Die Urbarmachung der Bruchländer zwischen Bremen und der Vorgeest

Paul Athmann

Im 11. Jahrhundert werden die „Bruchländer“ südlich von Bremen zur Besiedlung freigegeben. König Heinrich IV. erlaubt dem Bremer Erzbistum (bzw. der Bremer und Hamburger  Kirche) die Ausweisung dieser Gebiete zur Ansiedlung von neuen Anbauern.9 Im Gegensatz zu den Marschgebieten, in denen es trotz wiederkehrender Überschwemmungen erhöhte Anlandungen gibt, wo man auf Wurten die Häuser errichten kann, sind die Brüche eher mooriges Gebiet, die über den größten Teil des  Jahres mit Moorwasser überschwemmt sind. Hier hilft nur Trockenlegung durch tiefe Gräben, Eindeichungen und Schleusen. Darauf verstehen sich die Holländer.


Nach den Auseinandersetzungen der Billunger mit dem Erzbistum versucht der Sachsenherzog Heinrich, den welfischen Einfluss im Bremer Machtgebiet zu vergrößern. Dazu betreibt er eine weitsichtige Siedlungspolitik, indem er bisher unbewohnbares Gebiet mit Hilfe von ins Land geholten  Holländern trocken legt und in Kulturland umwandelt.

 
Unter Heinrich dem Löwen und seinem 'Beamten' Friedrich von Mackenstedt wird die Besiedlung der Bruchländer rund um Bremen von Holländern organisiert und von Sachsen aus dem heimischen Raum besiedelt. Das stellt einen wesentlichen Meilenstein in der Siedlungsgeschichte von Weyhe dar. Bis ins 12. Jahrhundert muss man nur von Einzelgehöften und kleinen Siedlungen (z.B. in Dreye, Ahausen, Kirchweyhe/Sudweyhe) ausgehen. Jetzt werden die Sumpfgebiete der Marschlandschaft und die Bruchgebiete am Rande der Vorgeest  besiedelt. Schon im  Privileg von 1062 10 werden der Brincimibrook und der Weigeribrook der Hamburger Kirche (die zu diesem Zeitpunkt aus das Bremer Bistum umfasst) übertragen. 1158 bestätigt Kaiser Friedrich I. Barbarossa diese Übertragung an die Hamburger Kirche aus dem Jahr 1062.11  In einer weiteren Urkunde erlaubt 1158 Kaiser Friedrich I. dem Bremer Erzbischof Hartwig II., diese Bruchländer „von Weie bis Dreie“,  zwischen Weser und Ochtum, auch beidseitig der Ochtum  (von Brinkum bis Hasbergen) zur Kultur auszuweisen. 12 Organisieren soll das  ein Mann namens  Bovo, der das Bruchland zwischen dem Bremer Vieland und Weyhe ("Brincimibrook", "Weigeribrook") urbar macht und Kolonien gründet, darunter die in Leeste, Weige und Dreye. Der Kaiser stellt dazu Bovo ausdrücklich unter seinen Schutz.
 
Um 1180 wird auch Leeste erwähnt (jedoch ohne Jahresangabe, bezieht sich wahrscheinlich auf den Zeitraum vor 1180): Die Ansgari-Kirche in Bremen habe besessen "curtem in Lesten, in terra antiquorum Saxonum" 13 Der Begriff "terra antiquorum Saxonum - Altsachsen" bezieht sich dabei wohl auf das von den Billungern im Largau beherrschte Gebiet.


Um 1180 gibt es in der Ochtumniederung damit die Siedlungen Stuhr und Kladdingen, Brinkum, Dreye und Wege. Einwohner aus 'Leste' werden ebenso erwähnt. Schon 1171 erhält Friedrich von Mackenstedt von Heinrich dem Löwen und dem Bremer Erzbischof das Recht, das Bruch zwischen Huchting und Brinkum nach Holländerrecht an Siedler zu verkaufen.14 Er stiftet daraufhin das Kloster Heiligenrode, dem er auch eine Hufe zu Weyhe schenkt.15 


