Kolibris

Heinz Tödtmann

 

Wenn sich 1961 die Weyher Helmut Dettmer, Werner Schierenbeck, Walter Schofeld, Heinz Tödtmann sich mit ihrem Schulfreund aus Brinkum Rolf Timmermann zusammentun, um eine Band zu gründen, dann ist das nur logisch und konsequent, denn die Musikwelt ist durch den Rock'n'Roll völlig aus den Fugen geraten. Die Blasorchester auf den Schützenfesten haben an Attraktivität verloren, selbst der Swing hat nicht mehr den Stellenwert für die Jugend.

 

Auf Klassentreffen singt man gemeinsam Traditionals und Spirituals und spielt Skiffle à la Lonnie Donegan.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1961 nach einem Tanzkursus bei Hillmann-Dreyer

Die Beatles beginnen ihren Lauf, selbst die Rolling Stones, die für die nächsten 50 Jahre das Musikgeschehen dominieren werden, stehen bereits in ihren Startlöchern. Auf anderen Seite gibt es  "Schmachtfetzen" wie "Moonlight" von Ted Herold oder "Die Liebe ist ein seltsames Spiel" von Connie Francis. Und natürlich Elvis Presley und Cliff Richard. Dazwischen Instrumental-Titel wie "Apachie" oder "Riders in the Storm": Ein Füllhorn unterschiedlichster Musikrichtungen. 

v.l.n.r.: Walter Schofeld, Werner Schierenbeck, Rolf Timmermann, Heinz Tödtmann, Helmut Dettmer
v.l.n.r.: Walter Schofeld, Werner Schierenbeck, Rolf Timmermann, Heinz Tödtmann, Helmut Dettmer

Wie schwer die Kolibris sich tun, in dieser Gemengela-ge sich  richtig ein-zuordnen, kann man an ihrem Outfit ablesen: roter Smo-king und von Walters Vater ent-worfene und gefer-tigte Bühnenpulte, eigentlich schon Relikte aus ver-gangenen Zeiten.


Zu Beginn der 1960er Jahre spielen die Kolibris in Leeste in der Gaststätte Amelung mit großem Erfolg. Weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine Diskotheken gibt und andere Tanzveranstaltungen "dünn gesät" sind, hat Ottokar Amelung immer eine "volle Hütte" und macht gute Umsätze. Die Gäste kommen aus Weyhe, den umliegenden Gemeinden, aber auch aus Bremen und Delmenhorst. Am Tisch wird in dieser Zeit meistens Lufthansa-Cocktail, Sinalco-Eierlikör und Asbach-Cola getrunken, an der Theke vornehmlich Bier und in der Bar Puschkin mit Kirsche, Sekt, Escorial grün und Ratzeputz. Bei langsamen Titeln wird nur das Blaulicht eingeschaltet, das das eine oder andere zum Teil stark verschwitzte Nyltesthemd noch einmal richtig zu Strahlen bringt. Der Wirt nimmt natürlich keinen Einfluss auf das Repertoire, allerdings gibt er immer wieder zu erkennen, dass er den Titel "She loves you, yeah, yeah" von den Beatles nicht mag. Aber dieser Titel ist in und wird also gespielt. Wenn die eine Serie viele langsame Titel enthält und die Tanzenden in inniger Verzückung und bei Blaulicht sich eng umschlungen langsam über das Parkett bewegen (oder stehen?), dann haben die Hormone zwar Hochkonjunktur, aber es regt in der Regel nicht den Durst nach einem Getränk an. Dann kann es schon mal vorkommen, dass Ottokar auf die Musiker zugeht und sagt: "Nun spielt mal wieder einen Reißer", was soviel bedeutet: Wenn die jungen Leute ins Schwitzen kommen, steigert das ihren Durst und meinen Umsatz.

 

Einmal gibt es eine kleine Störung, weil die Polizei auftaucht und auf die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes besteht, was soviel bedeutet, dass einer der Musiker (15 Jahre) nach Hause geschickt wird. (Im Kapitel Gaststätte Ameling wird darüber berichtet)

 

Mitte der 1960er Jahre stieg Rolf Timmermann am Schlagzeug aus. Für ihn kam Manfred Lorenz aus Barnstorf.

v.l.n.r.: Helmut Dettmer, Heinz Tödtmann, Werner Schierenbeck, Manfred Lorenz, Walter Schofeld
v.l.n.r.: Helmut Dettmer, Heinz Tödtmann, Werner Schierenbeck, Manfred Lorenz, Walter Schofeld

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre verlagern die Kolibis ihre Aktivitäten nach Sudweyhe. Auch hier ist ein voller Saal garantiert, an bestimmten Feiertagen der Einlass schon 2 Stunden vor Beginn.

Hier bei Vossmeyer wird darüber hinaus  in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Syke der sogenannte Jugendtanz "kreiert": der Eintritt ist  kostenfrei, es dürfen nur alkoholfreie Getränke ausgegeben werden und die Veranstaltung ist zeitlich begrenzt (am Sonntagnachmittag von 16:00 bis 18:00 Uhr). Dieser Jugendtanz findet großen Zuspruch und wird aus diesem Grund  auf andere Orte wie Bruchhausen-Vilsen oder Syke ausgedehnt. 

Die Kolibris auf der Fahrt nach Stubben

vorn: Heinz Tödtmann, Werner Schierenbeck, hinten: Helmut Dettmer, Manfred Lorenz, Walter Schofeld
vorn: Heinz Tödtmann, Werner Schierenbeck, hinten: Helmut Dettmer, Manfred Lorenz, Walter Schofeld

Auch wenn die Kolibris als Lokalmatadoren vornehmlich in Weyhe tätig sind, so nutzen sie daneben auch die Möglichkeiten in anderen Orten aufzutreten (Syke, Bahlum, Dreye, Lahausen, Bruchhausen-Vilsen, Hassel, Stubben, Hagen, Beverstedt, Bremerhaven, Bremen, Osnabrück, Bad Rothenfelde, Harpstedt usw.)

Anfang der 1970er Jahre - inzwischen sind Diskotheken wie Pilze aus dem Boden geschossen - hängen die Kolibris ihre Instrumente an den Nagel..