1939
Am 1. September beginnt der 2. Weltkieg, die deutsche Wehrmacht überfällt Polen, die Bevölkerung lernt schnell kennen, was das in der hiesigen Region bedeutet: Es darf nachts kein Lichtschein mehr nach draußen dringen, die Fenster werden mit lichtundurchlässigen Verblendungen versehen, anders als im 1, Weltkrieg ist damut zu rechnen, dass sehr viel mehr Angriffe aus der Luft erfolgen werden. Überall werden Luftschutzbunker gebaut, wo die Bevölkerung nach einem Fliegeralarm sich Schutz suchen kann. Gerade wegen der Nähe der Großstadt Bremen und wegen des Flughafens auf dem Neuenlander Feld erleben die Menschen im Umland von Bremen unzählige Luftangriffe, die zum Teil Stunden dauern. Zum Schein hat man in Brinkum Nord einen Scheinflughafen angelegt und an mehreren Stellen Flak-Geschütze positioniert, Den ersten Fliegeralarm gibt es bereits am 4. September 1939. Bis zum Kriegsende wird der mehrmalige Heulton 1233 mal .zu hören sein.
1941
Im Winter 40/41 fallen die ersten Bomben, , allein bis zum 9. November hat es in der Region bereits 84 Luftangriffe gegeben.
1942
25./26. Juni
Starker Fliegerangriff mit Brandbomben
Folgende Personen haben Fliegerschäden angemeldet:
Schäden am 26. Juni
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Nr |
Schadensart |
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26. Juni |
Kastens, Georg |
88 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Garlich, Hermann |
43 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Brümmer, Dietrich |
12 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Warneke, Wwe |
13 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Ölkers, Johann |
3 |
Glas- |
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26. Juni |
Dreier, Meta |
54 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Böttcher, Wwe |
74 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Meyer, Karl |
88 |
Glas |
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26. Juni |
Kloke, Käte |
11 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Böttcher, Arthur |
11 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Stahmann, Heinrich |
55 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Schierenbeck, Heinrich |
73 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Kastens, Heinrich |
25 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Gutreise, Hugo |
76 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Finkenberg, Johann |
101 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Dunkhase, Gesine |
17 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Eylers, Emma |
118 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Troue, Wwe |
48 |
Glas |
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26. Juni |
Knief, Hans |
42 |
Glas |
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26. Juni |
Voß, Johann |
72 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Rehmstedt, Georg |
111 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Krützmann, Bernhard |
84 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Voßmeyer, Johann |
86 |
Gebäude- und Sach- |
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26. Juni |
Troue, Oskar |
52 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Nienstedt, Georg |
75 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Bischoff, Heinrich |
80 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Heithoff, Johann |
84 |
Gebäude – und Sach- |
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26. Juni |
Budelmann, Friedrich |
41 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Wöhlke, Heinrich |
4 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Meyer, Heinrich |
92 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Bischoff, Heinrich |
28 |
Gebäude - |
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26. Juni |
Heuer, Christian |
75 |
Gebäude - |
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28. Juni |
Wöhlke, Heinrich |
4 |
Flur- |
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30. Juni |
Voßmeyer, Heinrich |
14 |
Gebäude- |
HG
13./14. September
Auf Bremen wird erneut ein Großangriff geflogen: 201 Spreng- und 21.575 Brandbomben. Es gibt schwere Verwüstungen in der Innenstadt und den Vorstädten. Zwei Krankenhäuser, die Kreuzkirche, sechs Schulen, das Kolonialmuseum und die Staatsbibliothek werden zum Teil erheblich beschädigt. Zahlreiche alte Kaufmannshäuser in der Langenstraße werden zerstört. Das alte Rathaus wird von einigen Brandbomben getroffen, die aber sofort gelöscht werden. Zerstört werden auch das so genannte Smidt´sche Haus an der Contrescarpe, das Torgebäude am Buntentor an der Bastianstraße, Defaka (das Deutsche Familien Kaufhaus) am Brill und das Moderne Theater am Neustadtswall. Insgesamt gibt es in dieser Nacht 67 Tote, 34 Schwer- und 337 Leichtverletzte.
