Hafen Dreye

Paul Athmann
 
Vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert diente der Dreyer Hafen insbesondere zur Verzollung und dem Umschlag der eingeführten Waren aus dem Bremischen. Auch wurde ein Teil des Korns der Bremer, das in der Sudweyher Wassermühle gemahlen werden sollte, hier umgeladen auf PferdeFuhrwerke. Holz und Steine wurden aus dem Weserbergland per Floß bzw. Schiff nach Bremen und dann teilweise auch per Pferdefuhrwerk nach Weyhe und in die nähere Umgebung Dreyes gebracht.
 
Die Schiffe legten damals im Hafen von Dreye an, um den Zoll zu entrichten. Der Hafen war zunächst nur eine Anlegestelle (Schlachte) am Zollwerder. Mit der Begradigung der Weser von 1780 wurde der Hafen an der heutigen Stelle angelegt.


Heute ist dort nur noch ein Anleger. Das Hafenbecken diente seit den 1920er Jahren lange Zeit den Weserkiesschiffen als Verladestation sowie den Kanuten und Seglern als Bootsanleger. Seit 2007 legen aber auch die Ausflugsschiffe der „Flotten Weser“  hier wieder an.


Wann die Geschichte des Hafens beginnt, kann nicht genau angegeben werden. Sie ist eng mit der Zollstelle verbunden (siehe dazu das Kapitel über die Zollstelle Dreye). Man vermutet, dass um 1200 der Zoll noch am anderen Weserarm bei Kirchweyhe (Kirchweyher See) entrichtet wurde. 1571 wird der Zoll von Dreye erstmalig erwähnt. Zu dieser Zeit gab es sicherlich noch keinen Hafen im eigentlichen Sinne, sondern wohl nur eine Anlegestelle.


1589 In den Dienstregistern des Vorwerks Erichshof heißt es für die Woche „post Martini“ „ Repholz nach Dreye gefurt“, und für die Woche „Judica“: „beim Dreyer Siell an der Weser gearbeitet“ sowie für die Woche „Cantate“: „Kalksteine von Dreye nach Siecke gefurt“. 1  Ob dies mit einem Hafen in Dreye in Verbindung zu bringen ist, ist ungewiss, kann aber vermutet werden.


1626 legten die Dänen im 30-jährigen Krieg eine Schanze beim Zollhaus an. Beim Angriff auf Dreye gab es 500 Tote der Kaiserlichen.


1631 verlassen die Kaiserlichen die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst, und auch die Dreyer Schanze. Die Schanze wird umgehend geschleift ("demoliret"). 2 


1648 -1709 In Dreye wird nach dem 30-Jährigen Krieg 1648 eine Schlachte gebaut, um anlandende Schiffe entladen zu können.3 Ab hier kann man also wohl von einem Hafen sprechen – auch wenn die Schlachte in der scharfen Biegung der Weser lag und kein Hafenbecken vorhanden war.


1650 Christian Ludwig, Herzog von Braunschweig u. Lüneburg, entscheidet über Zollabgaben in Dreye für Getreidelieferungen aus Bremen an die Sudweyher Wassermühle. Vermutlich wird das Korn von Bremen über die Weser bis Dreye gebracht und von dort mit Fuhrwerken nach Sudweyhe. Somit wird also die Schlachte für Getreideschiffe genutzt.


Für 1710 und 1742 gibt es Regierungsakten über den Bau der Schlachte bei Dreye. 4 Der Schlachtbau scheint zwischen 1718 und 1728 erneuert worden zu sein – auch wenn es Einwendungen seitens der Gutsherren gab. Zu dieser Zeit werden wohl auch „Haken“ am Mahndorfer Werder geplant und eventuell auch angelegt.


