Kolonialwaren und Gastwirtschaft Kaufmann und Freese

Paul Athmann

 

Lage: Dreye Nr. 12 (alte Nr.), an der Dorfstraße (heute: Dreyer Str., Café und Bäckerladen )
 

um 1930
Auf dem linken Bild liegt rechts der Laden und Gasthof 'Kaufmann', der auch auf einer Postkarte der damaligen Zeit abgebildet war. 1945 wurden der Laden und die angegliederte Bäckerei (Heinrich Lühring) durch Kriegseinwirkung (Volltreffer) zerstört.

Um 1980 ist das Küchenstudio von Wilfried Brümmer hier eingezogen.

Um 2015 hat hier eine Bäckereifiliale mit kleinem Cafe eröffnet. Dort werden Backwaren und Kaffee/Getränke angeboten.

Neben Kaufmann, auf dem Grundstück Dreye Nr. 17 (1960: Johann Kehlenbeck ) stand die Gastwirtschaft Freese. Bis nach dem 1. Weltkrieg spannten hier die Bauern der Umgebung aus, wenn sie vom Markt in Bremen zurückkehrten, und kauften bei Heinrich Kaufmann ein.


Heinrich Kaufmann starb 1959. Er erlebte den Wiederaufbau des Geschäftes durch seine Familie nicht mehr mit.

 

Der Gastwirt Freese betrieb neben der Ausspannwirtschaft auch eine Sommerwirtschaft am Deich (Zollhof, Grundstück E.Jänisch), die er nach dem 1. Weltkrieg verkaufen musste.79


Kaufmann hatte das älteste Kaufhaus in Weyhe. 1862 wurde dem Arbeiter Heinrich Kaufmann die "Conseßion zum Hokenhandel" von der Königlichen Landdrostei in Brinkum erteilt. Er löste damit den bisherigen Hokenhändler Dörgeloh ab, der den Laden aufgegeben hatte. Kaufmann hatte damit die Konzession für den Verkauf von Mehl und Grütze, Lichter und Seife, Töpfe und Pfannen, Knöpfe und Schnüre, Tabak, Steingut, Holzwaren, Kohlen,  Sensen und Nägel sowie Schreibmaterial und Zündzeug.


1869 folgte die Erteilung der Konzession für den Gaststättenbetrieb. Kaufmann wurde damit zum letzten Ausspann der Fuhrleute vor der Stadt Bremen. 80 Das Kaufhaus lag nämlich am Weg der Markthändler aus Schwarme, Martfeld und Thedinghausen, die ihre Waren in Bremen anbieten wollten und bei Kaufmann mit ihren Lakenwagen Zwischenstation machen konnten.

1893: In einem Bremer Ausflugsführer wird die "Wirthschaft, Handlung u. Bäckerei H.Kaufmann" in Dreye erwähnt. Auch eine Anzeige ist enthalten.

1886 lädt der Gastwirt Kaufmann in Dreye zum Tanz


 

1907 verkauft Heinrich Kaufmann das Geschäft seinem Neffen Friedrich Kaufmann. Dessen Sohn Heinrich Kaufmann (*1905, + 1959) setzt 1934 die Tradition fort, als er als Teilhaber in das Geschäft eintritt und es später übernimmt. Er entwirft auch das kreisrunde Firmenlogo, das groß auf die Giebelwand der Scheune gemalt wird. 1936 ist Friedrich Kaufmann unter der Nr. Dreye 12 im Adressbuch eingetragen.

