In Erichshof ist das gesellschaftliche Leben bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem von vier Faktoren bestimmt.
Viele der Traditionen sind bereits in der Kolonialzeit nach 1790 entstanden und bleiben bis nach dem Zweiten Weltkrieg prägend.
1. Erntefest und bäuerliche Feiern
Erntefeste sind einigermaßen regelmäßig gefeiert worden, insbesondere in den Jahren 1952 und 1953 ist das Erntefest mit besonders großem Aufwand zelebriert worden.
Erntefest nach Abschluss der Getreideernte
Gemeinsames Binden und Aufsetzen der Erntekrone
Tanzveranstaltungen in den Gastwirtschaften
Festumzüge mit geschmückten Wagen
2. Schützenwesen
Schützenfeste
Königsschießen
Festumzüge
Fahnenweihen
Vereinsbälle
3. Gesang und Vereinsleben
Sängerabende
Winterfeste
Ausmärsche
gemeinsame Ausflüge
öffentliche Konzerte
4. Gastwirtschaft
Versammlungslokale
Wahllokale
Vereinsheime
Tanzsäle
Orte für Hochzeiten und Beerdigungskaffee
5, Hochzeitsbräuche
Da Erichshof keine eigene Kirche hat, finden die meisten Hochzeiten in der Leester Marienkirche statt.
Hochzeitsbitter
Ist der Tag der Hochzeit festgelegt, erfolgt die Einladung durch den Hochzeitsbitter, in den meisten Fällen ein Freund der Familie, der dann mit farbigen Bändern geschmückten Fahrrad und einer langen Hahnenfeder am Hut zu den Leuten fährt, um die Einladung zur Hochzeit persönlich zu überbringen. Er kündigt sich mit lautem "Juhu" auf den Dielen an und sagt von den zu ladenden Hausbewohnern seinen Spruch auf:
geschmückte Wagen
Polterabend
Typischerweise lief ein Polterabend in Erichshof so ab:
Hochzeitszug durchs Dorf
Hochzeitsfoto
Das obligatorische Hochzeitsfoto, mal mit, mal ohne die Trauzeugen wurden fast ausschließlich bei Foto-Eickhorst gemacht. Hier war die erste Anlaufstation nach der kirchlichen Trauung. Auch für die Erichshofer Kinder eine willkommene Gelegenheit zu schatten, nämlich von der Hochzeitsgesellschaft einen "Zoll" einzufordern.
Hochzeitsfeier
Oft wurde das Haus mit Birken, Grün oder Kränzen geschmückt.
Die Nachbarschaft half bei den Vorbereitungen und waren zuständig für den Hochzeitsschmuck
Bis ins 19. Jahrhundert war die kirchliche Trauung der eigentliche Höhepunkt.
Die Hochzeitsgäste fuhren gemeinsam zur Kirche nach Leeste.
Die Braut trug ihre beste Festkleidung, häufig mit schwarzem Kleid und festlicher Haube, wie es im norddeutschen Raum üblich war. Später trug man in der Regel weiße Hochzeitskleider. Nach der kirchlichen Trauung ging es zum Fotografen zu Foto-Eickhorst. Danach verlangten die Erichshofer Kinder ihren Zoll von dem Brautpaar, indem sie Seile über die Straße spannten oder sich in einer Kette vor den Fahrzeugen aufstellten und so an der Weiterfahrt hinderten.
Gefeiert wurde auf dem Hof des Brautpaares oder der Eltern. Später nutzte man die Säle großer Gaststätten.
Die Gäste saßen an langen Tafeln.
Es wurde kräftig gegessen und getrunken.
Ein Musiker oder eine kleine Tanzkapelle spielte zum Tanz auf. Der erste Tanz war der Hochzeitstanz und dem Brautpaar vorbehalten, danach gesellten sich die Trauzeugen und Eltern dazu. Danach durften sich alle Gäste dem Tanzvergnügen hingeben.
Auch in Erichshof war das Braut entführen eine wiederkehrender Brauch. Wenn es Gästen gelang, dem Bräutigam die Braut zu entführen, konnte das für den Bräutigam teuer werden. Er musste nämlich die Zeche zahlen, die die Entführer mit der Braut in anderen Gaststätten verursacht hatten. Man konnte sich aber dagegen versichern, indem man einen entsprechenden Geldbetrag an die Musiker zahlte. Damit war das Risiko auf die Musiker übergegangen.
Gegen Mitternacht gab es den sogenannten Schleiertanz. Das Brautpaar begab sich auf die Tanzfläche und pünktlich um 24 Uhr stürmten die Gäste auf die Braut ein, um ihr den Schleier zu entreißen und ein möglichst großes Stück für sich als Trophäe mitzunehmen.
