Melioration (in Bearbeitung)

Geschichtsgruppe Weyhe

Paul Athmann / Karl Hahn

Weyhe Februar 2021

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

5. Melioration 

5.1 Die Brinkum-Leester Melioration .

5.2 Die Sudweyhe-Ahausen-Mahndorfer Melioration 

5.3 Rieselwiesen in der Kirchweyher Marsch 

5.4 Stauanlagen in der Hache 

 

 

 

 

5. Melioration

 

Im 19. Jahrhundert, als es noch keinen Kunstdünger gab, versuchte man durch den Schlick und die Schwebstoffe aus dem Weserwasser die Erträge in den Marschwiesen zu steigern. Zur Verbesserung des Bodens und auch zur Vernichtung von Wühlmäusen war die kontrollierte Überschwemmung willkommen. Da die Marsch fast nur aus Weideland und Wiesen bestand, ging es um eine Verbesserung des Graswuchses – sei es für das weidende Vieh oder für die Heuernte.

 

 

5.1 Die Brinkum-Leester Melioration

 

"In den Jahren von 1885 bis ca. 1952 wurden die Wiesen der Leester und Brinkumer Marsch mit dem Wasser aus der Weser für die Düngung und die Schädlingsbekämpfung überflutet. Die Methode der Bewässerung ist die Stauberieselung, bei der die Wiesen in den Wintermonaten Januar bis März kurzzeitig geflutet und dann alles wieder trocken gelegt wurden. Hierbei setzten sich für die Vegetation wichtige Pflanzennährstoffe ab, wie Kali, Kalk, Stickstoff und Magnesium usw., was zu großen Vorteilen bei der Einsparung von Düngemitteln und großen Ertragsverbesserungen führte." 1

 

Um 1883 baute man einen Zuleitungskanal von der Weser in Dreye bis an die Ochtum, um die Marsch kontrolliert fluten zu können. Das Zurückfließen des Wassers wurde durch Wehre in den Marschgräben verhindert. Nach A. Paul wurde die Bewässerung der Marsch 1882-1883 mit einem Kostenaufwand von etwa 205000 Mark angelegt - die sog. "wilde Verwässerung", die dann später durch Kanalisierung der Marsch erheblich verbessert worden sei. 2

Die Steigerung der Erträge wurde wissenschaftlich untersucht und bestätigt. 3

 

Mit dem Aufkommen des Kunstdüngers nach 1950 war die Marsch-Überflutung nicht mehr effektiv und wirtschaftlich. Überschwemmungen wurden kaum noch durchgeführt. Schließlich wurde im Jahre 1967 das Sieltor im Dreyer Deich entfernt.

 

Der Zuleitungskanal wurde 1883-1885 zur Bewässerung der Leester und Brinkumer Marsch gebaut. Er führte durch ein Sieltor im Weserdeich, unter der Dreyer Dorfstraße hindurch und dann bis zur Ochtum, wo er in einem Auffangbecken endete. Am Ende des Auffangbeckens führte ein Auslass zu einem Rohr der Unterleitung an der Ochtum, die das Wasser unter der Ochtum hindurch in die Leester Marsch führte. Durch Öffnen des Auslasses wurde die Marsch auf der anderen Seite der Ochtum unter Wasser gesetzt, was zur jährlichen Düngung der Marschwiesen diente. Das Wasser floss dann über Gräben in die Ochtum.