1735 erhält die Bremer Schiffsgilde ein Schreiben des Rats von Hardenberg aus Hannover. Darin wird ein Vorschlag unterbreitet, einen neuen Hafen zu Dreye anzulegen. Einige Schiffer hätten sich anerboten, nicht nur die Kosten der Anlage, sondern auch die Kosten zum Unterhalt zu tragen. 6


Die Akten sprechen teilweise von der „Kommunion-Schlacht“. Dazu scheint es zwischen 1736 und 1738 Vorauszahlungen der Klosterkammer gegeben zu haben, die diese zwischen 1741 und 1751 wieder einfordert.7
1747 streiten die Dreyer mit den Interessenten der Weyher Marsch um den Unterhalt der Schlachte 8. Auch leiht die Klosterkammer den Interessenten der Schlachte erneut Geld für die Reparatur des Schlachtwerkes.9


1753 wird in Dreye ein sog. Winterhafen gebaut.10 Dort können die Schiffe anlegen, wenn Eisgang auf der Weser die Weiterfahrt verhindert. Dazu wenden sich 4 Vollmeier und 2 Halbmeier aus Dreye („Harm Reiners und Cons.“) an das Amt Syke, um die geforderte Abgrabung von Ländereien für die „Verschlachtung“ des Zollwerders in der Weser zu verhindern.11 1754 wird auch ein „Warnpfahl“ an der Schlachte aufgerichtet.12


1779 wird die Weser mit einem Durchstich verkürzt. Die Anlegestelle an der Spitzkehre wird aufgehoben und an die Abzweigung der Alten Weser verlegt. Hier entsteht nun ein richtiger Hafen. Nach Franz v. Reden können später (um 1839) auch beladene Schiffe im Dreyer Hafen gesichert liegen.13


1856 wird der Zoll aufgehoben. Es soll eine Erleichterung der Weserschifffahrt erreicht werden, um Konkurrenz der Eisenbahn zu begegnen.


1863 beantragen die Sudweyher bzw. Ahauser Ziegeleibesitzer Dörgeloh, Oetjen und Esdohr die Reparatur des Ausladeplatzes an der Weser und die Befestigung des Zuweges. Im gleichen Jahr beantragen Esdohr und der Sudweyher Zimmermann Riekers die Anlage einer Deichüberfahrt an der Alten Weser, mit einer Kran-Anlage.
1864 wird das Backhaus am Weg vom Zollhof zum Hafen verschoben (auf Rollen), um den Weg zu verbreitern.
1865 wird eine Brücke über die Hafeneinfahrt hergestellt.14


1867 baut der Fabrikant (Zimmermeister und Kötner) C. Glade zu Dreye eine Ein- und Ausladestelle an der Weser in Dreye (lt. Handzeichnung von Deichvogt H. Bormann zu Kirchweyhe). 15


1869 wird endlich eine Zufahrt von der Landstraße zum Ausladeplatz gebaut (siehe dazu den Situationsplan im Kapitel über die Weserverläufe bzw. die Begradigung der Weser bei Dreye). Der Platz am Hafen wird jetzt mit „Zollplatz“ oder auch „Löschplatz“ bezeichnet.


1888 wird der Hafen Dreye mit 20 Liegeplätzen zum Überwintern und einer Uferlänge von 100 m ausgewiesen. 16
Um 1900 bietet der "Löschplatz Dreye" ein verändertes Bild: Von Zeit zu Zeit treffen hier große Holzflöße ein, die Bauholz aus der Lüneburger Heide über die Aller zu den Zimmereien nach Dreye oder Bremen bringen. Das Holz der Flöße wird von Pferden an Land gezogen und dort auf 'Langholzwagen' verladen.


Im Spätsommer oder Herbst kommen Bockschiffe aus dem Teufelsmoor und bringen Torf. Lange Wagenreihen stehen zum Abtransport des Torfes bereit. 17  Der Heimatforscher Heinrich Gade spricht  um 1900 vom  "großen und zum Überwintern benutzen Dreyer Hafen" 18 


1920 - 1940: Kiesentladung
In den 1920er und 1930er Jahren entlädt der Kiesunternehmer Bultmann den Weser-Kies im Dreyer Hafen. Die Schiffe sind noch klein, und der Kies wird auf Pferdefuhrwerke verladen. Später folgen noch andere Unternehmen und verladen oder entladen ebenfalls hier ihren Kies und Sand, den sie auf dem Henkenwerder abgraben oder aber über die Weser erhalten.


