Gaststätte Kruse, Sudweyhe

Geschichtsgruppe Weyhe

P.Athmann / K. Hahn

Weyhe Mai 2021

 

 

Gaststätte Kruse, Sudweyher Heide

 

Lage: Heidstraße Nr. 42 (ehemals Sudweyhe Nr. 165)

 

Ausschnitt einer Mehrbild-Postkarte aus den 1950er Jahren

1912 wurde das Gasthaus von Johann Kruse gegründet. Er kehrte nach einigen Jahren aus Amerika nach Sudweyhe zurück. Die Schweinemast blühte zu dieser Zeit in Sudweyhe, und so baute auch Johann Kruse einen großen Schweinestall. Gleichzeitig eröffnete er eine Gaststätte, und für die Viehhändler hatte er auch eine öffentliche Viehwaage installiert. Wie Joachim Kruse aus den Erzählungen seines Großvaters noch weiß und Heiner Büntemeyer in einem Artikel der Kreiszeitung aus dem Jahr 2012 aufgeschrieben hat, kamen montags die Viehhändler zum Wiegen ihres Viehs. Gleichzeitig ließen sie sich in der Gastwirtschaft bewirten und feierten auch wohl mal einen erfolgreichen Geschäftsabschluss.

 

Der Sohn des Gründers, Hans Kruse, richtete in einem Nebenraum des Gasthauses einen Gemischtwaren-Laden ein. In den 1990er Jahren wurde dieser wieder aufgegeben, nachdem die Leute lieber im modernen Supermarkt einkauften. 2021 stehen noch immer der Ladentresen und Truhen im Verkaufsraum. 1

 

Bis zuletzt hatte sich hier sonntags eine Gruppe von 15 Sudweyhern getroffen, um die neuesten Nachrichten über Sudweyhe und die Weltpolitik auszutauschen. Sie hielten dem Gasthaus bis zuletzt die Treue, spielten Skat, knobelten und tranken Bier aus dem Stiefel zum „Frühschoppen“, der sich dann auch schon mal bis in den späten Nachmittag hinziehen konnte. 2

 

Zu Zeiten, als in Okel Sand aus der Sandgrube abgebaut wurde, hielten die LKW Fahrer wohl mal zu einer Pause am Gasthaus an. 3

 

Auch Motorradfahrer machten hier gerne Rast, und bei den Biker-Treffen, die in der näheren Umgebung stattfanden, durfte ein Besuch der „kleinen Kneipe“ in der Heide nicht fehlen.

Darstellung des Hofes inkl. Gastwirtschaft und Verkaufsladen 2015 in Google Earth. Die Stallungen dienten mal hauptsächlich der Schweinemast (Kruse hatte 200 Schweine, 60 Hühner und 6 Kühe

Das Gasthaus Johann Kruse um 1942

 

Im Gasthaus war ein öffentlicher Fernsprecher eingerichtet. Auch diente es seit 1912 als Posthilfsstelle für die Sudweyher Heide.4

In den 1960er Jahren brennt das Stallgebäude nach einem Blitzschlag ab. Die Sudweyher Feuerwehr ist zur Stelle und kann noch Wohnhaus und den großen Schweinestall retten.

Joachim Kruse im Jahr 2017 vor seiner Gastwirtschaft. Er musste seine Anstellung bei der Raiffeisengenossenschaft aufgeben und versorgte zuletzt nur noch an wenigen Tagen in der Woche die Gäste: Montag und Dienstag von 17-19 Uhr, Sonntag von 10-12 Uhr. Wobei das Ende auch schon mal hinausgezögert wurde. 2021 starb Joachim Kruse dann an den Folgen seiner Krankheit.5

Blick in die Gaststube mit der Schankanlage. Joachim Kruse bediente hier seine Gäste. 6

 

Biker-Treffen im August 2011 7

 

Die geschlossene Gast-stätte im März 2021.

Joachim Kruse um 2012 im alten Gemischtwaren-laden, der aber um diese Zeit schon lange geschlossen war.8

 

Blick durchs Schaufenster in den Gemischtwaren-Laden. Es sieht 2021 noch fast so aus wie zu den Zeiten, als der Laden noch in Betrieb war.


Artikel des Weserkuriers in 2012 (Annika Richter)
Artikel des Weserkuriers in 2012 (Annika Richter)

 

 

 

 

 

Anmerkungen

1 Vgl. Heiner Büntemeyer in “Mittagszeit schon mal bis 17 Uhr verlängert“, Kreiszeitung 22.8.2012

2 Vgl. Heiner Büntemeyer in “Mittagszeit schon mal bis 17 Uhr verlängert“, Kreiszeitung 22.8.2012

3 Vgl. Heiner Büntemeyer in “Mittagszeit schon mal bis 17 Uhr verlängert“, Kreiszeitung 22.8.2012

4 Vgl. Artikel im Weser-Kurier, A. Richter, 2012

5 Foto: W. Meyer

6 Foto: Kreiszeitung (S.Schritt)

7 Foto: W. Meyer

8 Foto: U.Meissner, Weser-Kurier, 2012

9 Daten nach Auswertung der Geburts-, Sterbe, Trau- und Heiratsregister aus dem Pfarrarchiv (J.Boyer)