Schnibbe, Peter Barthold

Foto: Jens Rilke
Foto: Jens Rilke

Biografisches:

Foto aus dem Jahr 1956
Foto aus dem Jahr 1956

Geboren in Bremerhaven und die ersten acht Jahre in einer Signalstelle auf dem Deich mit Meer, Hafen und unendlicher Weite aufgewachsen, zog es mich schon in jüngsten Jahren hin zum Malen und Zeichnen, von meiner ebenfalls talentierten Mutter gefördert. Die erste – und einzige gemeinsame – Ausstellung hatten wir 1956 an Bord der „Christina Maria“, eines alten Seelenverkäufers, auf dem Weg nach Amerika mit Vatern dem Seemann. Gekonnt gestalteten wir das Kabelgatt im Bug mit Donald Duck, Mickey Maus und Kater Karlo Motiven. Leider wurde sie schon nach einem Tag vom Kapitän geschlossen und wir gezwungen, alles mit tristem Grau zu übertünchen.

PBS Hermann Schnee
PBS Hermann Schnee

Kunst und Literatur spielten in meiner Familie sowohl im mütterlichen als auch im väterlichen Teil schon immer eine besondere Rolle – mütterlicherseits gab es den zur Kaiserzeit bekannten Maler Prof. Hermann Schnee, dessen Vater eine Freundschaft zu Theodor Storm unterhielt, welche sich aber immer mehr auf den jungen Hermann verlagerte. Väterlicherseits schmückt Hermann Allmers den Stammbaum, der neben seiner Dichtkunst auch ein guter Maler und mit den Worpswedern um Modersohn befreundet war.

Mein Onkel Wilhelm Schnibbe war dadaistisch beeinflußter Dichter und Hans Arp, mit dem er bekannt war, gestaltete den Einband seines Büchleins.

So waren mir von Kindesbeinen an die Künste reichlich in die Wiege gelegt worden und Zeichnen und Malen immer eine sehr ernste, konzentrierte Angelegenheit für mich, keineswegs direkt emotional befreiend – das findet bei mir mehr in der Musik statt.

 

In der Schule gab es in Kunst fast immer beste Noten und mir ist bis heute der Lehrer gegenwärtig, der es in der 10.Klasse „wagte“, mir eine Drei zu geben.

 

Dem Wunsch meiner Mutter, Jurist oder Mediziner zu werden, wollte ich nicht nachkommen, war allerdings so realistisch, Kunst und Germanistik für das Lehramt zu studieren.

 

Das bescherte mir, durch Vermittlung einer Anhalterin, die mir erzählte, es gäbe in einem mir unbekannten Ort namens Leeste, eine KGS mit Kunsterziehermangel, den Umzug nach Weyhe und 16 Jahre als Lehrer, die ich genossen habe.

 

Der Ort war kulturell bunt aufgestellt und ich war in der Anfangsphase des Weyher Kulturringes aktives Mitglied. So traf ich auch Thomas Prieser, mit dem ich anfangs der 80er Jahre eine Ausstellung mit unseren Bildern in der Kreissparkasse bestritt – meine erste öffentliche, abgesehen von ein paar prämierten Bildern zur Studienzeit.

 

Die bisherige Krönung ist die Dauerausstellung des Triptychons „Riders on the Storm“, einem zehnteiligen Zyklus zur Seenotrettung, im „Deutschen Schiffahrtsmuseum“ in Bremerhaven.

PBS The Hour of  Birth
PBS The Hour of Birth

Es folgten bis heute viele weitere Ausstellungen, in der ganzen Republik und in Holland, Kanada und den USA. Ein Bild segelt seit 2005 auf der amerikanischen Dreimastbark „Eagle“, die früher Deutsches Segelschulschiff unter dem Kommando meines Vaters war, in der Offiziersmesse um den Erdball.

 

Dazu die Teilnahme an namhaften Auktionen und diverse Veröffentlichungen.

 

Studienreisen nach Irland, Dänemark, Südfrankreich, Kanada und in die USA runden das Bild ab, sowie jährliche Arbeitsaufenthalte auf dem Darss.

Meine Malerei:

 

1. Einflüsse

 

Stilistisch hing ich schon immer sehr an der Gegenständlichkeit, war früh beeinflusst von den Impressionisten und Caspar David Friedrich. Im Studium beeindruckten mich die amerikanischen Fotorealisten – allerdings nur jene, die Geschichten erzählten und nicht die, deren einziges Ziel war, die Fotografie an Exaktheit noch zu toppen.

 

Zu Beginn der 80er Jahre machte mich ein Schüler auf eine Edward Hopper Ausstellung in Essen aufmerksam und auf die Ähnlichkeit Hoppers und meiner Malerei. Ich kannte ihn und seine Bilder bis dato nicht, empfand ihn als Bruder im Geiste – auch wenn ich die extreme Isolation seiner Protagonisten nicht teile. Der Vergleich war mir eine Ehre.

 

Wenig später entdeckte ich in Canada die Kunst Georgia O´Keeffes für mich – in Amerika eine große, hierzulande damals eine fast unbekannte Malerin. Kurze Zeit nahm sie auch Einfluss auf meine Bilder, aber besonders beeindruckt hat mich ihre konsequente Einstellung zur Kunst.