Auf der Karte von 1920 ist der Dreyer Hafen als "Ladeplatz" eingezeichnet. Bevor  Sand und Kies verladen wurde, sind hier bis 1920 vor allem Kohle und Ziegeleiprodukte sowie Holz umgeschlagen worden. Dies ging aber mit dem Einstellen vieler Ziegeleien und Fabriken nach dem 1. Weltkrieg zurück.


Nach einem Artikel der Kreiszeitung über die Martfelder Familie Bremer wurden im Dreyer Hafen um 1920 viele Pflastersteine ausgeladen, die der Fuhrbetrieb Bremer nach Martfeld brachte, wo sie für den Straßenbau verwendet wurden.19  [Luftbild 1936 GAW (Ausschnitt) ]


Das Luftbild von 1936 zeigt den Hafen mit der Kiesentladestelle. Vorne, an der alten Weser, ist noch die zum Deich führende Ausbuchtung zu erkennen, wo die Holzflöße für die Fabrik Glade aufgeschnürt und die Holzstämme über den Deich gehoben wurden.


 [Foto: W.Bultmann (Ende der 1930er Jahre)]
Um 1938: Die Schiffe waren noch klein, und der Kies wurde auf Pferdefuhrwerke verladen. Der Bagger dürfte schon mit einem Dieselmotor ausgestattet gewesen sein. 


[Foto: W.Bultmann (um 1930)]
"Das Foto zeigt die ‚Agnes‘ - im Schlepp eine Schute - in den Dreyer Hafen einlaufen. Die beiden Schiffe sind mit Lotsand beladen. Die drei Männer an Bord haben diesen Sand mit so etwas Ähnlichem wie einem Apfelpflücker (eine Stange mit einem großen Ring am Ende, an den wiederum ein Beutel genäht war) selbst in die Schiffe geladen. Man fuhr zwischen die Schlängen und schabte so lange über Grund, bis der Beutel voll war, hievte ihn an Bord und schüttete den Beutel aus. Das Ganze nannte man loten. Der Name Lotsand hat sich bis heute erhalten. In der Seefahrt bedeutet "loten" Tiefe messen.


Das Bild zeigt im Hintergrund links die Inselziegelei, rechts die Ziegelei Wehrmann. Die übrigen
Schiffe im Hafen sind damit beschäftigt, die Ostseite des Hafens herzurichten. Das Bild stammt aus den Anfängen der 30er Jahre. " 20  Löschen der "Agnes" im Dreyer Hafen mit Schaufel und Förderband. Im Hintergrund ist die Eisenbahnbrücke zu erkennen.
 
 
 
[Foto: W.Bultmann (Anfang der 1930er Jahre)]
 
Beladung eines Kümo (Küstenmotorschiffs) im Dreyer Hafen. Es wird mit dem vom Lotsand ausgesiebten Material (Holz, Klei, Überkorn) beladen.
[Foto: W.Bultmann]
 
[Foto/Repro: W.Meyer / Krsz]
1935 liegt das Weserbockschiff "Hanni" am Eingang zum Hafen, in dem sich Segelschiffe aufhalten. Im Hintergrund ist die damals noch existierende Inselziegelei zu erkennen, die aber schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Betrieb ist.


 [Foto: W.Bultmann / Repro W.Meyer , "Weyhe", 1999] 
Auch 1981 wird noch Kies im Dreyer Hafen verladen: Das Motorschiff "Luise" sinkt 1981 im Dreyer Hafen, nachdem es überladen worden ist.


