Fredy Hohnhorst

Heinz Tödtmann

Juli 2026

 

 

Genau gesehen ist Fredy Johann Claus Hohnhorst ein Hördener, aber es geht auch nur um wenige Meter. Dennoch hat sich Fredy Zeit seines Lebens als Erichshofer gefühlt. Sein Vater Georg, 1885 geboren, hat von seinem Bruder ein Grundstück erhalten. Georg war Bauarbeiter in Bremen. Wenn bei seinen Arbeiten Häuser abgebrochen oder umgebaut wurden, hat er die ausgemusterten, noch brauchbaren Fenster, Türen und Balken mit Pferd und Wagen nach Erichshof transportiert, um sich daraus auf seinem Grundstück selbst ein Eigenheim zu bauen. 

1910 war das Haus fertig, das einzige weit und breit, nur umgeben von Sanddünen, Fuhren und Heide. 

 

Georgs große Leidenschaft  ist die Taubenzucht gewesen und als 1955 in Erichshof neue Straßennamen eingeführt werden, werden in Erinnerung an Fredys Vater die Straßennamen "Taubenstraße" und "Zur Taubenstraße" vergeben. 

 

Dort wird Fredy am 18. März 1919 in seinem Elternhaus geboren, er hat bereits 2 ältere Brüder Heinz und Georg. Fredy Hohnhorst hat sich gern an seine Kindheit zurückerinnert: "Hier gab es eine Vogelwelt wie im Paradies."1925 wird er eingeschult: zunächst 2 Jahre in der Volksschule Erichshof, danach in der Völksschule Leeste. Mit 14 Jahren beginnt er eine Lehre als Silberschmied in der Fa. Stahmann in Erichshof. Nach vier Jahren kann er aber keine Prüfung ablegen, weil der Arbeitgeber keinen Meister stellen kann.

Auf diesem Bild aus dem Jahr 1920 sieht man das allein stehende Haus von Georg Hohnhorst im Hintergrund. Ab 1920 wurden die Sanddünen nach und nach abgetragen für Maurersand, für Fundamente und auch für den Bau Kleinbahn. Allmählich entstehen weitere Häuser in dieser ehemaligen Sandwüste.

Fredys größte Leidenschaft aber ist der Fußball. Er war gerade mal 14 Jahre alt und hatte wie damals üblich auf der Straße Fußball gespielt, als er sich der damals neu gegründeten Sparte des Arbeiter-, Turn- und Sportvereins Blau-Schwarz Leester Heide anschloss 

 

Eines der frühen Bilder aus dem Jahr 1925: zweiter von links ist Fredy Hohnhorst, nun schon in weißen "Buchsen". Die Spieler wollten einfach nicht mehr in schwarzen Hosen spielen und sorgten dafür, dass der Verein in Blau-Weiß Melchiorshausen umbenannt wird.

 

Das Jahr 1933 mit den Gleichschaltungsgesetzen war natürlich einschneidend: alle Juden wurden ohne Begründung aus den Vereinen ausgeschlossen, politisch nicht mehr tragbare Sportler aus ihren Ämtern entfernt.

Hier ein Bild aus dem Jahr 1938. Fredy Hohnhorst (stehend, hinten rechts) spielt bereits in der 1. Herrenmannschaft und ist als Linksaußen eine Stütze seines Teams. Daneben sorgt er für alles im Verein, jede Kleinigkeit wird von ihm organisiert. 

 

Schon mit 18 Jahren ist er Spartenleiter. 1937 beginnt er seine nächste Karriere, die eines Fußballschiedsrichters.  1938 spielt er schon in der 1. Herrenmannschaft bei "Blau-Schwarz Melchiorshausen. Kurz danach wird er zunächst zum Arbeitsdienst und anschließend zum Wehrdienst eingezogen.

 

 

Mit Beginn des 2. Weltkrieges am 1. Sept. 1939 kommt der Fußball an der Syker Straße vollständig zum Erliegen. Zunächst wird Fredy in Dänemark und Frankreich eingesetzt, um dann letztendlich an der Front in Russland zu landen. Dort wird er 1941 schwer verwundet. Die Schussverletzung am Ellenbogen ist so schwer, dass die Ärzte bereits davon ausgehen, den Arm amputieren zu müssen. Einer der Ärzte ist aber zuversichtlich und glaubt die Amputation verhindern zu können und schickt ihn in ein Lazarett in Berlin, mit Erfolg, der Arm kann erhalten werden, bleibt aber steif. Seine Gesundung kommt gut voran und von einer ihn betreuenden Krankenschwester erhält er regelmäßig Freikarten für die Oper und den Wintergarten mit der Folge, dass er eine besondere Vorliebe für die klassische Musik entwickelt, hauptsächlich für Verdi. Fredy hat Glück gehabt und kehrt nach einem weiteren Lazarettaufenthalt in Lübeck am Kriegsende nach Erichshof zurück.

