II. Weltkrieg

1939

Mit dem Einfall in Polen beginnt am 1. September der 2. Weltkrieg.


1940

In der Nacht vom 19. zum 20. Juli 1940 werden in der Nähe von Kirchweyhe in der großen Kuhweide und auf "Daneken Kamp" von englischen Fliegern 10 Bomben abgeworfen, sieben explodieren sofort, eine 12 Stunden später (Zeitzünder), zwei sind Blindgänger.

 

In der Nacht vom12. zum 13. August wird zwischen Dreye und Ahausen ein englischer Bomber von einer deutschen Flak-Batterie abgeschossen, die Besatzung kommt ums Leben. Die Soldaten werden am 17. August auf dem Friedhof in Kirchweyhe mit militärischen Ehren beigesetzt.

 

Die etwa 17.000 Jahre alten Malereien  in der Höhle von Lascaux werden zufällig entdeckt. Die erste Farbsehsendung wird ausgestrahlt. Errichtung des Konzentrationslagers Auschwitz. Italien tritt an der Seite Deutschlands in den Krieg ein.


1941


1942


1943


1944


1945

Die Niederlage ist unabwendbar. Überall rücken die Alliierten vor. Auch unsere Region wird Kriegsgebiet. Die deutschen Verbände befinden sich in Auflösung. Über Radio wird verbreitet: "Bremen nimmt den Verteidigungskampf auf".  Eine SS-Kompanie wird hierher verlegt und leistet erbitterten Widerstand. Die Zahl der Luftangriffe nimmt zu. Ein Fliegeralarm jagt den anderen. In der Nacht vom 6. zum 7. April wird ein Teil des hiesigen "Volkssturms" alarmiert. Mangelhaft ausgerüstet und mit stundenlanger Verspätung setzt er sich per Auto in Richtung Bassum in Marsch. Angeblich befehlsgemäß - wahrscheinlich aber aus gutem Grund - bleiben die meisten Führer zurück. Man kommt bis Nordwohlde und löst sich dann auf, weil eine Führung fehlt. Abends sind alle wieder bei ihren Familien, die Waffenabgabe erfolgt am nächsten Tag.

 

7. 4. Grubenholz aus den liegengebliebenen Transportzügen  wird in großen Mengen an die Bevölkerung verteilt und verkauft. Die Bahn leitet mit einem Sonderzug Richtung Bremen die allgemeine Absetzbewegung von der Kampffront ein.

Inzwischen ist Kirchweyhe und auch andere Ortsteile von Teilen der Waffen-SS besetzt. Panzersperren werden errichtet, obwohl die feindlichen Panzer bereits in der Sudweyher Heide, Jeebel und Lahausen stehen. Es gibt erste Zusammenstöße. In Lahausen gehen die Gehöfte von H. Niemeyer und H. Brüning in Flammen auf. Bei schärfster Strafandrohung ist es den Bürgern verboten, die weiße Flagge zu zeigen. Und das alles unter dem "Schutz" zum Teil minderjähriger deutscher Soldaten mit dürftiger Ausrüstung und fehlender Unterstützung durch schwere Waffen. Die Bevölkerung beginnt damit, ihre Hab und Gut zu sichern, zu verstecken und zu vergraben.

 

9. 4. In den Vormittagsstunden entbrennt der Kampf. Von allen Seiten gehen die englischen Soldaten vor. Maschinengewehre, Brandgranaten sorgen für ein Inferno. Nach kurzer Zeit brennen verschiedene Häuser. Sogar die Kirche und der Turm werden mehrfach getroffen. Ein Ausbreiten des Feuers kann verhindert werden. Überall in den Häusern werden weiße Fahnen sichtbar. Englische Soldaten besetzen den Bahnhof, deutsche ergeben sich und marschieren einzeln oder in Gruppen in Gefangenschaft. Vor und auf dem Friedhof tobt der Kampf weiter besonders heftig. Die Kapelle und viele Grabdenkmäler werden getroffen. Ein englischer  Panzer stößt von der Wassermühle her kommend, durch den Ellernbruch zum Friedhof vor. Englische Flugzeuge werfen in großen Mengen Flugblätter ab.

 Am Nachmittag gehen die Kampfhandlungen zurück. Der Widerstand der Waffen-SS ist gebrochen. Kirchweyhe wird dem englischen Kommando übergeben. Panzer durchfahren die Hauptstraßen, Infanteriesoldaten folgen. Zahlreiche Wohnhäuser werden für die Engländer geräumt. Die Einwohner werden vorübergehend im Kellergeschoss der Schule untergebracht. Lebensmittel bringen die Evakuierten mit, Kochgelegenheit und Verbandsraum sind vorhanden. Häuser werden nach versteckten Soldaten und Waffen durchsucht. 

10. 4. Befehl der Britischen Ortskommandantur (Military Gouvernment):

 

An alle Einwohner!

1. Keiner darf seine Wohnung verlassen von 8 Uhr abends bis 7.30 Uhr morgens. Wenn man trotzdem während dieser Sperrzeit ausgeht, wird man erschossen. 

2. Frauen, Mädchen und Kinder unter 12 Jahren können ausgehen von 10-11 Uhr morgens und von 15-16 Uhr nachmittags, um Einkäufe zu tun, das Vieh zu versorgen usw. Sie dürfen aber nicht zu einem anderen Dorf gehen.

