Gaststätte Schmidt/Schnakenberg/Wessels

Geschichtsgruppe K. Hahn/W. Polley/P. Athmann
 
Lage:  Leeste,  Leester Str. 86 , Ecke Ladestraße, direkt am Bahnhof (ehemals Haupstr., Leeste 15)

Laut KatasteramtsKarte1 von 1864 existiert schon zu diesem Zeitpunkt ein Haus an der Hauptstraße im Dorf Leeste - gegenüber dem Kurzen Weg . Aber zu diesem Zeitpunkt ist es wohl noch nicht im Besitz der Familie Schmidt: Hier wohnt Fritz Habenicht, ein Tabakhändler und Topffabrikant.

1852 wird Johann Schulte als Brinksitzer, Hufschmied und Gastwirt erwähnt. 1811 wohnte hier schon sein Vater der Brinksitzer Albert Schulte und sein Großvater Carl Schulte. Seine Frau Adelheid geb. Behrens verstirbt 1853 mit 66 Jahren und somit verkauft er die Hofstelle 1858.


1858 kauft der Topfhändler und Tabakwaren-Fabrikant Ernst Friedrich ( genannt Fritz) Habenicht die Hofstelle mit seiner Frau Anna geb. Schulte.


In der Einwohnerliste von 1861 ist Fritz Habenicht Brinksitzer und Kneiper und Johann Schulte Altenteiler und Schankwirt. Johann Schulte verstarb 1872 mit 83 Jahren und Fritz Habenicht verstarb 1882 mit 59 Jahren.


1876 kaufte Heinr. Schmidt jr. das Wohn- u. Seitenhaus mit Pferde- u. Schweinestall und Kegelhaus. Er ist ein Sohn des Brinksitzers und Gastwirtes Heinrich Schmidt sen. aus Melchiorshausen, Syker Str. 28 (ehemals Me 10), genannt Dammschmidt.

Heinrich Schmidt sen. hat mit seiner Frau Margarethe geb. Meyer 2 folgende Kinder:

  •  Adelheit Schmidt, * 19. Dezember 1842
  •  Gerd Schmidt, * 3. Mai 1846, seit 1873 Besitzer des elterlichen Anwesens 
  •  Heinrich Schmidt jr., * 9.5.1849, Brinksitzer, Gastwirt und Düngerhändler 
  •  Anna Meta Schmidt, * 9. August 1851

Die Familie Schmidt ist in vielfältiger Weise in das Geschäftsleben von Leeste eingebunden: Neben dem von Heinrich sen. betriebenen Gasthaus Dammschmidt mit Schmiede und Dünger-Handel gründet Heinrich Schmidt jr. das Gasthaus im Ort Leeste, und dessen Sohn Georg betreibt das Kaufhaus Schmidt gegenüber und übernimmt später das Kaufhaus Dunkhase am HenryWetjenplatz.

Heinrich sen. Tochter  Anna Meta heiratet den Gastwirt Gerd Harms in Leeste „Im Bruch“ und ist damit ebenfalls als Wirtin tätig. 

Nachkommen des Gerd Schmidt und der Depke Knief

 
Heinrich jr.  kauft also 1876 die Brinksitzerstelle Leeste Nr. 15  von dem Topfhändler und Tabakfabrikanten Fritz Habenicht und läßt dort ein „Kegelhaus“ errichten. Das zum Hof gehörige Häuslerhaus wird 1877 an Beke Köhler verkauft.

 


Die Geschichte des Hauses im Einzelnen:


1884 ist das Wahllokal für die Reichstagswahl im Schmidtschen Gasthaus eingerichtet: 

Der Gastwirt Heinrich Schmidt ist 1887 Gründungsmitglied der Leester Feuerwehr. 



1894 findet ein philharmonsiches Konzert, 1896 ein weiteres mit anschließendem Ball bei Schmidt statt.3


Auch in den Jahren 1899, 1900, 1901 und 1905 finden Konzerte statt, jeweils Anfang Dezember, außer im Januar 1900, als zusätzlich ein Benefizkonzert zugunsten der verwundeten Buren veranstaltet wird.4



 

Im August 1895 wird der neue Saal bei Schmidt eingeweiht – im Anschluss an die Sedanfeier.


