Männerchor Erichshof

Heinz Tödtmann

 

Man sagt, aus dem Chaos erwachse neues Leben. Und so ist es auch im richtigen Leben:

 

30. April 1931.

Die Mitglieder des Gemischten Chors von  Erichshof sind eingeladen zu einer außerordentlichen Mitgliederversammung. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Auflösung des einzigen Gesangsvereins im Ort. Der Germischten Chor Erichshof soll nach nur 3jähriger Lebensdauer „wegen verschiedener Gründe“ – wie es im Protokoll vermerkt ist – aufgelöst werden.  In dieser Situation, die von Resignation und Enttäuschung beherrscht ist macht Dietrich Heusmann den Vorschlag, einen Männerchor zu gründen. Die Anwesenden meinen sich verhört zu haben. Aber der Vorschlag findet nach kurzer Aussprache Resonanz und so beschließen 11 der anwesenden jungen Männer, auf den Vorschlag einzugehen und noch am selben Abend einen neuen Männerchor ins Leben zu rufen.Heinrich Voßmeyer gewinnen sie als Chorleiter, Gastwirt Böttcher erklärt sich bereit, die Aufgabe des Vereinswirts zu übernehmen.

 

Außerordentliche Generalversammlung des "Gem. Chors" Erichshof am 30. April 1931

 

Die Versammlung wird um 8 1/2 Uhr eröffnet.

 

Tagesordnung

I, Auflösung des "Gem. Chors Erichshof"

II.,Verschiedenes

 

Von verschiedenen Seiten wurde der Antrag gestellt, den "Gem. Chor", wegen verschiedener Gründe, aufzulösen. Über diesen Antrag wurde abgestimmt und wurde der Antrag mit absoluter Stimmenmehrheit angenommen. Der jetzige Kassenbestand wird unter den Mitgliedern verteilt. Ausgezahlt wird an jedes Mitglied RM 6,00. Das Geld muss bis zum 14. Mai 1931 (Himmelfahrtstag) abgeholt sein. Der Verein ist damit aufgelöst.

 

Schluß der Versammlung um 9 1/4 Uhr.

 

Hohnhorst

Schriftführer

 

(aus dem Protokollbuch)

[...] Nach einer weiteren Aussprache macht der Sangesbruder Dietrich Heusmann den Vorschlag, einen Männerchor zu gründen. Dieser Vorschlag wurde von den Anwesenden freudig begrüßt und sind folgende Herren bereit, einem Männerchor beizutreten. Heinrich Meyer, Hugo Gutreise, Johann Heuer, Hermann Plate, Georg Hohnhorst, Heinrich Voßmeyer, Fritz Hildebrandt, Heinz Hohnhorst, Heinrich Hildebrandt, Heinrich Böttcher und Fritz Lemmermann. Alle vorgenannten Mitglieder sind bereit, ihren aus dem "Gem. Chor" ausgezahlt erhaltenen Betrag dem Männerchor zur Verfügung zu stellen. Es wurde sodann folgender Beschluß gefaßt: Mitglieder des "Gem. Chors", die sich ihren Betrag auszahlen lassen und den Betrag dem Männerchor nicht zur Verfügung stellen, können niemals Mitglied des Männerchors werden[…]. 

 

 

Der Verrein ist somit gegründet. 

§1

Der Verein führt den Namen "Männerchor Erichshof". Der Zweck des Vereins ist die Pflege des Volksliedes und des deutschen Chorgesangs.

Der Verein verfolgt, um nicht den Zusammenhang und das gemeinschaftliche Interesse zu stören, keine Politik.

Der Sitz des Vereins ist Erichshof.

Änderung des Status durch Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung des Männerchors vom 16. Dezember 1954

§1 Abs. 2 wird gestrichen.

An seine Stelle tritt folgender Absatz:

Zur Erreichung dieser Ziele hält der Chor regelmäßig Singstunden ab, veranstaltet Konzerte und gesellige Veranstaltungen und stellt bei allen sich bietenden Gelegenheiten sein Singen in den Dienst der Öffentlichkeit.