3. Männer dürfen überhaupt nicht auf die Straße gehen. Frische Luft können sie im Garten ihres Hauses bekommen.

4. Alle Waffen und Munition muss man sofort abliefern. Wer dies nicht tut, wird nach den Kriegsgesetzen bestraft.

5. Alle Rundfunkapparate, Fernsprecher und Lichtbildapparate müssen in der Wohnung zusammengebracht werden für Inspektion. Sie dürfen eben genannte Apparate nicht benutzen. 

6. Alle Wehrmachtsangehörigen in Uniform oder in Zivil müssen sich als Kriegsgefangene beim nächsten britischen Soldaten melden. Dies gilt nicht für frühere Wehrmachtsangehörige, die beweisen können, dass sie freigestellt waren. Wenn ein deutscher Soldat es trotzdem wagen sollte, sich irgendwie zu verstecken, dann sind die Bewohner  des Hauses dafür verantwortlich und werden nach den Kriegsgesetzen bestraft.

Es ist bemerkenswert, dass sich die britischen Soldaten gegenüber der deutschen Zivil-bevölkerung nicht ausgesprochen feindselig verhalten. Der Umgang mit den deutschen Kindern gestaltet sich sogar ausgesprochen freundlich. Die Kampfhandlungen verlagern sich in Richtung Leeste. Einzelne englische Panzer beschießen vom Ortsrand von Kirchweyhe aus Ziele in Arsten und die Ziegelei Wehrmann in Dreye. Granatwerfer gehen an der Kleinbahnhaltestelle in Stellung und nehmen die ehemalige Flakstellung bei Dreye unter Feuer.

11.4. Aufgrund einer Anzeige finden die Briten im Garten von Br. Meyer, Papenkamp, vergrabene Gewehr. Das Haus geht in Flammen auf, die Gewehre  werden auf dem Geestwege vor dem Schulhof verbrannt. Nachmittag setzt Beschuss deutscher Artillerie ein, dabei findet Anni Boßmeyer den Tod, der Schüler Heinz Baden trägt eine schwere Armverletzung davon. Ein englisches Militärfahrzeug begleitet von einem Militärarzt und zwei Sanitätern besorgt den Abtransport ins Diepholzer Krankenhaus.

12.4 Unter Führung fanatischer Anführer beginnen die als Hilfskräfte eingesetzten Polen zum Teil mit Waffengewalt mit der Plünderung von Wohnungen. Schwerkranke werden zur ärztlichen Betreuung in der Schule untergebracht.

13.4. Russen und Polen werden durch die englischen Soldaten kontrolliert, trotzdem gehen die Plünderungen weiter. 

14.4. Die Westseite des Schulgebäudes erhält einen Volltreffer durch deutsche Artillerie. 120 Fensterscheiben gehen zu Bruch, darunter die Buntverglasung der Fenster des Treppenhauses. Glücklicherweise bleiben die im Gebäude untergebrachten Personen unverletzt. Eine zweite deutsche Geschützsalve trifft das Gehöft von F. Kehlenbeck (Nr. 218) und den Geestweg vor dem Schulhof. Ein britischer Soldat wird getötet, mehrere Kinder kommen mit leichten Hautverletzungen davon.

17.4. In Richtung Dreye gibt es eine geringe Gefechtstätigkeit. Erkrankungen sind dem nächsten britischen Posten zu melden, der die Bescheinigung zur Herbeiziehung eines Arztes vom Ortskommandanten einholt. Am Abend gibt es ein schweres Gewitter und eine erfrischende Abkühlung.

18.4. Die Feldarbeit ruht, Viehställe sind geräumt, die Tiere irren im Gelände umher. Granatwerfer werden in unmittelbarer Nähe des Schulhofs (auf dem Acker von Joh. Daneke) in Stellung gebracht; sie feuern ca. 1.000 Schuss in Richtung Dreye ab. 

19.4. Nur noch geringe Kampftätigkeit. Man sucht gezielt ehemalige Funktionäre der NSDAP. 

20.4. Aus dem Sanitätsraum der Schule werden alle Verwundeten entlassen. Die Hilfsschwestern vom "'Roten Kreuz" haben nur noch Tagesdienst. 

21.4. Die Kämpfe gegen Dreye und Leeste-Brinkum-Bremen werden fortgesetzt. Die Landstraße Kirchweyhe-Dreye wird vermint. Die Ochtumbrücke haben deutsche Soldaten schon vor Tagen gesprengt.

22.4. Bremen lehnt die Aufforderung zu Übergabe ab. Daraufhin wird die Stadt gegen Abend erneut mit Verbänden schwerer Bomber angegriffen. Neue britische Truppen treffen in Kirchweyhe und Umgebung ein. 

23.4. Das Bombardement auf Bremen wird fortgesetzt. Jeweils 6 Bomber greifen in Zeitabständen von 10 Minuten an.

24.4. Dreye wird verstärkt unter Feuer genommen. 

25.4. Dreye ist von Resten deutscher Wehrmachtsverbände geräumt, englische Truppen rücken nach. Das "Gefecht um Kirchweyhe" ist beendet; nur noch geringe Kampftätigkeiten.

8.5. Der 2. Weltkrieg ist beendet.