Erichshof liegt im westlichen Teil der Gemeinde Weyhe zu beiden Seiten der B6 und grenzt im Uhrzeigersinn an die Gemeinde Stuhr (Ortsteil Seckenhausen und Brinkum) und in Weyhe an den Ortsteil
Leeste.
Ob die Bezeichnung Erichhof letztendlich zu Ehren des Grafen Erich von Hoya gegeben worden ist, ist urkundlich nicht genau belegt. Allerdings verweist
W.v.Hodenberg in seinem Hoyer Urkundenbuch auf eine Urkunde vom 2. Januar 1579, aus der hervorgeht, für das neue Vorwerk die Bezeichnung „Erichs-Hof“ oder „Erichs-Hofe“ einzuführen. Diese Version
ist von allen Heimatforschern übernommen worden.
Nicht unwesentlich dürfte es sein, darauf hinzuweisen, dass Graf Erich 1568 die Alleinregentschaft fast der gesamten Grafschaft Hoya übernahm und damit auch das
1565 erbaute Vorwerk Erichshof. Da er aber bereits 1575 verstarb, könnte es sein, dass der "Erichs-Hof" erst nach seinem Tod den Namen erhielt.
Ortsentwicklung
Erichshof ist auffällig spät besiedelt worden. Ursächlich verantwortlich sind dafür die Eiszeiten. Vor etwa 300.000 bis 130.000 Jahren (Saale-Eiszeit) bedecken riesige Gletscher aus Skandinavien
kommend große Teile Norddeutschlands und transportieren dabei große Mengen von Sand und Kies und lagern diese Materialien ab und bilden sogenannte Endmöränen. Als das Eis zurück geht, sorgt das
Schmelzwasser des Eispanzers dafür, dass Sedimente und Nährstoffe aus dem Boden ausgewaschen werden und eine karge Landschaft entsteht, die Geest. In der jüngeren Weichsel-Eiszeit (vor
115.000 bis 11.600 Jahren) ist das Gebiet zwar nicht mehr vollständig von Eis bedeckt, aber Wind und Frost formen die Oberfläche weiter. Feiner Sand wird verweht und bildet reine Sanddünen,
typisches Merkmal der Geest. Der Boden ist trocken und unfruchtbar, die Vegetation beschränkt sich auf absolut genügsame Planzen wie Heide, Birken und Fuhren. Hier will sich kein Bauer ansiedeln.
Er siedelt dort, wo es fruchtbaren Marschboden gibt, in Brinkum und in Leeste.
Gelegentlich zieht es sie doch in diese karge Heidelandschaft, aber nur zum sogenannten Plaggenhieb oder Plaggenstich. Hierbei wird mit einer speziellen Plaggenhacke die Heide mitsamt der
obersten Humusschicht in einer Stärke von ca. 4 cm und mehr, einer Breite von etwa 40 cm und einer Länge von 70 cm bis 100 cm Länge abgeschält und aufgerollt. diese Plaggen werden dann getrocknet
und auf dem Hof gelagert, um dann in Ermangelung von ausreichend Stroh als Einstreu im Viehstall Verwendung zu finden. Sobald sich diese Plaggen mit dem Stallmist vermischt haben, wird
dieses Gemisch auf den Äckern als Dünger ausgebracht. Auf den Äckern baut man in der Regel Roggen, Kartoffeln oder auch Hafer an. Nach einigen Jahren ist der Boden dann so ausgelaugt, dass eine
mehrjährige Brache eingeschoben werden muss. Nach einer erneuten Düngung kann der Acker dann wieder bewirtschaftet werden.
Durch dieses Vermischung mit dem Stalldung und das immer wiederkehrende Ausbringen auf den Feldern erhöhen sich im Laufe der Zeit die Ackerflächen und lassen sie sogenannten Eschflure entstehen,
über viele Generation hinweg bis zu mehreren Metern.
Auf den abgeplaggten Flächen wächst die Heide nach. Erst nach 10-20 Jahren hat sich wieder eine kleine Humusschicht gebildet, Plaggen können jetzt wieder gestochen werden. Für einen Hektar Acker
werden etwa 20-200 Hektar Plaggenfläche benötigt. Die Nutzungsintervalle werdend dadurch immer größer, so dass man dazu übergeht, die nachwachsende Heide als Futter für Schafe, Rinder und Pferde
zu verwenden oder auch die Heide für die Beweidung von Schafen zu nutzen.
Wie sich die Heide regeneriert hängt von der Tiefe des Plaggenabtrages ab. Wird zuviel Humus und damit auch Heidesamen entnommen, so bilden sich dauerhaft offene Sandflächen, auf denen selbst die
Heide nicht mehr Fuß fassen kann. Solche Flächen sind dann für eine weitere Plaggenproduktion verloren. Hinzu kommen die Probleme durch Sandverwehungen.
Die Folge in unserer Region ist, dass eine Besiedlung erst zum Ende des 18. Jahrhunderts erfolgt.
Raidar Ostermeyer, Moor und Heide
um 1500
wird in der Grafschaft Hoya der Frondienst, insbesondere auch für die Brinkumer und Leester Bauern festgelegt. Am Anfang sind das mit Sicherheit Hand-und Spanndienste gewesen. Das Ausmaß dieser
Dienstleistungen ist wahrscheinlich noch gering gewesen, weil die zu Ackerland kultivierten Flächen bei Einhaltung der notwendigen Brache nur bescheidene Ausdehnung haben. Die Meyerleute müssen
wöchentlich einmal mit dem Gespann auf dem "Hause Siek" erscheinen, die Kötner sind zu Handdiensten verpflichtet. Die Gruppe der Brinksitzer hat nur wenig Grundbesitz - oft nur Haus und
Gartenland - insofern können die Brinksitzer ihren Dienst gar nicht oder nur in beschränktem Maß ausführen. Über ihre Verköstigung auf dem Hof Siek gibt ein Amtsbuch Aufschluss:
"Wan die hierunter benannte Dienstpflichtige ihre Dienste würklich abgeleistet, und sonsten ijre jährliche abgaben eingeliefert haben, ist ihnen von Küchen und
Keller des Hauses Sieke ein gewärmliches an Mickenbrodt und Keesen oder Heringe nebst dem geträncke gereichet worden, welches aber Ihren Continuirlichen Klagten nach bey vorgangenen Krieges
Zeiten und frembden besatzungen des Hauses und Ambts zum Abgange kommen, und haben sie nachgehendts an dessen stadt allein in der Ernte bey Einbringung des Korns vermüge der Register nur 5 oder 6
Tonnen bier zu genießen gehabt, ohn was der burgerschaft im Flecke Sieke bei Ablegung ihrer Pflichttage an Brodt und Keese gereichet worden."
Diese Hand- und Spanndienste stehen immer nur dem jeweiligen Grundherrn als Lehnsherr zu. Anfang des 16. Jahrhunderts sind für das Amt Syke die Grafen von Hoya und nach dem Aussterben dieses
Geschlechts die Linie Braunschweig-Lüneburg als Erbe der meisten Bauernhöfe. Diese Grundherrschaft wird auf dem "Haus Sieck" durch einen eingesetzte Amtmann wahrgenommen.
Etwa ein Drittel aller im Amt Syke vorhandenen Bauernstellen ist zum Teil in die Hände mehrerer Privatgrundherren gekommen. Diese werden in den Akten als Gutsherren bezeichnet, juristisch sind
sie aber Grundherren, denn ihnen stehen u.a. auch die Hand- und Spanndienste ihrer Höfe zu, und in den Urkunden wird benannt, wer nur Abgaben eines Bauernhofes in Natura oder Geldwerten
einzunehmen hat.
C.H. Hüchting, Bäuerliche Hand- und Spanndienste im Amt Syke
C. Halenbeck 50 Ausflüge in die Umgebung von Bremen
Erichshof, angelegt von den Grafen Otto, Erich und Friedrich von Hoya als Vorwerk "zur Verbesserung ihres Hauses in Syke nach Gutdünken der Aelterleute zu Brinkum und Leeste" - auf dem Brinkumer
Moore u. "aus der wilden Haide"; sie ließen auch einige Wiesen, Weiden und Aecker aus der gemeinen Mark nehmen u. daneben einfriedigen. Am 22 Juni 1565 verpflichteten sich die Aelterleute oder
Kirchengeschworenen u. die Kirchspielleute der Dorfschaften Brinkum und Leeste, ihre Wochen- und Hofdienste nicht mehr auf dem entlegenen Hause Syke, sondern bei dem Vorwerk Erichshof u.
den dortigen Ländereien zu leisten, falls hier aber durch Wasser- oder Wettersnoth das Korn verkommen sei, zu Syke.
Es wird mit dem Bau des Vorwerk-Hofes begonnen. In einem Schreiben des Syker Amtmanns Rumann heißt es:
„…durch einen damahligen Amtmann Koch hier zu Sycke zusammengesetzt, und die Jahre 1567 und 1568 sind diejenigen worinn die erste Bebauung des Ehrichshofes durch
gedachten Amtmann angefangen wurde….“
Nds. Hauptstaatsarchiv Hannover: Hann. 74 Syke Nr, 876 – Schreiben v. 5.6.1790
.
.
Dienste tun auf dem Erichshof diese Woche:
Vollspenner
8 Personen von Brinkheim
8 Personen von Leeste
Haben sämtlich Heide vom Brinkmer Moor auf den Erichshof gefurdt, 2 Tage 4 Fuder
Halbspänner
7 Personen zu Brinkheim
14 Personen zu Leeste
Haben sämtlich bei dem Horstädter Kolken gegraben, 2 Tage
Kotters
7 Personen zu Brinkheim
27 Personen zu Leeste
17 haben Torf umgeringelt, 2 Tage
16 haben Heide gemäht, 2 Tage
1 Warte auf der Brücke in der Brinkmer Marsch
Solche Aufzeichnungen kehren in den Urkunden für jede Woche mit anderen Arbeiten immer wieder, z. B.:
„Haben sämtlich Busch vom Bartelshorn auf die Weserdeiche gefuhren, 35 Pers. Haben grass in der vor undt hillerswisch abgemeyedt, haben uf dem hew hulfen, haben
sämtlich Roggen vom Grossenfelde uf den Erichshof gefurdt, haben Mess gefurdt, haben Syker Roggen in die Leister Mühle gefurdt.“
1575
verpfändet Graf Otto VIII. von Hoya, Nachfolger des am 12. März verstorbenen Grafen Erich von Hoya das Vorwerk Erichhof an Anna Pförtner, Witwe des Vogts Heinrich Pförtner zu Kirchhatten für eine
Forderung in Höhe von 6.500 Talern, die diese gegen den verstorbenen Grafen Erich hatte. Bis zum diesem Zeitpunkt hat der Klosterhof Schinna als Pfand gedient.
Heinrich Gade: Historisch-geographisch-statistische Beschreibung der
Grafschaften Hoya und Diepholz
1579
ist die Verpfändung an Anna Pförtner offensichtlich aufgehoben. Am 2. Januar verpfändet Otto das Vorwerk Erichshof an seine Frau Agnes, der er mehr als 7000 Taler und 100 Goldgulden schuldet.
Diese Verpfändung dauert bis zum Tod von Otto VIII. Danach wird auch diese Verpfändung aufgehoben und Erichshof von den Regierungsnachfolgern, den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg, übernommen.
Als Verwalter wird der in Brinkum ansässige Philipp Sigismund Bremer eingesetzt.
HGade
1580
Man stellt fest, dass das "Huß Syke" im Hinblick auf den Ackerbau und Viehzucht durch die Anlage des Vorwerks Erichshof erheblich verbessert worden ist und die Einnahmen der Amtsverwaltung
dadurch gesteigert werden konnten. Das 16. Jahrhundert gilt auch in der Forschung als das Zeitalter, in dem die Landesherren ihre Gutswirtschaften ausbauen. Die Wirtschaftslage ist günstig und es
erweist sich vorteilhaft, dass der Adel vermehrt Söldnerheere in Dienst stellen und somit ihre Waffendienste am Hofe kaum noch benötigt werden. Vermehrt kann man sich jetzt um ihre
Adelssitze und den Auf- und Ausbau landwirtschaftlicher Betriebe kümmern.
Eine auf dem Gelände des Vorwerks stehende Windmühle wird abgerissen und in Stolzenau wieder aufgebaut. Bis dato hat es auch ein Möllerhaus und einen Möllenberg gegeben.
Aber schon bald stoßen die Grafen von Hoya an ihre Grenzen:
Im Syker Erbregister wird notiert, dass das Huß Syke im Hinblick auf seinen Ackerbau und seine Viehzucht durch die Anlage des Erichshofer Vorwerks verbessert worden sei, weil die
Einnahmen der Amtsverwaltung damit deutlich gesteigert werden können. Dennoch werden aber auch schon erste Schwierigkeiten erkennbar, so ist im Erbregister auch notiert, dass ohne
beschwerunge der armen Leute (=Bauern) keine Wiesen aus den Gemeinheiten mehr gemaket oder togerichtet werden können.
Auch die Leistungsfähigkeit der Bauern, deren Dienste z. T. erheblich gesteigert wurden, um die neuen Großbetriebe bewirtschaften zu können, stößt bereits an ihre Grenzen: In einem Bericht des
Amtes Syke ist notiert, dass schon die zuletzt besamten Ländereien in die Gemeinheiten zurückgegeben werden müssen, weil die Bauern die geforderten Dienste nicht mehr leisten können.
Die Hand- und Spanndienste beschreiben dabei zwei Arten der zu erbringenden Naturaldienste. Die Handdienste wurden, wie der Begriff bereits andeutet, mit der Hand bzw. körperlicher
Arbeit erbracht. Der Begriff Spanndienste geht historisch auf das Anspannen von Zugtieren zurück und bedeutete, dass der Dienstpflichtige das Gespann für Zugvieh stellen musste.
Am 25. Feb. 1582 stirbt Graf Otto von Hoya auf seinem Stammschloss zu Hoya und wird mit großen Ehren in der Nienburger Kirche beigesetzt. Mit ihm stirbt das Grafengeschlecht von Hoya aus,
und die Grafschaft Hoya fällt zurück an die welfischen Herzöge als seine Lehnsherren, und zwar an Erich von Calenberg.
C.H.Hüchting 900 Jahre Brinkum
Nach einem Vertrag vom 10. August 1583 erhält der Herzog Wilhelm von Lüneburg-Celle die Niedergrafschaft Hoya, die Herzöge Julius von Wolfenbüttel und Erich II. von Calenberg bekommen die
Obergrafschaft mit den Ämtern Syke, Ehrenburg, Harpstedt und fünf anderen.
C.H.Hüchting, 900 Jahre Brinkum
Aus dem gleichen Jahr gibt es eine detaillierte Beschreibung der Gebäude auf dem Vorwerk Erichshof:
„Ungefehrliche Verzeichnisse An undt Überschlag der gewissen anderer Jahrlichen Uffkünfften Auch beschreibunge der angehorigen freyer undt eigen dienstLeute, In
undt außerhalb gerichts geseßen und befunden. So woll auch der Hoch undt Gerechtigkeit Ober undt Untergericht, Gräntzscheidungen Geleit, Holtzungen, Jachten, undt dergleichen Zubehorung nicht
außbescheiden deß Hauses Sieke, am 29 April Anno 1583 beschrieben“
[…] Gebewde auff dem Erichshoff
Viehauß
Daß Viehauß hat 20 spann ist auff 2 hohen wenden mit Kübbingen Zu beiden seiten daran gebawet. Hiervon ist eine Küche Von 2 spann mit einem Holtzern gitterwerk
abgescheret, darin ein ausgemauerter schornstein, mit einen Holtzern bußen und seint 8 taffeln Glasefenster in der Küchen. Die Küche undt da Zu ungefehr 3 Vake in dem Vieh Hause seint mit dehlen
überleget In dem Viehhause seint Zwey kleine Cammer mit lehmen wenden Zugemacht, in der einen hatt der Hoffmeister sein Lager, undt in der andern die Meyersche ihren ..ranck Daß Hauß ist mit
Lehmen geklebet, aber die gebel oben gemauret, undt ist mit roten gebranten Dachsteinen und stroeren daken gedecket, außerhalb 2 fach baven der Küchen die seint mit dubbelten, gebranten
Dachsteinen in Kalk gesetzet, gedecket.
Daß Vieh Hauß hatt 2 doer mit 4 flügeln undt 2 kleine oder, alles mit Hespen Haken Krampen und Klinken, an dieß Viehauß ist ein Kreutzhauß, Zu ende des ein
Wohnhause angebawet, ist Von 7 spannen undt 2 Mahl gestendert.
Unter diesem Hause Zur Helfte ist ein Molken Keller mit balken überleget, undt mit Keserlinge überfpflastert, die döer in den Keller gehet auß der Küchen mit
einer Holtzern treppen undt in dem Keller ein Kacheloffe.
[…] Die unterste wohnunge Hat eine doentzen mit 6 taffeln glase fenster, darunter 3 Herren waffen, undt Hat die doentze drey angenagelte Bencke Vom Buchen
Holtze, auch einer Kleinen schenkschiefen von eichen holtze, ist an die wende gehefftet. In dieser stuben ist ein Kacheloffe von grünen Kacheln, auch seint darin 2 döer mit Klinken und Kaken vor
der einen oder eine angenagelt sprinckschloß, undt vor der andern tühr ein schloß mit einer Krampen. Bey dieser stuben ist ein schlaffkammer mit 3 taffeln glasefenster , undt über die doer, so
auß der stube darin gehet, davon weiter eine treppe hinunter mit einer, da er in der Küchen am Vorwercke.Die ander wohnunge im Creutzhause Hat über der untersten stuben ein Klein gemach mit einem
schorstein Von Backensteinen außgemauret. In diesem gemach seint 16 taffeln glase fenster darunter Zwey Herren waffen, undt dan unter den glase fenster 12 finster mit Holtzern gliedern mit hepen
undt ein waffen, druff seint 3 bencke Von buchen holtze angenagelt. Bey diesen gemach ist ein schlaff Cammer mit 4 taffeln glase fenster undt 4 Holtzern fenster mit 2 doren Klinken Haken undt
handtgriff Daß memach undt diese Cammer seint überlegt mit buchen dehlen undt bepflastert mit Lehmen Boven diesen seint noch 2 Cammer unter dem dach überleget mit eichen dehlen, auff der ersten
nagelfeste benke von eichen holtze undt auff der selben 8 taffel Glase fenster.
[…] Auch 8 fenster mit Holtzern gliedern, auff derselben eine Panneilte dannen döer mit Klincken Haken undt Handtgriffen. Auff der andern Cammer 4 taffeln mit
glase fenster undt 4 Holtzern fenster n Noch eine döer auff derselben Cammer mit Klinken undt Haken.Diese Cammer ist auch mit eichen dehlen überleget- An daß Vorwerck ist eine Herren Küche
eingestendert angebawet, darin ein auß gemawerten Schorstein Von backensteinen, mit einen Holtzern Bußen, geplastert mit Keserling undt backsteinen undt mit gestaketen Lehmen wenden Zugeklebet,
eine doer mit Klinken Haken, undt einem sprinckschloße. Darin 26 taffeln glase fenster, die Küche ist oben beleget, mit buchen dehlen, bey der Küchen seint Zwey Kleine speise Cammern mit lehmen
wenden, undt seint in der einen Zwey taffeln glase fenster, die Cammern haben 2 doer mit Haken undt Klinken, die Küche ist gedecket mit schlut dacksteinen, undt in Kalk gesetzet.
[…] Ein Hauß dass Klocken Hauß genant hatt 25 spann eines gestendert, ausgemauret mit backensteinen, wende undt gebel ist auff Zwey Hohe wende gebawet, undt hat
an einer seiten eine Kübb. mit lehmen wenden, Zu einen Torff scheur. Zu Endes am diesen Hause eist ein Butter Keller mit balken undt Eichen undt buchen dehlen durch ein ander geleget Hatt ein
doer mit Haken undt ein sprinck schloß.
[…] Auff diesem Keller ist ein schlaffCammer mit 6 taffeln glase fenster undt 6 Holtzer fenster mit Haken undt einwuffen die Cammer ist mit buchen dehlen
überschoßen, undt darüber stehet dass Uhrwerck. Noch eine doer Vor dem gange nach dem Keller undt eine doer vor der Cammer mit Hespen undt Klinken Undt ist der Keller undt die Cammer Von diesm
Hause in sonderheit mit einer Wandt abgescheret. Daß Haus wirdt von oben mit Korn beleget, undt unten ist es mit Krübben Zum Pferdestall Zugerichtet. Daß Haus Hatt 2 döer mit vier flügeln daran
Hespen undt Krampen. Dieß Haus ist behenget und Zugedecket mit backenschlut steinen.
[…] Ein Kornhauß Von 8 sapn Zweymal gestendert eingemauret mit backsteinen, Hat 2 boden mit eichen dehlen beschlossen Zu reinen Korn drauff 17 taffel glase
fenster, undt 20 Holtzern Lade, am Hause seint 2 doere, mit Haken, Hespen, einworff undt Hangende schloten, Unter wirdt Torff drin geleget und stehet eine eiche mehl Kiste drin. Daß Hauß ist
gedecket mit dubbelden dach, Von gebranten dachsteine, undt in Kalck gesetzet
[…] Eine scheure dass Lange Hauß genant Hat 20 spann undt ist auff 2 Hohe wende mit 2 angehengeten Kübbungen, da vieh hingestellt wirdt, gebawet, dass Hauß undt
eine Kübbing mit lehmen wenden, undt die eine Kübb. auch beide gebr. mit backen steinen eingemawret, gedecket mit backen schlut steinen Halb mit Kalk undt Halb mit docken.Hirein wirdt Korn
geleget, undt daß güste Vieh gestallet Hatt eine drosche mei einen lehmen Plaster Daß Hauß Hatt 2 doer Jede mit 2 flogeln daran Hespen undt Klincken .
