Heinz Tödtmann
Juli 2026
Dreschen
Das Dreschen gehörte zu den arbeitsintensivsten Arbeiten des bäuerlichen Jahres. Bevor Dreschmaschinen allgemein verfügbar waren, mussten die Garben auf der Tenne mit dem Dreschflegel bearbeitet werden. Dabei waren viele Arbeitskräfte gleichzeitig erforderlich.
In Erichshof hat die sogenannte Nachbarschaftshilfe eine große Rolle gespielt. Wenn bei einem Kolonisten gedroschen wurde, kamen häufig Nachbarn, Verwandte und größere Kinder zum Helfen. Dafür konnte der Betroffene später mit eigener Arbeitskraft zurückhelfen, wenn bei den anderen Höfen die gleiche Arbeit anstand.
Beim Dreschen fielen zahlreiche Tätigkeiten gleichzeitig an:
Schon beim späteren Maschinendreschen wurden oft zehn und mehr Personen benötigt. Beim Handdreschen war der Arbeitsaufwand pro Zentner Getreide noch deutlich höher.
Für Erichshof war das Dreschen nicht nur Arbeit, sondern auch ein wichtiges soziales Ereignis. Nach getaner Arbeit gab es oft ein gemeinsames Essen und Bier oder Korn.
Hausschlachtung
Als Hausschlachtung wird in Deutschland eine Schlachtung außerhalb gewerblicher Schlachtstätten bezeichnet, in der Regel am Hof des Tierbesitzers, wobei das erschlachtete Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalt des Tierbesitzers verwendet wird.
Hausschlachtung von Nutztieren
Eine Hausschlachtung ist eine Schlachtung, bei der ein Nutztier für den Eigenbedarf geschlachtet wird.
Zum Betäuben muss das Tier mit dem Bolzenschussgerät geschossen werden. Erst wenn das Tier ruhig steht und den Kopf etwas hebt, setzt er den Schussapparat an und drückt ab. Durch das Betätigen des Abzughebels wird dem Tier ein Bolzen ca. 10 cm ins Hirn geschossen und zerstört Teile des Gehirns. Dadurch wird das Tier betäubt und bricht zusammen.
Die eigentliche Schlachtung erfolgt erst durch das Abstechen des Tieres. Beim Hausschlachten geschieht das meist im Liegen. Zum Abstechen kniet sich der Schlachter von hinten auf den Nacken des Tieres, setzt einen Fuß vors Maul und zieht dann den Kopf so weit zurück, bis der Hals sich spannt und schneidet mit einem scharfen Messer die Kehle durch. Das Schlachten ist richtig, wenn das Blut beim Herausziehen des Messers in einem kräftigen Schwall herausschießt.
Das austretende Blut wird meist aufgefangen und gerührt, um Gerinnung zu verhindern, es kann für Blutwurst oder Ähnliches verwendet werden. Mittlerweile sind citrathaltige Gerinnungshemmer auf dem Markt erhältlich, welche auch ohne Rühren eine Gerinnung verhindern. Typisch ist auch, dass neben dem Fleisch alle verwertbaren Teile genutzt werden und alles sofort weiterverarbeitet wird (Warmschlachtung).
Siehe auch: Tierschutzrecht
Die Hausschlachtung war in ländlichen Gebieten in früherer Zeit die Regel. Bei größeren Tieren wurde hierzu meist ein Metzger ins Haus bestellt, der das Tier fachgerecht tötete und zerlegte. Die weitere Verarbeitung des Fleisches erfolgte dann meist durch die Eigentümerfamilie selbst, wobei dies oft mehrere Tage in Anspruch nahm bis alle verwertbaren Teile durch Pökeln, Räuchern, später auch Einwecken haltbar gemacht waren, so dass nichts mehr verderben konnte. Während dieser Zeit mussten alle anderen Arbeiten zurückgestellt werden und häufig wurden auch weitere Helfer benötigt, die dann mit einem Anteil an Fleisch oder Wurst bezahlt wurden.
