Der Hof Blohm - Kuck

Paul Athmann

 

Dreye Nr. 13 / Am Deich 25 (Am Dreyer Hafen); Brinksitzer Blohm heute: Kuck

Der Hof im Google-Luftbild ca. 2007: Am Deichübergang zum Dreyer Hafen (am Ende der Straße „Zollhof“) ist die Hofanlage deutlich erkennbar. Noch liegt der Hof vor dem Deich und damit eigentlich im Überschwemmungsgebiet - wie einige andere Häuser am Deich auch.

Schon im 18. Jahrhundert wird ein „Deichvogt Blome“ erwähnt:  Der Deichvogt Blome zu Dreye gehört 1790 zu den „Subscribenten“ des „Wissenschaftlichen Magazins für Jünglinge“.67 Es wird Johann Hinrich Blomen (Blome; * um 1751, + 1829) gewesen sein, der seit 1779 mit Gesche Reiners verheiratet ist und dessen Tochter Marie Louise (* 1784) im Jahre 1811 in Neuenkirchen heiratet.68


Der Hof Blohm übernimmt 1820 das Land des Sudweyher Gutshofes von Quiter/von Decken (heute Wetjen), als die Erben der Witwe Adelheid von der Decken geb. Frese das Gut nicht weiter bewirtschaften wollen. Der als "Binnenhof" bezeichnete Teil des Gutes (d.h. die Hofstelle) ging an den Hof Wetjen in Sudweyhe.


1826: Heinrich Blohm ist bis 1826 Deichvogt. Ihm wird ab 1826 eine Pension bewilligt.69

 

Foto des Hofes vom alten Deich (2007).  Bei der Deicherhöhung 2009 wird dieser Abschnitt vor die Häuser gelegt. Damit werden auch die Höfe und Wohnhäuser direkt am Deich vor Überschwemmungen geschützt.

2009 wird der Deichverlauf zum Hafen hin verschoben - damit liegt der Hof jetzt geschützt hinter dem Deich. Allerdings lag er auch schon vorher in Deichhöhe, so dass er bei Hochwasser trocken blieb.

1846: Die Ziegelei Sudweyhe (später Esdohr/Löhr) wird zeitweise auch von dem Landbauinspektor Blohm betrieben. Sie war auf dem Land des Gutes errichtet worden ("Großer Marschkamp").


Der Brinksitzer und Krugwirt Johann Heinrich Oetjen, der 1824 die Ziegelei gründete, war seit 1811 Eigentümer der Brinksitzerstelle Sudweyhe 67 (Hausname: Knief bzw. Neuer Krug), heute: Hoher Geestweg 2. Diese Brinksitzerstelle befand sich um 1832 und noch 1845 im Besitz des aus Dreye stammenden Bremer Wasserbaudirektors Claus Blohm. Er war ein Bruder des Auricher Landbauinspektors Ernst Heinrich Blohm, der (siehe Pachtvertrag im Besitz der Familie Kuck) in den 1840er und 1850er Jahren den mit der Ziegelei bebauten großen Marschkamp in der Sudweyher Feldmark besaß. 

 

Claus Blohm (* 1799, + 1855 in Bremen) war  Architekt und Ingenieur und wurde zum Wasserbaudirektor, später Stadtbaudirektor in Bremen ernannt – bis 1839. Sein Bruder Ernst Heinrich (* 1794, + 1869 in Aurich) baute 1838 die Kirche in Freiburg/Elbe. Nach seiner Versetzung im Jahre 1839 baute er 1851 das Schloss Aurich neu auf.  Ab 1865 war er Oberlandbaumeister  und 1866 wurde er als Oberbaurat pensioniert. 


1816 und 1821 wird Johann Heinrich Blohm als Deichvogt im Hannoverschen Staatskalender aufgeführt.70 Er ist mit Sophie Elisabeth Müller verheiratet und bewirtschaftet mit ihr den Dreyer Hof. Ab 1826 erhält er als Deichvogt eine Pension.71
 
Das Spinnrad der Sophie Blohm wird 2018 auf dem Dachboden entdeckt.