 

„Das Bewässerungswasser wird vermittels einer Mulde von der Weser bis zur Einlassschleuse im Weser-Deich geführt und der Zuleitungskanal von der Schleuse bis zur Ochtum, welcher zwei Bassins bildet, hat eine Länge von 2,7 km. Vermittels einer Unterleitung geht das Wasser unter der Ochtum durch, alsdann wird es in einer sich allmählich verflachenden und verbreiternden Mulde nach der ersten Abteilung geführt. Der Zuleitungskanal hat eine Sohlenbreite von 8,5 m, die Wassertiefe beträgt 1 m und das Gefälle 0,3 auf 1000. Die Einlassschleuse im Weser-Deiche hat eine lichte Öffnung von 3,3 m und ist massiv erbaut (siehe Fig. 10 bis 12). Die hölzernen Schützen werden durch mechanische Vorrichtungen gehoben. Zur Ergänzung des Längenschnitts Fig. 10 sei bemerkt, daß die Befestigung der Sohle des Kanals und die Steinbekleidung seiner Böschungen an der Binnenseite 5 m lang sind. Die Unterleitung unter der Ochtum besteht aus zwei Rohren aus Eisenblech von 1,2 m Durchmesser in massiven Häuptern gelagert und hat eine Druckhöhe von (?). Die drei Unterleitungen unter dem Leester Mühlenbach zwischen Abteilung I und II haben 1 m Durchmesser und sind aus Cementrohren hergestellt; außerdem sind noch Bauwerke zur Durchleitung des Wassers durch die Landstraße von Arsten nach Dreye und durch die Brinkumer Chaussee, vier Ablassschleusen usw. ausgeführt. Die günstigen Erfolge der Melioration veranlassten die Besitzer der wegen hoher Lage ausgeschlossenen Wiesen an der Ochtum und Kirchweyhes Grenze, im Juli 1884 die Anlage eines dritten Rohres zu beantragen und es wurde bis Ende des Jahres 1884 dies 1,2 m im Durchmesser haltende Rohr eingelegt, Hierdurch konnte wegen der geringen Druckhöhe, weIche für die nicht erhebliche Konsumtion genügte, das höhere Terrain zur Bewässerung gelangen. [...]“

[August Heß, "Fortschritte im Meliorationswesen", Leipzig, 1892; http://zbc.ksiaznica.szczecin.pl/dlibra/plaincontent?

id=2556]

 

Der Kanal wurde von 1885 bis ca. 1950 genutzt. Die Aufwendungen für den Kanalbau und die Bewässerung wurden durch den Leeste-Brinkumer Schleusenverband aufgebracht, in der sich die Marschbauern zusammengeschlossen hatten. Als Meliorations-Maßnahme zur Düngung der Marschwiesen wurde die Marsch jährlich überschwemmt. Das Wasser wurde über die Gräben der Ochtum zugeführt. Der Wasserabfluss wurde über Sperrwerke in den einzelnen Gräben geregelt.

 

Nach der Weser-Korrektion von 1895 war die Bewässerung von höher gelegenen Flächen in der Marsch nur noch kurzzeitig oder gar nicht mehr möglich, da durch die Korrektion das Wasser schneller abfloss und der Pegelstand für eine starke Überflutung nicht mehr ausreichte. Der Schleusenverband erhielt daher eine Entschädigung, die zur Tilgung des aufgenommenen Kredits verwendet wurde. 1967 wurde das Sieltor am Dreyer Deich entfernt und der Kanal zugeschüttet. Er wird heute teilweise als Wirtschaftsweg genutzt.

 

Der Leester Karl Hahn hat im Rahmen der Spurensuche des Kreisheimat-bundes Diepholz die Geschichte der Melioration detailliert beschrieben. Er hat auch Zeitungsberichte aus der Syker Zeitung zu dem Thema reproduziert. Im Folgenden zeigen einige dieser Zeitungsausschnitte 4 die Erwartungen an die Bewässerung sowie die gemessenen Erfolge. Sie deuten aber auch einige Enttäuschungen an.

 

Februar/ März 1885: An 50 Tagen strömt Weserwasser in die Marsch 1887: Die Leeste-Brinkumer Marsch wird zum dritten Mal überflutet. Das Marschgras findet Interesse bei auswärtigen Käufern. Der Verkauf findet alljährlich statt.


1888: Versammlung des Leeste-Brinkumer Schleusenverbands in Hörden (Harms). Verbandsvorsteher J.H. Dunkhase lädt ein.