6. Weihnachten
Aufstellen des Tannenbaums
gemeinsames Singen von Weihnachtsliedern
Bescherung am Heiligabend
Weihnachtsfeiern der Vereine
7. Nachbarschaftshilfe
Die gegenseitige Unterstützung ist vor der Erfindung und Einführung moderner Maschinen notwendig und unverzichtbar.
Hilfe beim Hausbau
Dreschen
Das Dreschen gehörte zu den arbeitsintensivsten Arbeiten des bäuerlichen Jahres. Bevor Dreschmaschinen allgemein verfügbar waren, mussten die Garben auf der Tenne mit dem Dreschflegel bearbeitet werden. Dabei waren viele Arbeitskräfte gleichzeitig erforderlich.
In Erichshof hat die sogenannte Nachbarschaftshilfe eine große Rolle gespielt. Wenn bei einem Kolonisten gedroschen wurde, kamen häufig Nachbarn, Verwandte und größere Kinder zum Helfen. Dafür konnte der Betroffene später mit eigener Arbeitskraft zurückhelfen, wenn bei den anderen Höfen die gleiche Arbeit anstand.
Beim Dreschen fielen zahlreiche Tätigkeiten gleichzeitig an:
Schon beim späteren Maschinendreschen wurden oft zehn und mehr Personen benötigt. Beim Handdreschen war der Arbeitsaufwand pro Zentner Getreide noch deutlich höher.
Für Erichshof war das Dreschen nicht nur Arbeit, sondern auch ein wichtiges soziales Ereignis. Nach getaner Arbeit gab es oft ein gemeinsames Essen und Bier oder Korn.
Nachbarschaftshilfe bei Krankheiten
Nachbarschaftshilfe bei Todesfällen
gemeinsame Schlachtfeste
8. Kirchliche Bräuche
Die Menschen in Erichshof sind vorwiegend evangelisch-lutherisch geprägt.
Weihnachten
Ostern
Pfingsten
Auch in Erichshof gab es bis ins 20. Jahrhundert Pfingstbräuche wie sie in Nordwestdeutschland überall gepflegt wurden.
Konfirmation
Erntedank
9. Frachtfahrer- und Chausseekultur
Erichshof liegt an einer der wichtigsten Verkehrsrouten nach Bremen. Dadurch hat sich eine besondere Fahrer- und Chausseekultur entwickelt.
Einkehr der Frachtfahrer
Neuigkeiten aus Bremen und Hannover
Kartenspiel
Kegelabende
Pferdewechsel und Stallungen an den Wirtshäusern
Nikolauslaufen
Das Nikolauslaufen (früher „Sunnerklauslaufen“) ist ein typisch bremischer Brauch. Am Abend des 6. Dezember zogen Kinder, oft verkleidet und mit Sack oder Beutel ausgestattet, vor dem Gesicht häufig eine Maske aus Pappmachee mit aufgeklebtem Bart von Haus zu Haus. Sie sagten plattdeutsche oder hochdeutsche Nikolaussprüche auf oder sangen Lieder und erhielten dafür Bonbons, Nüsse, Äpfel oder Mandarinen.
Ek bin son littjen König
gev mi nich to wenich
denn ek mutt noch wietergoon
halihalihalo
so gait no Bremen to
Kohl- und Pinkelfahrten
Neujahrsschießen
Laternelaufen
Das Laternelaufen hat in Norddeutschland eine lange Tradition. Anders als in vielen katholischen Regionen steht dabei weniger der heilige Martin im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Laternenlaufen mit Liedern wie „Laterne, Laterne“ oder „Ich geh' mit meiner Laterne“. In Niedersachsen sind solche Umzüge seit Generationen ein fester Bestandteil des Herbstbrauchtums.
Für Erichshof ist nachweisbar, dass die Veranstaltung bereits seit vielen Jahren zum Dorfleben gehört. Nach der Corona-Pause wurde sie 2022 wieder aufgenommen, und auch 2024 wurde ausdrücklich vom „alljährlichen Laternelaufen“ berichtet.
Schatten
Vereinswesen
Laternelaufen
Das Laternelaufen hat in Norddeutschland eine lange Tradition. Anders als in vielen katholischen Regionen steht dabei weniger der heilige Martin im Mittelpunkt, sondern das gemeinsame Laternenlaufen mit Liedern wie „Laterne, Laterne“ oder „Ich geh' mit meiner Laterne“. In Niedersachsen sind solche Umzüge seit Generationen ein fester Bestandteil des Herbstbrauchtums.
Für Erichshof ist nachweisbar, dass die Veranstaltung bereits seit vielen Jahren zum Dorfleben gehört. Nach der Corona-Pause wurde sie 2022 wieder aufgenommen, und auch 2024 wurde ausdrücklich vom „alljährlichen Laternelaufen“ berichtet.
Schatten
Vereinswesen