Geschichtswerkstatt Achim, wikipedia und NIBIS / LBEG http://nibis.lbeg.de/cardomap3