 

1890: Das Marsch-Gras wird meistbietend versteigert (beim Imhofe). Der Verkauf findet alljährlich statt.


Besuch aus dem Norden Europas: Ein Landesinspektor aus Dänemark besichtigt die Bewässerungsanlagen.

 

Dezember 1890: Deputierten-Versammlung der Marsch- und Weideinteressenten von Leeste und Erichshof (im Schmidt'schen Gasthause). Neuwahl der Deputierten des "Leeste-Brinkumer-Schleusenverbands". Gewählt: Gemeindevorsteher Harms, Vollm. Diedr. Meyer, Halbm. J.H.Holthusen, Halbm. Joh.Wilkens, Vollm. Heinrich Hellmers und Brinksitzer Block, sämtlich zu Leeste, sowie Halbm. Chr. Meyer zu Hagen, Brinks. H.Schweers zu Hörden und Gastwirt H.Kastens in Erichshof.

 

„Der Ertrag unserer Marschwiesen ist ein reicher“


1891: Im Juli beklagt die Syker Zeitung die durch das schlechte Wetter aufgehobene Düngewirkung des Weserwassers. Die Heu- Ernte fällt unterdurchschnittlich aus.

 

 

 

 

Verbandsvorsteher Dunkhase legt im November die Beitragslisten für den "Leeste- Brinkume -Schleusenverband" aus. Im Februar 1892 wird die Verkoppelung des Radisbruchs (=Rodesbruch?) vorangetrieben, um auch hier eine bessere Entwässerung zu erreichen und so den Nutzen der Bewässerung zu erhöhen. Im Februar 1893 freut sich die Syker Zeitung darüber, dass die Überflutung "flott im Gange" ist. Sie sei erwünscht, weil "große Mengen von Mäusen, Maulwürfen und sonstigem Ungeziefer am Grase viel Schaden angerichtet haben". Die Ernteaussichten werden im August als „Mittelertrag“ eingestuft.

 

 

Im Februar 1894 steht die Leester Marsch wieder unter Wasser. Aber die Weser sinkt, und ein "Anfüllen der gesamten Anlage" kann nicht durchgeführt werden. Im Dezember desselben Jahres werden der Verbandsvorsteher J.H.Dunkhase und der Rechnungsführer A.Kirchhoff in Brinkum für 6 Jahre wiedergewählt. Ende Dezember hat auch die erneute Bewässerung wieder begonnen.


Im März 1895 ist die Überflutung erneut "in flottem Gange". Im ersten Revier ist der gewünschte Wasserstand erreicht, und "in aller Kürze werden auch die übrigen Grundstücke völlig überflutet sein".

 

April 1895 versammeln sich Vertreter der landwirtschaftlichen Vereine in Achim, um gegen die Weser-Korrektion zu protestieren. Durch die Vertiefung der Weser sei der Stand des Bewässerungswassers um 60 cm

gesunken. Die Bewässerung habe dadurch wesentlich an Erfolg eingebüßt.

 

Im Februar 1898 kann wegen des niedrigen Wasserstands in der Weser nur kurzzeitig Wasser in die Marsch geleitet werden. Erneut wird die Absenkung des Wasserstandes und die Verkürzung der Hochwasserzeiten durch die Weser-Korrektion beklagt. Im März wird erneut geflutet, und es wird von Tausenden von Möwen und einigen Schwänen in der Marsch berichtet.

 

1899 werden auf Versammlungen in Brinkum (Gasthaus Budelmann) und Leeste Gasthaus Schmidt) neue Verbands- Deputierte gewählt.

 

1903 erreicht die Weser in Hoya mit 1,10 Meter ihren höchsten Stand. Ohne Korrektion wären es 1,70 m gewesen.