 

Auch politische Versammlungen finden im Gasthaus Schmidt statt (hier: 1904)

 


1909: Abtanzball des Tanzkursus für Kinder (Tanzschule Beuss)5 


Bei Schmidt gibt es einen herrlichen Sommergarten. Er liegt am Rande von weiten Feldern, wo man bis Hagen sehen kann. Dort liegt später die KGS Leeste. Am Horizont ist auf der Postkarte von 1911 der Schornstein der Dunkhase’schen Dampfsägerei und Knochenmühle in Hagen zu erkennen. Die Gäste sind fein säuberlich zum Foto aufgestellt. Vermutlich ist das Bild von gegenüber aufgenommen worden (3-stöckiges Geschäftshaus von Schierenbeck und Schmidt). Das Geschäftshaus gegenüber gehörte auch der Familie Schmidt. Sie besaß in Leeste mehrere Häuser. 6

1904 feiert der 1900 gegründete Leester Schützenverein Germania sein Schützenfest erstmalig im Garten des Gasthauses H.Schmidt. Vorher war das Fest noch in Melchiorshausen gefeiert worden.


1905 wird das Schützenfest bei Schmidt wiederholt. 1906 wird allerdings wieder in Melchiorshausen gefeiert. Dabei wird dort eine neue Schützenhalle eingeweiht.


1907 wird dann der neue Schützenplatz in Leeste eingeweiht. Gastwirt H.Schmidt wird Schützenkönig.

 

Auch 1913 wird noch im Juni bei Schmidt gefeiert.7

 

 

Im September 1913 wird dann das Gasthaus zunächst an den Kellner Hinnersen aus Bremen verkauft. Der erhält aber keine Konzession. 8 


1915 gibt es einen „Lichtbildervortrag“ über die deutsche Flotte im 1. Weltkrieg 9
 


1919 kauft der Wirt Rudolf Schnakenberg aus Bremen das Gasthaus von Hinnersen10


1920 veranstaltet Schnakenberg wieder im Dezember ein Konzert mit anschließendem Ball – ganz in der Tradition seines Vorgängers, jetzt allerdings mit einem Männergesangsverein.
 


Eine Postkarte aus den 1920er Jahren zeigt die Gaststätte an der Leester Str (damals: Hauptstraße) mit ihrem Sommergarten.11


Auch politische Versammlungen finden bei Schnaken-berg statt.12
 

1920: Wie man aus Anzeigen des Schützenvereins entnehmen kann, ist Hindahl eine Gesangstruppe, die auch andere „Spezialitäten“ im Programm hat und des öfteren bei Schmidt aufgetreten ist. Das Konzert findet im Schnakenberg'schen Gasthaus statt.13


Einbruch bei Schnakenberg im November 1922


Im August 1922 wird das 9. Stiftungsfest des Turnvereins im Gasthaus Schnakenberg gefeiert. Der Verein führt nach einem Lauf durch den Ort Wettkämpfe im 100m-Lauf, Weitsprung, Hochsprung und Schleuderball durch.  Im Garten des Gasthauses wird ein Schauturnen veranstaltet. Die Knabenabteilung baut Pyramiden auf, und die Kleinsten zeigen akrobatische Leistungen.

 

1929 Werbung für Schnakenbergs Sommergarten mit Ball und Konzerthaus, regelmäßiger Verbindung mit dem Postbus von Bremen-Arsterdamm und mit der Kleinbahn Bremen-Neustadt-Thedinghausen.

 

1934 wechselt der TSV Leeste sein Vereinslokal von Dreyer in Hörden zu Schnakenberg.14  Der Sportplatz der Leester Schule liegt in unmittelbarer Nähe. Er ist auch der Trainingsplatz sowie der Austragungsort vieler Ligaspiele des TSV.

1933 übernehmen die Witwe Metta Schnakenberg geb. Ahrens und die Miteigentümer die Gaststätte.

 

1936 ist im Adressbuch15 eingetragen: Witwe Metta Schnakenberg, Leeste 15. 


Hier ist Rudolf Schnakenberg wohl schon gestorben, und die Witwe Meta führt die Gastwirtschaft weiter.


In den 1930er Jahren werden hier  Tanzkurse mit dem Tanzlehrer Jan-1-2-3 abgehalten. Er fährt über Land und hält Kurse im Gesellschaftstanz. Sein Markenzeichen ist die Fliege.