Die Tätigkeit des Chors ist somit gemeinnützig; sie dient ohne Absicht der Gewinnerzielung, ausschließlch den oben genannten Zwecken.

Der Chor ist politisch und konfessionell neutral.

 

Heinz-Wilhelm Schmidt, der spätere Bürgermeister der Gemeinde Brinkum an seine Sangesbrüder:

 

"Lebe Sängerfamilie, lebe Gäste,

 

use Vorsitzende Jonny Finke hett den Vorschlag mokt, als eener von de olen Vereinsmitglieder scholl ick von Dag wo us mol wedder bewußt wurn ist, dat alles in‘ Leben seine Tied hett, wat vertellen ut de Tied, als use Chor noch groot und stark weer und in de Dorfgemeinschaft in Erichshof sienen festen Platz harr.. Up Platt, weil Platt für de meisten vopn us all jümmer de Umgangsspook in usen Verein ween is. Ick hebb „jo“ seggt, to Jonny sein Vorschlag. Dorum hebb eck mi in de Twischentied mol Gedanken mokt. Und jetzt hört jau doch mol an, wat dorbi rutkomen ist.

 

Ick bin dör mien Vadder und dör mien Freund Nachbarn Heinz Schmidt to’n Männerchor komen. 1949 hebbt se mi an eenen Donnerstagobend no „Kemnau“ minopmen, to een Übungsobend, „Kemnau“ dat weer domols for olen Eckshöschen dat geläufige Wort for „Gastwirt Böttcher“. Wi sick dat gehört hebb ick mi be den 1. Vorsitzenden Hugo Gutreise un bi den Dirigenten Heini Vossmeyer anmeldt. Kennen dön wi us jo all. Heini Vossmeyer frei sick uns egg: Schön, dat du mit us singen wull, denn sett di man dor achtern hen, bi din Vader, de singt in ersten Tenor. Tzü, so bin ick Tenorsänger wurn un bit von Dag bleben, obwohl mi de hogen Töne eig'ntlich jümmer Schwierigkeiten mookt hebbt.. Dat Übungszimmer domols – dat weer gliuektiedig de grote Suben von Kemnaus Oma. Un disse Stuben leeg glieks achter de Gaststuben.. For Kemmaus Oma – use Vereinswirtin – und eere Jungs de ehr meistens bien bedein'n hülben, weer das praktisch und for us harr dat den vordeel, dat wi up usen Schnaps und up us Beer nich lang to töben brukten.

 

Wenn wi ziemlich vollzählich weern – und wie weer domols um de 30 aktive Sänger – denn konn dat natürlich ganz schön eng weern. Aber dor hett sick domols nümms ober beschwert. Un sone „Tuchfühlung“ fördert jo schließlich ol dat „Tosomengehörigkeitsgeföhl“. Ick hebb mi von Anfang an in de nee Umgebung woll föhlt. Wi harr’n ne wunderbore Kamerodschaft.. Bi us güng dat alles etwas lockerer to as bi andere Gesangsvereine, weil bi us neben dat Singen ok de „Pflege der Geselligkeit“ jümmer ne grode Rull speelt hett, so wi dat jo ok in use Vereinssatzung vorschreben is. Ober de Leistung, de hett dor nich unner leern. Heini Vossmeyer – domols 37 Johr old – weer een goden Chorleiter – he harr bi sein Onkel Richard Vossmeyer – de in use Gegend een goden Ruf als Musiker und Chorleiter harr – gründlich leert und harr de Gobe, us ordenlich wa bibringen.

 

Egol, ob dar Anfang von’ne 50er Johrn use groden Erntefeste weern – oder noher de Jubiläumsfeste – ob dat Chorkonzerte oder ob dat Veranstaltungen weern, wo ok andere Gesangsvereine uptreern dön. Wi konn us oberall got seen und hörn loten und brukten vor de „Konkurrenz“ keene Angst to hebben. Irgendwann sind wie denn von use Stuben in dat Clubzimmer an den Flur umtogen. Und dat is denn jo ok bit ton Schluß use Ubungsrum bleben.