 

1904 weist die Rechnung für da vergangene Kalenderjahr einen Schuldenstand von 102441 Mark aus, also ungefähr die Hälfte des ursprünglichen Betrags.5

 

Im Dezember 1907 werden der Verbandsvorsteher J.H.Dunkhase und der Rechnungsführer (Rendant) A. Kirchhoff in Brinkum für 6 Jahre wiedergewählt. Die Vorstandsmitglieder H.Lohmann und H.Mysegades in Brinkum, H.Hellmers und Joh.Wilkens in Leeste werden auf 3 Jahre wiedergewählt.


1906 erhält der Verband eine Entschädigung wegen der Weserkorrektion von 80000 Mark, die zur Tilgung der Schulden eingesetzt werden.

 

Die Bewässerung wird noch bis in die 1950er Jahre durchgeführt. Danach wird die Düngung der Marsch mit Kunstdünger als effektivere Methode zur Ertragssteigerung praktiziert.

1900: Der Zuleitungskanal ist in der Preußischen Landesaufnahme eingezeichnet. (nachträglich blau markiert).

 

 

Auch in der Karte von A. Paul um 1930 ist der Kanalverlauf nahe der Bremer Grenze eingezeichnet:.

 


Der Kanal zweigte am Blauen Werder ab und verlief durch ein Sieltor im Deich bis zur Dreyer Straße.


1967 wird das Einlassbauwerk zum Zuleitungskanal wieder beseitigt. Es liegt direkt an der Kiesentlade-Stelle der Firma Winkler (Hansa-Beton). Der Zuleitungskanal wird zugeschüttet bzw. wird Teil der neu ausgebaggerten Kiesgrube (Blauer Werder), die sich mit Weserwasser füllte.

2010/2011 sind beiderseits der Ochtum nur noch Reste eines Brückenbauwerks (Düker) vorhanden. Das Rohr war der Auslass des Wasserbassins, das auf der nördlichen Seite der Ochtum für eine Druckerhöhung sorgen sollte.


Das Weser-Wasser wurde neben dem Auslass durch ein Rohr geführt, dass durch den Düker nach unten führte (F) und dann unter der Ochtum hindurch zum Düker am anderen Ochtumufer wieder heraustrat. Es führte hier unter der Ochtum hindurch, um eine Vermischung des Weserwassers mit der Ochtum zu vermeiden. Ebenso musste man auf eine mögliche Stauung der Ochtum verzichten, um die Entwässerung am Oberlauf der Ochtum weiter zu gewährleisten. Die beiden Röhren bestanden aus 9 mm dickem Eisenblech und hatten einen Durchmesser von 1,2 m. Auf der gegenüberliegenden Seite der Ochtum ergoss sich das Wasser in die offene Marsch, von wo es sich auf die Wiesen verteilte.

Die von Karl Hahn eingezeichneten Punkte im Google-Luftbild von 2002: D-E: Kanalverlauf - heute Feldweg. Hier kreuzt der heutige Entwässerungsgraben den Weg und führt weiter zum neu angelegten Regenrückhaltebecken (helle Fläche). Vom Punkt E floss das Wasser weiter in das Sammelbecken vor der Ochtum. Durch Öffnen des Sperrwerks (F) wurde die Bewässerung in Gang gesetzt.

 

Die Bewässerung erfolgte in 3 "Abteilungen": Zunächst wurde das Gebiet zwischen der Grenze zur Kirchweyher/Dreyer Marsch bis zum Mühlbach bewässert. Dann wurden die Schütze an den Unterleitungen (U) des Leester Mühlbachs geöffnet, um die 2. Abteilung zu wässern. Schließlich wurden auch die Unterleitungen der Straße von Brinkum nach Kattenturm geöffnet, und die Brinkumer Marsch bis zum Stuhrgraben wurde unter Wasser gesetzt.

 

Damit das Wasser nicht gleich wieder über die Gräben in die Ochtum ablief, wurden Staudämme entlang der Ochtum, am Grenzgraben zu Kirchweyhe und dem Mühlbach (früher: Mühlgraben) angelegt. Auf diesen Dämmen sind heute Wege angelegt.

