Gaststätte Knief

Paul Athmann

 

Erichshof/Angelse: Gasthaus Knief (vorher Warneke) B6 / Bremer Str. 50
In Erichshof bzw. Angelse kreuzen sich die B322 und die B6. An der Kreuzung lag das Gasthaus Knief, das in seinen letzten Jahren viele Pächter gesehen hat.
Zwischen der Kreuzung, Seckenhausen und Erichshof hat sich ein kleines Gewerbegebiet entwickelt, das der Nahversorgung von Erichshof und Umgebung dient.
 
 
Die Geschichte des Hauses beginnt um 1830:
 
In einem Bremer Ausflugsführer von 1893 wird die Landstraße von Brinkum nach Syke in Erichshof so beschrieben: "Landstraße von Linden und Obstbäumen besäumt. Windmühle (rechts) von Dunkhase (zu Erichshof gehörig), Kiefernkamp (links), ..., Angelsen, Wirthschaft (rechts) von F.Warneke; alt; auf Papen's Karte (1830) angegeben. Inschrift am Giebelbalken von 1837. Halber Weg Bremen-Syke."  1
 
 
1899 lädt der Wirt Albert Warneke zum Tanz.2 
 
 
 
 
 
Im Dezember 1900 wird der Saal eingeweiht.  Zu diesem Zeitpunkt ist wohl gerade das große Wirtshaus mit Saal fertiggestellt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Eine Poskarte von ca. 1900. Anzeige Syker Zeitung vom 21.4.1900
 
1907 ist Albert Warneke unter Erichshof 42 als „Gastwirt“ im Adressbuch des Kreises Syke eingetragen, 1911 erneut als „Gastwirt und Kaufmann“.
 
 
Eine Postkarte vom alten Gasthaus von Albert Warneke in Erichshof/Angelse: Das Bild entstand um 1905 und zeigt noch die kleine Gaststätte mit der Kegelbahn unter freiem Himmel. Solche Kegelbahnen waren um die Zeit eine beliebte Neuheit. Meistens wurde ein kleiner hölzener Regenschutz unmittelbar neben dem Gasthaus angebaut. Die Getränke konnten dann aus dem Fenster gereicht werden. Hier beim Warnekes Gasthof wurde es sogar ein schönes kleines Holzhaus. Die Laufbahn für die Kugel bestand damals aus einfachen Holzbohlen und war meistens zum Schutz gegen die Wettereinflüsse abgedeckt. Erst wenn die Kegelbrüder loslegten, räumte man die Abdeckungen zur Seite. Es werden wohl auch die Kegeljungen gemacht haben, die ohnehin im Freien standen und die umgefallenen Kegel wieder aufstellen mussten. Während das große Gasthaus „Knief“ sich im Laufe der Jahre kaum verändert hat, wurde das kleine Fachwerkhaus um 1935 abgerissen. Die Kegelbahn soll schon vorher zusammengebrochen sein. Im Vordergrund verläuft die heutige B 322, die hier in die B 6 einmündet.
 
 
 
 
 
1914 feiert Elise Bischoff ihr 25-jähriges Dienstjubiläum bei Warneke.
 
 
1918, nach dem 1. Weltkrieg,  sucht Warneke ein Mädchen als Aushilfe. Auch damals sind die Anforderungen schon hoch:  Ein junges Mächen muss schon „erfahren“ sein!
 
 
 
 
 Bald werden auch wieder Festbälle veranstaltet. 1920 lädt der Sparklub „Brüderschaft“ dazu ein. 
 
 
 
 
1922 werden auch wieder Geschäfte im Gasthaus abgewickelt: Es war früher üblich, dass Hofstellen oder Land in Gaststätten versteigert wurden. Der Auktionator lud die Interessenten dazu per Zeitungs-Annonce ein.
 
Im Adressbuch des Kreis es Syke ist 1927 unter Erichshof eingetragen: „Warneke, Albert, Gastwirt 41“
 
 
Das Ortsbild prägende Haus unmittelbar an dieser viel befahrenen Kreuzung hatte eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Hier war nicht nur die besagte Gaststätte Warneke/Knief, sondern auch ein   Kolonialwarengeschäft untergebracht, das hier die Einwohner mit dem nötigsten versorgte. In den 30er Jahren des vergangen Jahrhunderts kam sogar noch eine Tankstelle hinzu. Von 1935 bis 1965 betrieben Alma und Hans Knief ihr Gasthaus. Aus dieser Zeit sind vielen Einheimischen noch die dortigen Tanzveranstaltungen in guter Erinnerung. Auch Müllers Friseursalon war hier ansässig, bis er in die Angelser Straße zog. 
 