 

Use Chorkonzerte erst in in Kemnaus Sool – und denn in de Aula von de School an de Hombachstroten weern „Publikumsmagnete“! Un use Gesangssolisten wie Hugo Gutreise, Heinz Schmidt – de ok plattdüütsche Geschichten vertellt – Willi Ehlers, Heini Schweers , Addi Päsler – und löter ok Georg Wydra - weern richtige Publikumslieblinge. Jo, dat weern noch Tieden!! Als ick Mitglied bien Männerchor weer, do harrn wie den Onkel Ludwig.. De Ubristen von us snackten jo platt, wi eck so all segg hebb. Aber Onkel Ludwig weer een pensionierten Postbeamten, weer lütsch, keem ut Bremen und snackte Hochdüütsch. Und jümmer, wenn he meende, wie harn mol wedder good sungen, denn stöhn he up und sä; „Sangesbrüder, heute haben wir uns mal wieder selbst übertroffen.“ Und denn kloppte he sick up de Schultern.Und weil wi jo meistens good sungen hebbt, schall Unkel Ludwig noher reele blaue Plackens up seine Schultern hat hebben.. Hebbt se vertellt – schall ok stimmen.

 

Jo, wi hebbt bi us Singen masse Spoß hat. Spoß harr’n wi ok jümmer, wenn wi use traitionellen Kohl- u. Pinkeltouren möken. Bit vor 25 Johrn – schätz ek mol – noch ohne use Frounslüe. Un jümmer an een Sonndag in Januar oder Februar un jümmer von morgens bit obens, utstaffiert mit Pappzylinder up’n Kopp, mit witte Chrysanthemen an Revers und mit een Kohlstrunk un’n Handstock, so güngen wi jummer to Foot und natürlich bi jedet Weer. Lokole wie Richard Vossmeyer in Sudweyh oder Jan Hollwedel in Barrien – dat weer for us keene Entfernungen. Allerdings köm us dorbi to gote, dat an us Wege domols noch Gastwirtschaften weern, wo wi us verpusten und us mit Schnaps und Beer stärken kunnen. Manche hebbt mi frrogt: wie hebbt ji dat denn bloß schafft, sick den ganzen Dag to unnerholen? Und dat ohne Frounslüe? De Antwurt is einfach: weil wie nicht bloß eten un drunken hebbt, dat is natürlich ok nicht o kort komen, ne, weil wi Speele mokt hebbt, weil wi kegelt un schoten hebbt, weil wi unner Anleitung von Heinz Schmidt mit Goarnrull'n Autorennen veranstaltet hebbt – und weil jümmer welke unner us weern, de dör Witzevertellen und Vordräge for Stimmung sorgt hebbt. Wenn wie denn na de Königsproklamtion und no dat obligatorische Abendbrot den Retourweg antreern dön – denn natürlich met'n Bus oder Taxi denn brenn in’n Vereinslokol noch Licht. Dor konn wi us up verloten. Wie drunken dor noch eenen Slummersluck denn ober nichts wie henn no Hus, denn wie wüssen jo, dat use Frounlüe us dor sehnsüchtig erwarten dön.