 

Die in der Karte mit Ia und Ib bezeichneten Flächen an der Ochtum lagen etwas höher und wurden nicht überflutet. Sie wurden später (1890 - 1914) von der Leester und der Arster Ziegelei zum Abbau von Auelehm etwa 1 m tiefer gelegt.

Karte der Stauberieselung mit Abteilungen und Markierungen der Unterleitungen und Ablassschleusen.6


[Fotos: W.Meyer 2008 -1979 ]

 

Die Entwässerung erfolgte über die Ochtum durch Ablassschleusen (S) in jeder Abteilung. Sie waren ca. 2 m hoch, 90 cm breit und 5 cm dick. Sie konnten durch Zahnstangen angehoben werden. Reste dieser Anlagen sind 2010 noch vorhanden.

 


[Fotos 2010: K.Hahn]

Foto von 1956 (Wehr am Hohen Deich)

[Foto: H. Wetjen]

Wehr (Ablassschleuse) in der Brinkumer Marsch

[Foto/Repro: H.Rauschert] 7

Das Ablassen des Wassers nach der Absetzzeit erfolgte über die Gräben und die Ochtum. Es wurde mit den Schützen geregelt. Im Grenzgraben in der Nähe der Ochtum ist 2018 noch solch ein Bauwerk vorhanden (S1), ebenso am Staudamm (S2) und eines am Mühlbach (S3).

 

 

Nachteile der Bewässerung:

 

Neben den immensen Kosten gab es noch einen weiteren Nachteil der Bewässerung: 1888 wird in der Syker Zeitung anlässlich der jährlichen Treibjagd in der Leester Marsch darüber geklagt, dass das „schlechte Resultat“ dadurch erklärlich sei, „daß bereits die ganze hiesige Marsch und ein großer Theil der Weide infolge der Bewässerung überfluthet ist und dadurch viele Hasen vertrieben sind“.8 In späteren Jagdberichten wird dies allerdings nicht wiederholt. Vielmehr wird darauf verwiesen, dass die Leester Marsch für „ihren außerordentlichen Wildreichtum“ berühmt sei.

 

 

Rückgang und Einstellung der Bewässerung:

 

„Mit der Einführung des Mineraldüngers veränderte sich die Situation der Bewässerungswirtschaft entscheidend. War die Bewässerung von Wiesen zur Ertragssteigerung noch im 19. Jahrhundert eine zwingende Notwendigkeit als Voraussetzung einer ertragreichen Ackerwirtschaft, so löste der wachsende Einsatz von Mineraldünger den Ackerbau aus seiner Abhängigkeit vom Grünland. […] Insbesondere in Gebieten, in denen die Düngewirkung des Bewässerungswassers gering war, führte der verstärkte Mineraldüngereinsatz auf den Äckern zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Aufgabe einiger Rieselwiesenanlagen. Das betrifft […] viele Wiesenanlagen an den Geestflüssen, die nicht über eine nennenswerte Zufuhr von Nährstoffen verfügten.

 

[…]Die Anlage und Unterhaltung der komplizierten Bewässerungseinrichtungen waren sehr kapital-und arbeitsintensiv. Infolge von Lohnsteigerungen und fehlender Fachkräfte kam es auf den weniger rentablen Flächen bereits vor und dann verstärkt im ersten Weltkrieg zur Vernachlässigung und dem Verfall von Bewässerungsflächen. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg wurde der Erfolg von Bewässerungswiesen aufgrund des effektiven Einsatzes von Mineraldünger und der fehlenden Rentabilität zunehmend in Frage gestellt.“ 9

 

Der Verbandsvorsteher Dunkhase zieht Ende 1897 eine Zwischen-Bilanz der Bewässerung und kommt zu dem Schluss: „Durch die Korrektion der Weser ist die Anlage durch die Senkung des Bewässerungs- als auch des Grundwasserstandes bedeutend geschädigt, aber sie bleibt dennoch eine Anlage, die namentlich den künftigen Geschlechtern von Nutzen sein wird. Zugleich lehrt die Anlage, dass mit Erfolg das Wasser der Weser zur Bewässerung ausgenutzt werden kann, aber auch besonders, dass für eine derartige Anlage nicht mehr wie 3-4 Mark pr. Morgen jährlich ausgegeben werden darf.“