Eintrag Adressbuch Kreis Grafschaft Hoya unter Leeste 1936: (kein Albert Warneke): Knief, Johann, Land- und Gastwirt, 42
 
Eintrag Adressbuch Kreis Grafschaft Hoya unter Erichshof 1940: Knief, Hans, Gastwirt, 42, Tel. 35261
 
Auch in den 1950er und 1960er Jahren fanden im Gasthaus Knief Tanzveranstaltungen statt - Sonntags ging man in Erichshof (und Umgebung) zum Tanzvergnügen bei Knief.
 
Hans und Alma Knief führten die Gaststätte von 1935 bis in die 1970er Jahre. Von 1939 bis 1945 war Hans im Krieg, und Alma musste die Gaststätte allein führen, neben der Versorgung des 1936 geborenen Sohnes Reinhold.  Alma Knief hatte nach der Verpachtung der Gaststätte ab 1965 noch einen Kiosk ( bis 1991) in dem Haus. Kniefs wohnten nebenan (Seckenhauser Str. 2).
 
Zunächst wurde auch noch ein Kolonialwaren-Geschäft betrieben, und es gab eine Tankstelle. Die Landwirtschaft wurde schon in den 1930er Jahren aufgegeben.
 
Alma Knief - 2008 an ihrem 95.Geburtstag.3
Zwischen 1945 und 1965 wurde auch Tischtennissport durch den TTC Erichshof auf dem Saal betrieben.4
 
Adressbuch Landkreis Grafschaft Hoya unter Leeste-Erichshof 1952: Knief, Hans, Gastw., Bremer Str. 42
 
1965 starb Hans Knief (*9.7.1908, +17.1.1965). Der Sohn Reinhold (*1936) hatte den Beruf des Steuerbeamten gewählt und stand für eine Weiterführung des Betriebes nicht zur Verfügung. Die Gastwirtschaft wurde verpachtet. Der Kiosk wurde von Alma Knief weitergeführt. 
 
 
1955 ist an der Chaussee auch eine Tankstelle eingerichtet. Damit wird der zunehmenden Motorisierung Rechnung getragen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Das Haus 1981 (von der B322 aus gesehen). Zu dieser Zeit ist das italienische Restaurant „Toscana“ hier eingezogen.5 Während kurz nach der Jahrhundertwende noch ein Fachwerkhaus und eine angebaute Kegelbahn vorhanden war (bis 1935), ist 1981 nur noch ein kleiner Anbau übrig - während sich das große Gasthaus kaum verändert hat.
 
Der Maler Peter Schnibbe aus Weyhe (rechts, neben dem Wirt) stellt 1989 einige Bilder im Restaurant "Toscana" aus.6 Anfang der 1980er Jahre  wurde das italienische Restaurant eröffnet. Das italienische Restaurant hatte einen eigenen Pizza-Ofen. Erwähnte Speisen: "Lambrusco Donelli" und "Lasagne della Casa"7
 
In den letzten Jahren hatten die Mieter des Gasthauses häufiger gewechselt. Nur das italienische Lokal „Toscana“ hielt sich 15 Jahre, alle anderen Pächter mit mexikanischer oder orientalischer Küche gaben bald auf. Dann standen die Räumlichkeiten längere Zeit leer und aufwendige  Renovierungsarbeiten wären erforderlich gewesen. So
entschloss sich der Besitzer Reinhold Knief, das Grundstück samt Gebäude zu verkaufen. Danach hat der Verbrauchermarkt Rewe dort ein Lebensmittelgeschäft gebaut, auch Aldi wechselte die Straßenseite und baute auf dem Knief-Gelände neu. 8
 
Das Luftbild 9 von 1983 zeigt das Gasthaus an der Kreuzung gegenüber vom Reifenhandel  Meyer&Bolte. Im Vordergrund der Hof Opmann-Warneke.
 
 
Das Gasthaus Knief selbst liegt auf Erichshofer Gebiet, obwohl die Adressbezeichnung häufig "Knief, Angelse" lautete.
 
 
 
 
 
2009 wurde dann das große markante Haus abgerissen. Auf dem Platz des Gasthauses entstand ein Parkplatz, und auf der freien Fläche dahinter wurden 2 Supermärkte gebaut.
 
 
 
Das Haus vor dem Abriss (2008)10
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der neue Rewe Markt mit seiner extravaganten Architektur löst das traditionsreiche Gasthaus ab: Er gehört in eine andere Zeit .11
 
 
 
                                                 1 Fünfzig Ausflüge in die Umgegend von Bremen / von L. Halenbeck , Bremen 1893, urn:nbn:de:gbv:46:1-115 2 Ausschnitte aus der Syker Zeitung: Repro K.Hahn/R.Riehn/S.Rathjen 3 Foto: Kreiszeitung 4 Quelle: www.ttce.de 5 Foto: Wilfried Meyer 6 Foto: Kreiszeitung 1989 7 Foto: Kreiszeitung Hermann 1980er Jahre 8 Beschreibung weitgehend übernommen von Wilfried Meyer (leicht verändert) 9 Foto: Wilfried Meyer 10 Foto: W. Meyer 11 Foto: W. Meyer