 

Ick glöiv, domols harr’n wie in usen Verein keenen eenzigen Rentner. Wie mossen Mondag all wor arbeiten. Aber ick hebb nich hört, dat een eenziger mol „blau“ mokt hett. Dat gev dat nich. For us güll de Spruck: Dienst is Dienst und Schnaps is Schnaps. Ick mutt de Vullständigkeit un de Gerechtigkeit halber ober noch infügen, dat ok löter use Kohl- und Pinkeltouren mit use Frounslüe jümmer schön weern sind. Good, dat wie dat mokt hebbt. Ick moog noch wat to use Dirigenten seggen und dormit ok een Wunsch von usen Vorsitzenden erfüllen.. In 75 Johr’n Vereinsgeschichte bloß twee Dirigenten, lebe Sangesfreunde, ohne Betohlung – als Anerkennung bloßo een Buddel Cognac bi de Jahreshauptversammlung – dat is riep für dat Guiness-Book der Rekorde! Heini Vossmeyer- een Eckshöschen von echten Schrot un Korn, hett us von Anfang an 55 Johre dirigiert. Hett Erfolge mit us hat, hett niemols fehlt, harr keene Starallüren und weer als Dirigent een richtigen Kumpel. He konn ok good vertellen. Seine Tierliebe weer allgemein bekannt. Un dorum vertell he in de Pausen ok gern und spannend von sein Ossen Pluto un sin Koter Peter und wat he dormit belevt harr. Ick konn dor gor nich gnog von hörn und hebb em jümmer anspornt, noch mehr to vertelln. Und us Fidi, de nun ok all twintig Johr use musikolische Boss is? Ok he is een waschechten Eckshöschen.

He woll bloß für eene Obergangstied inspringen als wi mit Heini Vossmeyer een Problem harrn. Dat he wietermokt hett und dat he sich sogor bi de Sänger - wo wi in letzter Tied jo fökener tosomen veel uptreern sind, Respekt und Anerkennung verschafft hett, dat mog ick doch mol lobend erwähnen.

 

 Lebe Fidi, nun noch een poor persönliche Wör. Grode an Anfang hebbt wi di dat Singen mit us nich licht mokt. Dat beder sick, wie ick dat all domols belevt hebb. Aber du hest di dörsett, weers fliedig und sachkundig und weers in all de Johrn een goden Chorleiter.Ober jetzt, wo du 84 Johr old bist und de Gesundheit nich mehr so richtig mitspeelen will, mutt man Verständnis dorför hebben, dat du als Dirigent endgültig Schluß moken wull. Ick bin obertügt, wi harrn usen Verein all veel fröher uplösen must, wenn wi di nich hat harrn. Wi sind di do grooten Dank verpflichtet. Wi künnt bloß hoffen und wünschen, dat du mit diene Thea noch een poor schöne Johre verleben darfst und dat du noch foken an de schöne Tied bien Männerchor retour denken deist. Schließlich hest du den Verein jo 60 Johre de Treue holen.

 

Leebe Sängerfreunde, ick konn natürlich noch mehr vertellen. Ton Beispiel hebb ick jo nich nichts segg ober use schönen Sommerutflüge, ober use einmoligen Adventsfiern, ober use vergnögten Sängerbälle un Kommersobende, ober use Mitwirkung bi de Gemeindekulturfeste und bi Gedenkfiern. Ober use Freundschaft mit de Sänger von Königsdahlem, ober uset ole Verinslokol, dat us Heimot weern is und wo wi veele schöne Stunden verleevt hebbt. Dat Hus steiht nich mehr – leider – ober de Erinnerungen blievt, und dat is een lüttjen Trost for mi. Und ick hebb ok nichts segg, ober Helga und Heiner – use beliebten Vereinswirte. Viellicht harr ick ok noch use 6 Vereinsvorsitzende würdigen schollt, de in de 75 Johrn an de Vereinsspitze stohn hebbt und de alle een Glücksfall for usen Verein weern sind. Aber ick weet: wer toveel snackt, den willt di Lüer nich. Dat segg Gertud ok jümmer. Dorum will ick ton Schluß komen

 

Ick wünsch us allen noch eenen schönen Abend, ok wenn de Abend mit Wehmut verbunnen is. Aber denkt dor an: Use Verein weer bit ton Schluß eene verschworene Gemeinschaft. Us Vereinsleben endet nicht in Striet und Zwietracht. Dat beruhigt mi. Und dorum weer ick usen Verein – und de 57 Johr, de ick bien Verein tobroch hebb – jümmer in goode Erinnerung beholen.