Syker Zeitung v. 1.1.1898

 

 

 

5.2 Die Sudweyhe-Ahausen-Mahndorfer Melioration

 

1904 schlossen sich die Eigentümer der dem Meliorationsgebiet angehörigen Grundstücke in den Gemarkungen Riede und Sudweyhe zur „Ahausen-Sudweyhe-Mahndorfer Ent- und Bewässerungs-Genossenschaft“ zusammen, um den Ertrag dieser Grundstücke entsprechend dem Meliorationsplan des Oberlandmessers Gaertner zu Verden zu verbessern. Dieser Plan sah Ent- und Bewässerung durch Weserwasser vor. Der Genossenschaft gehörten 10 Hofbesitzer aus Ahausen, 14 aus Sudweyhe, 1 aus Kirchweyhe, 2 aus Riede und 8 aus Mahndorf an. Auch die Kirchengemeinde Weyhe war Mitglied.10

 

Genossenschaftsvorsteher Dietrich Bösche aus Ahausen nennt 1938 in einem Schreiben an die Landesbauernschaft Niedersachsen die Gründe: „Wir haben ja infolge der Trockenlegung unserer Wiesen, die ja vorher jährlich vom Weserhochwasser überflutet wurden, ohne jegliche Anlagen auf Anraten der Regierung die jetzige Genossenschaft gegründet und Bewässerungsanlagen gebaut im Werte von 12200 Rm ohne die Sommerdeiche, die reichlich 15000 Rm gekostet haben.“

 

Daraus geht hervor, dass auch in Ahausen und Sudweyhe Melioration durch Weserwasser betrieben wurde, allerdings wohl nur mit mäßigem Erfolg, da ein auch bei niedrigem Hochwasser funktionierender Zuleitungskanal fehlte:

 

In dem Schreiben wird der Nutzen der Bewässerung infrage gestellt: „Diese Anlage hat uns noch keinen Nutzen gebracht, weil der Wasserstand immer niedriger wurde“. Und weiter: „wie sehr wir enttäuscht wurden, ist ja allgemein bekannt, denn wenn Winterhochwasser kommt, wird das Wehr schleunigst heruntergelassen und unsere Schleusen bleiben trocken, und werden auch trocken bleiben, bis wir einen anderen Zuleitungskanal haben. Diese ganze Angelegenheit hat sich ja nun noch bedeutend zu unseren Ungunsten verändert durch die Sösetalsperre, während früher bei plötzlicher Schneeschmelze die Weser doch hin und wieder […] Hochwasser führte, so hört dies ganz auf seit der Talsperre, dafür haben wir dann aber als weiteren Schaden […] im April-Mai Hochwasser, und zwar soviel, dass die Niederungen dadurch erheblich geschädigt werden. Es ist das als Folge davon anzusehen, dass die Talsperren ihre Becken zu früh gefüllt haben und nun bei größeren Niederschlägen und dem Schneewasser [….] nicht mehr regulierend wirken können. […] Wenn man in den Wintermonaten bei Tauwetter […] das Wasser würde ungehindert abfließen lassen, so würde das Wasser einen Stand erreichen, der es uns ermöglichen würde zu bewässern […].11

 

Weiter geht es in dem Schreiben um die Erstattung von 15000 Reichsmark, die zugesagt worden waren, aber nie erstattet wurden, weil die Anlagen in bar bezahlt wurden.

 

Wie lange die Melioration in diesem Gebiet erfolgte (bzw. versucht wurde), ist nicht mehr zu ermitteln. Offensichtlich war diese 1938 aber nicht mehr in Betrieb.