[…] Ein Schewre Heist dass strohHauß ist auff 2 hohe wände, mit 2 gebrackenen oder hemmen gebeln, undt 2 angehengeten Kübbingen gebawet, mit lehmen wenden, die
andr wende mit den gebeln seint mit backenen steinen gemawret, hat 2 doer mit 4 flügeln, Hacken undt Hespen, in daß Hauß wirdt Korn geleget undt Milch undt güste Vieh gestallet. Ist mit einfellig
gebackenen Dacksteinen undt docken gedecket. Vor diesem Hause entlang ist der Weck mit Keserlingen besetzet und beplastert.
[…] Daß SchweinHauß Hatt 6 spann eins gestendert hat 2 hohe wende undt eine Kübbing Zugemacht mit lehmen wenden, undt die gebel mit bretern Zugeschlagen, Hat
einen steinen plaser, undt ist mit schlutsteinen gedecket, undt mit Kalke unter strichen. Hat eine doer mit Hespen undt Klincken, der Hoff umb dass SchweinHaus Her, ist mit einen Holtzern seiten
planckwerck Von Vorwerckshoffe abgescherert.
[…] Daß Pfordthauß hat 6 spann eins gestendert undt mit lehmen geklebet, an der eine seite Hat der Ambtman seine Cammer, undt an der andern seiten ist des
Pfortners wonunge mit einem ausgemawerten schorstein, undt dan weiter daß backhauß mit einem Backoffen gewelbet mit backsteinen Daß Pforthaus Hat 4 döer mit hespen undt Krampen, daruntger 2 mit
schossen. Ein doer Vordem Pforthause mit debbelten flogeln, undt eine kleine pforte mei einer doer mit hacken, hespen, Crampen, undt 2 angehengeten schloten. Auff den Vorwerckshoffe ist ein
hopfengarte mit einen Planckwerck abgescheret.
[…] Der Vorwerckshoff ist umbher begraben, undt der Auffworff mit berken undt Espen bepflantzet. Zwischen dem Auffworff undt den …en ist noch ein Holtzern eichen
planckwerck Zur helffte die andere helffte ist beZeunet. Auff dem hoff seint 2 brungen seint aus der grundt mit dicken Eichen bretern auß gesetzet und jeder ein Eimer mit eisern beschlagen. Der
Weck durch die Pforten nach dem Vorwerck ist mit Keserlingen auß gesetzet und beplastert. Hinter dem Vorwerk hatts einen Kohlgarten.
Zum Erichshof können gesät werden 24 Molt Roggen, ist Geest oder Heiland 96 Morgen. Mehr ist daselbst Marschland, darin kann ungefähr gesät werden 40 Molt Gerste und 40 Molt Hafer, 240 Morgen. Es
berichtet aber der Amtmann, daß dieses Marschland jetzt zur Hälfte zu Dresch und Weyde lieget, und dies also drei Jahre lang öde gelegen, wird es dagegen ungedüngt wieder gepflüget und besät, und
wird dagegen in andere Hälfte wiederum drei Jahre über wie das vorige zu Dresch und Weide gebraucht.
Auf der Vorwisch wird ungefähr geerntet60 Fuder Heu, von der Hillerserwisch ungefähr 20 Fuder. Zwei unterschiedlich große Kuhweiden , die eine im Harnbruche und die andere im Schluchter genennt,
darin weren die Milchkühe von Erichshof geweidet, nämlich 112 Haupt.
Gebäude auf dem Erichshof
1. Viehhaus
2. ein Haus, das "Klockenhaus" genennt
3. ein Kornhaus
4. eine Scheune, genannt "das lange Haus"
5. eine Scheune, genannt das "Strohhaus"
6. das Schweinehaus
7. das Pforthaus
Auf dem Vorwerkshof ist ein Hopfengarten, das ganze Vorwerk ist umgraben.
Viehbestand:
Bullen 4
Gänse 27
Milchkühe 112
Mutterpferde 2
3:2:1jährige 65
Hühner 96
Sochkälber 43
Enten 15
Sa. 224
Dienste tuen auf dem Erichshof diese Woche:
Vollspenner:
8 Personsn von Brinkheim
8 Personen von Leeste
Haben sämtlich Heide vom Brinkmer Moor auf den Erichshof gefurdt, 2 Tage 4 Fuder
Halbspänner:
7 Personen zum Brinkheim
14 Personen zu Leeste, haben sämtlich bei dem Horstedter Kolken gegraben, 2 Tage
Kotters:
7 Personen zu Brinkheim
27 Personen zu Leeste
17 haben Torf umgeringelt, 2 Tage
16 haben Heide gemäht, 2 Tage
1 Warte auf der Brücke der Brinkmer marsch.
1584
Erich von Hoya stirbt in Italien und hinterlässt keine rechtmäßigen Erben.
Laut einer Niederschrift des Hauptstaatsarchivs Hannover umfasst der landwirtschaftliche Betrieb „Vorwerk Erichshof“ folgendes:
Wirtschaftsflächen:
1. Ackerland (Saatland) in der Marsch
(50 % Weide oder Drösch, 50 % Acker im 3-jährigen Wechsel)
= 200 Morgen 49,5 Ruthen
Ackerland auf der Geest oder Heide
= 96 Morgen 19,25 Ruthen
2. Garten
= 1,5 Morgen 4,5 Ruthen
3. Wiesen ca. 80 Fuder (Hilderwisch, Vorwisch, Rodesbruch)
4. Große Kuhweide im Hambruch und im Schluchter
= 170 Morgen 32 Ruthen
5. Teiche
- bei dem Vorwerkhaus
- Mühlenteich Leeste
- Mühlenteich Barrien
Vieh:
123 Milchkühe
3 Bullen
78 Kopf Kühe, Rinder und Starken
32 Kälber
28 Ochsen
1 Pferd
5 alte Immenschwärme
5 junge Immenschwärme
Hauptstaatsarchiv Hannover
Herzog Julius setzt nach dem Aussterben der Grafen von Hoya setzt mehrere Kommissionen ein, um die Einnahmen der Klöster und Ämter zu überprüfen und zu versuchen, den Gewinn durch größere
Sparsamkeit und auch durch Rationalisierung zu verbessern. Im Rahmen dieser Untersuchungen gibt es auch ein Verzeichnis der Bediensteten des Vorwerks Erichshof:
1. Höfemeister ist gebürtig von Lohe aus dem Amt Nienburg, alt 68 Jahr, gedienet beim Haus Syke 25 Jahr. Hat Weib und Kind zu Leiste, liegt vom
Amt eine Meile vom Erichshof, ein kleines Feldweges. Hat seine Behausung , welches eine Brinksitzerei, wegen seines Dienstes bisher frei gehabt. Jährliche Besoldung 12 Fl., 18 Gr., 8 Pf. und ein
Winterkleid und den freien Tisch.
2. Schurrvogt Reineke von Feldassen aus dem Amt Altbruchhausen bürtig, hat ein Weib, wohnt zu Weyhe eine Meile Wegs vom Erichshof, vom Amt eine
Meile. Ist 38 Jahr alt. Hat gedient 3 Jahr. 2 Fl., 14 Gr. Besoldung. Den freien Tisch.
3. Kuhhirte, Heinrich Hunn, ist von Donnerstede aus dem Amt Thedinghausen, alt 48 Jahr. Hat gedient 6 Jahr und verdient 4 Fl., 14 Gr., 8 Pf. mit
dem freien Tisch.
4. Pförtner, Carsten Stöver, von Barrien gebürtig. Ist alt 72 Jahr. Hat kein Weib und nichts eigenes. Hat gedient 26 Jahr. Seine Belohnung ist
jährlich 4 Fl., 14 Gr., 8 Pf. Dazu den freien Tisch.
5. Der Fundling ist alt 10 Jahr. Wird mit Kleidung, Essen und Trinken beim Hofe versehen.
6. Talke Meinken, Obermeiersche, von Asendorf im Amte Hoya. Ist 46 Jahre. Hat zum Erichshof gedient 23 Jahr. Ist noch unbegeben. Hat zur
Belohnung jährlich 5 Fl., 10 Gr. und den freien Tisch.
7. Vier Mägde zum Erichshof, verdienen ein jeder des Jahres 4 Fl. 6 Gr. und was ihnen am „negsten“ von Fürstlichen Räten bewilligt, darauf
bräuchlich allhier verweiset wird, neben dem freien Tisch.
Zur Haltung dieser 10 Personen zum Erichshof erklärt sich der Höfemeister und Obermeiersche dahin, wenn ihnen ein billiges Deputat an Roggen,
Gerste, Schweinen und anderem verordnet werden mag, davon zum besten und redlichsten hauszuhalten. Stellen dasselbe an meinen gnädigen Fürsten und Herrn oder derselben verordnete Räte und ob sie
wohl sich eines sonderlichen Kostgeldes erklären wollten, so machen sie sich doch Bedenken, weil sie mit Butter und Kost umgehen müssen, daß sie etwa in Argwohn oder Verdacht möchten genommen
werden. Stellen jedoch solches alles zur weiteren gnädigen Anordnung und was in diesem Punkt mit anderem Vorwerksgesinde gehandelt würde , dazu wollen sie sich in untertänigem Gehorsam auch
erboten haben.
8. Hermann Schladen, so die Wische und Weide in der Marsch und am Rodestbruch neben dem feisten Schick verwahrt, hat zur Besoldung 7 Fl., 2 Gr.
Deputat 4 Himten Roggen und seine Handdienst frei, sonst nichts.
Gudrun Lueken-Dencker/Frankfurt, Personalverzeichnis des Amtes Syke von
1589
1526
Als Brinkum von dänischen Soldaten besetzt ist, bricht unter diesen die Pest aus, die viele Opfer fordert. (In diesem Zusammenhang soll „im Grunde an der Runken“ ein „Sücke-Hus“ gestanden haben,
nach dem Seckenhausen seinen Namen erhalten haben könnte.
1618
Wegen der religiösen, politischen und machtpolitischen Spannungen im Heiligen Römischen Reich und in Europa kommt es zum Beginn des 30jährigen Krieges. Anlass ist der Prager Fenstersturz vom 23.
Mai. Hinweise über konkretes Kriegsgeschehen auf dem Vorwerk Erichshof liefen nicht vor.
Die Regierung in Celle lässt sich von den Amtsvisitatoren Bericht erstatten, ob die Amtshaushaltungsbetriebe rentabel sind oder ob es nicht besser ist, sie zu verpachten und die Hand- und
Spanndienste auf Geld zu setzen. Es liegen sehr viele Beschwerden über die Last der Dienste vor, insbesondere weil auch jeder nicht abgeleistete Dienst von dem Dienstleistungspflichtigen bezahlt
werden muss.
Von der Celler Regierung werden Berichte über die Rentabilität der Vorwerke angefordert. Seit Mitte des 17. Jahrhunderts werden die landesherrlichen Gutsbetriebe verpachtet, zumeist an Beamte,
später an Drosten oder Amtmänner.
Und gerade diese Verpachtungen an Amtmänner ist problematisch (im Amt Syke sind von 1726 bis 1783 nicht weniger als vier Vorwerke in den Händen der jeweiligen Amtmänner).
1623
Dänische Truppen besetzen die Burg bzw. das Schloss Syke
1625
Der katholische Feldherr Johann Tserclaes von Tilly und später der kaiserliche General Albrecht von Wallenstein durchziehen Norddeutschland und die Gegend um Brinkum, Leeste, Erichshof. Das
Vorwerk liegt mitten in einem Gebiet mit Truppendurchzügen, Schanzarbeiten und militärischen Maßnahmen. Das Vorwerk liegt an einer bedeutenden Heerstraße von Bremen nach Osnabrück und man
muss davon ausgehen, dass ein Gut dieser Größenordnung an einer solchen Verkehrsachse häufig für Marschquartiere genutzt wurde. In Brinkum gibt es nur rund 10 Vollmeierhöfe und einige
Häusler und Brinksitzer.
König Christian iV. von Dänemark tritt in den Krieg ein, das gesamte Gebiet südlich von Bremen wird zum Operationsraum der dänischen Armee. Es ist davon auszugehen, dass es auf dem Vorwerk
Erichshof zu Einquartierungen dänischer Soldaten gekommen ist. Damals erhalten Soldaten noch keinen Sold und sind gezwungen, sich auf großen Gütern und Höfen einzuquartieren mit der Folge, dass
Naturalabgaben an die durchziehenden Truppen geleistet werden müssen, Pferde, Wagen oder Futter vereinnahmt wird. Nebenbei kommt es zu Zerstörungen, Vergewaltigungen und Verwüstungen. Hinzu
kommen Seuchen und Hungersnöte, steigende Preise und Missernten.
1626
Tillys Truppen verdrängen die Dänen. Die Pest tritt verbreitet auf. Als Brinkum von dänischen Soldaten besetzt ist,, bricht unter diesen eine Epidemie aus, die viele Opfer fordert. (In
diesem Zusammernhang soll „im Grunde an der Runken“ ein „Sücke-Hus“ gestanden haben, nach dem Seckenhausen seinen Namen erhalten haben könnte.
1627
Die kaiserlichen Truppen unter Tilly besetzen Syke.
1628
Syke wir von Truppen der Katholischen Liga gebrandschatzt, dänische Truppen verwüsten das Gebiet um Syke.
1629
Philipp Sigismund Bremer, der Verwalter des Vorwerks, erhält die Genehmigung, in Brinkum eine Kötnerstelle zu erwerben (Hof Brandkassen->Nr. 19, heute Kirchhoffstraße 3). Der Kauf findet am
20. Januar statt, Verkäufer ist Berendt Rose. Wie die anderen Kötner muss er dafür die Dienstleistungen dem Amt Syke erbringen; darüber hinaus muss auch noch der Zehnte wie bisher an Bremen
geliefert werden und zwar ein Jahr […] an den Thumb […] und das andere an St. Anschary.
C.H.Hüchting: 900 Jahre Brinkum
1630
Bremen und die Gegend südlich von Bremen geraten jetzt zunehmend unter schwedischen Einfluss.
1633
Die Befestigungen der Burg Syke werden geschleift, um den militärischen Wert zu beseitigen.
1635
Das Durcheinander ist inzwischen unübersehbar. Für die Soldaten ist es weniger entscheidend, welcher Fahne die jeweiligen Soldaten dienen, sondern dass Einquartierungen, Kontributionen,
Pferdefutter und Lebensmittelabgaben geleistet werden müssen.
1640
Das Vorwerk wird an einen verdienten Beamten verpachtet und zwar an Philip Sigismund Bremer, noch 1 Jahr nach Kriegsende wird er noch als "Curator" geführt. Und als Pächter ist er jetzt auch der
Nutznießer der bäuerlichen Wochendienste auf dem Erichshof und der berechtigte Einnehmer der zu entrichtenden Dienstgelder. Dieses wird durch das nachstehende Gesuch von 9.7. 1640 bestätigt:
A.B.und H.R. "zu Brinkum eingesessene arme undt verbrannte Meyers" bitten den Pachtinhaber des Erichshof die angebotenen 8 Rthlr. Dienstgeld anzunehmen, da ihr
Haus und Hof "in diesen hochverderblichen Kriegswesen in die Asche ist gelegt undt noch bis dato nicht wieder aufgebauwet worden, beyde zum öfteren des Unsrigen beraubt worden, als nunmehro alte
betagte Leute kaum das liebe tägliche brott mit den Unsrigen haben können ..."
Zahlreiche Hofstellen der Umgebung sind im Krieg vernichtet worden, viele Bauern verarmt und sind gezwungen Geld aufzunehmen
1648
Der 30jährige Krieg ist beendet, die Spuren sind unübersehbar. Vieles ist vernichtet und zertrümmert. Die Bevölkerung hat unter den Gräueltaten der verwilderten
Armeen sehr gelitten. Die dauernden Durchzüge der Truppen, Plünderungen, Kontributionen und die im Gefolge auftretenden Pestepidemien führen zu wirtschaftlicher Not und Verzweiflung. Eine
allgemeine Verarmung und viele unbewirtschaftete, wüste Höfe sind die Folge. Die Bauern suchen Kredit und nehmen sie zu jeder Bedingung in Anspruch. Land wird verpfändet und Höfe werden wüst. Die
dem Land aufgebürdete Kontribution wird genau nach den Höfeklassen auf die Bevölkerung herunter gebrochen. Für die größeren Höfe sind die verhältnismäßig hohen Verpflichtungen nicht mehr
aufzubringen. Obwohl ihnen eine Kreditaufnahme ohne Einwilligung des Grundherrn streng verboten ist, werden dennocjh Schuldengemacht. Die Beamten sehen darüber hinweg und sind froh, dass
wenigstens noch kleinere Beträge entrichtet werden. . Als Kreditoren zeigen sich - eine Ironie des Schicksals - die landbedürftigen Häusler und Brinksitzer. Ihre klassenmäßigen Abgaben sind
gering, sie haben nur wenig zu zahlen und können somit Barmittel vorstrecken und nehmen dafür von den Höfen Land in Pfand und bewirtschaften es.
"Die Häusler mehren sich dauernd. Sie sind in besserer Nahrung als die Hauswirte selbst. Wenn diese oft nicht zwei Stücke Vieh
haben, so halten die Häusler vier bis fünf auf der gemeinen Weide. Sie benutzen das Land von den wüsten Höfen, keiner aber will einen Hof annahmen, um vom Amte frei zu
bleiben."
1649
Philipp Sigismund Bremer gelingt es, sich der Verpflichtungen als Brinkumer Kötner zu entledigen. Er erhält für die Kötnerstelle einen Freibrief. Darüber hinaus ist er bestrebt, gerade wegen der
Erfahrungen aus dem Dreißigjährigen Kriegs seine Einkünfte in Zukunft durch Hinzukauf weiterer Ländereien wertbeständig anzulegen. In einer Urkunde heißt es:
„Nach geendigtem 30-jährigen Krieg und zwar ao. 1649 hat er in Brinkum einen Kothhoff gekauft, welchen die Dorfschaft, weil er sie in den Kriegstroublen mit
Geldern beygestanden dadurch sie die angelegten Brandschatzungen abgekaufft, zur Danksagung von allen Abgiften frey gemachet. Zu diesem Hoff sind nach und nach mehrere Länder angekauft,
größtenteils geschenket, theils durch Geld acquiriret, auch von einigen Bauernhöffen Meyer Zinss daby geleget, dass andlich ein guter Meyerhoff daraus geworden auf welchem Hoff dann dieser
Philipp Sigismund ein gutes Haus nebst anderen zum Haushalt nötigen Gebäude gebaut und bis an sein Ende darauf gewohnt."
C Brinkum.H. Hüchting: 900 Jahre
1650
Hollandgänger sind Wanderarbeiter, die von wirtschaftlicher Not getrieben, saisonal ins benachbarte Holland ziehen, um dort zu
arbeiten und dringend benötigtes Einkommen für sich und ihre Familien zu erwirtschaften. Die Hollandgänger brechen in einer gemeinsamen Wanderbewegung im Frühjahr von ihrer Heimat zu Fuß auf und
nutzen dabei regelmäßig feste Routen. Diese Wanderarbeiter sind vor allem als Tagelöhner in der Landwirtschaft beschäftigt, vielfach als Grasmäher oder Torfstecher. Dabei gilt Torfstechen als die
schwerste Arbeit, wird aber am besten bezahlt. Andere arbeiten als Seeleute, in der Ziegelindustrie oder als Herings- oder Walfänger. In der Regel verdingen sich junge Männer, in Ausnahmefällen
auch Frauen als Dienstmädchen oder in Bleichereien.
Die Regierung beginnt damit die Amtsbetriebe zur Pacht zu vergeben. Pächter sind meistens Beamte, Amtmann oder Amtsschreiber. Sie
haben darauf zu achten, dass die Dienste nur für das Domänenland gefordert werden. Auf dem wöchentlichen "Regimentstag" am Sonnabend, melden die Amtshaushaltspächter an, was sie an Diensten für
die jeweils nächste Woche benötigen. Den Dienstpflichtigen werden die abgeleisteten Tage in einem Buch oder auf dem Kerbholz quittiert.
Niedersächsisches Jahrbuch1924
1660
Bremer ist noch Pächter und hat es zu einigem Wohlstand gebracht. So hat er allerhand Grundstücke in Brinkum und Syke erworben und
darüber hinaus manchem verschuldeten Bauernhof in Brinkum in der Notzeit nach dem Ende des 30jährigen Krieges unterstützt, wofür ihm und seinen Erben noch einem späteren Erbregister zahlreiche
Ländereien, als ihnen "versetzet" zugeschrieben und aufgeführt sind.
1665
Es wird deutlich, dass einige Pächter keine glückliche Hand haben, vor allem scheint ein preiswürdiger Absatz der verhältnismäßig
großen Mengen an landwirtschaftlichen Produkten auf dem Erichshof des Öfteren auf größere Schwierigkeiten gestoßen zu sein. Eine Beschwerdeschrift des Drosten zu Syke, als damaligen Pächter des
Erichshofes an die "Hochfürstliche Regierung" zu Hannover vom 17.8.1665 gibt einen Einblick in die derzeitigen Verhältnisse:
"[...] _Dann so können wir auf Ihr abnöthigung auch nicht bargen, wie daß sie in der Stadt und Zunfftig, und
sonderlich dem Fleischerambt solche in dem Reich zwar verbotene Arth von Handelung vornehmen, so Ihr. Durch. und dere Unterthanen zu marklichen Schaden gereichen; In deme die Fleischer die umb
Bremen liegende ämbter und güter Jährlich auf einem gewissen tage aufsetzen und darumb spielen; welchem Fleischer nun dieses oder jenes Ambt, Closter, Vorwerk oder Guth zufället. in demselben
darf niemand anders einige Lamb oder Hamel kaufen, als der es gewonnen; Darinn nun ad specium zu gehen, so hat dieses Jahr ein Fleischer Johan Waterborn das zu diesem Fürstl. Ambt geh. Vorwerk
Erichshof gewonnen, dadurch dann erfolget, das derselbe Käfer dem Ambte, Closter, Vorwerk und Unterthanen sein guth unverkäuflich machet oder derselbe es so liederlich taxiret, schätzet und dafür
giebet, was er nur gleichsam will, und darf kein einiges Stück von obgemelten Vieh an einen anderen Fleischer, auch auf öffentlichen Markten in der Stadt Bremen, wan man schon mehr dafür haben
könte, verkauft werden, als der es auf ihren Spiel gewonnen, wie dan obgenandten 15 Rthlr. dem Fleischer Ambt dafür giebt, so aber alles dem Verkäufer und in specie mir dem Drosten, der ich
anitzo das Vorwerk Erichshof von Ihr. Durchl. mit in arrende abgezwacket wirdt, so dann anderes nichtes als verbotene monopolia ...."