Auch Familien, die eigentlich keine Landwirtschaft betrieben, hielten sich für den Eigenbedarf meist ein Schwein, da Fleisch und Wurst verhältnismäßig teuer und auf dem Land im Ladenverkauf oftmals nicht erhältlich waren.
Als sich die Ernährungslage nach dem Zweiten Weltkrieg zusehends verschlechterte und zu viele Menschen mit ihren zugeteilten knappen Lebensmittel-Rationen nicht mehr auskamen, blühte der Schwarzhandel und somit auch die „Schwarzschlachtungen“. Von diesen nicht genehmigten Hausschlachtungen profitierten auch die im Haus ansässigen Heimatvertriebenen, die oft mit am gemeinsamen Tisch saßen.[1] Unter anderem im Lippischen und in Ostwestfalen achteten Hausschlachterinnungen darauf, dass die Hausschlachtungen fachgerecht ausgeführt wurden. Diese Innungen bestanden zum Teil bis 2014.[2]
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In den 1950er und 1960er Jahren nahm die Zahl der Hausschlachtungen in Deutschland immer mehr ab, da durch die verbesserten Transportmöglichkeiten mit entsprechender (Tief-)Kühlung auch in ländlichen Regionen Fleisch verkauft wurde. Gleichzeitig sanken die Preise für Fleisch durch die rationellere und schließlich industrielle Tierhaltung und Mast immer weiter, so dass sich der Aufwand der Mast von Schlachtvieh für den eigenen Bedarf nicht mehr lohnte. In neuerer Zeit wächst das Interesse an Hausschlachtungen wieder, da durch die diversen Fleischskandale und die Kritik an den Zuständen in der Massentierhaltung nach gesünderen und tiergerechteren Alternativen gesucht wird, die frühere Bedeutung wird aber auf absehbare Zeit wohl kaum erreicht werden.
In manchen Gegenden Deutschlands war der Tag der Schlachtung früher ein Festtag. Deshalb sprach man auch von einem Schlachtfest.
Dreschtag
Man kann es kaum noch erwarten. Aus der kindlichen Perspektive ein riesiger hölzerner Kasten auf Rädern, von einem Bulldog gezogen, fuhr er auf das Hofgelände. In der Einfahrt stand ein Birnbaum mit tief runterhängenden Ästen. Wie ein Kamm durchstriff der Aufbau der Dreschmaschine das Geäst.
Mit vielen Treibrädern und ebensoviel Antriebsriemen an beiden Seiten ausgestattet war diese Maschine für mich ein technisches Wunderwerk. Die Scheunentore waren geöffnet. Nach einem kurzen Gespräch zwischen dem Bauern und dem „Dreschkastenmann“, so bezeichneten wir Kinder den Lohndrescher, wurde das Ungetüm langsam in die Scheune gefahren. Die beidseitig in der Banse eingelagerten Getreidegarben begrenzten den seitlichen Aufstellplatz der Maschine. Die Dreschmaschine wurde aufgebockt. Ältere wurden noch über einen langen Flachriemen vom Trecker aus angetrieben.
Nun war es so weit! Der Probelauf begann. Der Motor fing langsam an sich zu drehen und somit kam Bewegung in die Treibriemen. Ein Teil der angetriebenen Räder drehten sich in die eine Richtung, die anderen wiederum anders herum. Ein dumpfes, noch vom Dreschvorgang des Vorjahres vertrautes Brummen, machte sich in der Scheune breit.
Nach kurzer Zeit hatte der Motor seine höchste Drehzahl erreicht. Das Brummen hatte sich zu einer enormen großen Geräuschkulisse entwickelt. Der Maschinist kontrollierte die immer schneller laufenden Riemen auf ihre Straffung.
Wenn gedroschen wurde fassten viele Helfer mit an. Zwischen zehn und zwanzig Personen waren nötig.
Die großen Bauern hatten für die alttägliche Arbeit einen eigenen Knecht. Wenn es mehr Arbeit war bestellten sie sich eine „Kolonne“.