Eine Vickers Wellington IV Z 1385 der Royal Air Force startet am 14. September um 0:17 von RAF Breighton zum Angriff auf Bremen. Sieben Flugzeuge der Staffel werden mit der Bombardierung Bremens beauftragt. Die Bombanladung: 810 x Pfund (2 kg) Brandbomben. Ein Flugzeug, das von der Polish Sqadron, RAF Hemswell, ausgeliehen ist, wird in Erichshof von der deutschen Flak westlich der B6 abgeschossen, verliert eine Tragfläche und schlägt dann auf dem sogenannten Kleinen Feld ein (52°59´57N8°14´50O). Alle Besatzungsmitglieder finden dabei den Tod.
Vickers Wellington - schwere Bomber der Royal Air Force
Ironie des Schicksals: Alle Besatzungsmitglieder sind Australier, allesamt in Australien geboren und gestorben und bestattet auf der anderen Erdseite.
Pilot FSgt. Brasher, Edward Keith Forbes, Service No. 404949, Alter 25
Navigator FSgt. Crowther, Allister Dalton, Service No. 411007, Alter 33
Bombenschütze Sgt. Johnson, Douglas Westbury, Service No. 403139, Alter 25
Funker/Bordschütze Sgt. Monk, William John Carr, Service No. 403793, Alter 28
Bordschütze FSgt. Bennett, Keith Campbell, Service No. 407992, Alter 22
Lisa Osterloh erinnert sich:
1941 füll’n de ersten Bomb’n, twischen Kemnau un Buer un bi us. 1942 wer ok dat Johr wo se dat Fluchtüch abschot’n han. Dat geev en Knrall, dat kann man sik vondoog gor nich mehr vostell’n. Wi löp’n rut un konn sehn, dat dat Fluchtüch up’n littschen Fell achter Tietschen dolkom’n wer. De dor in wen wer, wern all doot. Dat seh fürchterlich ut. Von den Upprall wern se’n halben Meter in’n Bodden inschlog’n.
Hermann Tietjen erinnert sich:
„Wir hielten uns zu dieser Zeit im eigenen Keller auf – der Bunker war ja noch nicht gebaut – als wir das Flakfeuer hörten. Dann war plötzlich Ruhe und wir gingen nach draußen. Dann sahen wir ein Feuer auf dem kleinen Feld etwa hinter unserem Haus. Unser Nachbar Willi Borchers sagte noch: Go dor nich so wiet hen, als eine Explosion stattfand. Am anderen Tag konnten wir dann bei Tageslicht sehen, was passiert war. Ein englischer Bomber war abgeschossen worden und anschließend explodiert. Von der Besatzung hatte niemand überlebt. Zwei Soldaten hatten offensichtlich noch versucht, sich mit dem Fallschirm zu retten. Aber auch sie hatten es nicht mehr geschafft. Am darauf folgenden Tag wurden denn die Leichen mit einem Lastwagen geborgen. Als der Lkw von der Unfallstelle kommend auf den Weg Zum Teiche hinter unserem Haus einbiegen wollte, übersah er doch erheblichen Höhenunterschied des Weges zu unserem Grundstück,was zur Folge hatte, das der Lkw abrutschte und mit seiner Ladung umzukippen drohte. – Da in diesen Tagen alles genutzt wurde, was irgendwie brauchbar war, haben wir – nachdem wir tags drauf eine Tragfläche des abgeschossenen Flugzeugs bei Wöhlke im Straßengraben gefunden hatten – das Füllmaterial herausgenommen und daraus eine Polsterung für unser Pferdegeschirr gemacht.“
Viel ist nicht übriggeblieben.
Ein besonderer Dank gilt dem Cloppenburger Luftfahrthistoriker Volker Urbansky, der nach umfangreicher Recherchemit Bild- und Informationsmaterial aus seinem Archiv zur Aufklärung des Unglücks beigetragen hat.
In der Erichshofer Schule ist auch der Kindergarten der ."Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt". untergebracht. Er wird geleitet von Anna Wüsteny, "Tante Anna", wie sie liebevoll genannt wird, wird dabei unterstützt von Elsa Heins, Herta Ullrich, Agathe Friedhoff, Ursula Ückermann, Anita Schlacke, Gertrud Krell und Lisa Hollwedel. Die Gebühr für jedes Kind beträgt 10 Pfennig. Vormittags kommen die Kleinen (ab 2 jahre)n und nachmittags die älteren Kinder, die dort unter Aufsicht ihre Schulaufgaben erledigen können.
