Der Warenschmuggel an den Weyher Grenzen

Paul Athmann

 

Wo Grenzen existieren und Zoll verlangt wird, wird auch immer versucht, die Abgaben zu umgehen. Das war auch in der Leester/Brinkumer und Weyher Marsch nicht anders. Zwischen der Zollstelle Brinkum und der Zollstelle Dreye lag die Ochtum, die man unbemerkt am besten mit einem Boot überwinden konnte. 


Schon zu Zeiten der Hanse wurde das Einhalten der Stapelplätze durch Schiffe, die über die Weser kamen, strengstens kontrolliert. Später patrouillierten Zollschiffe auf der Weser, um das Umgehen der Zollabgaben zu unterbinden.

 

Heinrich Warneke erzählt in seinem Buch "De Spaziergang um un in Weyhe" eine Geschichte vom Bauern Ahrens, früher Schulten, aus Leeste. In der napoleonischen Zeit hatten die Franzosen einen Wagen mit Fässern dort stehen lassen. Nach sieben Jahren öffnete der Bauer die Fässer und fand als Inhalt Indigo, einen Pflanzensaft, der zur Färbung von Tuch verwendet wurde. Der Verkauf brachte ihm 3500 Taler, wovon er sich einen Halbmeier-Hof kaufen konnte.189 Der Schmuggel mit Indigo blühte unter Napoleon in den Hansestädten, so dass es nicht ausgeschlossen ist, dass die erwähnten Fässer mit Indigo aus solchen Schmuggelgeschäften stammten.


Nach der Gründung des Deutschen Zollvereins, dem sich Bremen zunächst nicht anschloss, wohl aber Hannover und Oldenburg ab 1854, fielen alle Zollgrenzen außer denen zwischen Hannover  und Bremen.  Ab 1866 galten die Zollgrenzen zwischen Preußen (das Hannover besetzt hatte) und Bremen.  Bis zum Jahre 1888, als sich Bremen dem Deutschen Reich und dessen Zollgebiet anschloss, hielt dieser Zustand an.

 


Wo Grenzen existieren und Zoll verlangt wird, wird auch immer versucht, die Abgaben zu umgehen. Das war auch in der Leester/Brinkumer und Weyher Marsch nicht anders. Zwischen der Zollstelle Brinkum und der Zollstelle Dreye lag die Ochtum, die man unbemerkt am besten mit einem Boot überwinden konnte. 


Schon zu Zeiten der Hanse wurde das Einhalten der Stapelplätze durch Schiffe, die über die Weser kamen, strengstens kontrolliert. Später patrouillierten Zollschiffe auf der Weser, um das Umgehen der Zollabgaben zu unterbinden.


Heinrich Warneke erzählt in seinem Buch "De Spaziergang um un in Weyhe" eine Geschichte vom Bauern Ahrens, früher Schulten, aus Leeste. In der napoleonischen Zeit hatten die Franzosen einen Wagen mit Fässern dort stehen lassen. Nach sieben Jahren öffnete der Bauer die Fässer und fand als Inhalt Indigo, einen Pflanzensaft, der zur Färbung von Tuch verwendet wurde. Der Verkauf brachte ihm 3500 Taler, wovon er sich einen Halbmeier-Hof kaufen konnte.189 Der Schmuggel mit Indigo blühte unter Napoleon in den Hansestädten, so dass es nicht ausgeschlossen ist, dass die erwähnten Fässer mit Indigo aus solchen Schmuggelgeschäften stammten.


Nach der Gründung des Deutschen Zollvereins, dem sich Bremen zunächst nicht anschloss, wohl aber Hannover und Oldenburg ab 1854, fielen alle Zollgrenzen außer denen zwischen Hannover  und Bremen.  Ab 1866 galten die Zollgrenzen zwischen Preußen (das Hannover besetzt hatte) und Bremen.  Bis zum Jahre 1888, als sich Bremen dem Deutschen Reich und dessen Zollgebiet anschloss, hielt dieser Zustand an.