Die Maschine lief prima! Der „Dreschkastenmann“ war der perfekte Mechaniker. Mit seinem Startzeichen ging es los. Das Einwerfen der Garben in den Drescher und der damit beginnende Dreschablauf entwickelten einen enormen Staub, der sich in der ganzen Scheune ausbreitete. Die Helfer waren kurzfristig nicht mehr zu sehen. Das immer wieder auf- und abschwellende Brummen der Maschine vermittelte uns Kindern wie schnell der Einleger arbeitete. Der Einleger war ein Mann, der dafür zu sorgen hatte, dass die Getreidegarben in einem gleichmäßigen Abstand oben in den Drescher eingeworfen wurden.
Das gedroschene Korn wurde über ein Gebläse und ein Rohrsystem auf die Kornbühne geblasen. Bei anderen Dreschsätzen wurde das Getreide in große Säcke gefüllt und über einen so genannten Sackheber auf die Schulterhöhe eines kräftigen Helfers angehoben. Dieser nahm ihn auf seinen Rücken, trug ihn dann auf die Kornkammer oder setzte ihn auf einem bereitgestellten Wagen ab.
Die Spreu, die aus dem Kaffrohr ausgeblasen wurde, sammelte sich zu einer Anhäufung. Der starke Luftstrom, der das Rohr mit Strohsplieten und Grannen versetzt verließ, war für uns Kinder immer eine besondere Herausforderung. Wer hielt es am längsten in dem, wie mit feinen Nadeln gespickten Wind aus. Wie kleine Geschosse prasselten sie auf unsere bloßen Arme und Beine.
Das Stroh verließ den Dreschkasten auf der Rückseite. In große Bunde gepresst rutschte es über eine Stangenführung weiter auf den Strohboden.
Wenn die letzten Garben aufgenommen wurden, wurde es noch mal für alle spannend. Die Männer steckten sich die Hosenbeine in die Strümpfe. Der Hofhund und die Katzen, die das ganze Geschehen vom Vorjahr noch kannten, positionierten sich. Mäuse über Mäuse sausten von einer Ecke in die andere sobald der Scheunenboden zum Vorschein kam.
Unter jeder Strohansammlung suchten sie Deckung. Eine gemeinsame Jagd von Mensch, Hund und Katze in seltener Einigkeit begann. So lange hatten die kleinen Nager einen sicheren Unterschlupf mit überreichlicher Nahrung vorgefunden. Innerhalb ein paar weniger Stunden war alles vorbei – für Jäger und Gejagte.
Wenn der Dreschkasten verstummte, den Hof verlassen hatte und ausgefegt war, kehrte wieder Ruhe ein. Für uns Kinder waren Ernte und Dreschtage ein vielschichtiges Ereignis. So hatten die Helfer ihr Aussehen durch Schweiß und Staub zum Fürchten verändert. Man erkannte sie oftmals nur an ihrer Stimme. Um die Stimmbänder vom Dreck zu reinigen, gab es den sog. „Schluck“. Viel Staub – viel Schnaps. Auch zwischendurch. Es staubte immer reichlich. Das haben wir als Kinder damals schon festgestellt – auch am ständig sinkenden Pegelstand der Schnapsflasche.
Die Mühe und Arbeit um das tägliche Brot, das sie als Gottesgabe ansahen, hat die Menschen mit Ehrfurcht erfüllt. Nie wurde ein Stück Brot weg geworfen. Reste bekam allenfalls das Vieh. Heute, bei der leichten Handhabung der Ernte und dem großen Angebot von so vielen Brotsorten erscheint einem die Ernteeinbringung unserer Eltern und Großeltern als Mühe und Plage. Das war sie wohl auch, aber so, wie sie gesellschaftlich dargestellt wurde, bleibt sie ein Detail einer gemeinsamen Erinnerung, die unauslöschlich ist und verbindet.
Gisbert Schnitker.