 

Ick denk, dat jau dat ok nich anners geiht. Ick dank jou, dat ji mi tohört hebbt."

 


Regelmäßige Kohlfahrten gehörten zum "Pflichtprogramm"
Regelmäßige Kohlfahrten gehörten zum "Pflichtprogramm"

Hier die Rede von Heinz-Wilhelm Schmidt bei einer derartigen Veranstaltung:

 

"Liebe Kohl- und Pinkelgemeinde,

 

vernehmet die Kohl- und Pinkelgeschichte des Männerchors "Erichshofia", aufgezeichnet von Sangesbruder Heinzus-Wilhelmus,vom ersten bis zum letzten Satz an also lauten:

Es begab sich aber zu der Zeit, daß wieder einmal alle Welt unterwegs war, um Kohl und Pinkel zu essen. Da machten sich auch auf die Männer des Sängerchors "Erichshofia" unter Willy Ehlers, ihrem Fresskönige, auf daß sie sich labten an dieser Wunderspeise Gottes und an den herrlichen Getränken, welche bei solchen Gelegenheiten in rauhen Mengen zu fließen pflegen.

 

Und sie kamen alle: Die Dicken und die Dünnen, die Hungrigen und die Satten, die Großen und die Kleinen, die Alten und die Jungen - dreißig an der Zahl, ein jeglicher bereit, großen Taten zu vollbringen.Sie fanden sich ein bei "Kemnau". Daselbst gab es Chrysanthemen, Zylinderhüte, Schnäpse, Biere und die ersten Klänge einer Handharmonika  und der Teufelsgeige. Und es war allseits eine große Vorfreude.

 

In der zehnten Stunde machten sie sich auf den Weg gen Mackenstedt mit viel Stimmung und einigen Flaschen Schnaps. Ein jeglicher hatte einen Handstock.Und siehe da! Es war noch kalt in deutschen Landen, und so tat es gut, hin und wieder einen Schluck zu nehmen,welcher reichlich eingeschenket wurde von guten Sangesgebrüdern.Und gar viele Menschen standen vor Häusern und Türen und hinter Fenstern. Die winkten und waren froh, dieweil sie eine so liebe Pilgerschar  nie zuvor gesehen hatten.

 

Aber beschwerlich war der Weg und lang. Und da war es gut zu wissen: An der Syker Straße wohnet der Sangesbruder Johannes Hankenus; derselbe hat Schnaps und Bier und eine warme Herberge und ein gutes Herz. Dahin lasset uns gehen und uns stärken. Als Bruder Hankenus sene Gebrüder eintreten sah und gewahrte, daß sie noch nich "voll" waren, war derselbe der "Freude voll" und gab reichlich zu trinken und eine Flasche als Wegzehrung.

 

Also erholet, setzten sie ihren Weg fort. Ihre Fahne flatterte ihnen nun schon voran. Und lauter Gesang erschreckte die Menschen, welche dergleichen Mißtöne vom Männerchor "'Erichshofia" bisher nicht gewohnt waren. Und siehe da! Die ersten, die gar fleißig gepilgert waren, gewahrten schon wieder eine Oase in der Wüste. Wer da weiß, daß Durst schlimmer ist als Heimweh, der verstehet die Freude , welche die Sangesgebrüder sogleich ergriff. 

 

Getrunken, gesungen, geredet

 