"Ringelreihen" mit Tante Anna. Im Hintergrund das Feuerwehrhaus von Erichshof
Foto: Wilfried Meyer
1943
7. April
Fliegerangriff gegen 13:00 Uhr. Folgende Häuser werden dabei total zerstört:
Nr. 11 – Artur Schröder
Nr. 13 – Heinrich Warneke
Nr. 39 – Georg Lübeck
Nr. 74 – Gesche Böttcher
Brief des Bgm von Leeste an den Landrat vom 18. April 1943
25. Juni
Bremen und Umgebung werden stark vernebelt (künstlicher Nebel-Schutz gegen Sicht)
1944
Bedingt durch die Zerstörung der Dreyer Brücke wird die Kleinbahnlinie Thedinghausen-Bremen für den Kohletransport genutzt. Lange Züge, häufig von zwei Loks gezogen. Die Züge sind in der Regel langsam unterwegs und bieten daher gute Gelegenheit zum Kohlenklau. Natürlich strafbar, aber die Polizei lässt sich in der Regel nicht blicken.
25. September
Alle Männer zwischen 16 und 60 jahren werden zur Verteidigung des Heimatlandes aufgerufen.
15. Oktober
1 Tiefflieger beschießt vormittags einen Personenzug, der bei der Kleinbahnüberführung der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn Schutz gesucht hat. Niemand wird dabei verletzt.
1945
Die Gewehre des Schützenvereins werden von Wilhelm Hohnhorst eingeölt und in einem Bombenloch in der Leester Marsch versteckt. Leider überstehen die Waffen die lange Lagerung im Wasser nicht
Anfang April bezieht ein SS-Ausbildungsbataillon aus Holland kommend unter einem Sturmbandführer eine Verteidigungsstellung in Brinkum. Sie wird verstärkt durch eine Marinetruppe, insgesamt rund 500 Soldaten. Der Volkssturm, bestehend aus 2 Wachen zu je 30 Mann, hat bereits Panzersperren an den Ortseingängen errichtet. Die Heeresleitung will mit allen Mitteln verhindern, dass die englischen Soldaten weiter auf Bremen vorgehen. Zu diesem Zweck wird außerdem die Brinkumer Marsch geflutet und die Bäume an den Ausfallstraßen nach Süden gefällt, um auf diese Weise ein ungehindertes Vorrücken der Engländer zu verhindern. Insgesamt stehen an der Frontlinie südlich Bremens 5.000 deutsche Soldaten 37.000 gut ausgerüsteten englischen gegenüber, die bei ihrem Vormarsch Sturmgeschütze, Panzer und vor allem Flammenwerfer einsetzen.
C.H.Hüchting: 900 Jahre Brinkum
1.April
Einheiten der 7. Britischen Panzerdivision erreichen die Ems. In diesen Tagen nach Ostern beginnt man damit, seine Habe in Sicherheit zu bringen. So werden Schmuckgegenstände, Kleidung aber auch Lebensmittel vergraben, damit sie bei zu erwartenden Plünderungen nicht in fremde Hände fallen. Außerdem müssen Symbole der Nazi-Herrschaft verschwinden: Hakenkreuzfahnen, Bilder der Parteigrößen, SS-Unifor´men, Parteiabzeichen usw. Analog gilt dies auch für belastenden Schriftverkehr und Waffen aller Art.
13. April
Aus dem englischen Kriegstagebuch geht hervor, dass an diesem Tag das 30. Korps der 3. britischen Division den Befehl gibt, Brinkum zu erobern als Vorbedingung für die Einnahme von Delmenhorst. Die 3. Division gibt den Auftrag Brinkum zu erobern an die 8. Infanterie-Brigade weiter. Zuerst ist der Widerstand gering, doch dann versteift er sich, so dass die 8. Brigade kurz vor Brinkum halt macht. Der Plan wird geändert.
14. April
Die 185.Infanterie-Brigade erhält um 12.14 Uhr den Befehl, zuerst Leeste und dann Brinkum einzunehmen. Die stellen aber fest, dass Brinkum von einem Waffen-SS-Bataillon gehalten wird und über leichte Geschütze und Tankabwehrgeschütze verfügt. Daher wird der Angriff um 24 Stunden verschoben.