Dieser Brief macht deutlich, dass die Pachtübernahme für den Pächter nicht einfach und mit vielen Risiken verbunden ist, die die Rentabilität nicht gerade erhöhen. Außerdem ist die überwiegende
Zahl der Dienstpflichten zu Geld gesetzt worden und man ist auch noch bestrebt, die Zahl der Bauernstellen zu erhöhen. Dies alles zusammen beschließt das Schicksal der Domäne Erichshof.
1667
15. September:
Philip Sigismund Bremer kauft eines der beide „landtagsfähigen Güter“ in Syke und zwar das im Flecken liegende „Klenkensche Burglehn“ sowie den „Placken“, das den Quitern gehörte.
1678
Inzwischen ist der neue Pächters des Erichshofs "Amtmann Meinkings Witwe und Erben" (bis 1684).
Wer seine Wochendienste für eine festgelegte Zeit nicht mehr „in Natura“ zu leisten vermag oder will, kann diese jetzt erstmals durch Geld abgelten.
Wochen-Dienstpflicht
oder jährliches Dienstgeld
Vollmeyer
„wöchentlich 2 halbe Tage mit vollem Gespann“
11 Rthlr 20 Mg
Halbmeyer
„….spannen wöchentlich 2 halbe Tage zusammen“
5 Rthlr 56 gr
Kötner und Großbrinksitzer
„…wöchentlich 2 halbe Tage mit der Hand“
4 Rthlr 24 gr.
Kleinbrinksitzer
„ …wöchentlich 1 halben Tag mit der Hand“
2 Rthlr 12 gr.
HG
1680
Bei einer Visitation wirft Pastor Burichius die Frage auf, ob der Erichshof verpflichtet sei, das Tor für den Friedhof zu reparieren.
1684
Erst jetzt wird die Frage entschieden, wer für die Reparatur des Kirchhoftores verpflichtet ist: Hermann Bießebring (75 Jahre) und Rendigs Bötger (85 Jahre) sagen unter Eid aus, dass dies der
Erichshof schon immer zu tun hatte.
„Herrn Amtmann Meinkings Witwe und Erben“ ist nicht mehr Pächter auf dem Erichshof.
1726
Für das Einfahrtstor zum Vorwerk Erichshof gibt es eine Beschreibung aus diesem Jahr: Der Vorwercks Hoff ist rund herum mit einen guten theils zugelandeten trockenen Graben umgeben. Der Alte Wall
ist hin und wieder mit Eichen Bäumen bewachsen. Der Grabe ist zum Eingange des Hofes mit Erden ausgefüllet, und mit Kiesel Steinen besetzet. Ein Eichen Thor von Flügel so 9 Fues breit mit
gehörigen Eichen claspen versehen […] und ein Blech über der Langen Claspe, wodurch das Thor befestiget wird, und eine große Crampe in der Seule. Hiebey ist eine Kleine Neben Pforte 4 Fues weit
[…]
1729
Es wird damit begonnen, sogenannte Überfälle für die Weser zu bauen. Alle vier Marschkirchspiele, Riede, Weyhe, Leeste und Brinkum werden herangezogen. Die Beteiligten müssen sich morgens früh
auf dem Weserdeich einfinden und den Deich vom Horstedter Siel bis nach Ahausen einen Fuß abtragen: die Vollmeyer 4 Tage, die Halbmeier 3 Tage, die Kötner 2 Tage und die Brinksitzer und Häusler
einen Tag. Insgesamt werden auf dieser Strecke vier Überfälle gebaut.
Am 27.4. vernichtet ein Großfeuer in Brinkum 55 Wohnhäuser, 32 Scheuen und 21 Nebengebäude.
100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Melchiorshausen
1730
Anfang März steigt der Wasserspiegel der Weser so weit, dass der Überfall von Ahausen anfängt überzulaufen. Weil aber bereits am nächsten Tag der Pegel fällt, hält sich die Überschwemmung in
Grenzen, lediglich die kleine Sudweyher und Ahauser Marsch sind mit Wasser bedeckt. Als Ende März der Wasserspiegel erneut steigt, zeigt es sich, dass die gebauten Überfälle ihre Feuerprobe
bestanden haben. Dennoch schätzt man das Deichbruchrisiko weiterhin hoch ein; daher befiehlt das Amt Syke für kommende Fälle:
„[…] ein Jedweder so woll Hauswirth als sonsten rührige Persohn, auf die Ihnen mittels Anschlagung derer Kirchenglocken werdende Anzeige sich sofort mit nöthiger
Geräthschaft auf denen Überfällen anfinden müsse […]
Auf diese Weise will das Amt Syke sicherstellen, dass innerhalb von 2 Stunden mehr als 2.000 Menschen auf dem Weserdeich sind.
1740
Im Winter bricht die große Flut herein. Sämtliche Überfälle werden beschädigt und man kommt zu der Überzeugung, die Deiche wieder in Winterdeiche umzuwandeln.
1753
Es beginnt eine Untersuchung über das Dienstwesen HG
1755
Nachdem schon 1676 in Hamburg die erste Feuerversicherung gegründet worden ist, entsteht jetzt auch eine Feuerversicherung für den hiesigen Raum.
1757
Im Sommer kommen die Franzosen ins Hannoversche Land und nehmen u.a. Nienburg ein. Für die hiesige Region sind sie aber nur Durchreisende, was bedeutet, dass die Einwohner Pferde, Kühe, Schweine,
und Contributiones, rationes und portiones bezahlen müssen. Am 4. September quartiert sich der General Lieutenant Marquis de Villemier mit ca. 50 Mann und seiner Equipage für eine Nacht in
Brinkum ein.
C.H. Hüchting: 900 Jahre Brinkum
1758
Nachdem am 16. Januar Bremen eingenommen wird, nimmt das Regiment Cavallerie des Chevalier de Mercieux hier in Brinkum Quartier für
1774
Es werden die ersten entscheidenden Schritte eingeleitet:
Kein Neuverpachtung der Vorwerke nach Auslaufen der alten Verträge
Untersuchung des Dienstwesens
1775
In einer Amtsbeschreibung des Amtes Syke heißt es zum Vorwerk Erichshof:
"Unter den andern Amts-Gebäuden ist die große Scheune auf dem im Kirchspiel Leeste belegenen Herrschaftlichen Vorwerke Erichshoff, welches von einem apanagirten
Grafen Erich den Nahmen hat, zu Gräflichen Zeiten gebauet worden wie die Überschrift an einem Balk dieses Gebäudes ohne Jahres zahl bezeuget, Duo gemelli C Otto Erich et Friedrich me fieri
fecerunt (Die Zwillinge Otto und Erich und Friedrich haben mich errichten lassen)"
1782
Man beginnt das gesamte Vorwerk aufzulösen und eine Kolonie von neuen Siedlern anzulegen. Für die Vereinzelung stehen folgende Ländereien zur Verfügung:
Wechsel-Marschland 233 Morgen
Wiesenwachs 131 Morgen
Geestland 138 Morgen
1783
Die erste Landverteilung findet statt zunächst zur „Vergrößerung von 6 alten Stellen“, wohl in Hörden und dann an 10 neue Siedler in der in Gründung befindlichen „Colonie Erichshof“. Erster
Siedler ist der „Pfeifen-Röhrchenmacher“ Julius Heinrich Schütz. Bis 1789 folgen weitere 9 Stellen.
Kalberkamp-Weg Nr. 1,2,3 (J.H.Schütz) und 6
Syker Straße Nr. 4 (Gastwirtschaft Wöhlke)
Syker Straße Nr. 5 (Siemer Angelse)
Vatterei Nr. 7 und 8 (war ursprünglich eine Stelle)
Lange Riege Nr. 9, 10 und 11
C.H.Hüchting, Hand- und Spanndienste im Amt Syke
Vorgeschichte zur Auflösung des Vorwerks Erichshof
Und gerade diese Verpachtungen an Amtmänner ist problematisch (im Amt Syke sind von 1726 bis 1783 nicht weniger als vier Vorwerke in den Händen der jeweiligen Amtmänner).
1753
Es beginnt eine Untersuchung über das Dienstwesen insgesamt.
1773
Ausschnitt aus der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1773, Kopie im Heimatmuseum Syke
1774
Es werden die ersten entscheidenden Schritte eingeleitet:
Keine Neuverpachtungen nach Auslaufen der alten Pachtverträge
Untersuchung des Dienstwesens auf den landesherrlichen Betrieben mit dem Ziel ihrer völligen Beseitigung mit Ausnahme der Landesdienste und einem Teil der
sogenannten Amtsbedürfnisdienste (z. B. zur Erhaltung der Amtsgebäude). Hierbei ergibt sich für das Amt Syke, dass nur 1/3 aller dem Landesherrn zustehenden grundherrlichen Dienste und aller
landesherrlichen Dienste natural abgegolten werden; für 2/3 wird ein sogenanntes Dienstgeld erhoben, das u.a. seit dem 30jährigen Krieg gebräuchlich geworden ist.
1777
Karte von Erichshof
Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung der Dienste. So haben Pächter Dritten Dienste überlassen oder einzelne Dörfer sind übermäßig mit Naturaldiensten belastet, während andere fast nur Dienstgeld
zahlen.
Die Belastung der bäuerlichen Betriebe durch zusätzliche Gespanne für die Dienste und in den landwirtschaftlichen Arbeitsspitzen.
Geringe Produktivität der Vorwerke, weil die Dienstleistenden wenig Interesse zeigen.
Geburtenüberschuss im Amt Syke
Jan. 1778- Dez.1782 80,2 Personen (in 5 Jahren)
Jan. 1783- Dez. 1787 98,8 Personen (in 5 Jahren)
Jan. 1788- Dez. 1798 171,0 Personen (in 2 Jahren!)
Amtmann Rumann am 9. März 1790 hierzu: […] Häusler ganz überhäufft in der Dorfschaft Leeste […].
Schließlich ergibt die Berechnung über die Einnahmen aus dem Erbenzins infolge der Aufteilung der Vorwerke, dass die Pachtsummen von den zu erwartenden Einnahmen erheblich überstiegen würden.
Außerdem ergibt sich bei der Neuvermessung, dass die für die Pacht veranschlagte Größe von 462 Morgen nicht der Realität entspricht. Tatsächlich misst die Gesamtfläche des Hofes 495 Morgen.
Im Laufe des Jahres werden Obstbäume, Getreide und Stalldünger des Vorwerks an die sich einrichtenden Siedler verkauft.
HG
1789
Am 29. Juli verstirbt die Pächterin des Vorwerks, die Witwe des Syker Amtmanns Hüpeden, die Vereinzelung des Vorwerks geht weiter: 30 neue Siedler werden angeworben. Sie erhalten insgesamt 212
Morgen Land, der Rest geht an die 10 älteren Siedler, die neue „Colonie-Schule“, an die Schulen in Leeste, Brinkum, Seckenhausen und Ristedt, die Pfarre Barrien, an die Voigt-Dienststellen in
Brinkum und Weyhe, die Zoll-Dienststelle in Dreye und schließlich an 115 Neubauerstellen u.a. in Leeste, dann in Brinkum, Wulfhoop, Feine und Leerßen. Die 30 neuen Siedler erhalten das Land zu
Erbzins, weshalb man sie ab diesem Zeitpunkt auch Erbzinsmänner nennt. Beginnend mit der Hausnummer 12 (1-11 sind bereits an die ersten Siedler vergeben worden) werden die 3 „Hauptstraßen“ der
neuen Colonie besiedelt:
Syker Straße (heute Lange Reihe) – von Süd nach Nord
Coloniestraße (heute Erichshofer Straße) – von Ost nach West
Brinkumer Damm (heute Kalberkamp) – von Süd nach Nord
Die Nummerierung der einzelnen Hofstellen erfolgt fortlaufend, in der Syker Straße von Süd nach Nord, in der Coloniestraße von Ost nach West und auf dem Brinkumer Damm von Süd nach Nord. Einzige
Ausnahme ist die Hofstelle Nr. 14, die sich südlich des Ortes Arsten, nördlich der Ochtum in der so genannten Vorwisch befindet und bis zum heutigen Tage zur Gemeinde Leeste bzw. Weyhe zählt.
C.H.Hüchting, Hand- und Spanndienste im Amt Syke
Mit Ausnahme der drei Schmiede, die auf die drei Straßen verteilt werden, entscheidet das Los über die künftige Hofstelle. Auf der Vorwiese bei Arsten, die zu Erichshof gehört, wird zur
Beaufsichtigung des Nebenzolls an der dortigen Bremer Grenze der Schmied Joh. Hinr. Kuhlmann angesiedelt.
Für den Bau ihrer Häuser tragen 10 Kolonisten des Wohn- und Viehhaus, die lange Scheune und den Schafstall des Vorwerks ab – natürlich gegen Bezahlung an das Amt -, 4 weitere kaufen die lange
Scheune des Syker Vorwerks auf Abbruch. 9 Erbenzinsleute kaufen Häuser auf Abbruch in Leeste, Barrien, Fahrenhorst, Süstedt, Syke, Högenhausen und Henstedt, einer bringt sein Haus aus Weyhe mit
und nur 5 Kolonisten bauen sich neue Häuser.
Die Hofstellen erhalten zwischen 20 und 25 Himtsaat (durchschnittlich ca. 8 Morgen) Wiesen und Ackerland unterschiedlicher Qualität, darüber hinaus Berechtigungen an gemeinschaftlichen Weiden und
Torfstichen.
Auf einhelligen Wunsch aller Kolonisten erfolgt die Einpfarrung nach Leeste, obwohl bis dato allein 5 Erbenzinsfamilien zur Pfarre Brinkum gezählt und sie ihre Kinder in die dortige Schule
geschickt haben.
HG
Wegen der unterschiedlichen Qualität des Bodens versucht man, die "Gewanne" a,b,c,d,e,f möglichst gerecht aufzuteilen, damit sich kein Anteilseigner darüber beschweren kann. Allerdings ist
das mit dem Nachteil verbunden, dass jede Hofstelle hier und dort Land liegen hat.
Paul, Syker Heimatbuch
1790
30 neue Anbauer von Haus Nr.12 fortlaufend entstehen in Erichshof, während eine Stelle mit Hausnummer 14 sich südlich des Ortes Arsten in der Vorwisch ansiedelt. Diese letzten 30 Kolonisten
erhalten insgesamt 212 Morgen, das ihnen zu Erbzins übergeben wird, weswegen man sie Erbzinsmänner nennt. Diese Zahl wird später im 19. Jahrhundert noch auf 55 gesteigert.
C.H.Hüchting, Hand- und Spanndienste im Amt Syke
Im Laufe des Jahres werden Obstbäume, Getreide und Stalldünger des Vorwerks an die sich einrichtenden Siedler verkauft.
Der Tagelöhner Johann Hinrich Specketer aus Syke siedelt sich als Erbenzinsmann mit Frau und 2 Kindern an und übernimmt am 9.10. als erster das Amt des Bauermeister der Colonie Erichshof. Er ist
zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt und besitzt die Erbenzinsstelle 36. Eickhoff wird der erste Lehrer der Schule in Erichshof. Er bekleidet dieses Amt bis ca. 1796 und wird dann Kantor in Barrien.
Mit Ausnahme der drei Schmiede, die auf die drei Straßen verteilt werden, entscheidet das Los über die künftige Hofstelle. Auf der Vorwiese bei Arsten, die zu Erichshof gehört, wird zur
Beaufsichtigung des Nebenzolls an der dortigen Bremer Grenze der Schmied Joh. Hinr. Kuhlmann angesiedelt.
Für den Bau ihrer Häuser tragen 10 Kolonisten des Wohn- und Viehhaus, die lange Scheune und den Schafstall des Vorwerks ab – natürlich gegen Bezahlung an das Amt -, 4 weitere kaufen die lange
Scheune des Syker Vorwerks auf Abbruch. 9 Erbenzinsleute kaufen Häuser auf Abbruch in Leeste, Barrien, Fahrenhorst, Süstedt, Syke, Högenhausen und Henstedt, einer bringt sein Haus aus Weyhe mit
und nur 5 Kolonisten bauen sich neue Häuser.
Die Hofstellen erhalten zwischen 20 und 25 Himtsaat (durchschnittlich ca. 8 Morgen) Wiesen und Ackerland unterschiedlicher Qualität, darüber hinaus Berechtigungen an gemeinschaftlichen Weiden und
Torfstichen.
Auf einhelligen Wunsch aller Kolonisten erfolgt die Einpfarrung nach Leeste, obwohl bis dato allein 5 Erbenzinsfamilien zur Pfarre Brinkum gezählt und sie ihre Kinder in die dortige Schule
geschickt haben.
HG
1. Bauermeister: Johann Hinrich Specketer aus Syke siedelt sich als Erbenzinsmann und Tagelöhner mit Frau und 2 Kindern an und übernimmt als erster das Amt des Bauermeisters Colonie Erichshof. Er
ist zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt und besitzt die Erbenzinsstelle Nr. 36.
HG
Diensteid des ersten Erichshofer Bauermeisters
Dienst Eyd,
welchen am 9ten Octb. 1790 der der Colonie Erichshof als Vorstand gegebene erste Bauermeister namens Johann Hinrich Specketer bey Antritt seines Amte dem Königl.
Amte geleistet hat u. solchen in Abschrift zu seiner Nachachtung empfangen hat. Ihr sollet geloben und schwören einen Eyd zu Gott und auf sein heiliges Wort, dass ihr als jetzt bestellter
Bauermeister über die Colonie Erichshof wollet in allen zu euren Dienste gehörenden Verrichtungen, euch dieser auf Königl. Domainen Grund angesetzten neuen Colonie treu und ehrlich erweisen;
…euch vorgesetzten hiesigen Beamten, dienstmäßige Achtung und Folge erweisen, das Bauer-Horn (sobald die Colonie es anschaffen wird) nicht missbrauchen, anderen es nicht verabfolgen lassen,
sondern es verschlossen halten, euch anbefohlene Bestellungen getreulich ausrichten, auf gute Ordnung Fleiß und Sittsamkeit in der Colonie achten, also Wrugen in Gelagen und Zusammenkünften so
bald ihr solche erfahret, dem über die Voigtey Brinckum gesetzten jedesmahligen Voigt, zu weiterer Meldung beym Amte anzeigen, und Vergehungen die ihr um gute Ordnung in der Colonie zu halten zu
erkunden habt, nicht verschweigen wollet, dass ihr, wenn die Gesellschaftliche Verbindung der Colonie Anlagen oder Samlungen erfordern sollte, wollet eine rechtliche Gleichheit halten, Einnahme
und Ausgabe richtig aufzeichnen, auch gehörige Rechnung ablegen, auf gute Feuersicherheit in den Wohnungen, so wie auf Wege in so weit sie der Colonie abliegen, fleißige Aufsicht führen, euch
nach Verbesserung und Unterhaltung möglichst angelegen seyn lassen, und überhaupt in allen euch so bezeigen und verhalten wollet, wie es einen ehrliebenden Unterthan des Königs und einem der
Colonie zum Muster dienenden guten Bauermeister, wohl ansteht eignet und gebührt, so wahr euch Gott helfen soll. Pp
Nds. Hauptstaatsarchiv Hannover: Hann. 74 Syke Nr. 262
1803
gehörte unsere Gegend zum Kurfürstentum Hannover. Der Kurfürst von Hannover Georg war zugleich auch König von England, und da Napoleon ein Feind Englands war, war er auch ein Feind Hannovers. Am
16. Mai rückte daher der französische General Mortier mit 16.000 Mann von Holland her in Kurfürstentum Hannover ein. Die hannoversche Armee war allerdings schlecht ausgerüstet und musste ich
daher hinter die Elbe zurück ziehen. Waffen und Pferde fielen in die Hände der Franzosen, die das ganze Land besetzten. .
1806
gerät Bremen unter französische Besatzung. Sie dauert bis 1814 und endet mit der Rückkehr zur preußischen Unabhängigkeit. Während dieser Zeit wird Bremen zur Hauptstadt des Départment des Bouches
du Weser und die gesamte Region erlebt bedeutende Veränderungen in Verwaltung und Handel. Die Niederlande, Oldenburg, Ostfriesland, Bremen, Hamburg und Lübeck werden dem
französischen Kaiserreich zugeschlagen. Die hiesige Gegend gehört zum Verwaltungsbezirk der Weser- und Elbmündung. Der oberste Beamte dieses Bezirks ist ein Präfekt, der in Bremen residiert. Der
Gemeindevorsteher einer jeden Ortschaft wird jetzt Maire genannt; er hat den Weisungen der französischen Regierung unbedingt und sofort Folge zu leisten. Die Bauernschafte einer jeden Gemeinde
müssen einen Treueeid leisten. Im Mai wird die Zugehörigkeit zu Frankreich von allen Kirchenkanzeln verkündet.
1810
Die Grafschaft Hoya wird mit Frankreich vereinigt. Die hiesige Gegend gehört jetzt zum Verwaltungsbezirk Weser- und Elbmündung. Der oberste Beamte ist ein
Präfekt, der in Bremen residiert. Der Gemeindevorstand einer jeden Gemeinde wird fortan Maire genannt.
Neuer Bauermeister ist Gerd Kemna (Kemanau).
1813
Im März erhalten Erichshof und Leeste starke Einquartierungen französischer Soldaten. Daraufhin wird am 15. März die Kutsche des Präfekten bei Brinkum überfallen und geplündert. Die
Präfekturgarde desertiert am gleichen Tage und die Zöllner stellen ihre Kontrollen ein.16 verdächtige Personen werden ergriffen und nach Bremen ins Gefängnis geführt. 5 davon werden am 15(?).
April in Brinkum hinter Budelmanns (Huttmanns) Haus (Bremer Straße 28) erschossen. Die Hingerichteten waren Albrecht Schwarz aus Leeste, der Sohn des Lehrers Kramer aus Erichshof sowie 3 weitere
Personen aus Brinkum.
