Gaststätte Nordmann

Geschichtsgruppe Weyhe K. Hahn/W. Polley/P. Athmann

Lage: An der Leester Straße in Richtung Melchiorshausen (Nr. 46) stand ab 1893 das Gasthaus Nordmann. In den 1970er Jahren wurde es geschlossen. Das Gebäude  muss 2020 dem Neubau der Gemeindebibliothek weichen.


Die Hofstelle Leeste Nr. 4 ist laut der Häuserliste von J.Hoyer schon 1714 als Brinksitzerstelle des Hinrich Tabe verzeichnet.  Ab 1776 hat sie Claus Suhling, und 1826 heiratet sein Sohn Heinrich Elisabeth Gieseke, Tochter des Johann Gieseke.

 

1837 bauen Heinrich Suhling und Eliesabeth (Elisabeth) Gieseken ein neues Hofgebäude auf der Brinksitzerstelle Nr.4, wie im Schlussstein über der Hoftür festgeschrieben.1 Der Schlussstein zeigt noch den Einschuss durch einen englischen Panzer bei der Einnahme Leestes 1945.


Heinrich Suhling ist 1837 auch als Frachtfahrer verzeichnet. 1852 wird er in der Einwohnerliste mit Frachtfahrer und Gastwirt genannt. 

 
Ab 1855 ist Heinrich Schweers (* 1816 in Brinkum)  als Brinksitzer und Gastwirt verzeichnet. Er hatte 1853 die Hoferbin Adelheid Suling (* 1828)  geheiratet. 2


Die Tochter Elise (* 1854) heiratet 1882 Peter Nordmann (* 1854) aus Jardinghausen, den Sohn des Halbmeiers Johann Friedrich Nordmann  und der Margarethe Adelheid Niehaus.

1893 wird die Schierenbeck’sche Anbauerstelle im Gasthaus Schweers-Suhling  in Leeste angeboten.  Zu diesem Zeitpunkt wird die Gastwirtschaft also noch nicht unter dem Namen Nordmann geführt. Vermutlich betreibt sie Heinrich Schweers, der in den Suhling’schen Hof eingeheiratet war.  Er ist 1897 gestorben.3

Das Gasthaus mit den Besitzern um 1925  4
Das Gasthaus mit den Besitzern um 1925 4

Ab 1897 betreiben Peter und Elise Nordmann das Gasthaus auf der früheren Brinksitzerstelle Leeste Nr. 4 (Suhling/ Schweers).  
 
Auf der Katasterkarte von 1875 ist die Gastwirtschaft auf der Nr. 4 (gegenüber der Einmündung “Am Schloß”) noch nicht eingetragen. Sie wurde erst 1912 errichtet.

1892 stirbt die Tochter Adeline im Alter von 8 Jahren nach langer Krankheit.5 Ihre Großeltern Hinrich und Adelheid Schweers (+ 1910) leben laut Todesanzeige noch zu diesem Zeitpunkt.

Im Mai 1904 wird der Tischlergeselle Seevers aus Melchiorshausen zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er am Tag seiner Musterung am Bahnhof in Syke neben dem Kirchweyher Polizisten (“Gendarmen”) Herbst auch den Leester Gastwirt Peter Nordmann beleidigt hat.6


Im März 1904 werden Jelten bei Nordmann verkauft. 

1910 meldet der Verschön-erungsverein, dass H. Nord-mann aus dem Verschö-nerungsverein ausgetreten sei und sein Vorstandsposten von H.Mühlenstedt übernommen wurde.7


Am Sonnabend, den 17. August 1920 findet bei Nordmann eine Gemeinde-ausschuss-Sitzung statt.8

1912 wird das neue Gasthaus gebaut: 

Neben dem alten Suhling’schen Bauernhaus wird ein neues Gasthaus errichtet. 9
 
1914 heiratet Sohn Heinrich Nordmann (+ 1885) Sophie Gesine Blohme aus Barrien. 10
 

1912 wird die Stelle Nr. 23 (Laue) im Gasthaus P. Nordmann zum Verkauf angeboten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch am 16.September 1922 wird eine Gemeindeausschuss-Sitzung  bei Gastwirt P. Nordmann abgehalten.
 


1925 hält feine Fotografie die Leester Straße (damals Hauptstraße) mit der Gaststätte Nordmann (links) fest  11
1925 hält feine Fotografie die Leester Straße (damals Hauptstraße) mit der Gaststätte Nordmann (links) fest 11

1935 wird eine „Klosettanlage“ im alten Bauernhaus mit Verbindung zum Gasthaus eingebaut. Als Bauherr ist „Heinrich Nordmann“ ausgewiesen.12 Sein Vater war 1933 gestorben.13


Man erkennt hier auch die Aufteilung der Räume des Gast-hauses im Erdgeschoss: 
Links ist die Gaststube mit dahinter liegendem Clubzimmer.