In Rethem erzwingen sie den Übergang, ein Großteil der britischen Einheiten stoßen weiter in Richtung Lüneburger Heide und Hamburg vor, ein kleinerer Teil schwenkt nach Nordwesten in Richtung Verden. Die Briten haben zwei Divisionen, die 3. Infanteriedivision und die 51. (Highland) Division zusammengezogen und stehen mit ca. 37.000 Mann, über 100 Panzern, Hunderten von Geschützen, Granat- und Flammenwerfern für den Angriff auf Bremen bereit. Auf deutscher Seite stehen ihnen im Großraum Brinkum lediglich ca. 2.000 Mann gegenüber, Volkssturm, Hitlerjugend und Soldaten des 18. SS-Panzergrenadier-Ersatz- und Ausbildungs-batailons, die ebenfalls bereits Anfang Apri nach Brinkum verlegt worden sind, gegenüber. Der Angriff der Briten beginnt aus Barrien-Fahrenhorst entlang der Reichsstraße Bremen-Bassum, Panzersperren werden umgangen, starker Widerstand südlich der Kreuzung Leeste-Groß Mackenstedt, am Abend wird die Straße überwunden. Britische Bomber greifen Brinkumer Kirche an, weil die Deutschen dort einen Beobachtungsstand eingerichtet haben. Weil auch hier viel Munition gelagert ist, wird die Kirche beim Angriff zerstört.
15. April
Die 185. Brigade sichert die Angriffslinie mit dem 1. Bataillon des Norfolk-Infanterie-Regiments. Nach einem ersten Zusammenstoß mit der SS beginnt das 2. Bataillon Warwikshire.Infanterie.Regiment den Angriff. Um 14.30 Uhr ist der Auftrag erledigt, eine Kompanie sichert Erichshof. Dabei gibt es wieder heftigen Widerstand durch junge Soldaten des 18. SS-Ausbildungsbataillons und Marinesoldaten unter SS-Obersturmführer Johannes Hoblick, der in einem sinnlosen Kampf 53 seiner Soldaten, darunter 14-15 jährige Hitlerjungen, opfert und für den Einsatz auch noch mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wird.Jedes Haus muss geklärt werden. Gegen 17.00 Uhr können die Briten vorstoßen, um Brinkum einzunehmen. Wieder trifft man auf ein starkes Widerstandsnest. Am Ende des Tages haben die Briten 260 Gefangene gemacht und Brinkum geklärt.
Aus dem Raum Barrien und Kirchweyhe gehen die Briten am Morgen nun gegen Leeste-Erichshof vor. Gleichzeitig beginnt man mit einem ca. 10 Stunden andauernden Beschuss Brinkums vor allem mit Brandgrananten, Hauptziel ist dabei der Ortskern mit der Kirche. Wegen der starken Artillerieunterstützung ist diese Aufgabe gegen 16.00 Uhr erledigt. Am Abend erreicht man sogar die Reichsstraße Brinkum-Syke. Aus Bremen lassen sich in der Nacht noch die Brände im Ortskern Brinkums ausmachen. Man will den Eindruck in Bremen erwecken, dass Brinkum total zerstört worden ist. Weil die Härte der SS den Engländern bekannt ist, gehen sie im Marsch auf Bremen nur sehr langsam voran.
Hermann Tietjen erinnert sich:
„An das Kriegsende kann ich mich noch genau erinnern. Schon seit Tagen hören wir den Geschützdonner. Die Front kommt näher. In Erichshof hat sich eine SS-Kompanie zum Kampf gestellt. Die erste Granate schlägt hinter unserem Haus auf dem Feld ein. Das Vieh wird noch versorgt und da mein Vater krank ist, wird er von unserem Franzosen Jean Lavet dabei unterstützt. Danach geht es in den Bunker bei Kloken-Hollwedel. Es es ungefähr 8 Uhr. Der Beschuss nimmt zu. Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen: etwa 35 Menschen auf engstem Raum – ohne Toilette und Waschgelegenheit. Im Vorraum des Bunkers: Jean Lavet und der Pole Franz. Außerdem suchen auch noch 4 junge SS-Soldaten – 17-18 Jahre alt – im Vorraum und auf der Treppe Schutz, weitere 2 SS-Soldaten beim Notausstieg an der Nordseite. Gegen 17 Uhr betritt der erste englische Soldat mit vorgehaltenem Gewehr den Bunker. Jean Lavet geht auf den Soldaten zu, um ihn als Befreier zu begrüßen, wird aber von diesem zurückgestoßen. Die Männer werden aufgefordert herauszukommen und werden in den Keller bei Heitmann-Coors verfrachtet, nur Heini Eickhorst kann wegen seiner Beinverletzung bleiben. Gegen 18 Uhr ist es relativ still – es fallen nur noch einzelne Gewehrschüsse.