W.Schacht: Kirchweyhe
1817
Neuer Lehrer an der Erichshofer Schule wird Kramer. Albert Eggers (Nr. 26) wird neuer Bauermeister. Geschworene sind Hinrich Kemna (Nr. 22) und Johann Hinrich
Voßmeyer (Nr. 21).
HG
1818
Heinrich Otersen, gebürtig aus Riede, tritt nach 3 Semester Seminarausbildung seine Dienst als Lehrer im Alter von nur 23 Jahren an.
1819
Geschworene sind Hinrich Kemna (Nr. 22) und Johann Hinrich Voßmeyer (Nr. 21)
1820
Geschworene sind Hinrich Kemna (Nr. 22) und Johann Hinrich Voßmeyer (Nr. 21)
1821
Die Zahl der Feuerstellen liegt bei 42, die Zahl der Einwohner bei 280.
Geschworene sind Hinrich Kemna (Nr. 22) und Johann Hinrich Voßmeyer (Nr.21)
Die finanzielle Lage vieler Siedler in dieser Zeit ist mehr als bedrückend.
1831
Bericht des Amts Syke vom 9. Sept.:
„Die Lage oder das Vermögens-Verhältniß der Colonisten ist im Ganzen nur sehr knäplich. Jeder der 10 ersten Anbauer hat überhaupt im Durchschnitt nur 8 Morg. 72
R. jeder der 30 folgenden nur 6 Morg. 80 R. Land erhalten, wovon etwa 1/3 Wiesenland seyn mag – ein zu Ernährung einer ganzen Familie und Bestreitung alter und neu hinzugekommener macherley
Lasten nur kärglicher Landbesitz. Ist gleich durch die Leester Gemeinheitstheilung das, was noch zur Zeit durch Gemeinde-Grundsteuer versteuert wird, jedem etwa 3 Morgen rohes Heidland – privativ
hinzugekommen, so erfordert dessen Artbarmachung doch die Aufopferung wenigstens der ersten Acquirenten, und wird nach den Freyjahren die Grundsteuer noch vergrößern. Für jene kleine
Landbesitzung müssen sie im Durchschnitt resp: 15 bis 17 Thlr. irremissiblen Erbenzins jährlich entrichten. Gewährt sie auch in mittlere Jahren so eben das Brodt-Korn und Gemüse für Menschen, und
Futer für das Vieh, so kann sie doch für übrige Lebensbedürfnisse und baare Lasten das jährlich Erforderliche und Bedeutende nicht schaffen. Um dies möglichst zu versuchen, muß schon Nebengewerbe
hinzukommen. Ländliche knäplich bezahlte Handwerker können nur wenige seyn, und ist darauf nicht viel zu rechnen. Mehr wäre von dem hiesigen gewöhnlichen Nebengewerbe, dem Spinnen und Linnenweben
zu erwarten. Aber der Flachsbau, der den Kornbau der kleinen Besitzung noch vermindert, geräth nicht immer, ist sein einigen Jahren mislungen, und die Preise des Linnens, -als Vergeltung für
recht viele Mühseeligkeiten dieses längst nicht wie in alten Zeiten im Auslande gesuchten Products sind gar gering lohnend. Im Suchen nach nöthigem Neben-Erwerbe haben manche Colonisten sich zu
dem für so kleine Stellen vorzüglich gefährlichen Frachtfahrten verleiten lassen, und dadurch ihren Fall nur beschleunigt. Mehrere Colonisten sind schon in Concurs gerathen, und haben
Stellen verkauft werden müssen. Im Ganzen sind alle arm. Treffen sie solche unvermeidliche Unglücksfälle, wie vorigjährige Überschwemmung und diesjähriges Verfrieren fast ihrer ganzen
Rocken-Aussaat, so können die zu stark Belasteten noch weniger bestehen und weiß man ihre Gefälle nicht zu schaffen.“
Mit anderen Worten, den Colonisten geht es nicht gut, zu wenig zum Leben zu viel zum Sterben. Einige gehen in Konkurs, verkaufen oder wandern aus in die Vereinigten Staaten von Amerika. Andere
versuchen durch einen Nebenerwerb das nötige Einkommen zu verschaffen.
1833
Nachdem Heinrich Otersen sein Amt als Lehrer aufgegeben hat und als Kantor und Schullehrer nach Heiligenfelde geht, übernimmt Friedrich Gerhard Ambrecht das Amt im Alter von 34 Jahren.
1837
Inzwischen betreiben 9 Erbenzinsleute und 1 Häusler das Frachtfahren für Bremer Kaufleute. Am 29. April übernimmt Gerke Meier (Nr. 29) das Amt des Bauermeisters.
1842
Sehr verbreitet ist in dieser Zeit das Kiepentragen – eine Arbeit, der vor allem Häusler und Altenteiler nachgehen. In diesem Jahren sind 2 Erbenzinsmänner und 6 Häuslinge als Kiepenträger tätig.
Sie pendeln zwischen Bremen und dem Landgebiet bis nach Twistringen. Sie kaufen bei den Bauern landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Eier, Butter, Geflügel usw. um diese in Bremen gegen gewerbliche
Produkte oder von dort eingeschmuggelte „Colonial-Waren“ wie Kaffee und Tee zu tauschen.
Kiepenkerle kann man bis in die 90er Jahre des 19. Jahrhunderts auf den Landstraßen nach Bremen sehen. Männer mit blauen Kitteln, die mit Hilfe von kräftigen glatten Knüppeln über den Schultern
eine große Kiepe auf dem Rücken tragen. Um den Druck der Knüppel zu mindern, haben die meisten ein Handtuch untergelegt, das über der Brust zusammen geknotet ist. Die Kiepe ist etagenförmig durch
einen oder mehrere Böden unterteilt, jedes Fach hat ein eigenes Türchen.
Mit diesen Kiepen bringen die Kiepenkerle landwirtschaftliche Produkte, z. Teil aus dem eigenen Betrieb, insbesondere Eier, Butter, Käse, Wurst und Geflügel in die Stadt und nehmen für eigene
Rechnung wieder fir Waren mit zurück, die auf dem Lande besonders nachgefragt werden. Ein anstrengendes Gewerbe bei einem relativ bescheidenen Verdienst.
Hans Peters Bäuerliches Brauchtum
Ein anderer Nebenerwerb ist das Treideln, das Schiffslinienziehen weseraufwärts in Dreye. Es gibt noch keine Schiffsmotoren, die diese Aufgaben hätten erledigen Können. Anfangs erfolgt das
Treideln mit reinen Menschenkraft, später werden dazu Pferde eingesetzt.
Es wird ein Armenhaus eingerichtet, das von 3 Männern z. T. mit Familie bewohnt wird. Bislang haben die Armen bei einem Bauern zur Miete gewohnt.
Nied. Hauptstaatsarchiv Hannover: Hann. 74 Syke Nr. 267
Fuhrleute
Vorspanndienst
1843
Gerd Dunckhase (Nr. 6) wird Beigeordneter.
1844
Claus Böttcher tritt nah 3/4 Jahr Seminarausbildung seinen Dienst als Lehrer in Alter von 28 Jahren an. Hinrich Schmidt, Häusler in Erichshof, löst Jacob Wille als Feldhüter ab.
1845
67 Schüler werden in der Schule unterrichtet.
Auszug aus dem jährlichen Kirchen- und Schulbericht von Ostern 1844 bis Ostern 1845 aus der Parochie Leeste, Inspection Weyhe, Amts Syke von dem Pastor G.L.Mestwerdt zu Leeste:
[…] Welche Fragen des Landescatechismus sind in den öffentlichen Catechisationen abgehandelt (…) b) an Wochentagen?
b. An den Wochentagen wird keine Katechismuslehre gehalten
[…] 4. Wann und durch wen und warum hat der Prediger für sich catechisiren lassen?
4. An den Sonntagen, wenn die Zahl der Communikaten groß war, hat der Küster Holtmann catechisiert.
5. Wie sucht der Prediger die öffentliche Catechisation den Catechumenen von verschiedenem Alter wichtig und nützlich zu machen?
5. Ist eine Frage des Catechismus catechetisch mit den älteren u. kenntnißreicheren Kindern durchgenommen, so wendet sich (der) Pastor an die jüngeren und
schwächeren Kindern und wiederholt mit ihnen concentrisch den Inhalt der Frage.
6. Sind die Catechismuslehren von der Jugend fleißig besucht worden?
6. Im Winter sehr fleißig, nicht so im Sommer, indem viele Schulkinder auswärts in andern Gemeinen dienen. Die bereits Confirmirten besuchen noch ein Jahr nach
der Confirmation die Catechismuslehre.
7. Wenn man voraussetzt, daß der Prediger sich auf die Catechisation gehörig vorbereite, und sie nach seiner besten Einsicht mit warmer Theilnehmung halte, wie
hat der denn die gute Wirkung der zunehmenden Erkenntniß bey der Jugend wohl wahrnehmen können?
7. Da die Kinder sich ruhig verhalten und aufmerksam sind, so darf man wohl voraussetzen, daß sie mit Nutzen für sich die Catechismuslehre besuchen.
8. Welchen Plan befolgt der Prediger bey dem Unterrichte der Confirmanden?
8. Der Catechismus wird zum Grunde gelegt. Ist eine Lehre catechetisch abgehandelt so wird solche examinatorisch wiederhohlt. Die Confirmanden habe ich stets
wöchentlich 4 ½ Stunden unterrichtet.
9. Hat der Prediger sonst a) durch Privatunterweisung meherer Kinder in der Gemeine, oder b) etwa durch Übernehmung eines Theils des in der Schule zu
ertheilenden Unterrichts, so fern seine übrigen Amtsgeschäfte ihm die Zeit dazu verstatten, unmittelbar noch auf die Bildung der Jugend wirken können?
9. Dazu findet sich keine Gelegenheit, der Amtsgeschäfte sind hier viele, daß die Zeit auch dazu oft fehlen würde. Die Schullehrer geben den Kindern im
Wintersemester des Abends von 5 bis 7 Uhr Privatstunden.
[…] 2. Wie ist die Commune, die eine Schule hat, als Schulgemeinde betrachtetf, geneigt, den Schulfleiß ihrer Kinder, und die mögliche Verbesserung der Schulen
zu befördern?
2. Die 3 Schulgemeinen sehen es gerne und äußern auch ihr Wohlgefallen, wenn die Kinder gut unterrichtet werden. Sehr viele Eltern halten auch ihre Kinder zum
häuslichen Fleiße an. Sind auch den Schulverbesserungen nicht abgeneigt.
1847
Hermann Schumacher (Nr. 23) wird Geschworener und löst damit Wichen Warneke in dieser Funktion ab. Beigeordnete sind jetzt Hermann Schumacher und Wichen
Warneke.
1849
Wegen des forcierten Eisenbahnbaus sind nur noch 2 Erbenzinsleute im Frachtgeschäft tätig.
1850
Gesuch vom 29. Mai der Bauerschaft Erichshof:
„Vor der Erbauung der Chaussee führte die Landstraße von Hannover nach Bremen durch Erichshoff. Der lebendige Fracht-Verkehr auf dieser gewöhnlich schlechten
Heerstraße erforderte eine große Anzahl von Vorspann-Pferden und aus der Stellung dieser Pferde zogen die Erichshöfer Erbenzinsleute einen sehr bedeutenden Verdienst. Sie konnten damals mit
eigenen Pferden ihren kleinen Acker bestellen und die zur Düngung des Landes nöthige Zufuhr des damals fast umsonst in Bremen zu habenden Düngers besorgen. In Folge der Anlage der die Colonie
Erichshoff nicht berührenden Chaussee hat die Stellung der Vorspann-Pferde aufgehört, und der Preis des Düngers ist in Bremen auf mehr als 2 Tlr. für das Füder gestiegen, weil jetzt der Dünger
viele Meilen weit verfahren werden kann, während er bei den früheren schlechten Wegen in der nächsten Umgebung bleiben mußte. Daher und beim Mangel genugsamen eignen Grundbesitzes haben die
Erbenzinsleute die Pferde abschaffen müssen. Eine bedeutende Erwerbsquelle ist versiegt, die Cultivirung des Ackers – der einzige den Colonisten gebliebene Nahrungszweig – in hohem Grade
beeinträchtigt.“
Die wirtschaftliche Lage der Sieder ist unverändert schlecht.
16. August
Bericht des Amtsvoigts Sudholz in Brinkum:
„Namentlich ist hier in Erichshoff jetzt Dürftigkeit und Armuth durchweg vorhanden, wo doch größentheils wohlbemittelter Anfang nachzuweisen steht; 20 Concurse
und mehre Stell-Verkäufe, wegen solcher Concurse und sonstiger Armuth, haben statt gehabt, nur noch 15 Stammhalter aus der Gründungszeit dieser Colonie sind vorhanden; alle anderen Colonate sind
aus den beregten Ursachen in fremde Hände gekommen.In fernerer Untersuchung dieser Sachlage sind folgende Grundursachen des Verfalls dieser Colonie, zu befinden:
1. Der Land-Complex von plus minus 8 Morgen dürftigen Landes ist überhaupt nicht zureichend: zum Hauptbetrieb des Ackerbaues. Auf einem solchen kleinen Complex
kann weder Mensch noch Vieh die Genüge finden. Ackerbau Hauptbetrieb mußte aber doch da als nothwendig erscheinen, wo eine so zahlreiche Ansiedelung, wie hier, von 40 Familien fast jeden
Nebenerwerbs-Zweig ausschloß; denn wer konnte hier der Arbeitshülfe bedürftig sein, wo ein jeder Besitzer nicht einmal ausreichende Arbeitsbeschäftigung fand. Handwerke und Gewerbe konnten
gleichfalls fast nur auswärtige Kundschaft suchen, die doch stets, der mehreren Umständlichkeit wegen, weniger vortheilhaft als die einheimische sein wird. […] Der Zuwachs der Ländereien durch
Kauf und Gemeinheitstheilung, obwohl sehr vortheilhaft, wird doch diesen Mißstand nicht aufheben können. […] die, bei Erbzins-Verleihungen der damaligen Zeit allgemein festgestellten hohen, den
Pachtwerth häufig überschreitenden Domanial-Gefälle, worüber auch außer der Colonie Erichshoff, aus dem hiesigen Voigtei-Bezirke noch so manche Beweise darzulegen sind; […] […] die damalige
vortheilhafte gewerbliche Lage der hiesigen Gegend …], denn damals
1. war die nur ¾ Meilen entfernte Stadt Bremen noch allerhand Lieferungen und Arbeits-Hülfs-Leistungen von hieraus bedürftig, namentlich ansehnlicher Zufuhr von
Streusand, von Victualien, Garten und sonstigen Früchten, Besen pp.
2. Das Frachtfuhrgewerbe blühte noch und verstattete beliebige Teilnahme und vielfache Vorspanndienste; und und gestattete jedem Erbenzinsmann auch die für seine
Ackerbau wirthschaft, namentlich auch durch Dünger-Anfuhr de Bremen, so vortheilhafte Haltung von Fuhrwerk; und
3. den Waaren-Wesertransport führten noch Mannschaften durch Schiffs-Linienzug pp. Solche zu Gebote stehenden Erwerbsquellen konnten einem hohen Erbenzinse
leicht die Waage halten. Derselbe konnte damals gar nicht oder nur wenig in Betracht kommen, wenigstens nie Druck veranlassen.
Aber die Volksvermehrung in Bremen, die eingetretenen besseren Landwirthschafts-Betriebe in der nächsten Umgebung, die Gebrauchs-Verminderung des Streusandes und
der Reiser-Besen, beim jetzigen Gebrauche von Haar- und Reisbesen, das Entstehen der Chauseen und Eisenbahnen, der Schiffs-Linien-Zug per Spannwerk, haben alle diese Erwerbsquellen, wie bekannt,
fast ganz versiegen und die Bedürfnisse, namentlich Dünger, im Preise steigen lassen.
Mit dem Erlöschen dieser vorbezeichneten, unersetzlichen Erwerbsquellen vermehrten sich nun noch die Lasten und Verluste der Colonie Erichshoff. Alle stipulirten
Steuerfreiheiten gingen verloren und neue nie gekannte Abgaben und Lasten wurden über die Colonie Erichshoff verhängt, so z.B. Eingangs-, Häuser-, Grund-, Personen- und Gewerbesteuer, Communal-
und Hoheits-Lasten pp.“
Viele Siedlerstellen sind in der Zwischenzeit „schuldenhalber“ verkauft worden bzw. sind in „Concours“ gegangen.
1851
Feldhüter ist jetzt Johann Rump, Häusler in Erichshof. Er löst Hinrich Schmidt ab.
Ehemaliger Besitzer
Jetziger Besitzer
1
21
Lange
Carsten Lange Erben
2
16
Wiechen Knief
Wiechen Knief
in Konkurs gegangen
3
40
Schütz
Conrad Hilgenstühler
in Konkurs gegangen
1849 schuldenhalber verkauft
4
5
Cramer
Dietrich Drücker
5
36
Harm Siemer
Hermann Siemer
in Konkurs gegangen
6
45
Heinrich Schweers
Heinrich Weseloh
in Konkurs gegangen
7
28
Joh. Heinr. Weseloh
Albert Rathjen
in Konkurs gegangen
8
29
Joh. Heinr. Weseloh
Heinrich Rathjen
Geteilte Stelle
9
4
Harm Cohrs
Wiechen Cohrs
10
1
Segelke Bischoff
Claus Bischoff Erben
in Konkurs gegangen
11
12
Wiechen Suhling
Johann Böttcher
in Konkurs gegangen und verkauft
12
39
Johann Dirk Grefe
Heinrich Haferkamp
in Konkurs gegangen und schuldenhalber verkauft
13
22
Christoph Leefers
Johann Warneke
in Konkurs gegangen und schuldenhalber verkauft
14
30
Johann Brand
Wiechen Voßmeyer
in Konkurs gegangen und verkauft
15
18
Johann Lahrmann
Johann Lahrmann
16
32
Johann Schmidt
Heinrich Helmers
in Konkurs gegangen, verkauft und jetzt wieder in Konkurs
17
9
Joh. Heinr. Ehlers
Gerd Dunkhase
in Konkurs gegangen und schuldenhalber verkauft
18
33
Warneke Schriefer
Dietrich Harries
19
47
Wiechen Wetjen
Johann Cohrs
im Konkurs verkauft
20
17
Claus Stadtlander
Claus Stadtlander
in Konkurs
21
42
Wiechen Voßmeyer
Dietrich Voßmeyer
22
15
Gerke Kemmenau
Eilert Bohse
23
24
Johann Lemmermann
Joh. Heinr. Lemmermann
24
3
Joh. Wilh. Böttcher
Heinrich Specketer
im Konkurs verkauft
25
31
Joh. Heinr. Schierenbeck
Heinrich Castens
im Konkurs verkauft
26
14
Claus Bischoff
Dietrich Voßmeyer
27
11
Johann Eggers
Fritz Eickhorst
28
26
Arend Meyer
Gerd Castens
im Konkurs verkauft
29
44
Helmrich Troue
Heinrich Troue
30
46
Joh. Heinr. Weseloh
Joh. Heinr. Weseloh
31
44
Christoph Dunkhase
Segelke Bohse
Ist verkauft
32
13
Albert Heitmann
Johann Cohrs
33
34
Johann Schumacher
Hermann Schumacher
34
43
Albert Warneke
Wiechen Warnecke
35
19
Harm Lahrmann
Joh. Dietr. Lahrmann
36
8
Joh. Heinr. Specketer
Wiechen Eggers
Ist schuldenhalber verkauft
37
37
Harm Stubbemann
Cord Mindermann
38
38
Gerd Stubbemann
Gerd Stubbemann
In Concours geraten
39
6
Claus Dunkhase
Gerke Meyer
40
25
Heinrich Lübeck
Heinrich Lübeck
44
48
Kuhlmann
Friedrich Grothenn
1852
Gemeindevorsteher (ab jetzt nicht mehr Bauermeister)
Beigeordneter (ab jetzt nicht mehr Geschworener)
Ab jetzt sind die Geschworenen sogenannte Beigeordnete.
HG
1856
Am 22.Juni wird Dietrich Lohmann aus Brinkum als letzter in Nürnberg gehänselt. Die entsprechende Eintragung im Hänselbuch lautet:
„Herrn Dietr. Lohmann von Brinkum
Herrn Ludwig Blank von Jertze
und haben zum besten gegeben 60 B. (Bouteilles) Wein
und haben zum Baden (Paten) erwählt:
Herrn Dietr. Voßmeyer aus Erichshof
Herrn Heinr. Reppel aus Seesen
Herrn Heinr. Iden aus Leeste
Herrn Dietr. Schärlind aus Jythen
Herrn And Bätz aus Bremen als Seckretär
sämtliche Baden haben zum besten gegeben 30 B. Wein
G. Pommer (wohl der Wirt) war auch dabey
und hat zum besten gegeben 6 Flaschen W.“
errn H
Das ist die letzte Hänselung zu einem „ehrlichen und redlichen Fuhrmann“ und damit schließt das Hänselbuch des „Goldenen Engel“ in Nürnberg ab. Ein alter Brauch hört auf.
Das alte Schulgebäude wird bis ins nächste Jahr hinein renoviert und erweitert.
1858
Ein Mitglied der Familie Grothenn auf der Vorwiese wandert in die Schweiz aus und wird dort als Baumeister tätig. Feuergeschworene sind jetzt Hermann Siemer jun. und Johann Eickhorst.
1861
Feldhüter wird Eilert Niemeyer, er löst Johann Rump ab.
1862
Diedrich Voßmeyer (Nr. 10) wird Beigeordneter und löst Hermann Schumacher ab.
1863
Johann Warnken wird Feuergeschworener.
1865
Das Armenhaus brennt nieder, bis 1870 noch nicht wieder aufgebaut, in 1880/81 aber
erneut aufgeführt.
1866
Viele Einwohner sind wirtschaftlich am Ende und sehen nur noch die Möglichkeit auszuwandern. Aber auch die Auswanderung muss geordnet stattfinden.
Nd. Hauptstaatsarchiv Hannover: Hann. 74 Syke Nr. 756
1868
Feuergeschworene sind jetzt Johann Warnken und Johann Hinrich Weseloh.