Genannt werden dann in einer Urkunde von 1201 ein Heinrich und ein Hermann, denen die Gerichtsbarkeit zunächst über einen Hof des Bremer Erzbischofs im Brincimibrook, dann über die Colonie Brinkum übertragen wird, da sie diese gegründet haben.16

 

Gleichzeitig gewährt ihnen der Bremer Erzbischof Hartwig II. den Zehnten vom Zehnten der einzelnen Hufe, und sie erhalten das Recht, die urbar gemachten Flächen nach Holländerrecht an Siedler zu verkaufen. Das Gebiet umfasst die Marsch zwischen Grolland, Brinkum, Ledeshusen (Ort in Höhe des Bremer Buntentorsteinwegs) und War (Warturm).17

 
Die Urbarmachung durch Heinrich den Löwen und seinem „Beamten“ Friedrich von Mackenstedt geschieht auch als Machtzeichen gegenüber den Bremer Erzbischöfen, mit dem es viele Auseinandersetzungen gibt - bis dahin, dass es zu einer Doppelwahl des Erzbischofs kommt: Der welfenfeindliche Siegfried und der von Heinrich dem Löwen unterstützte Otbert werden beide gewählt. Heinrich der Löwe aber übernimmt daraufhin in Bremen die Zügel und vertreibt Siegfried. Damit geht die Macht im vorher erzbischöflichen Gebiet südlich von Bremen auf Heinrich den Löwen über. Auch der danach vom Kaiser Friedrich I. Barbarossa eingesetzte Balduin ist mit Heinrich verbündet, so dass faktisch die Hoheit über dem Siedlungsgebiet nun bei dem Sachsenherzog Heinrich liegt.


Beide Seiten einigen sich dann auf die gemeinsame Kultivierung der Bruchgebiete. In den Urkunden werden sowohl die Eigentumsrechte des Erzbischofs als auch die Oberhoheit des Sachsenfürsten benannt. Dabei kommt es Heinrich dem Löwen nicht so sehr darauf an, Nutzen aus dem kultivierten Land zu ziehen, z.B. in Form der Abgaben. Ihm ist wichtiger, die Oberhoheit in dem Gebiet zu bekommen. Damit geht der Zehnte der durch Bovo kultivierten Brüche allein an den Erzbischof.18


Über die Größe der von Heinrich geförderten Siedlungen ist wenig bekannt. Da von durch die Holländer gestifteten Siedlungen die Rede ist, sind sie zunächst sicher sehr klein. Andererseits fallen in diese Zeit auch schon die Kirchengründungen von Stuhr, Barrien und Bücken sowie erste Klostergründungen (Heiligenrode). 


Für diese Zeit gibt es noch keine Hinweise auf eine Kirche in Weyhe: Zwar wird in den Urkunden über die Kolonisierung immer wieder auf eine zu bauende Kirche verwiesen, aber der Historiker Wersebe vermutet, dass diese nie gebaut wurde. Der Turm der Kirchweyher Felicianuskirche, wie er teilweise heute noch erhalten ist, wurde erst um 1250 errichtet. Ob schon eine Holzkirche vorher am gleichen Platz (oder in der Nähe des heutigen Friedhofs) gestanden hat, ist nicht bekannt. Auch von einer Kirche in Leeste ist bis 1200 noch kein Zeugnis bekannt. Und in Dreye wird es ebenfalls keine Kirche gegeben haben. 
Die Orte Lahausen, Melchiorshausen, Angelse, Jeebel und Hörden sind bis zum 13. Jahrhundert noch nicht existent. Hier werden eventuell zerstreut einige Hütten gestanden haben, wo Menschen wohnten, ohne aber schon größere Höfe-Gruppen oder Siedlungen zu bilden.
 

 


Um 1180 wird auch Leeste erwähnt (jedoch ohne Jahresangabe, bezieht sich wahrscheinlich auf den Zeitraum vor 1180): Die Ansgari-Kirche in Bremen habe besessen "curtem in Lesten, in terra antiquorum Saxonum"  Der Begriff "terra antiquorum Saxonem - Altsachsen" bezieht sich dabei wohl auf das von den Billungern im Largau beherrschte Gebiet.