Von meinem Elternhaus können wir hören, wie das Vieh brüllt. Als wir den Bunker verlassen, sehen wir das ganze Ausmaß - mehrere Häuser stehen in Flammen:
Haus und Stall von meinem Elternhaus, Kalberkamp 64,
Haus und Stall von Heusmann, Kalberkamp 65,
Haus von Heithoff, Kalberkamp 66 und
Stall von Anna Block, Kalberkamp 67.
Da wir keine Grananteneinschläge gehört haben, gehen wir davon aus, dass die Engländer mit Flammenwerfern vorgegangen sind, weil sich dort deutsche Soldaten bei ihrem Rückzug versteckt haben. Bei mir zuhause sind dabei 3 Kühe, 1 Schaf und 1 Pferd verbrannt. Nur das Schwein hat sich retten können und wird bei Hilgenstühler in einer Kuhle gefunden.
In der Scheune von Lübeck ist ein Munitionswagen untergestellt worden, der von einer Granate getroffen wird und explodiert. Dabei fliegen die Balken so weit, dass sie sogar auf Borchers Dach landen. Der Kompanieführer der SS-Einheit liegt zu diesem Zeitpunkt bereits erschossen bei Hohnhorst im Garten. Kopfschuss – Ursache unbekannt. Selbstmord? Englische Soldaten? Eigene Kameraden? Keiner weiß es. Die anderen Gefallenen – sowohl Engländer als auch Deutsche – werden später zusammengetragen und in der Erichstraße in Brinkum hinter Rendigs beerdigt, drei Monate später wieder ausgegraben und zu anderen Friedhöfen überführt. Wir sind danach bei Nachbarn – bei Borchers – untergekommen. Ich begleite Jean Lavet nach Haus, er will schon seinen Koffer holen.
Wir sind froh, dass alles vorbei ist und wir den Bunker verlassen können. Wir haben dort drei Tage zugebracht ohne Toilette und ohne Waschgelegenheit, der Gestank war unerträglich. Jetzt wo der Krieg vorbei ist, geht er weiter. Manche sind ausgebrannt, haben alles verloren. Jetzt geht es um Lebensmittel, man plündert, wo man Gelegenheit dazu bekommt.
16. April
Um 16.00 Uhr ist der Auftrag erledigt. Brinkum ist von den Briten eingenommen. Über 60 deutsche Soldaten und 12 Zivilisten haben abei ihr Leben verloren. Auch die Briten beklagen 20 Tote und 30 Verwundete.
17. April
Der englische Befehlshaber erlässt folgende Anordnung:
"Warnung! Vorläufig ist es allen Männern dieses Ortes verboten, sich draußen aufzuhalten. Nur Personen weiblichen Geschlechts ist es erlaubt, morgens von 11.00 -12.00 Uhr und nachmittags von 17.00-18.00 Uhr auszugehen, um für ihren Haushalt das Nötige zu tun. Jedermann, der diesen Befehl nicht beachtet, setzt sich der Gefahr aus, erschossen zu werden,"
Männer dürfen überhaupt nicht auf die Straße gehen, frische Luft können sie in eigenen Garten bekommen. Alle Waffen und Munition sind sofort abzuliefern. Wer sich nicht daran hält, dem droht ein Verfahren vor dem Kriegsgericht. in der Regel wird zum Tode verurteilt. Rundfunkgeräte, Fernsprecher und Kameras dürfen nicht mehr benutzt werden und müssen zur Inspektion den Briten vorgelegt werden. Alle Wehrmachtsangehörigen in Uniform oder Zivil müssen sich bei nächsten britischen Soldaten als Kriegsgefangener melden. Ein deutscher Soldat, der sich dennoch einer Verhaftung entzieht, kommt vor ein Kriegsgericht.
