Mühle Hüneke

Paul Athmann
 
In Kirchweyhe an der Dorfstraße stand ab etwa 1908 die Motormühle Hüneke.1


Johann Hüneke (*1903 in Melchiorshausen) war Müllermeister und 1936 der Besitzer der Mühle.  Er hatte die Hausnummer Kirchweyhe Nr. 206.2 


Johanns Vater Johann Hermann Friedrich (*1871 in Kirchweyhe) war schon in Seckenhausen Müller gewesen und baute 1908 in Kirchweyhe neu.3


Zu der Technik in der Mühle ist nur wenig bekannt. Anfangs wird ein Sauggasmotor als Antrieb verwendet.  Die Elektrifizierung in Kirchweyhe mit “importiertem” Strom setzt erst nach 1920 ein, und die Kirchweyher Mühlen Budelmann und Dunkhase sind ebenfalls vor dieser Zeit mit einem Sauggas- oder Dieselmotor ausgestattet.
Die Mühle Hüneke versorgt bis dahin den Bereich „Kuhzaun“ mit elektrischem Strom. Sie betreibt anfangs 2 Motoren mit insgesamt 6 PS. Später ist es dann ein Sauggasmotor mit 30 PS. Daran angeschlossen sind  300 Lampen von ca. 30 Abnehmern (1918).4 1912 hat die Anlage 21 Abnehmer.


Die elektrische Anlage ist von der Firma Müller in Kirchweyhe erstellt worden. Sie besteht 1918 aus einem Dynamo mit 110 V Gleichstrom, einer Schaltanlage und einem Verteilnetz sowie einer Batterie mit 145 Amperestunden bei 1.7 kW normaler Leistung.5


Die Gemeinde Kirchweyhe kauft nach 1921 die Ortsnetze Budelmann, Hüneke und Dunkhase auf und baut eigene Transformatoren-Häuschen bei gleichzeitigem Ausbau der Niederspannung-Ortsnetze. Ein eigener Wirtschaftsbetrieb für Orts-Lichtnetze wird eingeführt. 


Zunächst wird die Mühle einen Back-Schrotgang gehabt haben. Später, in den 1960er Jahren,  ist eine Hammermühle installiert.


Um 1969 muss die Mühle schließen. Sie wird danach abgerissen. Auf dem Platz der Mühle werden Reihenhäuser errichtet. Heute sind dort der “Müllerweg” und der “Mühlengang.” 

 

Das Foto von 1930 zeigt vermutlich die Familie Hüneke mit den Angestellten vor dem Wohnhaus, das neben der Mühle stand. Dort befand sich auch das Kontor der Mühle. 6
 

n den 1920er Jahren wird Hochzeit gefeiert im Haus von Hünekes. 7
 

Der Ausschnitt aus dem Foto von 1930 zeigt vermutlich die Familie Johann Hüneke mit den beiden Müllergesellen und dem Pferdefuhrwerk, das vermutlich zur Mühle gehörte.

Von 1939 bis 1948 ist Johann Hüneke im Krieg. In dieser Zeit übernimmt seine Schwester Meta Wetjen die Mühlengeschäfte, während seine Frau das Kontor führt.

 
Johanns  Tochter Karla (*1939) kann sich noch an die Kriegszeit erinnern, als die Bremer nach Kirchweyhe kamen, um etwas Essbares zu ergattern. Hünekes hatten einen großen Gemüsegarten, und es wurden in der Mühle auch Haferflocken geschrotet, die als Kindernahrung begehrt war. 8

Am 1.Mai 1934 beteiligt sich das Müllerhandwerk am Mai-Umzug. 9 Wagenaufschrift: „Klappre, Mühle, immer immer zu, und mahle ohne Rast und ohne Ruh“.

Der Umzugswagen von der anderen Seite. Es ist ein LKW mit aufgebauten kleinen Windmühlen.

Hüneke hat nicht nur eine motorisierte Mühle, auch der Fuhrpark fährt mit Diesel – schon 1930. 10

Um 1935 ein neuer LKW mit dem Müller Johann Hüneke (sen.) (Aufnahme am Kirchweyher Friedhof)11

939 legt Johann Hüneke vor der Handwerkskammer in Hannover seine Meisterprüfung als Schrotmüller ab. 12

 
Neben der Backschrot-Herstellung  für die Kirchweyher Bäcker wird auch Futtergetreide für die Schweinemast  und Hühnerhaltung geschrotet. Wie zu dieser  Zeit noch üblich, lassen die Landwirte ihr Getreide in der Mühle mahlen und verwenden das Mehl zum Brotbacken und für ihre Tiere.

 

Um 1950 stellen sich die Müller dem Fotografen vor dem Mühlengebäude. 13

Ein nachkoloriertes Luftbild, vermutlich aus den 1960er Jahren,  zeigt die Hüneke Mühle an der Dorfstraße mit dem Wohnhaus der Familie Hüneke.14

In den 1950er Jahren wird das Getreide in einer Hammermühle geschrotet. Das Futter wird in Säcke abgefüllt. Für die Hühner wird das Futter in kleine Tüten gefüllt – in Handarbeit, bei der auch die jüngeren Mitglieder der Familie mithelfen dürfen. 15


Einige Landwirte aus dem Ort lassen bei Hüneke ihr Korn mahlen. Das Korn wird an der Mühle gelagert und bei Bedarf geschrotet oder gemahlen. Das Mehl wird dann zu den Höfen gebracht. 16

 

Hans Hüneke, bekannt als „Jan Mehl“, betreibt die Mühle zu dieser Zeit. Er muss insbesondere die Arbeit übernehmen, als sein Vater Johann durch einen Unfall eine Hand verliert.