 

Hier beginnt für ihn ein völlig neues Leben. Seine beiden Brüder Heinz und Georg sind im Krieg gefallen. Er selbst kann aufgrund seiner schweren Kriegsverletzung seinen Beruf als Silberschmied nicht mehr ausüben. Er sucht und findet eine Anstellung bei der Post. Kaum zurückgekehrt widmet er sich auch sofort seinem Lieblingsthema Fußball. In seiner ehemaligen Funktion als Spartenleiter kümmert er sich darum, dass der Platz an der Syker Straße wieder bespielbar gemacht wird. Er sorgt auch dafür, dass der Trainungsbetrieb wieder aufgenommen wird. Inzwischen sind viele Flüchtlinge aus Schlesien, Ostpreußen und Pommern hier angekommen und auch dort ist Fußball gespielt worden. Fredy hat das richtige Händchen unter diesen Neuankömmlingen Talente zu entdecken und so formt er in relativ kurzer Zeit eine erfolgreiche Mannschaft u.a. mit Heinz Schussig (spielte dreimal für die Saarländische Nationalmannschaft) und "Bubi" Fabian ( später FK Pirmasens).

 

Am 14. April 1946 findet das erste Spiel nach Kriegsende statt: Waldemar Eickhorst, Hermann Lemmermann, Emil Kastens, Heinz Hoppe, Heinrich Kruckemeyer, Hans Gätjen, Johann Eggers, Dietrich Ströhemann, Franz Lesniowski und Fredy Hohnhorst. Mit 11:0 wird der Gegner TSV Bassum vom Platz gefegt. Das ist der Auftakt für die wohl erfolgreichste Zeit des Fußballs in Melchiorshausen gelegt, die den Verein in die zweithöchste Spielklasse nach der Oberliga, die Verbandsklasse führen wird. Fredys Kommentar: "Eine Klasse unter Werder!" 

 

Am 2.Sept.1949 heiratet er seine Anneliese Friederichs aus Bremen, die er in einer Straßenbahn kennen gelernt hat. Am 10. März 1951 wird seine Tochter Ursula geboren.

  

1950 kommen auf den Fußballmanager neue Probleme zu: der Vorsitzende des Niedersächsischen Fußballverbandes teilt dem Vorsitzenden des Bremischen Fußballverbandes mit, dass zukünftig alle Niedersachsenvereine in Niedersachsen zu spielen haben. Danach soll Melchiorshausen in der Landesliga Niedersachsen spielen. Aufgrund der Nähe zu Bremen und auch aus finanziellen Gründen entscheidet sich Blau-Weiß dagegen und setzt seine Spiele in der Bezirksliga Bremen fort. Daraufhin sperrt der NFL den TSV Melchiorshausen mit sofortiger Wirkung für jeglichen Spielverkehr. Niemand hat aber mit der Hartnäckigkeit und Sturheit von Fredy Hohnhorst gerechnet. Er führt Klage beim DFB in Stuttgart, der feststellt, dass die Sperrung für den Verein nicht bindend ist. Mitte Oktober 1950 dann die endgültige Entscheidung: Der DFB hat sich für den TSV Melchiorshausen entschieden - Fredy hat gewonnen.

 

 

Wegen seiner erheblichen Kriegsverletzung hat er keinen Führerschein machen können. Das hindert ihn aber nicht, nachhaltig an seiner Schiedsrichterkarriere zu arbeiten, und so erlebt man in den folgenden Jahren Fredy auf allen Fußballplätzen der Region als "Schiri mit dem Fahrrad", ob Hasenbüren, Mahndorf, Brinkum oder Melchiorshausen, stets ist er mit seinem "Drahtesel" unterwegs. Das Spiel kann eben erst dann beginnen, wenn Fredy angekommen ist, so einfach ist das. Fußballschiedsrichter ist sein halbes Leben und er nimmt diese Tätigkeit bis zu seinem 66. Lebensjahr wahr. Dafür erhält er viel Anerkennung. Als Dank für seine 85jährige Vereinsmitgliedschaft und seine Verdienste als Schiedsrichter wird ihm vom Bremer Fußballverband neben diversen Verdienstnadeln die Goldene Pfeife verliehen. Immer wieder haben sich die Schiedsrichterveteranen getroffen und über alte Zeiten geplaudert. So auch im Jahr 2014, es ist das 11. Treffen, Fredy mit 95 Jahren das älteste Mitglied.

Foto: Jubiläumsbuch 100 Jahre

Wegen seiner erheblichen Kriegsverletzung hat er keinen Führerschein machen können. Das hindert ihn aber nicht, nachhaltig an seiner Schiedsrichterkarriere zu arbeiten, und so erlebt man in den folgenden Jahren Fredy auf allen Fußballplätzen der Region als "Schiri mit dem Fahrrad", ob Hasenbüren, Mahndorf, Brinkum oder Melchiorshausen, stets ist er mit seinem "Drahtesel" unterwegs. Das Spiel kann eben erst dann beginnen, wenn Fredy angekommen ist, so einfach ist das. Fußballschiedsrichter ist sein halbes Leben und er nimmt diese Tätigkeit bis zu seinem 66. Lebensjahr wahr. Dafür erhält er viel Anerkennung. Als Dank für seine 85jährige Vereinsmitgliedschaft und seine Verdienste als Schiedsrichter wird ihm vom Bremer Fußballverband neben diversen Verdienstnadeln die Goldene Pfeife verliehen. Immer wieder haben sich die Schiedsrichterveteranen getroffen und über alte Zeiten geplaudert. So auch im Jahr 2014, es ist das 11. Treffen, Fredy mit 95 Jahren das älteste Mitglied.

Foto: Jubiläumsbuch 100 Jahre

Fredy Hohnhorst, eine Legende, ein Vorbild für alle.