Als Revanche für den heftigen Widerstand verlangen die Briten, dass alle Einwohner den Ort verlassen und geben Brinkum den ehemaligen Zwangsarbeitern zur Plünderung frei. Erst nach 10 Tagen können die Bewohner erst wieder zurückkehren. Gleichzeitig bereiten die Briten, und zwar die 52.(Lowland) Division, die inzwischen Verden eingenommen haben, den Angriff auf Bremen vor.
Hermann Tietjen erinnert sich:
„An den 17. April 1945 kann ich mich noch genau erinnern: Schon seit zwei Tagen hörten wir den Geschützdonner – die Front kam näher. In Erichshof hatte sich eine SS-Kompanie zum Kampf gestellt. Eine Granate schlägt hinter unserem Haus auf dem Feld ein. Das Vieh wird versorgt, Abmarsch zum Bunker. Weil mein Vater erkrankt ist, wird er von unserem Franzosen Jean Lavet unterstützt. Gegen 8 Uhr suchen alle Bewohner den Bunker auf – wir bei Kloken-Hollwedel, Dorfstraße 35. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen: etwa 35 Menschen auf engstem Raum – ohne Toilette und Waschgelegenheit.
Unter den Bunkerinsassen sind auch Jean Lavet und der Pole, der bei Heitmanns Dienst tut. Im Vorraum des Bunkers befinden sich zu diesem Zeitpunkt 4 SS-Jungs im Alter von 17-18 Jahren, am Notausstieg haben 2 weitere Soldaten Schutz gesucht. Von 10 bis 16 Uhr starkes Granatfeuer durch die Engländer. Auch der Bunker wird getroffen. Gegen 17 Uhr betritt der erste englische Soldat mit vorgehaltenem Gewehr den Bunker. Jean Lavet will die Befreier begrüßen, wird aber zurück gestoßen. Alle Männer müssen raustreten und werden bei Coors (Heitmann) im Keller einquartiert, weil überfüllt, kann Heinrich Eickhorst mit seinem einem Bein bleiben – Stille – nur noch einzelne Gewehrschüsse. Gegen 18 Uhr hören wir das Vieh von meinem Elternhaus brüllen. Unser Vieh ist angekettet und wir können nicht helfen. –
Nachdem sich die Lage etwas beruhigt hatte, sahen wir das ganze Ausmaß. Die Häuser sind mit Flammenwerfern in Brand gesteckt worden – von den Engländern – um die deutschen Soldaten rauszutreiben. Mehrere Häuser stehen in Flammen: Haus und Stall von Tietjen (Kalberkamp 64), Haus und Stall von Heusmann (Kalberkamp 65), Haus von Heithoff (Kalberkamp 66) und Stall von Anna Block (Kalberkamp 67). In der Scheune von Lübeck war ein Munitionswagen untergestellt und explodiert. Dabei sind die Balken so weit geflogen, dass sie sogar auf Borchers Dach gelandet sind. Drei Kühe, ein Pferd und ein Schaf (bei Tegelers Runkelkuhle) sind durch Granaten getötet worden. Der Kompanieführer der Einheit, ein junger Leutnant, der sich nicht hat ergeben wollen, liegt erschossen bei Hohnhorst im Garten, Kopfschuss, die Stiefel sind ihm ausgezogen worden. Die Ausgebrannten finden bei Nachbarn Unterschlupf. Die Gefallenen werden zusammengetragen und in der Erichsstraße linke Seite vorerst beerdigt. 3 Monate später sind sie wieder ausgegraben und umgebettet worden.“
18. April
Ein Lautsprecherwagen verkündet:
"Die Einwohnerschaft hat den Ort binnen 2 Stunden zu verlassen."
Brinkum soll den Ausländern (Polen) zur Plünderung freigegeben werden. Es beginnt eine große Auswanderung zu Fuß, mit Pferdewagen, mit Fahrrädern und mit Handwagen in die umliegenden Dörfer um dort aufgenommen zu werden. Das englische Militär hat so aus Verärgerung über den hartnäckigen Widerstand in Brinkum durch die SS, die Bürger aufgefordert, Brinkum zu verlassen und zur Plünderung durch die Ausländer (Polen) freizugeben.
