Hochzeit

Heinz Tödtmann

Juli 2026

 

Polterabend

 

Typischerweise lief ein Polterabend in Erichshof so ab:

  • Gefeiert wurde auf dem Hof der Braut oder des Bräutigams, meist im Wirtschaftshof vor dem Wohnhaus.
  • Nachbarn, Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen kamen oft ohne besondere Einladung vorbei. Oft erschienen auch Leute, die gar nicht zur eigentlichen Hochzeit eingeladen waren.
  • Die Gäste brachten altes Porzellan, Steingut oder Keramik mit und zerschlugen es vor dem Haus. Glas wurde nicht geworfen, da dies als Unglück galt.
  • Das Brautpaar musste die Scherben gemeinsam zusammenkehren. Das galt als erste Bewährungsprobe für die spätere Ehe.
  • Anschließend wurde gegessen, Bier getrunken und oft bis spät in die Nacht getanzt oder musiziert.

 

Hochzeitsbitter

Ist der Tag der Hochzeit festgelegt, erfolgt die Einladung durch den Hochzeitsbitter, in den meisten Fällen ein Freund der Familie, der dann mit farbigen Bändern geschmückten Fahrrad und einer langen Hahnenfeder am Hut zu den Leuten fährt, um die Einladung zur Hochzeit persönlich zu überbringen. Er kündigt sich mit lautem "Juhu" auf den Dielen an und sagt von den zu ladenden Hausbewohnern seinen Spruch auf:

 

"Goden Dag, ji Lüüd, un en`n schön Gruß

As Hochtietsbitter koom ik in`t Huus.

Hier bün ik un schall jo verjünnen;

Bruut un Brögam smiet tohoop ehre Plünnen.

Nu is`t so wiet, de Stünn hett slogen.

De Hochtiet is in veertein Dogen!

 

Ik much woll bidden, all tosomen,

to disse Hochtiet her to komen!

De Fier fang an mit den Gang no de Kark,

wo de Bund för dat Leben besloten warrt.

De Bruut ganz in Witt, in`t Hoor Myrthen un`n Sleier,

In Frack un Zylinder kümmt de Brögam as Freier.

 

Ik n´mutt all bidden, sik püükfien to moken,

un ut`n Schapp holen de neesten Soken.

Mit Freud neiht nocj geschwind de Snieder,

för de Keerls en`n swarten Antog,

för de Froons lange Kleeder.

Na de Troung, dat kann ik verroden,

is düsse Hochtiet för nüms en Schoden.

 

Ik meen, wat dat Bruutpoor proothöllt för ehre Gäst:

To`n Eten un Drinken gifft allen op`t best.

De Kööksch is vör`n Tiet al lang bestellt,

un se hett den Brögam al alleen vertellt,

woveel Höhner, Eier un anner Soken

se bruken deit to`n Eten moken.

Grote Brodens mööt her von Rinner un Swiene. 

Von de Höhner dor nimmt se man blots dat Fiene.

 

Vörweg gifft dat den eerst mol de Zoppen.

Awies lütt de Weert von de Buddels de Proppen. 

Wien von en`n Johrgangm dat schüllt ji beleven,

so`n hett dat nerms op en GHochtiet woll geven.

Dormit warrt runnerspöölt de saftige Broden.

De Tüllers on Disch sünd vull beloden,

mit Spragel un Arfgen, mit Salot un Kroketten.

Un denn will de Kööksch noch de Gäst vörsetten:

Pudding mit Soße un Rumkirschen mit Ies,

flambeert op`n Dich bröcht, op ehre Wies.

 

Hebbt se denn vullsloon all ehr`n Wanz,

Koomt de Muskanten un speelt op to`n Danz.

För dat Bruutpoor warrt to`n Ehrendanz opblosen.

Se sweevt denn hinin in de Johren der Rosen!

För jeden hett de Musiknwat op Loger,

för den Unkel, de Tante, de Swester, den Swoger.

Rund geiht dat, jümmer un jümmer noch mol,

in`n Walzer- un Polkaschritt queer dör den Sool.

De Brögam lett sik den Spoß wat kosten.

Bi em bruukt de Gäst ok bi`n Danzen nich dösten.

 

Löter in de Nacht, so bi Klock ntwee,

könmnt sik de Gäst noch ins loben an`t koole Büfee.

Wo fliedig de Kööksch is, dat will ik verroden.

Allens mookt se sülvens, von`n Salot bit to`n Broden.

Achterher noch en poor Sluck so to`n verdaun -

un denn is`t wedder Tiet, op de Pauk to haun!

 

Anneliese Kiehne-Tecklenburg

 

 

Wenn dieser Brauch heute kaum noch praktiziert wird, dann ist dies in erster Linie der Straßenverkehrsordnung geschuldet, die Ausnahmeregelungen für alkoholisierte Hochzeitsbitter nun mal nicht zulassen.

 

 

Hochzeitsfeier

Oft wurde das Haus mit Birken, Grün oder Kränzen geschmückt. Die Nachbarschaft half bei den Vorbereitungen und waren zuständig für den Hochzeitsschmuck Bis ins 19. Jahrhundert war die kirchliche Trauung der eigentliche Höhepunkt. Die Hochzeitsgäste fuhren gemeinsam zur Kirche nach Leeste.Die Braut trug ihre beste Festkleidung, häufig mit schwarzem Kleid und festlicher Haube, wie es im norddeutschen Raum üblich war. Später trug man in der Regel weiße Hochzeitskleider. Nach der kirchlichen Trauung ging es zum Fotografen zu Foto-Eickhorst. Danach verlangten die Erichshofer Kinder ihren Zoll von dem Brautpaar, indem sie Seile über die Straße spannten oder sich in einer Kette vor den Fahrzeugen aufstellten und so an der Weiterfahrt hinderten.