Rechts das Wohnzimmer, Schlaf-zimmer, und die Küche. Neben der Küche noch ein weiteres kleines Schlafzimmer.
 

 

1936 führt Heinrich Nordmann die Gastwirtschaft. Er ist als  „Landwirt u. Gastwirt, Leeste 4” im Adressbuch eingetragen. 14  

In den 1930er Jahren hält ein Einspänner vor dem Gasthaus. 15
 

Ein für den Pfingstausflug geschmückter Wagen mit Besatzung hält 1965 vor dem Gasthaus Nordmann. 16

Das Gasthaus wird am 1.9.1967 geschlossen.

1977 stirbt Heinrich Nordmann. Anschließend wird das Gasthaus zusammen mit dem Hofgebäude an den Friseur Fritz Pickenhan verkauft. 1979 eröffnet er einen Friseursalon im Hofgbäude. 1999 übernimmt Angelika Pickenhan das Geschäft. Ihr Bruder Jürgen wird Eigentümer des Gasthauses. Als um 2017 die Gemeinde an sie herantritt, weil sie auf ihrem Grundstück eine neue Bibliothek bauen möchte, einigen sie sich über den Verkauf beider Häuser.17 2020, nach dem Eintritt von Angelika in das Rentenalter, werden dann beide Häuser abgerissen. Der Giebel des alten Hofes von 1837 wird erhalten und wird laut Planung in das neue Gebäude integriert werden.


In den Jahren nach 2000 eröffnet im ehemaligen Gasthaus Nordmann eine “Sonderbar”. Sie ist 2017 beim Verkauf aber auch schon wieder  geschlossen.

 

Georg Oppelt baut 2019 die Häuser am Henry-Wetjenplatz als Modell nach, darunter auch das Gasthaus Nordmann mit dem alten Hof Suhling. 18
 

2014 bietet das in das alte Bauernhaus integrierte Frisörgeschäft einen ortsbildprägenden Anblick.19


Der Giebel wurde mit Glasfenstern und transparenten Türen versehen, was aber den Charakter des ursprünglichen  Bauerngiebels größtenteils erhalten hat.

2019 befindet sich das leerstehende Haus vor dem Abriss. Zusammen mit dem Haus des Frisörs Pickenhan daneben soll die ehemalige Gaststätte einer neuen Gemeindebiblithek weichen.

Blick auf die Leester Str. im Jahr 2019. Rechts neben der ehemaligen Gaststätte ist der ehemalige Hof Suhling zu erkennen. Dort war das Frisörgeschaft von Pickenhan eingerichtet. Beide Häuser werden abgerissen. Der Giebel des alten Bauernhauses soll erhalten bleiben und in die neue Bibliothek integriert werden.

Abriss im Februar 2020: Der abgestützte Giebel bleibt stehen.  Zwar wird beim Abriss das Glas in den Türen beschädigt, aber der Giebel übersteht die schweren Frühjahrsstürme ohne umzufallen. 20


Anmerkungen                                                          
1 Der Schlussstein hat im 2. Weltkrieg bei der Einnahme von Leeste einen deutlich sichtbaren Treffer erhalten. 2 Vgl. genealogische Daten von W. Polley zum Hof Suling und der Familie Nordmann v.2.4.2020 beruhend auf dem Pfarrarchiven in Leeste, Heiligenfelde und Brinkum sowie dem Gemeindearchiv Weyhe.

3 Vgl. Auswertung der Leester Häuserlisten von J. Boysen

4 Foto/Repro: Wilfried Meyer  Gemeindearchiv Weyhe

5 Syker Zeitung v. 5.7.1892

6 Syker Zeitung v.7.5.1904.

7 Syker Zeitung v. 23.4.1904

8 Syker Zeitung v. 9.8.1920

9 Plan von 1912. Repro: Hartmut Bischoff, Leeste

10 Vgl. Auswertung der Leester Häuserlisten von J. Boysen

11 Foto/Repro: Wilfried Meyer  Gemeindearchiv Weyhe

12 Plan von 1935. Repro: Hartmut Bischoff, Leeste

13 Vgl. genealogische Daten von W. Polley zum Hof Suling und der Familie Nordmann v.2.4.2020 beruhend auf dem Pfarrarchiven in Leeste, Heiligenfelde und Brinkum sowie dem Gemeindearchiv Weyhe.

14 Adressbuch Kreis Hoya, 1936

15 Foto/Repro: Helmut Wetjen

16 Foto/Repro: Wilfried Meyer  Bildkalender

17 Vgl. Kreiszeitung v. 25.7.2018

18 Foto: K.Hahn 

19 Foto: K.Hahn (2014)

20 Foto: K.Hahn (2020)