1940 ist Meta Schnackenberg als Wirtin und ihr Sohn Johann als Kellner eingetragen. Johann Schnackenberg betreibt bis Mitte der 1970er Jahre die Gaststätte.

 

In der Jubiläumsschrift des TSV Leeste zum 60jährigen Bestehen sind Hans und Dietrich Schnakenberg unter den Gefallenen des 2. Weltkriegs  verzeichnet.


Ab 1952 gibt es bei Schnakenberg  regelmäßig Kinovorführungen. Das Kino nennt sich "Union Theater" und besteht bis in die 1970er Jahre. Es wird betrieben durch Fritz Feldmann, der ein Kino in Bremen hat und auch das "Filmeck" in Kirchweyhe, mit Filmen versorgt.16 


Bei Schnakenberg hat auch wieder der Leester Schützenverein sein Domizil. Der Schießstand und das Vereinsheim befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft an der Ladestraße.

 

Die Nutzung des 1895 gebauten Saales.


In der Nachkriegszeit wird der Saal vorwiegend für Feiern und Veranstaltungen genutzt, wie Hochzeiten, Schützenfeste, Versammlungen von Vereinen usw.


In den 50er Jahren sind hier Kinoveranstaltungen ein bis zweimal in der Woche. Zum Beheizen des Saales ist ein großer Ofen im Saal aufgestellt.


Da es hier im Ort Leeste noch keine Turnhalle gibt, führt der Turnverein des TSV Leeste Übungsnachmittage durch, vorwiegend im Geräte- und Bodenturnen und mit Handballübungen für Kinder. Auch geben hier Tanzschulen Tanzunterricht. Der Tanzlehrer Johann Peters aus Leeste bietet hier auch schon in den Jahren vor dem Krieg Tanzunterricht an. Danach kommen auch Tanzlehrer aus Bremen und Delmenhorst wie z.B. Tanzlehrer Kuhlmann. Es sind später auch verschiedene Geschäfte für jeweils eine kurze Zeit hier eingemietet.


In den 70er Jahren eröffnete Bernd Zweck die Discothek Toulouse und führte hier Disco-Abende am Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag durch.


Es finden Sylvesterfeiern und andere Bälle statt:17

 

 

 

Kino: „UNION Theater”


In den 1950er. 60er und 70er Jahren gibt es regelmäßig Kinovorführungen 


Das Kino wird betrieben durch Fritz Feldmann, der auch das "Filmeck" in Kirchweyhe mit Filmen versorgt.
 
 
Discotheque Toulouse.
 

 



In den 1970er Jahren eröffnet die Discotheque Toulouse.

 

Zweck kaufte die Gaststätte  mit Saal und vermietete Gastraum und Saal getrennt.

 

Heute ist auf dem ehemaligen Saal das Sportstudio Weyhe.

 

Die Gaststätte wird um 2000 von Heiko Zirkel und danach, von 2008 bis heute, von Klaus Wessels betrieben. Für kleinere und größere Feiern betreibt Wessels auch noch im benachbarten ehemaligen Gasthaus Suhling das "Wessels 2".

    

 

Ca. 2000: Das Restaurant "Wessels Bistro" eröffnet im Anbau des Gasthauses. Links das Vereinsheim der Leester Schützen. Es wird betrieben von Jutta und Klaus Wessels.

2016: Im alten Gasthaus von Schnakenberg ist ein Fitness-Center eingezogen („Sportstudio Weyhe).
[Foto 2016: W.Meyer]

Die Immobilie gehört Bernd Zweck aus Sudweyhe. Er hatte sie von Jan Schnakenberg gekauft - zusammen mit dem Vereinsheim der Leester Schützen. 

 

2018 kündigt Zweck den Schützen zum April 2020. Der Schießstand und das Vereinsheim liegen im Sanierungsgebiet des Leester Bahnhofs. Zweck will dort neu bauen. Was, ist noch offen 20

 

Die Gaststätte Wessels mit dem Sportstudio im Jahr 2020.