 

1820 wird der  Hof vergrößert um das Land des Gutes von der Decken (s.o.).72 Beim Verkauf war zunächst ein Stück in der Marsch „Der große Marschkamp“ übrig geblieben. Als dieser Marschkamp 1846 in das Eigentum des Landbau-Inspektors Blohm in Aurich überging (einem Sohn des Brinksitzers Blohm in Dreye Nr. 13 ) wurde der Pachtvertrag über die Ziegelei ab 1.1.1847 mit dem Maurermeister Claus Köster zum Pachtpreis von 250 Thaler Gold bis zum 1.1.1850 verlängert." 73 

 

Offensichtlich stand die Ziegelei auf dem Kamp des Dreyer Hofes. Der Pachtvertrag betraf das Tonabbaugebiet und vielleicht auch das Stück Land, auf dem die Ziegelei stand. Die Ziegelei selbst war jedoch zu dieser Zeit im Besitz von Claus Köster. Die Pacht wurde mindestens bis 1858 verlängert. Danach übernahm wohl Johann Esdohr die Ziegelei.


Zu dieser Zeit scheint der jüngere der beiden Brüder, Claus,  den Hof geführt zu haben. 1845 ist er als Interessent bei der Spezialteilung der Sudweyher Gemeinheiten aufgeführt.74


1875: "Im Jahre 1875 erhält die Ortschaft Dreye eine eigene Spritze von dem Onkel des Brinksitzers Johann Blohm geschenkt." 75

 

Zwei der Söhne von Johann und Sophie Blohm wandern zwischen 1879 und 1883 nach Amerika aus:  Johann Albert (*1864) und Bernhard Heinrich (*1866).76
 
Deichverlauf im Jahre 1930 mit Blick auf den Hof Blohm.77

Im Luftbild von 1936 liegen neben dem Hof (ganz rechts) noch 2 weitere Häuser vor dem Deich. Zwischen dem Hof und der Dreyer DorfStraße (linker Bildrand) liegen noch freie Felder. Gegenüber dem Hof liegt am Deich das Landhaus des Bremer Lederwarenfabrikanten Knigge (ehemaliges Zollhaus).78

Adressbuch 1936:  Blohm, Gesine, Bäuerin,


Heute ist die Familie Kuck auf dem Hof. Der Hof gehört zu den immer weniger werdenden Milchviehbetrieben der Gemeinde. 2016 wagt die Familie Kuck den Direktvertrieb der Milchprodukte über einen Verkaufstand auf dem Hof.


2008/2013:  Kuck, Helmut. Kuck-Blohm, Hella; 
                    Kuck, Gerrit oo Wiebke (2016)
                    Kauder, Felicitas
 

Foto Januar 2011 von der Straße "Zollhof" aus.

2016: 
Wiebke und Gerrit Kuck eröffnen eine Milchtankstelle

Ernst Heinrich BLOHM

 

geb. 28.6.1794 Dreye. gest. 26.10.1869 Aurich. Oberlandbaumeister


Am 12. Mai 1864 verliehen die Ostfriesischen Stände auf Antrag des Landrats von Frese dem Landbaumeister Ernst Wilhelm Blohm das Indigenat und mußten danach die Urkunde neu ausfertigen: Blohm hatte die Vornamen Ernst Heinrich. Daß man in Aurich, wo Blohm seit einem Vierteljahrhundert sich aufhielt, seinen korrekten Namen nicht kannte, zeigt, wie dieser Junggeselle sich stets zurückgehalten hat.


Seine ersten dreißig Lebensjahre, wohl im „Elbe-Weser-Winkel“, sind unbekannt. Seit 1823 steht sein Name in den Staatskalendern des Königreichs Hannover als „Landbauconducteur“; das war nichts anderes als der für die Staatshochbauten verantwortliche Bedienstete, der zumindest das Maurerhandwerk beherrschen mußte.


Blohms Dienstsitz war vermutlich Stade, wo er 1835 in die Antoni-Brüderschaft aufgenommen wurde; denn seit 1825 sind Bauzeichnungen von ihm überliefert, die in den „unteren Bezirk des Bremen-Verdenschen Landbaudistrikts“ gehören.


1837 auf 1838 erbaute er neu die Kirche in Freiburg im Lande Kehdingen an der Unterelbe, für die er nicht nur das nüchterne protestantische Äußere, sondern auch den Kanzelaltar entwarf.