Um 1180 gibt es in der Ochtumniederung damit die Siedlungen Stuhr und Kladdingen, Brinkum, Dreye und Wege. Einwohner aus 'Leste' werden ebenso erwähnt. Schon 1171 erhält Friedrich von Mackenstedt von Heinrich dem Löwen und dem Bremer Erzbischof das Recht, das Bruch zwischen Huchting und Brinkum nach Holländerrecht an Siedler zu verkaufen. Er stiftet daraufhin das Kloster Heiligenrode, dem er auch eine Hufe zu Weyhe schenkt.

 
Genannt werden dann in einer Urkunde von 1201 ein Heinrich und ein Hermann, denen die Gerichtsbarkeit zunächst über einen Hof des Bremer Erzbischofs im Brincimibrook, dann über die Colonie Brinkum übertragen wird, da sie diese gegründet haben. Gleichzeitig gewährt ihnen der Bremer Erzbischof Hartwig II. den Zehnten vom Zehnten der einzelnen Hufe, und sie erhalten das Recht, die urbar gemachten Flächen nach Holländerrecht an Siedler zu verkaufen. Das Gebiet umfasst die Marsch zwischen Grolland, Brinkum, Ledeshusen (Ort in Höhe des Bremer Buntentorsteinwegs) und War (Warturm).

 
Die Urbarmachung durch Heinrich den Löwen und seinem „Beamten“ Friedrich von Mackenstedt geschieht auch als Machtzeichen gegenüber den Bremer Erzbischöfen, mit dem es viele Auseinandersetzungen gibt - bis dahin, dass es zu einer Doppelwahl des Erzbischofs kommt: Der welfenfeindliche Siegfried und der von Heinrich dem Löwen unterstützte Otbert werden beide gewählt. Heinrich der Löwe aber übernimmt daraufhin in Bremen die Zügel und vertreibt Siegfried. Damit geht die Macht im vorher erzbischöflichen Gebiet südlich von Bremen auf Heinrich den Löwen über. Auch der danach vom Kaiser Friedrich I. Barbarossa eingesetzte Balduin ist mit Heinrich verbündet, so dass faktisch die Hoheit über dem Siedlungsgebiet nun bei dem Sachsenherzog Heinrich liegt.


Beide Seiten einigen sich dann auf die gemeinsame Kultivierung der Bruchgebiete. In den Urkunden werden sowohl die Eigentumsrechte des Erzbischofs als auch die Oberhoheit des Sachsenfürsten benannt. Dabei kommt es Heinrich dem Löwen nicht so sehr darauf an, Nutzen aus dem kultivierten Land zu ziehen, z.B. in Form der Abgaben. Ihm ist wichtiger, die Oberhoheit in dem Gebiet zu bekommen. Damit geht der Zehnte der durch Bovo kultivierten Brüche allein an den Erzbischof.


Über die Größe der von Heinrich geförderten Siedlungen ist wenig bekannt. Da von durch die Holländer gestifteten Siedlungen die Rede ist, sind sie zunächst sicher sehr klein. Andererseits fallen in diese Zeit auch schon die Kirchengründungen von Stuhr, Barrien und Bücken sowie erste Klostergründungen (Heiligenrode).

 
Für diese Zeit gibt es noch keine Hinweise auf eine Kirche in Weyhe: Zwar wird in den Urkunden über die Kolonisierung immer wieder auf eine zu bauende Kirche verwiesen, aber der Historiker Wersebe vermutet, dass diese nie gebaut wurde. Der Turm der Kirchweyher Felicianuskirche, wie er teilweise heute noch erhalten ist, wurde erst um 1250 errichtet. Ob schon eine Holzkirche vorher am gleichen Platz (oder in der Nähe des heutigen Friedhofs) gestanden hat, ist nicht bekannt. Auch von einer Kirche in Leeste ist bis 1200 noch kein Zeugnis bekannt. Und in Dreye wird es ebenfalls keine Kirche gegeben haben. 


Die Orte Lahausen, Melchiorshausen, Angelse, Jeebel und Hörden sind bis zum 13. Jahrhundert noch nicht existent. Hier werden eventuell zerstreut einige Hütten gestanden haben, wo Menschen wohnten, ohne aber schon größere Höfe-Gruppen oder Siedlungen zu bilden.