 

PBS Klinkerstrasse
PBS Klinkerstrasse

Einflüsse ja, aber direkt gestalterische Vorbilder gab und gibt es für mich nicht. Im Studium hatte ich mich außerhalb der Aufgaben völlig dem Einfluss meiner Professoren entzogen und arbeitete nur noch an sehr großen schwarz weißen Federzeichnungen, stellte die Malerei komplett ein.

 

Eine Verwandtschaft verspürte ich stets zu den nordischen Malern, insbesondere denen der Künstlerkolonie Skagen.

PBS - Südstrand
PBS - Südstrand

Doch es gab und gibt so viele – auch abstrakte – Maler und Malerinnen, die mich emotional und gedanklich ansprechen. So entstand in den letzten Jahren auch eine künstlerische Zusammenarbeit mit meinem Malerfreund Otto Quirin. Gemeinsame Ausstellungen (Künstlerhaus Spiekeroog; Blaues Haus Worpswede; Unserer Lieben Frauen Kirche Bremen) und drei gemeinsam gemalte Bilder – letzteres ein ungemein spannender und lehrreicher Prozess.

PBS  & Quirin - Die Alte Bürger
PBS & Quirin - Die Alte Bürger

Und immer wieder verbindet sich auch meine andere große Leidenschaft, die Musik, mit der Malerei.

PBS - Gott liebt Dich wenn Du singst
PBS - Gott liebt Dich wenn Du singst

2.Farben, Untergründe, Medien, Technik

 

Bis in die 80er Jahre arbeitete ich mit Gouache, Feder, Kreide, Stiften, der Radiernadel und malerisch mit Ölfarben, bis mich die langen Trockenzeiten bei letzteren störten und ich zur Acrylfarbe griff. Diese ist seitdem mein vorherrschendes Medium. Früher auf Hartfaserplatte und Holz, heute auf Leinwand.

 

Malen draußen und drinnen, nach Vorlagen (Skizzen, Fotos, Modelle) und/oder nach der Natur. Dazu Aquarelle, Kreiden und Zeichnungen.

Dünenmaler
Dünenmaler

Die Grundtechnik meiner Acrylmalerei habe ich anfangs von der Gouache übernommen – heute mischen sich alla prima Malerei, Lasuren, pastose Partien - alles, was der Bildidee hilft, adäquat auf die Leinwand zu kommen. Um eine gezielte Grundstimmung ins Bild zu bringen, grundiere ich farbig, trage dann die Vorzeichnung und anschließend das farbige Motiv in zwei oder mehr Schichten auf.

 

3.Motive

 

„Beim Malen bedeutet `Suchen´ meiner Ansicht gar nichts. Auf das Finden kommt es an.“

Picasso, 1923

Ich male was mich will – male, was mir begegnet. In der greifbaren Realität oder in der der Träume und Phantasien. Begegnung heißt, daß etwas Unvorhergesehenes auf mich zukommt, mich vor allem emotional berührt, mein Leben erweitert. Das können Menschen, Tiere, Pflanzen, Landschaften, Gegenstände, Situationen, kann Spirituelles sein. Begegnungen erzählen Geschichten oder initiieren sie – ich erzähle sie in meinen Bildern. Spätestens mit der Fertigstellung eines Gemäldes bringt das Bild sie hervor, beginnt, sich mitzuteilen. Ich male das Innere mit Hilfe des Äußeren.

 

Grob gibt es in meiner Malerei drei Themenbereiche: Menschen – Amerikanismen – das Meer. Menschen sind Seelenlandschaften, darum liebe ich auch Portraits. Amerikanismen, weil ich die ersten Jahre meines Lebens weitgehend unter Amerikanern verbrachte und auch später immer wieder mit diesem Land verbundene positive Schlüsselerlebnisse hatte. Und mit dem Meer verhält es sich ähnlich – meine große Mutter. Dazu Landschaften und einiges mehr.

 

PBS Art is truth
PBS Art is truth
PBS Mutter Nordsee
PBS Mutter Nordsee

 

 

 

 

„Programma Con Calma“, Gemeinsames anlässlich der Worpsweder Ausstellung zu unseren Bildern, entworfen mit Otto Quirin:

  • bei beiden gibt es ein narratives Element in der Malerei
  • unsere Bilder sind nicht leicht fertig – nicht leichtfertig
  • wir schaffen inhaltlich und malerisch Tiefe, sind aber nicht versessen, sie auszuloten
  • wir stellen unser Ego nicht in den Vordergrund, wir kippen unsere Seele nicht vor die Füsse unserer Betrachter
  • wir haben Freude an der Intensität
  • wir fühlen uns der Vorstellung von guter Handwerksarbeit verpflichtet
  • unsere Bilder haben Titel
  • unsere Bilder sind nicht beliebig und doch variabel interpretierbar
  • wir bevorzugen Acrylfarben
  • einer von uns malt gegenständlich, der andere gegenstandsfrei...und beides stimmt so nicht.
  • beide Ausstellungen sind eine Zeitreise durch unser Künstlerleben
  • wir duzen uns mit unseren Bildern
  • Peter Barthold: Ich male die Seele meiner Motive.
  • (Otto: Ich auch!)

Peter Barthold Schnibbe

 

 

PBS - Nis Randers
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PBS - Henriette
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PBS - Frühjahr 2020
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