Postkarte von 1911 [Repro F.Römer]
Postkarte von 1911 [Repro F.Römer]

Postkarte aus den 1920er Jahren [Repro  W. Meyer] 
 

Heinrich Kaufmann mit seiner Droschke um 1938 81
Heinrich Kaufmann mit seiner Droschke um 1938 81

Am 11. März 1945 wurden der Laden und die angegliederte Bäckerei durch Kriegseinwirkung (Volltreffer) zerstört. Eine von vielen Bomben, die für die Dreyer Eisenbahnbrücke bestimmt waren, traf das Gebäude und ließ es völlig ausbrennen.82

1950: Ein provisorischer Nachkriegsladen wird errichtet. Die Waren werden mit einem kleinen dreirädrigen Lieferwagen (Goliath) geholt und verteilt.83

Nur der Schornstein, die frühere Backstube und der Hausbrunnen stehen noch. Im Hintergrund ist auf dem Foto noch die alte Dreyer Volksschule zu erkennen. Bäckermeister Heinrich Lühring, Heinrich Rickens und Gesine Meyer kamen dabei ums Leben. Lühring hatte 50 Jahre in der Backstube gearbeitet. Die Familie Kaufmann hatte sich in der stabil gemauerten Backstube aufgehalten und hatte dadurch überlebt.84

Neben Kaufmann, auf dem Grundstück Dreye Nr. 17 (1936 und 1960: Johann Kehlenbeck ) stand die Gastwirtschaft Freese. Bis zum nach dem 1. Weltkrieg spannten hier die Bauern der Umgebung aus, wenn sie vom Markt in Bremen zurückkehrten, und kauften bei Heinrich Kaufmann ein. Der Gastwirt Freese betrieb neben der Ausspannwirtschaft auch eine Sommerwirtschaft am Deich (Zollhof, Grundstück E. Jänisch), die er nach dem 1. Weltkrieg verkaufen musste.

1958: Seniorchef Friedrich Kaufmann an seinem 75. Geburtstag.85

Heinrich Kaufmann stirbt 1959 mit nur 54 Jahren. Er erlebte den Wiederaufbau des Geschäftes durch seine Familie nicht mehr mit. 1961 weihte die Firma Heinrich Kaufmann ihr neues Geschäft gegenüber der heutigen Kirchweyher Straße ein. Heinrichs Ehefrau Irmgard führt das Geschäft weiter. Es wird wieder eine breite Palette von Kolonialwaren angeboten. Eine kleine Filiale in Kirchweyhe (Kirchweyher Str., gegenüber Bahnhofstr.) wird ebenfalls eingerichtet. Sie existiert bis 1968.


1961: Ein neues Geschäftshaus wird errichtet. Eine Gaststätte und eine Bäckerei gibt es in dem neuen Haus nicht mehr. Aber die gesamte Palette von "Kolonialwaren" steht wieder zur Verfügung. Irmgard Kaufmann leitet nun das Unternehmen. Die Filiale in Kirchweyhe wird 1968 wieder aufgegeben.


1965 steigt Friedrich Kaufmann jr. (*1947) in den Betrieb ein. Er hat Einzelhandelskaufmann gelernt und führt nun in 4. Generation das Geschäft. Als dann aber die großen Baumärkte und Supermärkte entstehen und die Kunden mit ihren Autos lieber auf der grünen Wiese oder in Bremen einkaufen, muss 1974 auch der Laden Kaufmann schließen. Friedrich Kaufmann arbeitet danach im Großhandel für Baumärkte. Hier kennt er sich ja aus.


Der Laden steht dann einige Zeit leer, bis 1978 Wilfried Brümmer mit seinem Küchenstudio einzieht. 

 

Das Küchenstudio von Wilfried Brümmer im Jahre 2001: Es sind schon viel weniger Autos auf der Dreyer Str. als 1981, da jetzt die Dreyer Umgehung fertig ist. Hier ist nun eine Sackgasse.86

Danach folgte die Nutzung als Büro, und seit 2007 ist hier ein „Backshop“ eingezogen, mit einem kleinen Cafe. Der Backshop bietet den Durchreisenden und den im Gewerbegebiet arbeitenden Hungrigen eine Versorgung mit Backwaren, Kaffee, Kuchen und Zeitungen an.