Entlang der Obernheider Straße stoßen Einheiten des Lincolnshire Regiments mit Unterstützung von Panzern und Flammenwerfern gegen Stuhr vor, das bereits geräumte Konzentrationlager wird in Brand geschossen, Starker Widerstand vormittags durch Reste des 18. SS-Panzergrenadier-Ersatz- und Ausbildungsbatailon unter SS-Obersturmführer Johannes Hoblick, der in einem sinnlosen Kampf 53 seiner Soldaten, darunter 14-15 jährige Hitlerjungen, opfert und für den Einsatz auch noch mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wird.
Es beginnt eine große Auswanderung der Brinkumer Bevölkerung mit Handwagen, mit Pferden, mit Fahrrädern oder zu Fuß in die Nachbargemeinden, so auch nach Erichshof. Das englische Militär hat aus Verärgerung über den hartnäckigen Widerstand in Brinkum durch eine SS-Einheit, die Bürger aufgefordert, den Ort binnen zwei Stunden zu verlassen, um ihn dann den Ausländern (Polen) zur Plünderung freizugeben.
C.H.Hüchting: 900 Jahre Brinkum
19. April
Eine der ersten Maßnahmen der britischen Besatzung: Die Einwohner erhalten ein Ausgehverbot, nur zu bestimmten Tageszeiten darf man sein Haus verlassen. Außerdem werden für die britischen Soldaten Häuser requiriert.
Kurz bevor die Engländer einrücken, wird das Spritzenfahrzeug bei Heinrich Schweers versteckt. (So ist verhindert worden, dass das Fahrzeug nicht beschlagnahmt werden konnte und außerdem war es sicher untergebracht, weil der selbsternannte Bürgermeister die Dachpfannen des Spritzenhauses für sein eigenes Haus requiriert hatte.)
Stuhr ist jetzt von den Briten besetzt. Auf der östlichen Seite ist auch Langwedel in britischer Hand. Feldmarschall Montgomery ist in Leeste.
20. April
Die Briten setzen den Angriff auch Huchting fort: 30 Tote auf deutscher Seite, 250 gehen in Gefangenschaft. Am Abend ist auf breiter Front die Überschwemmungszone der Ochtum erreicht, die Briten bereiten sich auf den Schlussangriff vor, indem sie die organisatorischen und technischen Voraussetzungen schaffen, die überflutete Ochtum zu überwinden. Auf östlicher Seite ist Etelsen eingenommen
22. April
“We came under command of 3 British Infantry Div and had the pleasure of working under our former Colonel, now Brigadier Fanshawe, as C.R.A fort he first time. We moved through Delmenhorst and Mackenstedt and occupied a position at Erichshof a mile south of Brinkum and 5 or 6 miles from Bremen! A Troop’s guns were in the back gardens of suburban villas, B Troop’s were some 400 yards behind on the front edge of a small wood. We were just out of sight of the tall buildings and chimneys of Bremen. We began immediately on preparations for the fire plan for the attack. Four Divisions were operating, 43 Div and 52 Div were advancing up the east bank of the R. Weser (having forced a crossing above Verden) 51 H.D. and 3 Div were to attack Bremen from the west and south respectively. The area between 3 Div’s front and Bremen had been flooded by the enemy. It was planned to make a feint attack with 51 Div from the west and then send in 3 Div for the main attack. The infantry were to be carried in Buffaloes and other amphibious vehicles across the flooded area and take the enemy by surprise from the rear. Capt. Potter was attached tob e Battery today.“
(http://www.benbeck.co.uk/fh/transcripts/sjb_war_diaries/batterydiary.htm)
12. Juni
Tagesbefehl Montgomerys:
Soldaten der britischen Besatzungsarmee dürfen mit sofortiger Wirkung mit kleinen Kindern sprechen und mit ihnen spielen.
14. Juli
Das Fraternisierungsverbot wird weiter gelockert: Von nun an waren auch Unterhaltungen mit erwachsenen Deutschen erlaubt.
25. September
Sämtliche Befehle zum Umgangsverbot mit Deutschen wird aufgehoben. Der Kontakt der britischen Soldaten zu den Einwohnern verbessert sich von Tag zu Tag, insbesondere der Kontakt zu Kindern.