1870
Es wird ein neues Armenhaus gebaut.
HG
Die Häuser der Sieder 31 bis 35 (heutige Erichshofer Straße zwischen Kalberkamp und Lange Reihe) werden bei einem Großfeuer vernichtet. Den Feuergeschworenen stehen folgende Löschgeräte zur
Verfügung: "Zwei große Feuerhaken, eine Feuerleiter und zwei Wasserküben zum Gebrauch bei Feuersbrünsten". Für die kleine Kolonie Erichshof ist
dies ein schwerer Schaden.
HG
1872
Wiechen Voßmeyer wird neuer Beigeordneter und übernimmt das Amt von Dietrich Voßmeyer.
1874
Claus Böttcher verlässt die Schule in Erichshof und geht an die Schule in Leeste. Neuer Lehrer wird Georg Friedrich Heinrich Gerken. Neuer Bauermeister wird Carsten Block.
1876
Feuergeschworener wird Christoph Stahmann.
1881
Georg Dunkhase hat einen neuen Verwalter gesucht und gefunden.
Geehrter Herr,
Ich danke Ihnen recht sehr, dass Sie uns einen brauchbaren jungen Mann, als Verwalter vorgeschlagen haben. Er gefällt mir und Ihre Empfehlung ist mir hinreichende Bürgschaft für seine
Tüchtigkeit. Ich habe ihm deshalb die Stelle zugesagt, und er kann sie antreten, sobald er von seinen jetzigen Verhältnissen entbunden ist. Ich werde ihm stets mit derjenigen Rücksicht begegnen,
die er vermöge seiner Kenntnisse und seiner Bildung verdient. Ich wünsche nichts sehnlicher als Ihnen recht bald gefällig sein zu können, und Ihnen zu beweisen, dass ich bin Ihr
ergebenster Freund
Georg Dunkhase
Erichshof, den 16
Februar 1881
Georg Dunkhase, offensichtlich mit einem hohen Anspruch an sich selbst.
1883
Gemeindevorsteher wird Gerd Dunckhase, Anhänger der Welfen-Partei und Mitglied des Kreistages und des Kreisausschusses des Kreises Syke.
1886
Der Lehrer Gerken verstirbt und wird ersetzt durch den neuen Lehrer Bodenstab.
1891
Bodenstab geht als Lehrer nach Klein Heidorn. Seine Aufgabe übernimmt in Erichshof, nachdem die Lehrerstelle in der Zeit vom 1. März bis 30. Juni unbesetzt ist, ab 1. Juli Johann Heinrich Adolf
Kammradt.
1892
Offensichtlich hat sich die Gemeinde Erichshof bereits eine Spritze für die Feuerwehr angeschafft, denn für den 8. April wird notiert, dass Erichshofer und Leester Spritzen einen Brand in
Hallenhausen gelöscht haben. Zu diesem Zeitpunkt ist die zuständige Gemeinde Brinkum noch ohne Gemeindespritze.
1895
In Erichshof stehen 58 Wohngebäude mit 369 Einwohnern. Der Lehrer Johann Wienbergen verstirbt am 5. März und wird durch Carl Linde ersetzt.
Oben vlnr. Wilhelm Hohnhorst, Heinrich Troue, Johann Ratjen, Warnken, Johann Heinrich Voßmeyer,H. Moormann,
Fritz Behrens, Gustav Eickhorst,
mitte: Johann Otersen, Gerhard Rolfs,
unten: Johann Heinrich Böttcher, D. Troue, Johann Heinrich Bischoff, Friedrich Meyer, Fritz Linde,J. Coors,
Heinrich Troue, Kastens. Johann Heinrich Eickhorst, nicht anwesend: Claus Bischoff
1897
Dem Dorfschullehrer Pestrup gelingt es, seinen Freund Johann Heinrich Eickhorst für die Fotografie zu begeistern. Der macht seine ersten fotografischen Experimente noch in dem 1790 erbauten
Strohdachhaus Erichshof Nr. 23. 1897 produziert er sein erstes Foto. Er so fasziniert von dieser Arbeit, dass er seinen Maurerberuf an den Nagel hängt und Fotograf wird.
1900
Johann Heinrich Eickhorst baut neben dem Strohdachhaus ein massives Wohnhaus und richtet ein kleines Atelier ein. Im alten Fachwerkhaus lagert er Material für
die ersten elektrischen Leitungen in Erichshof ein und überlegt, wie er künftig die elektrischen Energie für seinen neuen Beruf nutzen kann.
1904
Vieh- und Inventarverkauf von Heinrich Lübeck
1905
Es ist die Blütezeit der heimischen Schweinezucht. Riesige Stallungen schießen in Brinkum und Leeste aus dem Boden. In dieser Zeit
ist die Erichshofer Windmühle bei einem Gewitter abgebrannt. man hat den Mut beim Wiederaufbau der Mühle neue Techniken einzusetzen. Mühlenbesitzer Friedrich Meyer lässt auf
seiner Mühle ein großes Windrad mit der weithin sichtbaren Aufschrift „F. Meyer, Erichshof,1905“ aufstellen, um mit Hilfe eines Generators 110 V-Gleichstrom zu erzeugen. Auf einem 25 m hohen
Gittermast ist ein doppelt geflügeltes Windrad mit einem Durchmesser von 15,25 m montiert. Der Motor kostet allein 9.500 Mark. Damit treibt er nicht nur seine eigenen Dresch- und Häckselmaschinen
sowie seine Pumpen und eine Kreissäge an, sondern natürlich auch eines seiner Mahlwerke.
Wilfried Meyer: Weyhe im Wandel der Zeit, Band 2
1908
Friedrich Meyer ist gezwungen aufgrund des starken Verschleißes an den Wellen und Kraftübertragun-gen den vor drei Jahren in Betrieb genommenen Windgenerator abzustellen und durch einen
Sauggasmotor für 400 Reichsmark zu ersetzen. 20 Jahre später erfolgt der gesamte Mühlenbetrieb elektrisch.
Wilfried Meyer: Weyhe im Wandel der Zeit, Band 2
Die Feuerwehren aus Brinkum, Colnrade, Erichshof, Fahrenhorst, Groß-Mackenstedt, Heiligenloh, Sudweyhe, Natenstedt und Syke gründen den "Kreisfeuerwehrverband Syke".
1909
„Jugend ohne Alkohol. Unentgeltliche Auskünfte über die Alkoholenthaltsamkeit und den Guttemplerorden erteilt Lehrer Linde in Erichshof“
Brinkumer Zeitung vom 27. November
„Bier macht dumm, faul und impotent. Fürst Bismarck“
Brinkumer Zeitung vom 27. November
1910
Am 1. Oktober wird die Kleinbahnstrecke Bremen-Thedinghausen eingeweiht. Zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen der Regierungspräsident von Philippsborn, sitzen im Zug. Auch auf dem Bahnhof Erichshof
werden sie von einer Gemeindeabordnung empfangen.
Wilfried Meyer: Weyhe im Wandel der Zeit, Band 2
Brinkumer Zeitung
Nr. 110 vom 29. September 1910
1911
Auf der Außenkegelbahn bei Böttcher wird eine ruhige Kugel geschoben.
Das Ergebnis der Viehzählung am 1. Dezember 1910 für Erichshof:
68 Gehöfte, 66 Gehöfte mit Vieh, 73 viehhaltende Haushaltungen, 51 Pferde, 192 Rindvieh, 1 Schaf, 1891 Schweine. Insgesamt zählt man im gesamten Kreisgebiet 193.000 Schweine; die größten
Mästereien stehen dabei in Leeste und Brinkum. Neben einigen Großmästern nutzen auch viele kleine Leute diese Möglichkeit ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern, denn für die Schweinemast
bracht man wenig Kapital.
Syker Zeitung vom 7. Januar 1911
1912
„Erichshof, 9. Juni. Ein schweres Eisenbahnunglück passierte gestern nachmittag etwa 250 Meter von der hiesigen Station. Der Personenzug Nr.
887, der um 1 Uhr 42 Minuten die Station Leeste verlassen hatte, entgleiste an der Kurve des Hannoverschen Hauses. […] Der Lokomotivführer hatte wegen der nahen Station Erichshof schon
vorgebremst, sonst hätte das Unglück noch bedeutend schlimmer werden können. […] Die Ursache soll ein von frevelhafter Hand angelegtes Verbrechen sein. Bei der Kurve ist ein sogenannter
Stoß-Temperatur angebracht, der sich um 1-2 Zentimeter vor und rückwärts schieben lässt. Zwischen diesem und der Schiene war eine Tirefondsschraube (Kopfschraube) eingesteckt, die der Täter dort
wohl irgendwo gefunden hat. Die Untersuchung ist eingeleitet.“
Brinkumer Zeitung vom 11. Juni 1912
Am 9. Juni verunglückt ein Personenzug auf der Kleinbahnstrecke Bremen – Thedinghausen in der
Nähe des Bahnhofs Erichshof,
Die Leester Zeitung vom 12. Januar gibt das Ergebnis der vorausgegangenen Reichtagswahl für die Landgemeinde Erichshof bekannt:
5 Held national liberal
1 von Wrochem freikonservativ
6 Heile fortschrittliche Volkspartei
31 von Dannenberg Welfenpartei
43 Eberle Sozialisten
Leester Zeitung vom 12. Januar
1913
Gemeindevorsteher: Wachtmeister Herbst löst Gerd Dunkhase ab. Er ist kommissarisch eingesetzt, da der im Oktober 1913 von den Erichshofern zum Gemeindevorsteher gewählte Carl Dunkhase, auch er
Anhänger der Welfen-Partei und Sohn des verstorbenen Vorstehers, politisch unerwünscht ist. Das Gemeindebüro befindet sich während dieser Zeit in der Gaststätte Böttcher, während es bisher und
auch später wieder im Haus des jeweiligen Gemeindevorstehers untergebracht ist.
Der Schützenverein Erichshof wird gegründet. Die Gründer des Vereins sind: Johann Heinrich Eickhorst, der
als erster den Vorsitz über 53 Vereinsmitglieder übernimmt, Ahrend Block, Friedrich Eickhorst, Johann Voßmeyer, Johann Oelkers, Wilhelm Warnken, August Troue, Johann H. Bischoff, Johann Böttcher,
Wilhelm Troue, Johann Warnken, Albert Warnke, Georg Hohnhorst, August Peper, Richard Voßmeyer, Georg Kastens, Heinrich Moormann, Friedrich Voßmeyer, Heinrich Budelmann, Heinrich Behrens, Carsten
Coors, Georg Eggers, Jakob Langenbein, Johann Hilgenstühler, Wilhelm Brinkmann, Albert Rathjen, Friedrich Budelmann, Wilhelm Hohnhorst, Heinrich Fink, Georg Lübeck, Heinrich Kastens, Georg
Bischoff, Heinrich Rathjen I, Heinrich Rathjen II, Heinrich Troue I, Heinrich Troue II, Albert Coors, Friedrich Meyer I, Friedrich Meyer II, Heinrich Böttcher, Heinrich Hohnhorst, Wilhelm
Voßmeyer I, Wilhelm Voßmeyer II, Karl Linde, Fritz Linde, Heinrich Voßmeyer, Heinrich Siemer, Johann Meyer, Johann Miezeck, Georg Wesemann, Georg Bischoff, Friedrich Pieper und Ferdinand Warneke.
Alsbald gehen die Schützen daran, ihren eigenen Schießstand in den Fuhren aufzubauen. Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass diese neue Anlage nach 32 in den Kriegswirren verloren gehen wird.
[…] schön gelegen der Schießstand. Leider musste gehen Abend , das Schießen rechtzeitig
eingestellt werden, da die eintretende Dunkelheit und ein Regenschauer ein genaues Ziel erschwerten.[…]
BZ v. 14. September 1913
[…] Den besten Schuss auf die Königsscheibe gab Herr Richard Voßmeyer von hier ab.
Er, wie auch der beste Schütze des Jugend Schützen Vereins, Wilhelm Warnken, wurde am Abend von Herrn Lehrer Linde mit einer sehr humoristischen Ansprache zum Schützenkönig proklamiert und mit
der von zwei hiesigen Damen gestifteten wertvollen Königskette geschmückt […]BZ v. 16.
September 1913
Stehend, von links: Theo Voßmeyer, Heinrich Mohrmann, Georg Kastens, Heinrich Warneken, unbekannt, Heinrich Bischoff, Hermann Ratjen; Knieend, von links: Georg Mohrmann, Hermann Troue, Weseloh: Sitzend von links: Willi Voßmeyer, unbekannt, Lehrer Fritz
Der Lehrer Fritz Linde gründet den Jugendclub „Germania Erichshof“, um der Sportart Fußball ein vernünftiges Fundament zu geben. Den Fußball hat Fritz Linden vom Landratsamt in Syke erhalten.
Gespielt wird auf einer freien Fläche in den Fuhren (heute zwischen Hombachstraße und Erichshofer Straße)
Wilfried Meyer: Weyhe im Wandel der Zeit, Band 1
Gemeindevorsteher:
Da der von den Erichshofern gewählte Gemeindevorsteher Carl Dunkhase, Sohn des verstorbenen
Vorstehers, politisch unerwünscht ist, wird der Wachtmeister Herbst kommissarisch als Gemeindevorsteher eingesetzt.
Am 9. September verstirbt der Gemeindevorsteher G. Dunkhase
[…]Unter großer Beteiligung wurden heute die sterblichen Reste des Gemeindevorstehers Dunkhase zu Grabe getragen. Wir
bemerken im Gefolge u.a. den Landrat des Kreises Syke, sowie mehrere Mitglieder des Kreistages. Der Kreisausschuss und der Herzog von Cumberland hatten Kränze mit entsprechenden Aufschriften in
der Schleife gestiftet.
[…]
Leester Zeitung vom 13. Sept. 1913
In einem Nachruf in der Brinkumer Zeitung heißt es: […]Außer mehreren Ehrenämtern, die er
bekleidete gehörte er ,[…] dem Kreistag […] an. Er war weit über die Grenzen des Kreises bekannt und hoch geachtet. […] Es mögen von mehreren großen Bauten, die unter seiner Leitung gebaut
wurden, hier nur einige genannt sein, so: die Kirche in Heiligenloh, in Colnrade, in Rotenburg, die Kirche am Buntentor in Bremen und den Turm in Harpstedt. […]
Brinkumer Zeitung vom 11. Sept. 1913
Von der Bremen-Thedinghauser Kleinbahn wird bis in die Sandhöhe ein Gleis verlegt, um Sand
für die Aufschüttung eines Bahndammes an die Überführung in der Leester Marsch heranzuschaffen. Das dort entstehende Gleis soll die Hauptstrecke Bremen-Osnabrück mit der Kleinbahnstrecke nach
Bremen
Verbinden, weil man eine Zerstörung der Weserbrücke befürchtet.
HG
Folgende Erichshofer haben für ihr Vaterland ihr Leben gelassen:
F. Brandt gef. 22.8. bei Namur
H. Harries verm. 9.9. bei Oyes
F. Voßmeyer gef. 14.9. Brimont
L. Bodmann verm. 16.9. Reims
H. Schmidt gef. 20.9. bei Nampcal
H. Voßmeyer a. Verw. gest. 4.11. Lublinitz
Gedenktafel Ehrenmal
Johann Heinrich Eickhorst gibt per Zeitungsanzeige bekannt, dass ab sofort "photografische Aufnahmen nach eintretender Dunkelheit bei elektrischer Beleuchtung
gemacht werden können." Den Strom liefert der Mühlenbetrieb Friedrich Meyer, anfangs noch per Windkraft.
1914
Von der Bremen-Thedinghauser Kleinbahn wird bis in die Sandhöhe ein Gleis verlegt, um Sand für die Aufschüttung eines Bahndamms an die Überführung in
der Leester Marsch heranzuschaffen. Das dort entstehende Gleis soll die Hauptstrecke Bremen-Osnabrück mit der Kleinbahnstrecke nach Bremen verbinden, weil man eine Zerstörung der
Weserbrücke befürchtet.
1915
Folgende jungen Männer haben im Krieg ihr Leben verloren:
F. Linde gef. 07.02. bei Noyon
A. Otersen gef. 16.02. bei Perthes
D. Troue a. Verw. gest. 28.02. Mainz
J. Böttcher a. Verw. gest. 12.03. Gent
K. Voßmeyer gef. 30.08. Rowno
J. Hilgenstühler gef. 06.10. Souain
H. Hohnhorst gef. 04.11. Sennheim
Ehrendenkmal
1916
Folgende jungen Männer haben im Krieg ihr Leben verloren:
F. Sievers gef. 11.04. bei Verdun
A. Warneke gef. 08.05. bei Verdun
F. Behrens verm.30.06. bei Kieselin
A. Warneke gef. 02.07. bei Gekeli
H. Troue gef. 17.07. bei Kieselin
H. Behrens gef. 31.10. bei Sapignies
Ehrendenkmal
Familie Lübeck 1916: vlnr. Meta Anna Lübeck, Anna Lübeck, Marie Lübeck, Heinrich Lübeck, Hinrich Lübeck
1917
F. Bischoff Krankh. Gest. 20.02. in der Heimat
F. Warneke Krankh. Gest. 22.04. in der Heimat
H. Maluvius gef. 14.06. bei Arras
T. Hellmers gef. 07.07. Chemin d. Dames
Ehrendenkmal
Lebensmittel und Gebrauchsgüter müssen rationiert werden. Ein Sudweyher Volksschullehrer berichtet in seiner Schulchronik über die Situation der Menschen, die wohl auch die Lebensumstände in
Erichshof treffen:
Um die wichtigstgen Lebensmittel (Fleisch, Butter, Zucker) gerecht zu verteilen, wurden Fleisch-, Butter- und Zuckerkarten eingeführt […] Auf 1 Butterkarte erhält eine Person 100 Gramm. […] Mit
der Einführung der Zuckerkarten wurde auch der Verbrauch des Zuckers geregelt. Für jede Zuckerkarte erhält 1 Person monatlich 900 Gramm Zucker. Zum Einmachen der Früchte wurde besonderer
Einmachzucker zur Verfügung gestellt. […]Sehr heikel war es mit dem Beleuchtungsmaterial. Petroleum wurde nur spärlich abgegeben. Viele Einwohner ließen sich darum elekt. Licht anlegen, andere
griffen zu Brennspiritus und Carbid. Es wurden nun Petroleumkarten eingeführt. […] Auch wurden die Seifenkarten eingeführt; monatlich kamen auf 1 Karte 250 gramm Seifenpulver und 50 Gramm
Feinseife.
1918
Waffenstillstand, der Krieg ist zuende. Die Bilanz ist schrecklich. Singenderweise sind sie in den Krieg gezogen, jetzt das Ende: an der Front erschossen, zerfetzt,oder in Gefangenschaft oder im
Lazarett gestorben:
H. Eickhorst i. engl. Gefang. 23.01. Calais
H. Löscher gef. 21.03. bei Proville
A. Peper gef. 22.03. bei Bapaume
R. Linde Krankh. Gest. 17.05. Schwäbisch-Hall
G. Otersen gef. 31.05. bei Mars la Tour
H. Behrens i. engl. Gefang. 17.10. Lirieux
1920
Baubeginn des Kriegerdenkmals.
"Die benötigteen Findlinge schaffte man mit Pferdefuhrwerken aus Arsten, Habenhausen, Okel und Heiligenfelde heran. Drei im Ort
ansässige Mauer, Heinrich Böttcher, H. Ratjen und Karl Hellmers fügten die gespaltenen Felsbrocken dann zusammen. Auf diesen Stumpf kam eine Sandsteinkuppe, die in ein großes Eisernes Kreuz
ausläuft."
AKZ vom 18.10.1961
17. Oktober
Unter Beteiligung fast aller Bewohner wird das Kriegerdenkmal enthüllt.
„Die benötigten Findlinge schaffte man mit Pferdefuhrwerken aus Arsten, Habenhausen, Okel und Heiligenfelde heran. Drei im Ort ansässige Maurer, Heinrich Böttcher, H. Rathjen und Karl Hellmers
fügten die gespaltenen Felsbrocken dann zusammen. Auf diesen Stumpf kam eine Sandsteinkuppe, die in ein großes „Eisernes Kreuz“ ausläuft.“
23. September
Das strohgedeckte Haus des Landwirts Albert Weseloh, das von den Familien des Zigarrenmachers Pleus und des Friseurs Grahn bewohnt wird (heute Erichshofer Straße 40) brennt ab. Das Feuer soll,
wie beobachtet worden ist, durch Kurzschluss in der Diele entstanden sein. Wegen der exorbitant hohen Prämien für strohgedeckte Häuser sind beide Familien nicht versichert.
1921
Unter großer Anteilnahme der hiesigen Bevölkerung wird das Kriegerdenkmal von Bürgermeister Albert Troue in der Straße „Lange Reihe“ feierlich eingeweiht.
1922
Gemeindevorsteher: August Troue, Landwirt und seit 1922 auch Geschäftsführer der 1919 gegründeten Landw. Ein- u. Verkaufsgenossenschaft Erichshof wird neuer Gemeindevorsteher und löst damit Karl
Block ab.