Ihn kann man auch schon mal in der Gastwirtschaft  Riekers am Kuhzaun treffen, wo er mit dem LKW vorfährt.
Auch sein Cousin Jonny Wetjen arbeitet nach dem Krieg für mehrere Jahre an der Mühle. Er ist eigentlich Musiker, muss aber irgendwo seine Brötchen verdienen. Später bekommt er dann eine Anstellung als Fahrer in Bremen am Buntentorsteinweg.17


In der Mühle arbeiten neben den Hünekes zwei Gesellen und ein Lehrling. Außerdem hilft bis zuletzt ein Müllerjunge Fritz. Er kann wegen einer geistigen Behinderung nicht so gut rechnen, aber sonst kann man sich auf ihn verlassen. Nach der Schließung der Mühle vermittelt Johann Hüneke ihm eine Anstellung bei der Gemeinde. 18

 

Als Gesellen haben in der Mühle auch zwei von den vielen Evers-Jungs gearbeitet. Sie wohnten in der Nachbarschaft an der Dorfstraße. 


Die Mühle produziert nur am Anfang Backmehl. Zeitweise bezieht die nahe gelegene Bäckerei Koldeweyh an der Dorfstraße das Mehl zum Brotbacken von Hüneke. Später beziehen die Bäcker ihr Mehl von den Großmühlen (Roland-Mühle in Bremen) oder über den Bäckerei- und KonditoreiEinkauf (BÄKO). Bei Hüneke werden nur noch Futtermischungen für Schweine, Ferkel und Rinder sowie für Hühner hergestellt.


Karla Hüneke darf 1955 schon als 16-Jährige die Futtersäcke mit dem LKW zu den Landwirten in Dreye, Lahausen und Arsten bringen. Ob sie die entsprechende Fahrerlaubnis hat, fragt zu dieser Zeit niemand.
In der Jubiläumsschrift des Kirchweyher Boxrings erscheint 1966 noch eine Anzeige der Mühle.19
 
Die Mühle schließt Ende der 1960er Jahre, weil Johann Hüneke wegen seiner fehlenden Hand nicht mehr mitarbeiten kann und Hans Hüneke eine Anstellung in Bremen annimmt. Dessen Sohn ist schon früh gestorben, und der Sohn von Karla will Ingenieur werden, so dass auch kein Nachfolger in Sicht ist. Das Grundstück wird verkauft, Haus und Mühle werden abgerissen und durch Reihenhäuser ersetzt. In eines der Häuser zieht die Familie Hüneke ein.20


Kurz vor der Schließung wäre es beinahe noch zu einem Unfall gekommen, als Johanns 4-jähriger Enkel aus der Ladeluke fällt. Zum Glück liegen gefüllte Mehlsäcke unter der Luke, so dass dem Jungen nichts passiert.

 

 

 

Als Johann Hüneke 1974 stirbt, sind seine Kinder versorgt: Hans erbt das Reihenhaus in Kirchweyhe am Müllerweg, und für Karla hat Johann ein Haus in Bremen erworben. 
 
Foto in den 1960er Jahren, vor der Einstellung des Mühlenbetriebs.

 

 

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1 1952 war es die Hausnummer 20. Heutige Adresse wäre wohl Haunummer 47 gewesen (vgl. Angaben von H.Greve, Gemeindearchiv Weyhe)

2   Adressbuch Kirchweyhe 1936

3   Nach Angaben von Karla Grunau geb. Hüneke, 2017

4   Nach Angaben von Hermann Greve, Gemeindearchiv Weyhe

5   Landratsamt Syke, Sonderakte btr. „Die Elektrizitätsanlage des Mühlenbesitzers Johann Hüneke in Kirchweyhe (1911-1918)“ 

6   Foto aus dem Besitz von Jürgen Grunau

7   Foto aus dem Besitz von Jürgen Grunau

8   Nach Angaben von Karla Grunau geb. Hüneke, 2017  

9   Foto aus dem Besitz von Jürgen Grunau

10 Foto aus dem Besitz von Jürgen Grunau

11 Foto aus dem Besitz von Jürgen Grunau 

12 Meisterbrief aus dem Besitz von Ute Brockmann,

13  Foto aus dem Besitz von Jürgen Grunau

14  Foto aus dem Besitz von Ute Brockmann

15  Nach Angaben von Karla Grunau geb. Hüneke, 2017

16  Nach Angaben von Karla Grunau geb. Hüneke, 2017

17  Nach Angaben von H. Meyer-Lankenau und I.Schierenbeck 2017 (facebook – weyhe früher) sowie Karla Grunau geb. Hüneke, 2017

18  Nach Angaben von Karla Grunau geb. Hüneke, 2017

19  20 Jahre Boxring 46 Kirchweyhe, 7.5.1966

20  Die Angaben zu den Angestellten der Mühle stammen von Karla Grunau geb. Hüneke, 2017