 

1940 wurde die Genossenschaft umbenannt in „Boden-Verbesserungs-Genossenschaft Ahausen-Sudweyhe-Mahndorf“. Um 1956 wird sie „Be- und Entwässerungsgenossenschaft Ahausen-Sudweyhe-Mahndorf e.G.“ oder auch einfach nur “Meliorations-Genossenschaft” genannt.

 

 

 

5.3 Rieselwiesen in der Kirchweyher Marsch

 

Auch in der Kirchweyher Marsch werden nach dem 1. Weltkrieg die Wiesen mit Wasser aus der Ochtum überschwemmt. 1927 wurde dazu ein Sperrwerk in der Ochtum zwischen der Straße nach Dreye und der Bahn angelegt. Wenn die Sperrschütts der Stauanlage geschlossen werden, ergießt sich das Ochtum-Wasser in die Marschwiesen, was zur Düngung mit den Schwebstoffen der Ochtum und damit zu verbessertem Graswuchs führt.

 

Das Sperrwerk verliert mit dem Einsatz von Kunstdünger seine Bedeutung. Es wird um 2005 vollständig beseitigt.

Das Ochtumsperrwerk nach dem Bau 1927.12

Das Sperrwerk (Foto von 1993)13 existiert noch bis etwa 2005. Es wird aber nur noch als Brücke über die Ochtum genutzt.

 

5.4 Stauanlagen in der Hache

 

In der Hache werden Stauanlagen eingebaut, um die gezielte Überschwemmung der angrenzenden Wiesen zu ermöglichen.

 

Diese Sperrwerke werden von den Landwirten angelegt, um die angrenzenden Wiesen mit Hachewasser zu düngen. Die Stauanlagen werden mit dem aufkommenden Kunstdünger überflüssig und man baut sie in den 1960er Jahren wieder ab.

 

Zuweilen überschwemmte die Hache bei Hochwasser auch unkontrolliert die Hacheniederung.

 

Weyher Jungs 1935 an einem Hachesperrwerk in Lahausen. 14

Hachehochwasser Februar 1970 in Jeebel

 

 

Auch zur Berieselung der Wiesen mit Hachewasser wird eine Genossenschaft gegründet, die „Hachewiesen-Ent-und Bewässerungsgenossenschaft zu Kirchweyhe“. 15

 

 

 

 

5.6 Anmerkungen

1 Zitiert aus K. Hahn, in einem Beitrag zur Spurensuche des KHB Diepholz, 2011 (Melioration Leeste).

s. auch (Feldmann, Dannemann, Kroll, & Meyer, 2012), S.134

2 (Paul, 1929) Syker Heimatbuch 1929, S. 48

3 s. A.Friedrich, Kulturtechnischer Wasserbau, Berlin, 1907

4 Zeitungsausschnitte Syker Zeitung reproduziert von K.Hahn,H.Riehn, S.Rathjen Leeste

5 Syker Zeitung v. 3.3.1904

6 Eintragungen von Karl Hahn

7 (Rauschert, 2003) S. 140

8 Syker Zeitung v. 4.12.1888

9 A.Hoppe, Die Bewässerungswiesen Nordwestdeutschlands – Geschichte, Wandel und heutige Situation -; in: Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde; 64.Jg. 2002, Heft 1; S. 58

10 Archiv Gemeinde Weyhe H-860 Ahausen-Sudweyhe-Mahndorfer Ent- und Bewässerungs-Genossenschaft (später: Wasserverband Sudweyhe)

11 Archiv Gemeinde Weyhe H-860 Ahausen-Sudweyhe-Mahndorfer Ent- und Bewässerungs-Genossenschaft (später: Wasserverband Sudweyhe)

12 Foto/Repro: W.Meyer

13 Foto: M.Brugger 1993

14 (Meyer, Die Hache - Impressionen einer Bachlandschaft, 1992) S.76

15 A.Hoppe, Die Bewässerungswiesen Nordwestdeutschlands – Geschichte, Wandel und heutige Situation -; in: Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde; 64.Jg. 2002, Heft 1; S. 93