 

Aus den Häuserlisten von Leeste: (Quelle: K.Hahn / J. Boyer)
 
Leeste 15  Brinksitzer Schulte heute Leester Strasse 86 
 
1811    Carl Schulte und Gesche

1815    Albert Schulte und Margarete (Gretje) Müller 

1836   Johann Schulte und Adelheid Behrens OO 13.11.1815           

            Wichen Schulte * 10.04.1785 + 09.05.1815 Hufschmied in Leeste           

            Adelheid Behrens * 17.03.1787 + 25.03.1853 OO nicht in Leeste 
 
1852   Johann Schulte * 01.03.1789 + 04.01.1872 Gastwirt, Hufschmied           

            Adelheid Behrens * 17.03.1787 + 25.03.1853 OO 13.11.1815           

            Maria Caroline Mestwerth * 28.08.1838 + Pflegekind           

            Johann Friedr. Mestwerth * 20.11.1843 + Pflegekind 

 
1855   Ernst Friedrich Habenicht * 21.01.1823 + 25.02.1882 Topfhändler, Anbauer           

           Anna Schulte * 06.04.1830 + 12.08.1908 OO 23.11.1845 
 
1876   Kauf Heinrich Schmidt, Wohnhaus, Pferdestall und Kegelhaus           

           Heinrich Schmidt * 09.05.1849 + 12.12.1932 Brinksitzer, Gastwirt           

           Adelheid Wetjen * 12.07.1849 + 11.02.1903 OO 05.05.1876 

 

1913   Verkauf an Hinnersen
 
1919    Verkauf an Rudolf Schnakenberg   

1927    Rudolf Schnakenberg, Gastwirt 

1940   Johann Schnakenberg, Kellner - Meta Schnakenberg, Witwe Gastwirtin 

1952   Johann Schnakenberg, Gastwirt - Meta Schnakenberg, Witwe 

1959   Johann Schnakenberg, Gastwirt - Meta Schnakenberg, Witwe 

1970   Johann Schnakenberg, Eigentümer 

1974   Johann Schnakenberg, Gastwirt 

1984   Schnakenbergs Gasthaus, Weyher Fitness Center Uwe und Susanne Drücker

1990   Schnakenbergs Gasthaus, Weyher Fitness Center Uwe und Susanne Drücker, Thorsten Hagedorn, 

           Doris Rupp

2000    Schnakenbergs Gasthaus - Birgit Hoopmann - Heiko Zirke

2008   Wessels, Klaus und Jutta; Gaststätte Marcella Klück, Fitness

2013   Wessels, Klaus und Jutta, Gaststätte Wessels, Pascal Sportstudio l  

Anmerkungen                                                          

1 Mit Markierungen (in rot) von B.Stolte

2 Ev.-luth. Pfarrarchiv Leeste, KB 1834-1875, S. 666, Getraute, Jg. 1841, Nr. 7: Heirat: 2. Juli 1841 in Leeste: „Den 2t[en] July [1841] wurden Heinrich Schmidt zu Melchiorshausen, ehe[licher] ältester Sohn des Gastwirths und  Brinksitzers Gerd Schmidt daselbst und der Depke gebornen Knief, und Margarethe Meyer, ehe[liche] Tochter des Halbmeiers Heinrich Meyers (Castens) in Leeste und der Anna geb Schwarz, nachdem solche am 1t[en] und 2 Sonntage post Trinitatis öffentlich proclamirt, hieselbst copulirt.“):

3 Syker Zeitung v. 29.11.1894

4 Syker Zeitung v. 16.1.1900, 1.12.1900, 7.12.1901, 11.12.1905

5 Syker Zeitung 12.10.1909

6 Postkarte von 1911. Repro: Peter Stoffels fb wf. Angaben über die Familie Schmidt: Gordon Volkmar fb wf

7 Vgl. entsprechende Einladungen und Berichte der Syker Zeitung aus den Jahren 1909-1913.

8 Syker Zeitung 2.10.1913

9 Syker Zeitung v. 19.10.1915

10 Syker Zeitung 7.5.1919

11 Postkarte aus dem Besitz F.Römer

12 Syker Zeitung v. 16.11.1920

13 Syker Zeitung v. 11.12.1920

14 Nach Angaben von Wilfried Meyer auf facebook

15 Adressbuch des Landkreis Hoya, 1936, Leeste, S. 181

16 (Meyer, Weyhe im Wandel der Zeit, 2005) S. 168

17 Fotos aus dem Besitz von Birgit Stolte

18 Kreiszeitung vom 10.10.2018 – S.Schritt