Zu dieser Zeit blühte das Schmuggelwesen an der  südlichen Bremer Grenze besonders.  Obwohl Preußen das Hauptzollamt Brinkum mit dem Nebenzollamt Leeste sowie dem Nebenzollamt Dreye eingerichtet hatte,  und Postenführer in Ahausen, Dreye und Kirchweyhe dem Obergrenzkontrolleur in Brinkum unterstellt waren, versuchten viele Schmuggler immer wieder, zollpflichtige Waren aus Bremen unverzollt in den hannoverschen bzw. preußischen Gemeinden zu verkaufen.  Sie kamen zumeist nachts über die Ochtum und mgingen damit die Kontrollstellen in Kattenturm und Dreye. Tagsüber wurden die Boote versteckt. Die durchgeschmuggelten Waren wurden dann in Stuhr, Brinkum oder Leeste verkauft. Es handelte sich meistens um Tee, Kaffee, Reis, Tabak, Wein, Zucker und Salz. Auch wurden Teppiche und Textilien geschmuggelt. Diese Waren kamen unverzollt aus dem Ausland nach Bremen und waren dort erheblich billiger als in Hannover bzw. Preußen. 190


In einem Vertrag zwischen Hannover und Bremen wurde1856 die Kontrolle des „Schleichhandels“ extra geregelt: Es gab darin eine spezielle „Instruction für die Landjäger zur Verhinderung  des Schleichhandels nach den Zollvereins-Staaten betreffend“.191 


Geschmuggelt wurde auch im „normalen“ Warenverkehr und landwirtschaftlichen Verkehr:  So pflegten die Bauern der umliegenden Ortschaften aus Bremen Fäkalien als Dünger für ihre Äcker zu holen.  Da wurde auch schon mal Schmuggelgut in dem  anrüchigen Dünger versteckt oder ein Teppich unter der Pferdedecke verborgen.  Auch bei Besuchen von Privatpersonen in der Hansestadt wurden reichlich Kleidung und andere Waren eingeschmuggelt.192


Um das Schmuggeln zu erschweren, verlegte Bremen die Zollgrenze durchgehend auf die bremische Seite der Ochtum. Dadurch wurden zwar bremische Dörfer dem Zollvereinsgebiet zugeschlagen, aber die Grenze war leichter zu kontrollieren. 193 Die Gebiete wurden im Vertrag von 1856 genau aufgeführt „… den am linken Ufer der Ochum belegenen Bremischen Ortschaften und Feldmarken Kirchhuchting, Mittelshuchting, Varrelgraben und Grolland, einschließlich des Ochumflusses“.194 Außerdem war „auch der Ochumfluß überall, wo er das Bremische Gebiet berührt, dem Zollverein angeschlossen.“ 195 


Noch andere Zoll-Geschichten von Leester Einwohnern werden aus der Zeit um 1885 erzählt: 196

  • So weigerte sich ein Leester Bauer bei der Zollstation am Bremer Buntentor, die Abgaben zu leisten. Er „skandalierte“, so dass es einen Auflauf gab. Dafür bekam er eine Geldstrafe von 7,5 Mark (alternativ 3 Tage Haft).  
  • Ein Lohgerber aus Leeste-Hagen kaufte in Bremen einen Esel und einen Wagen. Ein als Schmuggler bekannter Bauer aus Westerwisch sollte ihm Esel und Wagen nach Hagen bringen.  Dieser versuchte, beide unverzollt dorthin zu schaffen, wurde aber von den Zollbeamten erwischt.  Da er schon einschlägig vorbestraft war, bekam er eine Strafe von 47 Tagen Gefängnis aufgebrummt. Trotz Unschuldsbeteuerungen seitens des Hagener Lohgerbers bekam er Tier und Wagen aber nicht ausgehändigt, da man ihm vorwarf, den Bauern nicht überwacht und zur Zollabgabe angehalten zu haben.


Auch in Ahausen und Dreye konnten viele der Versuchung zum „Schleichhandel“ nicht widerstehen: Die Schmuggelei war damals durch Zollstationen in Dreye und Bollen eng mit dem Leben der eher zurückhaltenden Marschbewohner verbunden. „Oft gingen Ahauser im zerschlissenen Gewand nach Bremen und kamen mit neuem zollfreiem Gewand wieder“. 197


Als besonderer Schmugglertreffpunkt galt im frühen 19. Jahrhundert das Korbhaus an der Bremer Grenze, in der Nähe der Korbinsel. Es lag direkt am Weserdeich, auf der Grenze zwischen Bremen und Hannover und hatte früher als bremische Grenzwache gedient. Erst nach dem Kauf durch Christian Seebade im Jahr 1848 wurde die Gaststätte zum bekannten Ausflugslokal, dessen kunstvoll bemalte Glastüren und vom Jugendstil geprägte Gartenanlagen berühmt waren.