Johann Heinrich Eickhorst

Heinz Tödtmann

Juli 2026

 

Man könnte meinen, Erichshof sei ein kleines gallisches Dorf hoch oben im Norden. Weit gefehlt. Denn wer Erichshof und Eickhorst in eine Suchmaschine eingibt, wird schnell fündig. Überall auf der Welt tauchen über 100 Jahre alte Fotos auf, die eines gemeinsam haben: Sie tragen deutlich erkennbar den Prägestempel "Johann Heinrich Eickhorst""Erichshof". Was nicht erkennbar ist, dass all diese weltweit verteilten Fotos in einem kleinen Studio in Erichshof gemacht und in einer noch kleineren Dunkelkammer in Erichshof entwickelt worden sind.

 

Das ist bei dem nächsten Foto, das Hedda Siemer wie einen Schatz hütet, anders. Sie ist die Enkelin von Johann Heinrich Eickhorst und selbst renommierte Fotografenmeisterin. Dieses Foto, immer noch von hervorragender Qualität, zeigt die beiden Urheber für das Fotografenhandwerk in Erichshof.

Johann Heinrich Eickhorst wird 9. Januar 1862 geboren und stirbt am 20. August 1943. Ursprünglich arbeitet er als Maurer. Der mit ihm befreundete Lehrer Pestrup kann ihn dazu bewegen, sich der Fotografie zuzuwenden. Johann Heinrich Eickhorst ist interessiert und geht auf diesen Vorschlag ein. Noch weiß er nicht, dass damit eine ganze Fotografendynastie ins Leben gerufen wird: Johann Heinrich Eickhorst, sein Sohn Friedrich in Kirchweyhe, sein 2. Sohn Friedrich in Erichshof, seine Enkelin Hedda in Kirchweyhe und Syke und sein Enkel Jörg-Henry in Erichshof. Foto-Eickhorst wird eine Institution.

 

Aber Johann Heinrich Eickhorst, geboren am 9. Januar 1862 ist ein äußerst umtriebiger Mensch und als solcher geht er das Risiko gern ein. Sein erstes Foto stellt er 1897 im Auskopierverfahren her. Danach führt er zahlreiche fotografische Experimente in dem 1790 erbauten Strohdachhaus Erichshof Nr. 23 durch. Im Jahr 1900 entsteht nebenan ein massives Wohnhaus. Dort richtet er auch ein kleines Tageslicht-Atelier ein, hängt seine Maurerberuf an den Nagel und widmet sich ausschließlich der Fotografie. Ein für damalige Verhältnisse ein großes Abenteuer.

 

Das nächste Bild, das sich heute im Besitz seiner Enkelin Hedda Siemer befindet, ist symptomatisch: Einerseits lässt er sich mit seinem Freund und "Anstifter" Pestrup abbilden, andererseits erkennt man bereits die hohe Qualität des Bildes, auch nach über 100 Jahren.

Das alte Fachwerkhaus dient als Lager für die ersten elektrischen Leitungen in Erichshof. Eickhorst will die Elektrizität für seinen Beruf nutzen und vereinbart mit dem Mühlenbetrieb Friedrich Meyer die Belieferung mit Strom, den dieser mit Windkraft erzeugt. Er ist stolz auf diese Innovation und schaltet eine Zeitungsanzeige, „dass jetzt die photografischen Aufnahmen nach eintretender Dunkelheit bei elektrischer Beleuchtung gemacht werden können.“

 

1926 reißt er das alte Strohdachhaus ab und erweitert das Wohnhaus an der heutigen Erichshofer Straße.

Foto: Johann Heinrich Eickhorst / von links: Elfriede Voßmeyer, Anna Voßmeyer, Johann Bischoff, Friedrich Eickhorst, Adele Bischoff, Anneliese Eickhorst / ca. 1927
Foto: Johann Heinrich Eickhorst / von links: Elfriede Voßmeyer, Anna Voßmeyer, Johann Bischoff, Friedrich Eickhorst, Adele Bischoff, Anneliese Eickhorst / ca. 1927

 

 

Er spezialisiert sich auf Hochzeitsgesellschaften, Konfirmandenjahrgänge der Kirchengemeinden Leeste, Kirchweyhe und Sudweyhe, auf Familienporträts und Einzelporträts, Gruppenbilder jeglicher Art, Vereinsaufnahmen und Ortsansichten aus Erichshof, Leeste und Umgebung. Sein Markenzeichen ist ein Prägestempel mit der deutlichen Aufschrift „Johann Heinrich Eickhorst“ auf jedem seiner Aufnahmen, die er so wertig aufkaschiert, dass diese Aufnahmen heute nach über 100 Jahren in bester Qualität noch erhalten sind.

 

 

Foto: Johann Heinrich Eickhorst / Abtanzball 1921 mit dem Tanzlehrer Jan 1-2-3

Foto: Johann Heinrich Eickhorst / Gruppenfoto anlässlich einer Familienfeier bei Lübeck ca. 1916
Foto: Johann Heinrich Eickhorst / Gruppenfoto anlässlich einer Familienfeier bei Lübeck ca. 1916

Johann Heinrich Eickhorst ist ein ausgesprochen umtriebiger Mensch. Neben der Fotografie ist er leidenschaftlicher Hobbymusiker und sehr aktiv im Dorfleben. So ist er Gründungsmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Erichshof und mit seinem Freund Wilhelm Hohnhorst die treibende Kraft im Schützenvereins Erichshof.