Nach diesem Beweis seiner Fähigkeiten wurde er 1839 nach Aurich versetzt. Spätestens seit 1849 galt im Königreich Hannover, daß alle Staatsbauten – außer denen für die Spezialbetriebe Post und Eisenbahn – von den Domanialbaubeamten auszuführen waren. Diese Beamten waren die Landbauconducteure, inspektoren und -meister. Jeder Landdrostei war ein solcher als technisches Mitglied zugeteilt, der in den ihn betreffenden Angelegenheiten mitstimmte. Blohm war also der „Vorgänger“ des heutigen Staatshochbauamtes Emden, aber nur eine Person statt einer Behörde. Als „unermüdlich“, „vielbeschäftigt“ und “äußerst fleißig“ wurde er in den 50er Jahren von seinem ihm vorgesetzten Landdrosten Bacmeister charakterisiert. Er stieg die dienstliche Stufenleiter bis zum Oberlandbaumeister 1865 auf. Nach 1866 wurde er als Oberbaurat pensioniert.


In den 25 Jahren seiner ostfriesischen Tätigkeit hat Ernst Heinrich Blohm gebaut: die Domänenplätze GroßBurhafe und Loquard, die Amtshäuser in Leer und Weener, das Gefängnis auf Norderney und die Navigationsschule in Timmel. Dazu oblag ihm die ständige Bauunterhaltung aller staatlichen Gebäude. Entwurf geblieben sind seine Zeichnungen für das von König Georg V. von Hannover angeordnete Mausoleum der Cirksena in Aurich.


Blohms dauerndstes Denkmal aber ist das Schloß in Aurich. Anfang des Jahres 1851 wurde er beauftragt, für das neu einzurichtende Obergericht im Schloß Platz zu schaffen. Blohm machte daraus „wegen der schlechten Beschaffenheit des alten Schloßgebäudes“ einen Abbruch des Bauwerks bis auf die Fundamente. 1988 konnte die Höhe des erhaltenen Mauerwerks von 1450 genau festgestellt werden. Im August 1851 kam der Kammerrat Oppermann aus Hannover nach Aurich und erteilte Blohm „Instruktionen“. Dieser ging von nun an ganz selbständig vor. Das Schloß wurde auf den alten Fundamenten wiederaufgebaut, was die merkwürdige Gestalt des Innenhofs erklärt. Blohm entschied sich dafür, „den Turm nebst Durchfahrt in die Mitte zu setzen“, gegen die Meinung der vorgesetzten Domänenkammer in Hannover. Die äußere Gestalt des Turmes wurde ihm allerdings von dieser genau vorgeschrieben, woran er sich auch hielt. Auf diese Weise hat Aurich eines der wenigen erhaltenen Beispiele repräsentativer Staatsarchitektur des Königreichs Hannover erhalten.
 
Werke: ca. 40 Architekturzeichnungen im Niedersächsischen Staatsarchiv in Stade; StAA, Rep. 241, B Nr. 1813, 3957, 3958, 3959, 3968, 3971, 3973 und 3974. Quellen: Staatskalender des Königreichs Hannover 1823-1865; StAA, Rep. 12, Nr. 3858, 3859, 3896, 3897, 3900, 3901, 3969, 3977, 3978, 4006 und 4057, Dep. 1 N, Nr. 528; Auskünfte des Niedersächsischen Staatsarchivs und des Stadtarchivs in Stade und des ev.-luth. Pfarramts in Kirchweyhe. Literatur:  AKL 11, S. 556; Hans Wohltmann, Die Mitglieder der St. Antoni-Brüderschaft von 1439-1934, in: Stader Archiv, N.F. 24, 1934, S. 92; Joseph K ö n i g, Auf Burg-Fundamenten des Mittelalters. Erinnerungen an den Auricher Schloßneubau im Jahre 1852, in: Friesische Heimat. Beil. zu Anzeiger für Harlingerland vom 22.11.1952 (auch in: Ostfriesische Nachrichten vom 22.11.1952);  Die Kunstdenkmale des Landkreises Stade (Die Kunstdenkmale des Landes Niedersachsen, 33), bearb. von CarlWilhelm Clasen u.a., München 1965, Textband S. 304-309, Tafelband Abb. 283;  Vertrauliche Berichte des Landdrosten Bacmeister aus Aurich (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen XXXV, 9), hrsg. von Walter Deeters, Hildesheim 1989, S. 22, 35 und 48;  Heinz Ramm, Die Anfänge von Aurich, in: Collectanea Frisica. Beiträge zur historischen Landeskunde Ostfrieslands (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands, 74), Aurich 1995, S. 143, Anm. 50.                                                                          

                                                                                   Walter Deeters