 

Gefeiert wurde auf dem Hof des Brautpaares oder der Eltern. Später nutzte man die Säle großer Gaststätten. Die Gäste saßen an langen Tafeln. Es wurde kräftig gegessen und getrunken.Ein Musiker oder eine kleine Tanzkapelle spielte zum Tanz auf. Der erste Tanz war der Hochzeitstanz und dem Brautpaar v rbehalten, danach gesellten sich die Trauzeugen und Eltern dazu. Danach durften sich alle Gäste dem Tanzvergnügen hingeben.

 

Auch in Erichshof war das Braut entführen eine wiederkehrender Brauch. Wenn es Gästen gelang, dem Bräutigam die Braut zu entführen, konnte das für den Bräutigam teuer werden. Er musste nämlich die Zeche zahlen, die die Entführer mit der Braut in anderen Gaststätten verursacht hatten. Man konnte sich aber dagegen versichern, indem man einen entsprechenden Geldbetrag an die Musiker zahlte. Damit war das Risiko auf die Musiker übergegangen.

 

Gegen Mitternacht gab es den sogenannten Schleiertanz. Das Brautpaar begab sich auf die Tanzfläche und pünktlich um 24 Uhr stürmten die Gäste auf die Braut ein, um ihr den Schleier zu entreißen und ein möglichst großes Stück für sich als Trophäe mitzunehmen.

 

 

 

Hochzeitsfoto

Das obligatorische Hochzeitsfoto, mal mit, mal ohne die Trauzeugen wurden fast ausschließlich bei Foto-Eickhorst gemacht. Hier war die erste Anlaufstation nach der kirchlichen Trauung. Früher fand die Fotosession ausschließlich im örtlichen Studio statt, zunächst das Hochzeitspaar allein, dann zusammen mit den Trauzeugen. Auch für die Erichshofer Kinder eine willkommene Gelegenheit zu schatten, nämlich von der Hochzeitsgesellschaft einen "Zoll" einzufordern. Der Zeitgeist hat sich inzwischen geändert, das Hochzeitspaar sucht sich die location selbst aus, meist in freier Natur, daher haben auch die Kinder das Schatten eingestellt.

 

 

Brautenführung

Ein in Süddeutschland weitverbreiteter Hochzeitsbrauch: in einem unbeobachteten Moment wird die Braut von der Hochzeit entführt. Die Entführer begeben sich mit der Frischangetrauten in eine Gaststätte oder Bar. Der Bräutigam wird über die Entführung informiert und muss, mit Hilfe kleiner Tipps und Hinweise, den Aufenthaltsort seiner Braut herausfinden und sie dort auslösen. Lese weiter für detaillierte Informationen zum Ablauf der Brautentführung.

Die Braut entführen: wie läuft das ab?

In einem unbeobachteten Moment wird die Braut von einem oder mehreren Entführern aus der Hochzeitsgesellschaft weggelockt. Das kann bei einem Tanz geschehen, oder Eingeweihte lenken den Bräutigam ab, während sich die Entführer ans Werk machen. Haben sie schließlich mit der Frischangetrauten den Raum verlassen, begeben sie sich in eine Gaststätte, ein Café oder eine Bar und zechen dort zusammen mit der Braut fröhlich weiter.

Entweder bleibt die kleine Gesellschaft der Brautentführer in einem Lokal, oder es wird nur ein Getränk genommen und anschließend in die nächste Gaststätte weitergezogen. Wenn der Bräutigam seine Herzallerliebste zurückhaben möchte, muss er sie auslösen. Das heißt in den meisten Fällen, dass er die Zeche, die Braut und Entführer hinterlassen haben, bezahlen muss.

 

Es kann aber auch sein, dass er sich einigen Aufgaben stellen muss, um seine Frau wiederzubekommen. Hat der Bräutigam seine Angetraute freigekauft, trinkt wer eine letzte Runde mit den Entführern und anschließend kehren alle zur Hochzeitsfeier zurück.

Wichtig: Bevor du dich zum Entführen der Braut entschließt, solltest du mit dem zukünftigen Ehepaar schon bei der Planung der Hochzeit abklären, wie das Hochzeitspaar diesem Brauch gegenübersteht. Mag das Brautpaar diese Sitte nicht, solltest du das respektieren und auf diesen Hochzeitsbrauch verzichten.

Wann wird die Braut entführt?

 

Wichtig ist es, den idealen Moment abzupassen: perfekt ist es, wenn der Bräutigam zunächst nichts mitbekommt, dafür aber möglichst viele Hochzeitsgäste.

Wie wird der Bräutigam informiert?

 

Damit sich die Brautentführung nicht allzu lange hinzieht und sich die zurückgebliebenen Hochzeitsgäste nicht langweilen, sollte dem Brauch ein zeitliches Limit gesetzt werden. Ist die Braut nach längstens einer Stunde noch nicht gefunden, muss ein Eingeweihter dem Bräutigam einen eindeutigen Hinweis zuspielen.