Bei einem heftigen Gewitter am 3. Juni trifft ein Blitz die Windmühle von C. Dunkhase. Obwohl die Feuerwehren aus Erichshof, Brinkum und Seckenhausen schnell zur Stelle sind, brennt die Mühle
innerhalb kurzer Zeit nieder. Wassermangel ist die Ursache dafür, dass nichts gerettet werden kann und Hydranten sind noch nicht im Einsatz. Weil das Gebäude - wie so oft – nicht ausreichend
versichert ist, ist der finanzielle Schaden für den Besitzer wie auch dem Pächter Koröde beträchtlich
1923
Die Inflation galoppiert
15. Januar 11 875 M
1. März 22 800 M
1. Juli 154 250 M
1. August 1 100 000 M
23. August 3 080 000 M
24. August 4 700 000 M
1. September 10 300 000 M
20. September 82 000 000 M
30. September 160 000 000 M
1. Oktober 242 000 000 M
9. Oktober 1 200 000 000 M
10. Oktober 2 975 000 000 M
19. Oktober 12 000 000 000 M
31. Oktober 72 500 000 000 M
1. November 150 000 000 000 M
4. November 420 000 000 000 M
11. November 630 000 000 000 M
19. November 2 520 000 000 000 M
20. November 4 200 000 000 000 M
2 Beispiele:
1 Ei kostet
am 15.02.1920 2,50M
am 20.08.1922 8,00 M
am 03.12.1922 60,00 M
am 01.04.1923 350,-- M
am 05.08.1923 25.000,00 M
am 30.09.1923 5 Millionen M
am 28.10.1923 1 Milliarde 100 Millionen M
1 Pfd. Butter kostet:
am 20.08.1922 170 M
am 03.12.1922 1.300 M
am 01.04.1923 7.000 M
am 05.08.1923 500.000-1 Million M
am 30.09.1923 70 Millionen M
am 28.10.1923 20-25 Milliarden M
1923
Am 2. Dezember hat die Inflation den Höhepunkt erreicht, am 15. November wird wieder "werbeständuges Geld" eingeführt durch "Rentenmarktscheine" und "Schatzanweisungen". Langsam kommt die
Stabilisierung voran. Wenn der Ztr Mehl gerade noch die Höchstmarke von 30 Billionen Papiermark erreicht hat, kann man den Ztr. jetzt für 11-12 Rentenmark kaufen. Zwar behalten die
Papiergeldscheine noch einige Zeit ihre Gültigkeit, da noch nicht genügend wertbeständiges Geld in Umlauf gebracht worden ist, aber die Zeit des "Schwarzen Marktes" ist vorbei.
1924
Am 18. Mai werden die Billionen- und Milliarden-Geldscheine endgültig außer Kurs gesetzt und durch die neue Währung ersetzt. Sie erhält die Bezeichnung Goldmark. Dafür zieht eine andere Gefahr am
Horizont auf: die Arbeitslosigkeit als Folge der ungeheuren Kriegslasten aufgrund des Versailler Friedensdiktats.
1925
Die Zahl der Einwohner ist auf 437 gestiegen (Weyhe gesamt 8.914)
1928
Mit Wirkung vom 17. Oktober wird die Landgemeinde Erichshof mit der Landgemeinde Leeste vereinigt.
HG
Das Ergebnis der Reichstagswahl liegt vor:
1929
Am 25. Oktober 1929 ereignet sich der wohl spektakulärste Börsencrash aller Zeiten. Viele Einwohner verlieren ihren Job und damit ihre Lebensgrundlage. Es ist der Auftakt zu einer weltweiten
Wirtschaftskrise, die Millionen Menschen in Armut stürzt. Der bedeutendste Börsencrash aller Zeiten ist der sogenannte "Schwarze Freitag" – der eigentlich "Schwarzer Donnerstag"
heißen müsste, denn er beginnt am Donnerstag, dem 24. Oktober 1929 in New York. In Europa wird er allerdings wegen der Zeitverschiebung als "Schwarzer Freitag" bezeichnet.
Spalte 1
Spalte 2
Erichshof
Gesamt Kreis Syke
Anteil
Sozialdemokratische Partei Deutschlands
104
3999
Deutschnationale Volkspartei
2
1720
Zentrumspartei
0
1847
Deutsche Volkspartei
45
4755
Kommunistische Partei
13
392
Deutsche Demokratische Partei
11
985
Reichspartei des deutschen Mittelstandes
3
762
Nat.-Soz. Deutsche Arbeiterpartei (Hitler-Bewegung)
6
1253
Deutsche Bauernpartei
0
93
Landvolk und Mittelstandsliste
0
529
Christl.-nat. Bauern- und Landvolkpartei
2
1346
Deutsch-Hannoversche Partei
14
2557
Volksr.-Partei
0
96
Deutschsoz. Partei
1
46
Christlich-soziale Reichspartei
0
20
Evang. Volksgemeinschaft
0
13
Unabhängige Sozialdem. Partei
0
19
Volksbl. d. Inflationsgeschäd.
0
4
Aufwertungs- und Aufbaupartei
0
14
Daneben ist auch der Landtag gewählt worden:
Erichshof
Gesamt Kreis Syke
Anteil
Sozialdemokratische Partei Deutschlands
98
4057
Deutschnationale Volkspartei
4
1671
Deutsche Volkspartei
58
5003
Kommunistische Partei
12
399
Deutsche Demokratische Partei
9
846
Reichspartei des deutschen Mittelstandes
3
707
Nat.-Soz. Deutsche Arbeiterpartei (Hitler-Bewegung)
6
1138
Deutsche Bauernpartei
0
88
Landvolk und Mittelstandsliste
0
468
Christl.-nat. Bauern- und Landvolkpartei
2
1568
Deutsch-Hannoversche Partei
14
2340
Volksr.-Partei
0
79
Deutschsoz. Partei
0
46
Christlich-soziale Reichspartei
0
33
Zentrumspartei
0
1774
Evang. Volksgemeinschaft
0
15
Volksbl. d. Inflationsgeschäd.
0
15
Allgemeiner Anzeiger v. 22. Mai 1928
1929
Viele Bauern holen mit ihren Gespannen den Bausand aus der Erichshofer Sanddünenlandschaft. Die Straßennamen Sandhöhe und Sandberg erinnern noch an das frühere Aussehen dieser Gegend.
Wilfried Meyer, Weyhe im Wandel der Zeit
1931
30. April Der Männerchor Erichshof wird im Gasthaus Böttcher von 11 Sangesbrüdern ins Leben gerufen.
Zum 1. Vorsitzenden wird Hugo Gutreise, zum Chorleiter Heinrich Vossmeyer gewählt.
HG
1933
Nach dem Erlass des Ermächtigungsgesetzes am 24. März 1933 schafft das Vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder am 31. März 1933 weitere Fakten, die zur Entmachtung politischer Gegner
sowie zur Zentralisierung der Staatsgewalt in den Händen der Nationalsozialisten führt. Als Folge dessen wird auch der Schützenverband aufgelöst, man muss zwangsweise dem Deutschen Schützenbund
beitreten.
1934
Am 4. Februar unternimmt der Männerchor seine erste Kohl- und Pinkelfahrt, und zwar nach Sudweyhe zu Richard Voßmeyer. Hier fühlt man sich besonders gut aufgehoben, denn Richard Voßmeyer ist ein
allseits geschätzter Musiker und Chorleitet und auch noch in Erichshof geboren.
1935
Eine Schülerarbeit aus dem Jahr 1985 beschäftigt sich damit, wie man um 1935 in Erichshof gelebt hat und befragt eine Zeitzeugin aus
dieser Zeit.
"Alle Straßen waren festgefahrener Sand mit Spurrillen von den Wagen. Sie lagen etwas höher als die
älteren Häuser, so daß bei starkem Regen oder Tauwetter das Wasser ins Haus lief. Kühe standen im Herbst und Frühjahr oft im Wasser, ebenfalls die Küche, aber meist lag sie etwas erhöht über dem
sogenannten "Kriechkeller". [...] Wir hatten in unserem Haus bis 1968 in Stall und Küche fest gestampften Lehm. Der Schmutz wurde mit Besen aus Birkenreisern - um die Jahrhundertwende mit Besen
aus Heide - gefegt. Anschließend wurde weißer Sand gestreut. Bei Festen oft in bestimmte Muster gefeht. [...] Die Dächer waren hier bis zum 2. Weltkrieg fast alle mit Stroh, nicht Reeth (Reeth
war zu teuer) gedeckt. Sie mußten alle paar Jahre - je nach Trockenheit im Sommer - neu eingedeckt werden. Das geschah im späten Herbst nach der Ernte und Obsternte. Sehr harte Arbeit. Ganze
Familie mußte mithelfen sowie Nachbarn. 4-6 Tage dauerte die Arbeit je nach Größe des Daches. First wurde mit Heide und Moos befestigt. Unser Haus ist zuletzt 1962 eingedeckt worden. [...] Die
Toiletten befanden sich grundsätzlich außerhalb des Hauses, kleine Häuschen mit Plumpsklo. [...] Wäsche wuschen wir bin 1930/1935 auf Waschbrett in großen hölzernen Bottichen. Dann kamen immer
mehr Waschmaschinen auf (Bottich mit Drehkreuz von Hand oder Motor angetrieben). Gewaschen wurde alle vier Wochen. Damit unsere Schulsachen oder Sonntagssachen nicht zu schmutzig wurden, zogen
wir uns nach der Schule gleich um. Alle Mädchen trugen Schürzen in der Schule. Der Schulranzen war aus dickem Leder, wurde von vielen Geschwistern benutzt, meist schon von Eltern geerbt.
Hausaufgaben wurden entweder sofort nach der Schule oder am Abend gemacht, vor allem in der Erntezeit. [...] Es war üblich, dass wir Kinder regelmäßig in Haus, Garten, Stall und Feld halfen. Es
gab immer viel zu tun, da es kaum Maschinen gab und die wenigen waren zu teuer für normale Verdiener. Es wurden immer viele Hände benötigt. Aber wir spielten auch immer zwischendurch auf der
Straße, im Haus, überall, es gab kaum Verkehr. Wenig Spielzeug - keiner hatte eigenes Zimmer. [...] Badezimmer gab es nicht, samstags wurde in großer Wanne gebadet, ganze Familie. Es gab bei uns
keinen Wasserhahn. Wasser wurde von Pumpe hereingeholt, in Schüssel gewaschen, Zähne putzen war nicht unbedingt üblich. Ohren und Hals mußten sauber sein. [...] Freizeit? Spiele mit Ball, Balgen
wie heute. Angeln für den Haushalt. Gänsebach und Hombach und Weser hatten viele Fische. Am Mühlenteich fingen wir viele Aale. Wir mußten sie enthäuten, gleich frisch, indem wir die nasse Hand in
weißen, scharfen Sand tauchten und dann damit über den Aal fuhren - Effekt Scheuerpapier. Haut ging ab. Aale wurden gebraten oder gekocht. War im Gegensatz zu heute keine besondere Delikatesse.
[...] Ich habe mit mehreren Geschwistern in der Butze unter der Treppe zwischen Küche und Wohnzimmer geschlafen auf Stroh - jedes Jahr auf den Boden frisch ausgepackt. Darüber Laken oder auch
nicht - mit Federbett zugedeckt. [...] Kirche war in Leeste wie heute. Zum Konfirmandenunterricht gingen wir zu Fuß. Der "Kirchweg" zum Teil heutige Hombachstraße führte von de langen Reihe -
Neißestraße an der alten Tannenhecke vorbei über das jetzige Grundstück von Meyers über jetzige Hombachstraße - Pundsack - Alte Poststraße - Kirche. [...] Alte Häuser, Böttchers Haus
Neißestraße gehört zu den 35 alten Hofstellen, die vor ca. 200 Jahren vom Gutshof Erichshof in Erbpacht bekamen. Andere Höfe in Langer Reihe - heute Erichshofer Straße vom Kalberkamp -
Foto-Eickhorst - Kalberkamp - Bremer Straße. [...] Dazwischen stand noch um die Jahrhundertwende kein Baum. [...]
1936
Der Schützenverein wird in das Vereinsregister eingetragen. Nun kann für 1.248 RM der Schützenplatz gekauft werden.
Dora Ratjen (* 20. November 1918 in
Erichshof, † 22. April 2008 in Bremen ist eine deutsche Leichtathletin. Sie nimmt 1936 an den Olympischen Spielen in Berlin beim Hochsprungwettbewerb der Damen teil und erreicht Platz
vier.
1937
Eine Zeitzeugin erinnert sich ca. 40 Jahre später:
"Mein Mann und ich haben hier auf der Sandhöhe gebaut. Es war eines der ersten Häuser in dieser Gegend. Wir haben damals 50 Pfennig für einen Quadratmeter
bezahlt. Es war eine schwere Arbeit hier ein Haus zu bauen. Aus dem Sand wurde Kies und Sand herausgesiebt, den Zement musste ich mit einer Schiebkarre von der Bremer Straße heranfahren. Mein
Mann arbeitete damals bei der Ziegelei in Dreye, von dort bekamen wir die Steine, die er abarbeiten musste. [...] Die Sandberge sind immer noch da. Sie wurden langsam abgetragen zum Bau von
Häusern oder zum Aufschütten von Straßen. Wenn wir Richtung Brinkum gehen wollten, mussten wir über einen Sandberg. Das war der kürzeste Weg. Bei Glatteis allerdings kamen wir dort nicht rüber.
Als etwa 10jährige Kinder haben wir dort noch Pilze sammeln können. Und wenn es mal tüchtig geregnet hat, lief das Wasser nicht ab und es entstand eine Überschwemmung. Zwei Schwäne kamen dann
immer in die Nähe unseres Hauses. [...] Früher hat`s hier noch schön ausgesehen mit der Heide und dem Wald."
1938
Dora Ratjen spingt im Hochsprung der Damen bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Wien mit 1,70
m. Weltrekord und gewinnt die Goldmedaille. Am 21. September sitzt sie in einem Zug von Wien
nach Köln. Gegen 12 Uhr hält der Zug auf dem Bahnhof von Magdeburg. Als sich Dora auf dem Bahnsteig ein wenig die Beine vertritt, nähert sich ein Polizist und fragt nach ihren Papieren. Der
Kriminalsekretär Sömmering ist von einem Schaffner darauf aufmerksam gemacht worden, dass im Zug eine Dame sitzt, die wie ein Mann aussieht. Mit dem Ausweis gibt der Polizist sich nicht zufrieden
und er bittet Dora ihm auf die Wache zu folgen und er will wissen, ob sie ein Mann oder eine Frau ist. Dora streitet dies zunächst ab, gibt aber dann zu, ein Mann zu sein. Dora wird verhaftet und
muss sich anschließend einer ärztlichen Untersuchung unterziehen.
Sie sind nach der Musterung für "wehrfähig" erklärt worden. Stehend, von links: Richard Voßmeyer, Heinrich Hollwedel, Hans Köhler, Alfred Bischoff, Gerd Hartjen, Willi Wessels, Hermann Meineke,
Dietrich Wetjen; sitzend, Hans Suhling, Heinz Nienstedt, von Weyhe, Dirk Kaufmann, August Garlich, Hermann Esdohr, Fredy Hohnhorst. Alle wohnen zu dieser Zeit im Bereich Erichshof und Leeste.
Noch sind sie gut gelaunt, ein Jahr später wird aus ihrer Wehrfähigkeit bitterer Ernst.
1939
Am 1. September beginnt der 2. Weltkrieg mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen.
Der Schützenverein feiert ein letztes Mal vor dem 2. Weltkrieg sein Schützenfest.
Der Männerchor Erichshof stellt seine Tätigkeit völlig ein.
HG
In der Schule Erichshof wird im Dezember ein Kindergarten der „Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt“ (NSV) eingerichtet. Die Leitung übernimmt Anna Wüsteney, „Tante Anna“, wie die Kinder aus
Hörden, Brinkum und Erichshof sie liebevoll nennen. Sie wird bei ihrer Arbeit unterstützt von Elsa Heins aus Seckenhausen, Herta Ullrich und Agathe Friedhoff aus Melchiorshausen, Ursula Ückermann
und Lisa Hollwedel aus Erichshof sowie Anita Schlacke und Gertrud Krell aus Angelse. Die Gebühr für jedes Kind beträgt 10 Pfenning pro Tag. Während die Kleinen (ab 2 Jahre) vormittags in den
Kindergarten gehen, können die älteren Kinder – sofern sie bereits die Schule besuchen – nachmittags unter Aufsicht die Schulaufgaben erledigen.
Wilfried Meyer: Weyhe im Wandel der Zeit, Band 1
Bei einem starken Gewitter mit Hagelschlag schlägt am 19. Juli ein Blitz in das Wohnhaus des Landwirts Heinrich Eickhorst Nr. 27 (heute Erichshofer Straße 34) ein. Das strohgedeckte Wohnhaus
steht sofort in Flammen, alle eingesetzen Wehren können nichts mehr retten.
Mitten in der Nacht vom 25. zum 26. August wird an die Fensterscheiben geklopft. Wehrpflichtige erhalten ihre Gestellungsbefehle. Für die meisten ist es ein bedrückendes Gefühl, obwohl einige von
ihnen vor genau einem Jahr für wehrfähig erklärt worden sind und sich darüber gefreut haben.
In der Erichshofer Schule ist auch der Kindergarten der ."Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt". untergebracht. Er wird geleitet von Anna Wüsteny, "Tante Anna", wie sie liebevoll genannt wird,
wird dabei unterstützt von Elsa Heins, Herta Ullrich, Agathe Friedhoff, Ursula Ückermann, Anita Schlacke, Gertrud Krell und Lisa Hollwedel. Die Gebühr für jedes Kind beträgt 10 Pfennig.
Vormittags kommen die Kleinen (ab 2 jahre)n und nachmittags die älteren Kinder, die dort unter Aufsicht ihre Schulaufgaben erledigen können.
Sämtliche Befehle zum Umgangsverbot mit Deutschen werden aufgehoben.
Viele junge Männer aus Erichshof haben im Kampf für ihr Vaterland mit dem Leben bezahlt.
Hermann Abelmann,
Heinrich Bischoff,
Johann Block,
Heinz Böttcher
Heinrich Brandt
Heinrich Brümmer
Helmut Eckardt
Georg Eickhorst
Heinrich Finke
Karl Garlich
Fritz Garlich
Friedrich Grafe
Johann Heuer
Erich Heusmann
Heinrich Heusmann
Johann Hildebrandt
Hermann Hildebrandt
Johann Hilgenstühler
Johann Holllwedel
Johann Horst
Wilhelm Horst
Friedrich Käting
Heinrich Kloke
Albert Koch
Heinrich Koch
Christian Kruse
Heinrich Nienstedt
Georg Ölkers
Friedrich Ottersen
Otto Peters
Heinrich Reiners
Fritz Sander
Hermann Sievers
Friedrich Schierenbeck
Johann Schierenbeck
Johann Töbelmann
Franz Troue
Hermann Vennenköter
Dietrich Voßmeyer
Johann Warneke
Carl Weseloh
Georg Weseloh
Hermann Wesemann
Heinrich Wetjen
Fritz-Christel Wüsteney
Vermisst werden:
Otto Ekkardt
Johann Finkenberg
Johann Gathmann
Johann Gesell
Karl Göthel
Bernhard Krützmann
Hermann Kruse
Günter Löscher
Albert Rathjen
Johann Suling
Julius Schemitzek
Johann Weseloh
Ehrenmal
1945
Am 8. Mai endet der 2. Weltkrieg.
1948
Erstmals nach dem Krieg kann die Feuerwehr wieder an Wettbewerben teilnehmen.
1949Der Schützenverein wird wieder zugelassen, nachdem unmittelbar nach Kriegsende das
Vereinsvermögen beschlagnahmt und der Verein von der Militärregierung verboten worden ist. Es darf aber nur noch mit Armbrust und Luftgewehr geschossen werden. Ein harter Wiederbeginn nachdem
auch der Schießstand nach dem Kriege zerstört worden ist. Für das erste Schützenfest nach dem Kriege am 3. und 4. September stellt Festwirt Heinrich Warnke seinen Acker zur Verfügung.
Am 18. Februar wird der Tischtennisclub Erichshof gegründet. 1. Vorsitzender wird Fritz Nienstedt.
HG
1951
Das Oberlandesgericht in Celle spricht dem Schützenverein wieder den Schützenplatz zu.
Erntefest in Erichshof wird mit großem Aufwand gefeiert.
1953
Erichshof feiert ein großes Erntefest. Im Festzug geben die Lyra-Kapelle und der Spielmannzug des TSV Melchiorshausen den Takt an. Angeführt wird der Umzug durch eine Reitergruppe aus
Seckenhausen. Es folgen der Schützenverein, die Freiwillige Feuerwehr, der Männergesangverein und 13 aufwendig geschmückte Erntewagen. Nach Abholung der prachtvollen Erntekrone vom Bauern Albert
Coors beginnt der Umzug durch den Ort. Auf dem Festplatz bei Gastwirt Böttcher hält Bürgermeister Heinrich Klenke eine Rede und stellt fest, dass die Ernte in diesem Jahr mehr als zufrieden
stellend aufgefallen ist. Anschließend richtet sich der Festredner Heinz Wilhelm Schmidt an die Anwesenden und bedankt sich für enormen Aufwand bei der Herrichtung der Festwagen. Anschließend
geht es mit der Erntekrone ins Festzelt.
1955
Der Schützenverein erstellt eine neue Schießanlage auf dem Schießplatz an der B6, ein Höhepunkt der Vereinsgeschichte.
1957
Das „Große Stück“ wird bebaut. Karl Wenzel baut das erste Haus in der Huntestraße.
Hermann Tietjen, einer der ersten Häuslebauer erinnert sich anlässlich des 50jährigen Bestehens der Huntestraße:
50 Jahre ist es her, dass die Nachkommen der Lehensmänner des Grafen Erich von Hoya, die Familien
Hohnhorst, Bischoff und Lübeck das Land "Die Großen Stücke" verkauften. Der Preis betrug etwa 6,-- DM/qm. Als erstes wurde die Huntestraße gebaut. Erster Hausbauer war Karl Wenzel, Flüchtling aus
dem Osten. Es gab zu dieser Zeit weder eine Wasserleitung noch einen Kanalanschluss. Unser frisches Wasser holten wir uns aus einer Pumpe, die im Garten stand, die Toiletten waren an Sickergruben
angeschlossen. Die Wasserleitung kam erst 1960. Wer beim Ausschachten mithalf, konnte die Anschlussgebühr von damals 400 DM auf 300 DM senkwn. Der Straßenausbau kam 1965. Damals wurde aus dem
einfachen Feldweg endlich eine gepflasterte Straße. Meine Rechnung für den Straßenausbau habe ich noch. Er kostete mich 359 DM. Der Kanal kam erst 1968. Der komplette Anschluss pro Haus mit
Wasser- und Toilettenanschluss kostete damals 1.200 DM. Was ich an dieser Stelle aber besonders hervorheben möchte, ist - und das haben wir sicher mit den ersten Siedlern in Erichshof gemein -
dass wir von Beginn an immer eine gute Nachbarschaft gepflegt haben, die bis heute anhält."