Nicht lange währte die Rast, denn noch weit war der Weg.Aber der Herr hatte ein Einsehen. Also standen die Sänger bald vor den Toren Groß Mackenstedts. Nun hielten sie einen Rat, und es wurde daraus, daß sie sich erst einmal Mut antranken und dann über den Klosterbach schritten, welcher an Turner vorbeifließet und dessen heiliges Wasser seinen Schnaps so sündhaft teuer macht. Sodann waren sie angelangt bei Stuhrmanns Gastwirtschaft "Zur dicken Pinkel", welche war das Ziel dieser Reise. Daselbst standen bereits eine Runde Schnaps und Bier und allerlei Bedienungspersonal, welch letztere jubilierten, dieweil sie gleich erkannt hatten, welche guten Leute ihnen ins Haus gekommen waren.  Sodann setzten die Pilger sich nieder zum Essen, welches überreichlich angeboten wurde. In der vierzehnten Stunde des Tages machten sich auf welche zum Spaziergang, welche zum Skatspiel, welche zum Schlafen und welche zum Trinken. Ab sechzehnte Stunde wurde getrieben allerlei Spiel und Unsinn in froher Pilgerschar.

 

In der siebzehnten Stunde, als die Sangesgebrüder über das Gebotene des Leibes  und des Lobes voll waren, ward ein neuer "Freßkönig" proklamiert, dieweil Willy Ehlers nur schwache Leistungen beim Essen und Regieren gezeiget hatte. War das ein Lachen und Jubilieren, als der neue Pinkelkönig auf den Stuhl gehoben ward. Aber Trinken, Singen, Spielen, Erzählen und Jubeln machen hungrig.  So waren alle Sangesgebrüder froh über "Kalte Platten", welche in der neunzehnten Stunde des Tages gereicht wurden. Wer nicht Augen hatte zu sehen, der hatte vielleicht Ohren zu hören, wie es allen mundete. Dieweil Essen aber nicht nur satt, sondern auch müde und träge macht, erstarb die Stimmung, welche bis dahin riesengroß gewesen war. So wurde begrüßt der Busfahrer der Deutschen Bundespost wie ein Retter in der Not, als er das Lokal betrat, dieweil nun Aussichten bestanden, heil und ruhig wieder  in die heimische Herberge zu kommen.

 

Und als derselbe beim Lokal vorfuhr, und sich alle beim Gastwirt  und seinen Helfern bedanket hatten, dieweil dieselben den ganzen Tag wie barmherzige Samariter zu ihnen gewesen waren, stiegen sie ein in den Bus wie die Schafe, also geduldig und lustlos waren sie geworden. Nicht lange währte die Fahrt. Alsdann waren sie alle wieder im Gewahrsam ihrer lieben Ehefrauen, welche nun wieder das Zepter in die Hand nahmen.

 

Und mancher Pilger seufzet schwer,

ach, wenn doch mal öfter Kohlfahrt wär.."

 

Der Männerchor feiert sein 50jähriges Bestehen / Foto: Foto Eickhorst
Der Männerchor feiert sein 50jähriges Bestehen / Foto: Foto Eickhorst
Letzte Studioaufnahme des Männerchors Erichshof in Studio Eickhorst
Letzte Studioaufnahme des Männerchors Erichshof in Studio Eickhorst

Im Mai 2006 hat sich der Männerchor Erichshof aufgelöst, zuletzt gab es nur noch 14 aktive Sänger, und das war für diesen Chor zu wenig und so hat man unter Leitung des Chorleiters Friedrich Eickhorst im Mai das letzte Konzert gegeben. Bei dieser Gelegenheit hat sich Heinz-Wilhelm Schmidt ganz offiziell für dessen Tätigkeit bedankt, zumal die Arbeit mit dem Chor in den letzten 20 jahren nicht immer ganz einfach gewesen sei. Man habe die Anweisungen des Chorleiters nicht immer befolgt, aber dafür habe es ja auch einen guten Grund gegeben: In der Satzung würde stehen, dass man sich nicht nur dem Singen, sondern auch dem Vergnügen widmen wolle. Aber diese Undiszipliniertheit habe Friedrich Eickhorst aber einigermaßen toleriert. Zum Schluß - und damit war die Auflösung des Männerchors Erichshof endgültig besiegelt, bedankte sich Heinz-Wilhelm Schmidt noch bei Thea, der Frau von Friedrich Eickhorst, dafür, dass sie das "alles so hingenommen und nicht gequakt" hätte.