Am 16. Januar 1982 bricht auf dem 1.000 tSchiff "Elsa" im Dreyer Hafen ein Feuer aus. Auch die Leester Feuerwehr wird zur Brandstelle beordert.  [Qu: Leester Wehr]
[Fotos: P.Athmann 2011]


Zwischen Dreyer Hafen und Henkenwerder sind noch Teile von Holzkonstruktionen und Mauern vorhanden. Die Betonmauern sind die Reste einer Kranbahn der Firma Baltus. Baltus betrieb seiner Zeit neben der Firma Bultmann in Dreye einen Kies- und Sandhandel. Als in Hemelingen der Werrahafen gebaut war, übersiedelte die Firma Baltus mit ihrem Dreyer Betrieb in diesen Hafen (ca. in den 70iger Jahren). 21
Ein in den 1930-er Jahren gebautes Sieltor sorgt für die Absperrung der alten Weser von der fließenden Weser. 
 
 
Das Sieltor zur Alten Weser 
 
 
 
[Fotos: W.Torst 2008]
 
[Foto: W.Meyer 2007]
Auf dem Luftbild von 2007 erkennt man die Lage des Hafens (Bildmitte, zwischen Henkenwerder und Alter Weser) an der Weser vor den Toren Bremens. Heute hat allerdings der Freizeithafen am Wieltsee (untere rechte Ecke) eine wesentlich größere Bedeutung für die Freizeitkapitäne gewonnen.
 
 
 
 
 
Der Hafen in der Google-Draufsicht von 2002. Der Hof Kuck (Blohm) liegt zu diesem Zeitpunkt noch am Hafen vor dem Deich. Das Bild ist seit dem Neubau des Deiches im Jahre 2009 schon Geschichte.
 
 
 
 
 
 
[Fotos des Hafenbeckens – P.Athmann 2009]
 
 
 
 
 
 
 
Der Dreyer Hafen wird heute nur noch von den Fahrgastschiffen der „Flotten Weser“ angelaufen.
Im Frühjahr und Herbst werden hier die Schiffe des Segelvereins Wiking mit einem Kran zu Wasser gelassen bzw. wieder an Land gehoben.
 

 
                                                         
 

1 Vgl. (Greve, Materialiensammlung zum Vortrag "Erichshof - eine lokalhistorische Spurensuche" v. 10.11.1986, 1986) 

2 (Köster, 2004)

3 HStAH Hann. 74 Syke Nr. 581

4 HStAH Hann. 74 Syke Nr. 584

5 HStAH  Hann 95 Nr. 1469

6 Archiv der Handelskammer Bremen, Nr. 46, C21 c: Anlegung eines neuen Hafens zu Dreye, 1735      (s. C.Deggim, B.Kappelhoff: Archivalische Quellen zum Seeverkehr, 2011)

7 HStAH  Hann 69 C Nr. 266

8 HStAH  Hann 95 Nr. 1534.

9 HStAH Hann 94 Generalia Nr. 726, Hann 95 Nr. 1495 u. 1497

10 StAStade Rep. 95 Nr. 19: Anlegung eines Winterhafens zu Dreye und Intschede, Amt Westen, zur Beförderung der      Weserschiffahrt., 1753

11 HStAH  Hann 69 C Nr. 1089

12 HStAH  Hann 74 Syke Nr. 587

13 (Reden, Das Königreich Hannover statistisch beschrieben, Bd. 2, 1839) Bd. 2, S. 107

14 HStAH  Hann 80 Hannover Nr. 12426

15 HStAH  Karten neu Nr. 03586/03587: Sowie StAStade, Rep. 96 Verden Nr. 431: 1850 -1867: Aus- und  Einladestelle des      Christoph Glade bei Dreye. Enthält: Neubau des Zimmermeisters und Kötners Christoph Glade zu Kirchweyhe,      Glades Anlagen bei Dreye, Zeichnung einer Brücke über die alte Weser bei Dreye, Profil der alten Weser bei Dreye von      Gladen Brücke 

16 (Minister für öffentliche Arbeiten, Berlin, 1888) S. 244

17 (Schacht, 1960) S. 228

18 (Gade, 1901) Bd. I, S. 312

19 Kreiszeitung v. 11.6.2011

20 Nach einer Bildbeschreibung von  Werner Bultmann, 2009

21 Nach Angaben von Werner Bultmann 2009