Der Schützenverein feiert sein 50jähriges Bestehen.
1968
Der Schützenverein erweitert seine Schützenhalle.
1969
Großbrand am 8. Juli bei der Metallwarenfabrik Niedersachsen an der Syker Straße in Erichshof.
1973
Die Schule wird abgerissen
„Hier spricht die Rote Zelle! Wir kommen in der Nacht!“ Mit diesem Anruf am 4. April eine Brandstiftung auf dem Gelände des Reifenlagers der Firma Meyer & Bolte angekündigt. Alle
Wehren auch der benachbarten Gemeinden sind mit insgesamt 85 Wehrmännern im Einsatz.
1974
Durch die Kommunale Verwaltungs- und Gebietsreform des Landes Niedersachsen wechselt der Ortsteil Erichshof von der Gemeinde Leeste in die Zuständigkeit der Gemeinde Weyhe.
Erichshof hat jetzt 2652 Einwohner.
1978
Am 30. Juni 12.50 Uhr Zimmerbrand am Sandberg 1. Ein Anwohner ist mit seiner brennenden Pfeife im Bett eingeschlafen und bei dem hierdurch entstehenden Brand ums Leben gekommen.
1981
Dieter Hermann Kieselhorst aus Erichshof, gelernter Landwirt und Vater von vier Kindern flüchtet am 14. Juli mit 1,17 Millionen DM, die er zuvor in seiner Funktion als Mitarbeiter der
Geldtransport-Firma Protectas in einer Filiale der Bank für Gemeinwirtschaft in der Bremer Innenstadt entgegengenommen hat. Hermann Kieselhorst ist über 10 Jahre flüchtig und
lebt seitdem unter falschem Namen in Deutschland und in den Niederlanden. Nach zehn Jahren wird er aus der Fahndungsliste des BKA gelöscht, weil die Tat verjährt ist.
1983
Die Einwohnerzahl liegt jetzt bei ca. 2.600 (712 Häuser, ca. 1.150 Haushalte)
1986
Heinrich Voßmeyer gibt das Amt des Chorleiters des Männerchors an Friedrich Eickhorst ab.
1987
Heinrich Voßmeyer wird zum Ehrenchorleiter ernannt und erhält für seine hervorragenden Dienste im Chorgesang, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die Ehrung nimmt der
Landrat Meier vor.
1989
Im Herbst hat sich ein Bewohner etwas in der Zeit geirrt und an einem Sonntagmorgen um 1.20 Uhr seinen Osterhaufen für das Jahr 1990 angezündet. Die Feuerwehr kommt zum Einsatz.
In der Weserstraße brennt es in einer Garage und zwei Tage später steht ein Container am Erichshofer Bahnhof in Flammen.
1991
Am 9. Oktober 1991 tauchte der Gesuchte dann wieder auf und trat in der Radio Bremen Sendung Buten un binnen auf, um von seiner Flucht zu erzählen. Aufgrund
der Verjährung der Tat konnte er nicht mehr strafrechtlich belangt werden. Während sein Kollege im Geldtransporter wartet, verlässt der damals 47-jährige Hermann
Kieselhorst die Bank mit dem ausgehändigten Geld und flüchtet wahrscheinlich mit seinem Privatwagen nach Delmenhorst. Dort mietet er einen Mietwagen von einer örtlichen Autovermietung und leistet
eine Anzahlung von 800 DM in bar. Tage später wird der Privatwagen des Gesuchten in einer Garage eines Kaufhauses in Delmenhorst gefunden. Hermann Kieselhorst war aber noch immer flüchtig.
Noch am Tag des Geldraubes gleicht er um 13:45 Uhr in einer Bankfiliale in Delmenhorst sein überzogenes Konto mit einer Einzahlung über 7000 DM aus. Am 15. Juli weist er in einer
Kölner Bank eine größere Summe an seine Gläubiger an und am 16. Juli 1981 führt er 20 Postanweisungen in einem Postamt in Schleiden (Eifel) aus, um Rechnungen zu begleichen. Unter
anderem begleicht er die Rechnungen vom Schornsteinfeger und für die letzte Öllieferung.
Unter dem falschen Namen Heinz Köster mietet er am 17. Juli eine Ferienwohnung in Monschau und blieb dort drei Tage. Am 22. Juli 1981 findet die Polizei den
Mietwagen an der niederländischen Grenze bei Bunderneuland/Neuschanz, der dort mutmaßlich am 21. Juli von Kieselhorst selbst abgestellt worden ist. Interpol wird
eingeschaltet und ein internationaler Haftbefehl erlassen. Eine Belohnung von 10 % der zurückgebrachten Summe wird für Hinweise auf seinen Aufenthaltsort ausgesetzt. Eine
Dokumentation über den Geldraub in der ZDF-Reihe Aktenzeichen XY … ungelöst vom 20. September 1981 brachte keine entscheidenden Hinweise.
Leben nach dem Geldraub
Kieselhorst flüchtet nach eigenen Angaben durch Deutschland und lebt jahrelang in den Niederlanden auf einem Boot. Er behauptet, mehr als 400-mal die deutsch-niederländische Grenze
überschritten zu haben, ohne seinen Ausweis zeigen zu müssen. Während dieser Zeit tauchte er nach eigenen Aussagen mehrmals bei seiner Familie auf und besucht mit seinem Sohn Fußballspiele von
Werder Bremen im Weserstadion, ohne dass es der Polizei auffällt.
Rückkehr
Am 9. Oktober 1991 kehrt Kieselhorst zu seiner Familie in Deutschland zurück und behauptet in einem Interview mit dem Weser Kurier, dass er und seine Familie erpresst worden seien und
der Geldraub der einzige Ausweg gewesen sei, die Erpressung zu beenden. Er kann für die Tat aufgrund der Verjährung nicht mehr strafrechtlich belangt werden. Später wird er
dennoch strafrechtlich verfolgt, weil er den Zinsertrag aus dem geklauten Vermögen, von dem er nach eigenen Angaben sein Leben auf der Flucht finanziert hatte, nicht ordnungsgemäß versteuert
hat.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geldraub_(Bremen)
1994
Insgesamt kommt die Freiwillige Feuerwehr in diesem Jahr 16 mal zum Einsatz. Schwierigster Einsatz ist bei einem Gebäudebrand in der Straße Im kleinen Bruch. Während der Eigentümer des
Hauses gerettet werden kann, kommt dessen Ehefrau ums Leben.
1997
Die Freiwillige Feuerwehr Erichshof feiert am 12. September ihr 100-jähriges Bestehen.
1999
In Erichshof leben jetzt 2.353 Bürger (8.616 in Kirchweyhe, 8.320 in Leeste, 4.010 in Lahausen, 2.923 in Sudweyhe, 1.830 in Melchiorshausen, 1.168 in Dreye, 561 in Jeebel und 194 in Ahausen.
2000
Der TTCE ist nicht nur stark am Tisch, sondern auch im Kopf: Als das Finanzamt moniert, dass der Verein sich nicht nur dem Sport sondern auch der Geselligkeit widme, beschließt der TTCE
keine Geselligkeit mehr zu haben.
Harry Tamsen von den Erichshofer Taubenzüchtern wehrt sich gegen einen Bericht des „Bundesverbandes der Tierversuchsgegner – Menschen für
Tierrechte e.V.“
Mit Jonas Butt wird am 6.1. der 30.000 Bürger der Gemeinde Weyhe geboren.
Gier schlägt Hirn: 33jähriger Einbrecher aus Brinkum hinterlässt Spuren bei der Flucht – im Schnee.
Beziehungsdrama: 41jähriger Bremer hinterlässt eine Morddrohung auf dem Anrufbeantworter seiner 31jähri-gen früheren
Lebensgefährten aus Erichshof. Kurz dananch dringt er unter Alkoholeinfluss stehend in die Wohnung ein, ergreift – nachdem die Frau sich seinem Zugriff
hat entziehen können – den 22monatigen Sohn und setzt sich auf den ca. 10 m hohen Balkon. Die Polizei kann das Schlimmste gerade noch verhindern.
Die Kommissarin Jasmin Winkler läuft die 800 m in persönlicher Bestzeit: 2:08:95.
2001
Beim Landes-Wettbewerb des Deutschen Siedlerbundes für die beste Eigenheimsiedlung erreicht die Huntestraße einen dritten, die Weserstraße einen vierten Platz. Beteiligt haben sich
insgesamt 44 Siedlungen.
2002
Eine ehemalige Reinigungsfirma an der B6 kontaminiert das Erdreich mit der krebserregenden Substanz Tetrachlorethen (Per). Einen besonders hohen Per-Wert wird
auf dem Gelände der ehemaligen Reinigung gemessen: 12000 millionstel Gramm. Landkreis und Gemeinde wollen dieses Grundstück sanieren. Geschätzte Kosten: 900.000 €.
Das OLG wird eingeschaltet. Danach hat das Gewerbeaufsichtsamt keine Kontrollpflicht verletzt. Zur Verantwortung kann daher nur der bzw. die Eigentümer
herangezogen werden. Der ehemalige Betreiber hat auf dem Gelände neben der Erichshofer Sparkasse mit einer Wohnungsbaugesellschaft ein 8-Parteien-Haus gebaut. Laut OLG´können die Betreiber der
Reinigung und die Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft nicht mehr zur Zahlung herangezogen werden.
Rund 600 der vom Landkreis angeschriebenen Haushalte brauchen gesundheitliche Schäden nicht zu befürchten. Für deren Grundwasser gibt es sogar eine Entwarnung.
Bis zur Hombachstraße sollen die Bewohner allerdings auf die Bewässerung ihres Gartens als auch auf die Befüllung von Schwimm- und Planschbecken mit Grundwasser verzichten. Der Per-Wert in diesem
Gebiet liegt bei 2000 millionstel Gramm (Richtwert des Landkreises hierfür maximal 20 millionstel Gramm).
Kreiszeitung vom 23. März 2002
2005
Mit einem Konzert in der Felicianus Kirche in Weyhe legt der Chorleiter des Männerchors Erichshof den Taktstock aus der Hand.
2006
Der Männerchor Erichshof e.V. feiert am 30. April sein 75-jähriges Bestehen.
Foto: Foto Eickhorst
2022
Das Erichshofer Mahnmal muss erneuert und dabei komplett umgestaltet werden. Die Reparaturen in den 1960er und 1980er Jahren waren nicht nachhaltig. Das Syker Künstlerduo Henning Greve und Elsa
Töbelmann werden mit der Neukonzeption des Denkmals beauftragt. Möglichst alle bisherigen Bestandteile sollen genutzt, einzelne Elemente der Inschriften sollen etwas verfremdet werden. Die
Bronzetafeln mit den Namen der Vermissten und Gefallenen aus dem 2. Weltkrieg werden wieder eingearbeitet. Da das bisherige Mahnmal unter Denkmalschutz steht und völlig verändert wird, muss
laufend mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover Rücksprache genommen werden. Der Anspruch des zuständigen Archivar Hermann Greve: "Wir wollen aus einem Ehrendenkmal ein
Mahnmal für den Frieden machen." Eingebunden in die neue Konzeption sind auch 20 Schüler der KGS Leeste, die mit zeichnerischen Vorschlägen sich an der Umgestaltung beteiligen. Insbesondere wird
der Wunsch nach der Darstellung einer Friedenstaube geäußert.
Pünktlich am 1. September (Kriegsbeginn 1. Sept. 1939) wird das neu gestaltete Friedensdenkmal feierlich eingeweiht.
Vermisste und Gefallene des 2. Weltkrieges
Die selbständige Gemeinde Erichshof
Kommunale Selbstverwaltung
Vor der Reform 1852 sind die Möglickeiten kommunaler Selbstverwaltung noch sehr beschränkt. Die Hofbesitzer wählen zwar ihren sogenannten Bauermeister und die
Geschworenen, diese sind aber vornehmlich Befehlsempfänger des Amtes Syke. Sie verwalten das Vermögen der Bauerschaft und nehmen die Polizeifunktion wahr.
Zu den Aufgaben gehört auch die Verwaltung des Armenwesens. Noch vor 1842 wird in Erichshof ein Armenhaus eingerichtet, das von 3 Männern zum Teil mit Familie
bewohnt wird, vorher sind die Armen bei einem Bauern gegen Miete untergebracht.
1. Bauermeister/ab 1852 Gemeindevorsteher
09.10.1790 - Specketer, Johann Hinrich
1790 aus Syke, siedelt sich als Erbzinsmann und Tagelöhner mit Frau und 2 Kindern
an
1790 ist er 32 Jahre alt und besitzt die Erbenzinsstelle Nr. 36 (Plan 1790: Nr.
26)
um 1810 Kemna, Gerd
1790 als Gerke Kemmenau,
1801 als Gerd Kemnau aufgeführt,
kommt aus Kirchweyhe, wo er bis 1777
mit Frau und vier Kindern als Häusler gelebt hat.
1790 ist er 42 Jahre alt und besitzt
die Erbenzinsstelle Nr. 22 (Plan 1790: Nr. 11)
1817-1829 Albert, Eggers
Erbzinsmann auf der Erbenzinsstelle Nr. 36 (Plan 1790: 26),
die noch 1801 der erste Bauermeister Johann Hinrich Specketer besessen hat.
07.11.1829-1837 Warneke, Albert
1831"Interimswirth auf der Hünekeschen Erbenzinsstelle Nr. 31
(Plan 1790: Nr. 21)
29.04.1837-1874 Meier, Gerke
Erbzinsmann auf der Erbenzinsstelle Nr. 39 (Plan 1790:
Nr.29)
08.11.1874-1881 Block, Carsten
Erbzinsmann auf der Erbenzinsstelle Nr. 1
vor 1883-09.09.1913 Dunkhase, Gerd
(Bremer Straßé 17-alte Hausnummer), Anhänger der
Welfenpartei,
Mitglied des Kreistages und des
Kreisausschusses des Kreises Syke,
Bauunternehmer
1913-1914 Herbst, Heinrich Friedrich August, Wachtmeister
(kommissarisch eingesetzt, da der im Oktober 1913 von den Erichshofern
gewählte
Gemeindevorsteher Carl Dunkhase, ein Sohn des verstorbenen Vorstehers,
politisch
unerwünscht war. Syker Zeitung vom 17. Juli 1914: "Dem
Gendarmeriewachtmeister
a.D. Herbst in Leeste ist
seitens des Herrn Landrats in Syke die kommissiarische
Verwaltung des
Gemeindevorsteheramtes in unserer Gemeinde vom 16. ds. Monats an
übertragen worden. Die
kommissarische Leitung soll so lange dauern, bis die Gemeinde
eine gesetzlich befähigte
Person zum Gemeindevorsteher wählt." Das Gemeindebüro
ist indieser Zeit die Gaststätte Böttcher an der Erichshofer Straße. Vorher und auch
späterdient das Wohnhaus des jeweiligen Vorstehers als Büro.
1914-1922 Block, Karl
Landwirt, Kalberkamp
Sohn des Erbzinsmannes Carsten
Block, geb. auf dem elterlichen Gehöft Erichshof Nr. 1
(heute Zum Kalberkamp 1) Er ist zwar bis 1922 gewählt, seine Dienstzeit endet aber
bereits 1919, wahrscheinlich aus
gesundheitlichen Gründen, er stirbt am 13. Februar
1919 im Alter von nur 61 Jahren
nach einem Schlaganfall.
1922-1928 Troue, August
Landwirt,l seit 1922 auch
Geschäftsführer der 1919 gegründeten Landwirtschaftlichen
Ein- und Verkaufsgenossenschaft Erichshof, gewählt wird er bereits 1919, nachdem Karl
Block zurückgetreten ist.
2. Geschworene/ab 1852 Beigeordnete
1816-1829 (?) Kemna, Hinrich,
Erbzinsmann auf Nr.22
1829-1847 (?) Warneke, Wichen
Erbzinsmann auf Erbenzinsstelle Nr. 34 (Plan 1790: Nr. 24)
1847-1862 (?) Schumacher, Hermann
Erbzinsmann auf der Erbenzinsstelle Nr. 33 (1790: Nr. 23)
1862-1872 (?) Voßmeyer, Diedrich
Erbzinsmann auf der Erbenzinsstelle Nr. 21 (1790: Nr. 10)
1872-nach 1881 Voßmeyer, Wiechen
um 1907/1911 Lübeck, Heinrich
Landwirt, Haus-Nr. 39
3. Feuergeschworene
Menschen in Erichshof
Kommunale Selbstverwaltung
Hermann Greve
Seit 1790 bildeten die nunmehr 40 Gehöfte "Colonie Erichshof", das sogar eine eigene Schule erhielt und bin 1928 als selbständige Landgemeinde Bestand hatte. Eine Gemeindevertretung heutiger
Prägung gab es bis 1852 nicht. Der sogenannte Bauermeister (nicht Bauernmeister) und die beiden Dorfgeschworenen (sie sind seit 1816 nachgewiesen) vertraten zwar die Interessen ihrer
Dorfgemeinschaft, wurden jedoch von den staatlichen Organen im Wesentlichen als Erfüllungsgehilfen betrachtet. Eine ihrer zentralen Aufgaben war die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung.
Bauermeister und Dorfgeschworene standen unter der Aufsicht der Syker Amtsverwaltung und des in der Vogtei Brinkum (Kirchspiele Brinkum und Leeste) tätigen Amtsvogtes, der wiederum als
verlängerter Arm der Syke Staatsdiener fungierte.
[...] Die März-Revolution des Jahres 1848 verschaffte den Kommunen im damaligen Königreich Hannover neue Selbstverwaltungs- und Mitwirkungsrechte. Mit einem Ausschreiben vom 23. Mai informierte
die Landesdrostei Hannover die Syker Amtsverwaltung, das Innenministerium habe infolge eines Antrags der allgemeinen Ständeversammlung beschlossen, "den Landgemeinden eine gewisse Vertretung und
Mitwirkung bei der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten schon gegenwärtig einzuräumen", um die Gemeinden "auf eine größere Selbständigkeit und eine umfassendere Wirksamkeit vorzubereiten".
Künftig sollten die Bauermeister zu den allmonatlich stattfindenden Amtsberatungen hinzugezogen werden. Am 1. Juli 1848 trafen in Syke 25 Bauerschaftsvertreter zu einer gemeinsamen Sitzung des
Fleckens Syke zusammen. Die "Amtsversamm-lungen" wurden zu einer festen Einrichtung und überdauerten das Revolutionsjahr 1848.
[...] Am 4. mai 1852 wurde im Königreich Hannover das "Gesetz, die Landgemeinden betreffend" erlassen. Aus den Bauermeistern wurden "Gemeindevorsteher" mit größeren Kompetenzen, gewählt von den
stimm-berechtigten Grundeigentümern und selbständigen Haushaltsvorständen. Aus den Dorfgeschworenen wurde Beigeordnete. Allerdings konnten die gewählten Gemeindevorsteher und Beigeordneten nur
dann ihr Amt antreten, wenn die zuständige staatliche Behörde grünes Licht für die Amtseinsetzung gegeben hatte.
[...] Dem Landgemeindegesetz von 1852 folgte am 28. April 1859 eine Neufassung. die auch nach 1866, als Preußen das Königreich Hannover annektierte, Gültigkeit behalten sollte. Ein aktives und
passives Wahlrecht, das die Frauen, das Dienstpersonal und die als landwirtschaftliche Arbeitshilfen tätigen Häusler einschloss, war in beiden Gesetzen nicht vorgesehen. Die tonangebenden
konservativen Kreise im Königreich Hannover wollten sicherstellen, dass die besitzlosen Schichten keine politischen Mitbestimmungsrechte auf kommunaler Ebene erhielten. Hannover war ein
Agrarland, in dem der bäuerliche Mittelstand als Garant staatlicher Ordnung betrachtet wurde.
[...] In Erichshof gestalteten sich die Dinge [...] einfacherf. Hier gab es nur Kleinbauern und Gewerbetreibende mit durchweg bescheidenem Einkommen. Demzufolge verfügte jeder Haushaltsvorstand,
sofern er Hofbesitzer oder selbständig war, über eine Stimme. Stand eine Frau, z.B. als Witwe, ihrem Hof oder ihrem Gewerbebetrieb vor, nahm - wie überall - ein männlicher Vertreter ihr
Stimmrecht wahr. In Erichshof agierte übrigens bis 1918 auch kein Gemeindeausschuss. Gab es etwas zu entscheiden, wurden Gemeindeversammlungen einberufen, die unter Leitung des Vorstehers und
zumeist auch in Anwesenheit des einzigen Beigeordneten stattfanden.
[...] Die Gemeindevorsteher wurden für jeweils 6 jahre in ihr Amt gewählt. Von Anfang 1875 bis zur Jahreswende 1880/81 fungierte Carsten Block, Carl (Karl) Blocks Vater, als Gemeindevorsteher in
Erichshof. Ihm folgte 1881 der Zimmermeister Gerd Dunkhase, der bis zu seinem Tod am 9. September 1913 amtierte und als "eifriger Anhänger der Welfenpartei" (Brinkumer Zeitung v. 11.09.1913)
galt. Wieder und wieder war seine Dienstzeit durch Beschluss der Gemeindeversammlung verlängert worden. Niemand hatte 1913 mit dem Tod des 73-jährigen gerechnet. "Der sonst sehr rüstige
Mann", berichtete die Syker Zeitung in ihrer Ausgabe vom 11. September 1913. "wurde am Montag abend von einem leichten Unwohlsein befallen, das ihn aber nicht hinderte, gestern morgen
eine Wagenfahrt nach Syke zu unternehmen, von der er seines schlechten Befindens wegen doch wieder umkehren mußte. Gleich nachdem er zu Hause angekommen war, ereilte ihn bereits der Tod".
Ein schwerer Schlaganfall hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. "Er war ein hochgeachteter Mann, der allseitiges Vertrauen in seiner Gemeinde und weit darüber hinaus genoß", heißt es im
Nachruf der "Syker Zeitung". "Davon zeugen auch die verschiedenen Ehrenämter, die er bekleidete. Gemeindevorsteher Dunkhase war seit 1888 bis jetzt ununterbrochen Mitglied des
Kreisausschusses des Kreises Syke, von1885 bis einschließlich 1893 und dann von 1900 bis 1905 Mitglied des Kreistages, ferner war er Mitglied verschiedener Kreiskommissionen und gehörte auch dem
Sparkassenvorstande der Syker Amtssparkasse an". Auch in seinem Hauptberuf hatte sich der Zimmermeister einen Namen gemacht.
[...] Gerd Dunkhase dürfte als Meinungsführer die politische Willensbildung maßgeblich beeinflusst haben. Die kleine Gemeinde war eine Hochburg der Welfen, der Deutschhannoverschen Partei, die
sich 1866 als Protestpartei gegen die preußische Annexion des Königreichs Hannover gebildet hatte. Christich-konvervativ mit fast ausnahmslos protestantischer Anhängerschaft forderte sie die
Wiederherstellung der welfischen Monarchie unter dem Dach des 1871 gegründeten Deutschen Reiches.
[...] Mit überwiegender Mehrheit stimmten die Erichshofer anlässlich der Reichsttagswahl im Februar 1887 für ihren Kandidaten der Welfen, v. Arnswaldt, auf den 66 von71 abgegebenen Stimmen
entfielen. Die Reichstagswahlen fußten nicht auf dem Mehrklassenwahlrecht. Alle männlichen Reichsangehörigen vom vollendeten 25. Lebensjahr an (Beginn der Völljährigkeit) durften wählen.
Ausgenommen blieben Soldaten aller Dienstgrade im aktiven Dienst sowie Personen, die unter Vormundschaft standen, sich im Konkurs befanden, Armenunterstützung bezogen und nicht mindestens drei
Jahre an einem Ort ansässig gewesen waren.
[...] Erichshof präsentierte sich nicht nur als Welfenhochburg, wie in der Nachbargemeinde Leeste erzielten auch die Sozialdemokraten bei den Reichstagswahlen hohe Stimmenanteile, die in den
meisten Gemeinden nicht annähernd erreicht wurden.
[...] Die Dienstgeschäft des verstorbenen Erichshofer Gemeindevorstehers nahm seit dem 9. September 1913 der Beigeordnete Troue wahr. Unter seiner Leitung fand im Herbst 1913 eine
Gemeindeversammlung statt, in der Gerd Dunkhases Sohn Karl Dunkhase (Zimmermeister und Architekt) zum neuen Gemeindevorsteher gewählt wurde. Der Landrat des Kreises Syke , Dr. Franz Hermann
Reschke, versagte jedoch die Bestätigung der Wahl. In Erichshof war die Mehrheit der Stimmberechtigten nicht bereit, diese Entscheidung hinzunehmen. In einer am 30. Dezember 1913 anberaumten
Gemeindeversammlung wurde beschlossen, Beschwerde beim Bezirksausschuss einzulegen. Der wies die Eingabe im März 1914 zurück, woraufhin am 26. Juli 1914 erneut eine Gemeindeversammlung einberufen
werden mußte, um die Vorsteherwahl zu wiederholen.
[...] Inzwischen war der am 1. April 1914 pensionierte Gendarmeriewachtmeister Heinrich Friedrich August Herbst zum kommissarischen Gemeindevorsteher bestellt worden - mit Wirkung vom 1. Juli
1914. Der Ex-Gendarm hatte von1891 bis 1909 in Kirchweyhe, später in Kirchdorf bei Sulingen Dienst getan und lebte sei Kurzem mit Ehefrau Anna in Leeste. Er leitete die Gemeindevorsteherwahl am
26. Jiuli 1914, an der 59 der insgesamt 79 stimmberechtigten Gemeindemitglieder teilnahmen. "Die heutige Wahl", protokollierte Herbst, "erfolgt auf die Zeit vom 1. Juli 1914 bis 30. Juni 1920
[...] Die Vergütung des Gemeindevorstehers einschl. des Ersatzes für seine baren Portoauslagen wird festgesetzt auf jährlich 400 M".Zum Vergleich: Ein erwachsener männlicher Tagelöhner erhielt
2,50 M pro Tag, konnte also pro Jahr unter günstigen Bedingungen das Doppelte verdienen. Doch der Erichshofer Gemeindevorsteher war nicht hauptamtlich tätig. Auch als Standesbeamter mußte er
nicht aktiv werden; das war Aufgabe seines Leester Kollegen, zu dessen Standesamtsbezirk das damals gut 400 Einwohner zählende Erichshof gehörte.
[...] Sechs Kandidaten, unter ihnen wiederum Karl Dunkhase, erwarteten im Juli 1914 das Votum ihrer Mitbürger. Doch im ersten Wahlgang zeichnete sich keine absolute Mehrheit ab. Im zweiten
Wahlgang konnte sich Karl Block behaupten, der die Anbauerstelle Erichshof Nr. 67 gegründet hatte. [...] Karl Block wurde von Syker Landrat in seinem Amt bestätigt. Er trat den Dienst in schwerer
Zeit an. Nur wenige Tage nach seiner Wahl brach der erste Weltkrieg aus. Eine Fülle kriegswichtiger Aufgaben waren zu bewältigen. Immer neue, immer umfassendere Maßnahmen zur
Zwangsbewirtschaftung wurden ergriffen, die zum Teil über das Kriegsende hinaus bestehen blieben und nur zögerlich abgebaut wurden. Sehr viele Sympathiepunkte konntee ein Gemeindevorsteher als
Befehlsempfänger der Reichsbehörden unter solchen Umständen nicht sammeln. Ein Leserbrief, 1932 in der "Syker Zeitung" abgedruckt, macht dies deutlich. Zitat: "Daß die Kriegsjahre und
Nachkriegszeit für manchen Kommunalverwalter nicht dazu angetan waren, sich beliebt zu machen, wiß wohl jeder [...] Daß dem einen oder anderen manches Mal auch der Unwille oder sogar Ärger
aufstieg, war zu begreiflich...."
[...] An der sogenannten Heimatfront rächte sich schnell, dass Deutschland sich nicht auf eine längere Kriegsdauer eingestellt und stattdessen von Blitzsiegen geträumt hatte. Weihnachten, so
hatte man in allen europäischen Hauptstädten geglaubt, oder doch zumindest herumposaunt, würden die Soldaten wieder zu Hause sein. In puncto Lebensmittelversorgung wurden schwere Planungsfehler
begangen, unter anderem der "Schweinemord". Da Deutschland durch den Krieg gegen Russland von wichtigen Futtelmittelimporten abgeschnitten wurde, entschied sich die Regierung 1915, die
Schweinebestände durch Massenschlachtungen stark dezimieren zu lassen. Natürlich auch in Erichshof, dessen Einwohner von dem Schweinemastboom der Vorkriegsjahre, die den Kreis Syke durch die Nähe
zu Bremen ganz besonders erfasst hatte, profitieren. Die Einführung von Mahl- und Brotkarten hatte zur Folge, daß bald große Futtermittelknappheit eintrat, insbsondere, da hiesige große
Schweinemastanstalteen bisher fast ganz auf das Verfüttern fremder, ausländischer Gerste angewiesen waren. Die Folge war, daß die meisten Mastschweine schnell zum Markt gebracht werden mußten,
die Preise fielen, die Ställe wurden mit großen Verlusten geräumt.... Nun zeigte sich bald Mangel an Schweineschmalz, Speck und Schweinefleisch", berichtet der Leiter der Volksschule Barrien.
Ein anderes Beispeil: Die Landwirte waren nach der Kartoffelernst des Jahres 1916 zur Ablieferung großer Kartoffelmengen verpflichtet worden, doch die Sammelstellen waren auf die Lagerung nicht
vorbereitet, so daß ein großer Teil durch Frosteinwirkung verdarb. Eine enorme Kartoffelknappheit trat ein. Die Folge war der berüchtigte Steckrübenwinter, der nicht nur den Städten die Lust auf
die orangefarbene Feldfrucht austrieb.
Das Zwangskorsett der Kriegswirtschaft, in der die Landwirte steckten, wurde enger und enger geschnürt. Zwangsablieferungen von Feldfrüchten, Eiern, Milch, Vieh, Heu und Stroh, ständige
Kontrollen, immer neue Viehzählungen machten den Erichshofern das Leben schwer. Seit 1917 mußte die Milch nahezu vollständig an Molkereien abgegeben werden, nur ein Viertel Liter pro Kopf und Tag
durften die Produzenten zurückbehalten. Selbstbuttern war untersagt, Zentrifugen wurden verplombt, die Molkereien durften 1918 pro Person und Woche nur noch 100 g Butter
zurückliefern.Schwarzbuttern, Schwarzschlachten und das Zurückhalten von Agrarprodukten für die Eigenversorgung waren die Gegenreaktion der Betroffenen.
[...] Neben der Zwangswirtschaft plagten ständige Altmaterial-, Spenden- und Goldsammlungen die Bevölkerung. Sie sollten Deutschland dem Sieg näherbringen. Ebenso die säter wertlosen
Kriegsanleihen. Acht waren es insgesamt. Mit ihrer Hilfe wurden nicht selten die letzten Geldreserven aus der Bevölkerung herausgepresst. Allein durch die vierte und fünfte Kriegsanleihe kamen im
Altkreis Syke insgesamt 14,6 Millionen Goldmark zusammen. Die Propagandatrommler machten selbst vor den Schulklassen nicht halt, Beträge zwischen 5 und 200 Mark pro Anleihe wurden von den
Erichshofer Schulkindern gezeichnet - Geld, das der unsäglichen Verlängerung des Krieges diente. Der versprochene und erhoffte Sieg blieb dennoch aus. Was heute kaum mehr bekannt ist: Trotz aller
Versuche, die Lebensmittelversorgung Deutschlands in gelenkten Bahnen zu halten, gelang es der Reichsregierung nicht, den Tod von mindestens 700.000 Frauen, Kinder und Männern zu verhindern, die
ihre Leben während des ersten Weltkrieges infolge von Hunger und mangelhafter Ernährung verloren.
Nach der Novemberrevolution von 1918 wurde das Mehrklassenwahlrecht abgeschafft und das allgemeine aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen (ab 21 J.) eingeführt, das sich auf alle
politischen Wahlen erstreckte. In Erichshof nahm im Verlauf des Jahres 1919 ein gewählter Gemeindeausschuss seine Arbeit auf. Diesem gehörten außer dem Gemeindevorsteher und einem Beigeordneten
fünf Mitglieder an, unter ihnen Karl Dunkhase, dessen Wahl zum Gemeindevorsteher 1913 nicht bestätigt worden war.
[...] Karl Blocks Dienstzeit endete nicht, wie zu Beginn seiner Amtsperiode vorgesehen am 1. Juli 1920, sonder bereits im Spätherbst 1919. Über die Gründe geben die Akten der Gemeindeverwaltung
Erichshof keine Auskunft. Karl Block zog sich offenbar aus dem politischen Leben zurück. [...] Er starb am 13. Februar 1919 im Alter von knapp 61 Jahren nach einem Schlaganfall.
Friedrich Gottlieb Tile in Erichshof, Medicus oder Charlatan
Bremer
Das Vorwerk wird an einen verdienten Beamten verpachtet und zwar an Philip Sigismund Bremer, noch 1 Jahr nach Kriegsende wird er noch als "Curator" geführt. Und als Pächter ist er jetzt auch der
Nutznießer der bäuerlichen Wochendienste auf dem Erichshof und der berechtigte Einnehmer der zu entrichtenden Dienstgelder. Dieses wird durch das nachstehende Gesuch von 9.7. 1640 bestätigt:
A.B.und H.R. "zu Brinkum eingesessene arme undt verbrannte Meyers" bitten den Pachtinhaber des Erichshof die angebotenen 8 Rthlr. Dienstgeld anzunehmen, da ihr Haus und Hof "in diesen
hochverderblichen Kriegswesen in die Asche ist gelegt undt noch bis dato nicht wieder aufgebauwet worden, beyde zum öfteren des Unsrigen beraubt worden, als nunmehro alte betagte Leute kaum das
liebe tägliche brott mit den Unsrigen haben können ..."
Sitten und Gebräuche
Geburt
Konfirmation
Verlobung
Hochzeit
Beerdigung
Nachbarschaftshilfe
Gerade auf dem Lande sind die Menschen von Beginn an aufeinander angewiesen. Um 1790 als rund 40 Siedler in Erichshof ihre Häuser bauen, gibt es noch keine Maschinen, die ihnen den Hausbau
erleichtern. Ohne nachbarliche Hilfe ist ein solches Vorhaben nicht umzusetzen. Die damit verbundene gegenseitige, unentgeltliche Unterstützung ist deswegen selbstverständlich und erstreckt sich
auf fast alle Lebensbereiche. Dabei kommt den zwei Nachbarn zur Rechten und zur Linken eine besondere Wertschätzung zu. Solch ein Nachbarschaftsverhältnis wird treu gehalten, in Not und Tod, in
Freud und Leid. Es hat oft über Generationen hinweg Bestand. Das Du ist die normale Ansprache, das Sie ist verpönt.
Im Sterbefall wird der Nachbar sofort - auch in der Nacht - informiert. Den unmittelbaren Nachbarn kommt die Aufgabe zu, die Leiche zu waschen, Nägel zu beschneiden und beim Mann auch zu
rasieren. Dem Leichnam wird ein neues Hemd angezogen und sauber auf ein reines Lager gelegt. Der Sarg wird bestellt und der Pastor und das Standesamt werden informiert. Mit der Familie besprechen
die Nachbarn, wer zum Folgen bestellt werden soll. Alle Bestellungen besorgen die Nachbarn. Die Leiche wird im Haus aufgebahrt. Am offenen Sarg nehmen die Menschen Abschied von dem Toten.
Anschließend wird der Leichnam zum Friedhof gefahren. Nach der Trauerfeier erfolgt noch eine kleine Trauerfeier mit Kaffee und Butterkuchen. Hier und da suchen die Männer nicht selten eine
Gaststätte auf, um dort "das Fell zu versaufen".
Neujahrsschießen
Ostern
Maibaum pflanzen
Nikolaus laufen
Laterne laufen
Erntefest
Kohl und Pinkel
Schützenfest
Vatertag
Wie die von den Siedlern errichteten Gebäude ausgesehen haben, ist nicht überliefert. Es ist davon auszugehen, dass es sich um Zweiständerhäuser oder Kleinbauernhäuser gehandelt hat. Hans Peters
hat die unterschiedliche Bauweise in seinem Buch "Altes Handwerk - Bäuerliches Brauchtum" eindrucksvoll illustriert.
Das Kleinbauernhaus bietet sich dann an, wenn keine fremden Arbeitskräfte beschäftigt werden und der Hof allein von den Familienangehörigen bewirtschaftet wird. Das Haus bietet Platz für zwei bis
vier Kühe und etwas Kleinvieh, selten ein Pferd. In der Regel ist das Kleinbauernhaus in der Grundfläche 15-18 m lang und 10-11 m breit. Äußerlich weicht es vom Großbauernhaus insofern ab, als
die halbhohen Giebel über der Balkendecke fehlen und die Walme des Strohdaches bei beiden Giebeln bis auf die Giebelbalken heruntergezogen sind, bei dem vorderen Giebel bis auf die Neddendör.
Diele und Flett, am Anfang auch Donzen und Kammern sind mit gestampften Lehmboden ausgestattet. Das Fachwerk ist ebenfalls aus Eiche, wenn auch weniger aufwändig. In die Fächer ist Flechtwerk
eingearbeitet und beiderseits mit Lehm verputzt. Der Bodenraum über den Wohnungen, der sogenannte "Böhn", wird zur Lagerung von Heu und Stroh genutzt. Für den Fall, dass der Bodenraum betreten
werden muss, muss eine Leiter angesetzt werden, eine Bodentreppe fehlt. Wegen des zu hohen Grundwasserspiegels gibt es auch keine Keller. Das Dach ist mit Stroh eingedeckt, Reet wäre viel zu
teuer. Da aber die Haltbarkeit von Stroh begrenzt ist, ist regelmäßig eine Dacherneuerung erforderlich.
Bei dem Zweiständerhaus ruht die Balkenlage und der ganze Dachverband auf den in zwei Reihen aufgestellten Deelständern. Die Seitenwände sind nur 2,00 m bis 2,20 m hoch, so dass das Dach an den
Längsseiten des Hauses herunter gezogen wird. In den meisten Fällen , wenn es die Größe des Bauplatzes zulässt, ist die vordere Giebelwand, in der sich die große Einfahrtstür (Neddendör)
befindet, der Straße zugewandt. Normalerweise begrenzen die Scheunen und Nebengebäude in paralleler Anordnung den Hofraum. Wegen der Grundstücksgrößen in Erichshof ist davon nicht auszugehen.
Wer durch die Neddendör das Haus betritt, der sieht links und rechts die Deelständer mit den dahinter . Der Fußboden der Diele Viehställen und gegenüber die sogenannte "Füerwand". Der
Fußboden der Diele bbis zum Flett besteht auch hier aus gestampftem Lehm, der wegwn der besseren Haltbarkeit am Anfang mit Ochsenblut, später mit Teer jährlich einmal getränkt wird. Der Stallraum
liegt im Regelfall 30-40 cm niedrer als die Diele, um möglichst viel Einstreu wie Stroh, Heide, Heidplacken, Moos und Laub aufzunehmen. Da die Tiere wenig Platz haben, kann die Einstreu gut
verknetet und zu Dung verarbeitet werden. Es gibt jeden Tag eine frische Einstreu, ausgemistet wird wesentlich seltener. Hat die Dungschicht die Dielenhöhe erreicht - in der Regel alle drei
Wochen - wird über die Diele ausgemistet, Türen an den Längsseiten des Hauses hinter den Ställen gibt es nicht. Nur die Giebelwand hat links und rechts in den Bikippings je eine Stalltür.
Wenn im Herbst damit begonnen wird, das Getreide auszudreschen, wird das Getreide mit den Ähren in der Mitte übereinander gelegt auf der Diele bis zum Flett ausgebreitet. Die Drescher, 4, 6 oder
8 Mann, stehen sich gegenüber und dreschen in einem abgestimmten Rhythmus das Getreide ab.
Die große Einfahrtstür, die Neddendör, wird nur bei bestimmten Anlässen ganz geöffnet: Wenn die junge Bäuerin ihren Einzug hält, wenn die "Holtentügwagen" mit der Aussteuer kommen oder wenn ein
Toter das Haus verlässt. Ansonsten soll die Stallwärme nicht aus dem Haus weichen und das Vieh auch nicht durch Fremde beunruhigt werden. Somit benutzen Besucher grundsätzlich die beiden
Gegentüren zum Flett. Die Neddendör ist zweiflügelig, ein Flügel ist ungeteilt, der andere ist zwei- oder dreiteilig. Zur Entlüftung dient nur der obere Teil, der untere bleibt geschlossen. Damit
wird verhindert, dass Kleinvieh nicht herein- und Kinder nicht heraus laufen können,
Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.
Hollandgänger
Jedes Jahr im Frühjahr machen sich die sogenannten Holland in kleinen oder auch größeren Gruppen zu Fuß auf den Weg nach Holland, um dort durch Gras mähe, Gräben ziehen oder Torfstechen Geld im
Akkord zu verdienen. Hier vor Ort in Erichshof sind die Rahmenbedingungen einfach viel zu schlecht. Diejenigen, die schon erfahren sind, suchen immer ihren Hof auf. Der liegt entweder in Holland,
andere bleiben auch schon in Ostfriesland hängen. Man verdient dabei relativ viel Geld, auf jeden Fall mehr, als er auf der elterliche Scholle erwirtschaften würde. Und nicht selten wird im
Herbst, wenn der Hollandgänger abgearbeitet zurückkehrt, von seinem Bauern sehnsüchtig erwartet wird, um ihn aus einer Geldverlegenheit zu helfen. Noch 1850 überschreiten jedes Jahr 25.000 Mann
die Emsbrücke zwischen Lingen und Schepsdorf. Als 1855 die hannoversche Westbahn gebaut wird, nimmt die Zahl ab. Nach 1870/71 geben die Hollandgänger auf, in Deutschland gibt es wieder mehr
Verdienstmöglichkeiten.
Kiepenkerl
Kiepenkerle sind Kleinhändler mit einer großen Kiepe auf dem Rücken. Sie bringen landwirtschaftliche Erzeugnisse zum Teil aus dem eigenen Betrieb, vor allem Eier, Butter, Käse, Wurst und Geflügel
nach Bremen und nehmen dort auf eigene Rechnung wieder Waren mit zurück. Sie tragen blaue Kittel und geben damit jedermann Kenntnis von ihrer beruflichen Tätigkeit. Die Kiepen sind relativ hoch
und etagenförmig durch einen oder mehrere Böden unterteilt. Für den Fall, dass in der Kiepe nicht alles untergebracht werden kann, kann noch ein Deckelkorb zusätzlich über dem Arm getragen
werden. Auf jeden Fall ein anstrengendes Gewerbe mit einem bescheidenen Verdienst.
Fuhrleute
Vorspanndienst
Bedingt durch Bremen als Hafenstadt belebt sich der innerdeutsche Handel enorm. Weil aber der Ausbau der Chauseen noch in den Kinderschuhen steckt, benutzen die Bremer Fuhrleute zunächst
zweirädrige Karren, weil sie damit in unwegsamem Gelände besser zurecht kommen. Um den Frachtverkehr ein wenig zu erleichtern, ist eine Teilstrecke zwischen Brinkum und Kattenturm als Steinweg
ausgebaut worden. Hierfür wird bereits ein besonderes Wegegeld beschlossen. Zu dieser Zeit sind Steinwege in Deuschland noch die absolute Ausnahme. Auch der Steinweg in der Brinkumer Marsch hat
nicht viel geholfen, die Beschwerden der Fuhrleute über den Zustand dieses Weges hören nicht. Immer wieder wird der Weg überflutet und die Pflastersteine unterspült. Und weiter nach Süden im
Bereich von Erichshof feiner Sand, Treibsand. Die mit Waren schwer beladenen Karren bleiben stecken. Bald haben einige der Erichshofer Siedler eine Geschättsmöglichkeit entdeckt: Sie bieten einen
sogenannten Vorspanndienst an, indem sie mit eigenen Pferden die Weiterfahrt gegen ein Entgelt sicher stellen.