Die Ritter von Horn

Paul Athmann
 
Neben der Familie von Weyhe wird auch die Familie von Horn schon im 15.Jahrhundert als Besitzer von Höfen in Weye genannt. Wann die Familie von Horn in Weyhe ansässig wurde, ist nicht bekannt.


In den frühen Lehensregistern der Bruchhauser bzw. Oldenburger Grafen ist zwar ein Hugo von dem Horne genannt, aber nicht im Zusammenhang mit einem Hof aus der Umgebung von Weyhe, sondern einem Hof zu Voltorp.1


Zum ersten Mal erfahren wir von einem Claus von Horn in Weyhe aus einer Urkunde des Jahres 1334:

Der Ritter Erpo von Weye verzichtet 1334 auf seine Ansprüche an das Gut des Claus von dem Horne.2


Diese Urkunde könnte den Übergang eines Teils des Lehens der von Weyhe durch die Hoyaer Grafen auf die von Horn markieren.


Claus von Horn wird dann auch 1379 erneut im Zusammenhang mit Weyhe bzw. Ahausen erwähnt:  
Der Domdekan Johann von Zesterfleth, der Ritter Nicolaus vom Horn, der Knappe Erp von Weye und der Bremer Bürger Otto Snering entscheiden einen Streit zwischen dem Ansgarikapitel und Johann Granz ("wonet tho Weye") über ein Gut in Ahausen, "dat nu buwet Odeke van Dreye". Granz werden die Rechte an dem Gut abgesprochen3


Ein Diederich von Horne tritt 1403 als Bürge bei einer Urkunde zwischen den Rittern von Mandelsloh und denen von Weyhe auf. 4 Auch bei Verkaufsgeschäften in Ahausen und Lahausen werden 1485 Diedrich (Sohn des Diedrich von 1403?), Nikolaus und Konrad von Horne als Zeugen genannt. Ein Bezug zu einem Weyher Gut ist zwar nicht direkt erkennbar, aber Nikolaus und Konrad werden in einer Urkunde als Söhne des Huner benannt. 5

  • 1427 wird Huner von dem Horn in einem Schiedsgericht erwähnt. 6 
  • 1428 stellt Lüder von Horn einen Revers aus, dass er für 1000 Rheinische Goldgulden das Schloss Neubruchhausen von den Hoyaer Grafen zum Pfand empfangen hat. „ick luder van dem horne Clawes unde Arnd myne sones unde unse rechten erven bekennet und betuget openbare vor allesweme in dessem breve da wy hebbet entfanghe unde entfanghet eyn pant von den Eddelen unsen leven Gnedighen Junckern Otten Junckern fredericke unde[…] ere Slot ghenompt Nygenbruchusen […]“ 7
  • 1433 verpfändet Graf Otto von Hoya als Administrator des Erzstiftes Bremen dem Nikolaus von Horn zwei Höfe in Dreye.8
  • 1437 verpfänden Claus von dem Horn, Sohn des Cord, und Dietrich von Staffhorst, Alberts Sohn, Knappen, der Gese, Witwe des Bernd Prindenei, zwei Höfe in Dreye.9
  • 1441 ist Claus von dem Horn, Cordts Sohn, Zeuge einer Quittung für eine Abschlagszahlung des Grafen Nikolaus von Delmenhorst.10
  • 1470 verkaufen die Grafen Otto und Friedrich von Hoya dem Konrad von Horn, Pfarrer zu Lullenhusen(Lunsen) eine Jahresrente aus dem Meierhofe zu Varste (Ksp. Blender).11
    Für 1488 existiert eine Urkunde über einen Pferdehandel zwischen Conrad von dem Horne , Domherr zu Bremen sowie Johann von dem Horne und Orthgies Spade sowie Johann von Staffhorst.12
  • 1504 tritt ein Konrad von Horn  als Unterzeichner der Huldigungsurkunde für die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg in Erscheinung  – zusammen mit Remmert von Horn.13
  • 1509 verpflichtet sich Gerhard Spade dem Klaus von Horn für ein Darlehen die Zinsen aus einem Hof zu Hilgermissen zu entrichten.14
  • 1512 verkauft Klaus von Horn an Johann Clüver die Zinsen aus dem Hof des Hinrich Nipers in Sudweyhe. Dieser Klaus ist ein Sohn des Johann von Horn: Clawes van Horn, Johans Sone, hefft vorkofft Johann Cluver, Gysen sone, vor 100 vulwychtyge goltgulden 6 rynsche gulden tynse uth Hynrich Nypers have tho Suthweyge vor Martini tho betalende, loße vor den van Horn und syne erven yn den 12ten und in die Petri ad Catredam de betalvnge; datum 1512 in die Petri. 15 
  • Aus dem Jahre 1514 liegt eine Quittung des Arend von dem Horn vor.16
  • Rembert von Horn bürgt 1520 auch für Graf Jobst von Hoya für eine Obligation von 538 Goldgulden an Thomas von Gröpelingen.17
  • 1516 tauschen Klaus von Horn und Peter und Cord von Weyhe einige Landstücke.  „Wy Peter vnd Cord van  Weyge gebrodere knappen bekenne[n] vnde betuge jn dessem breue vor vns vnde / vnse erue[n] openbar vor alßneme dat wy myt dem[m] duchtygen Clawes vam[m] Horne zeligen Huners ßone / hebbe eyne bute [Tausch] ghemaket vn[n] em[m] vnde syne[n] eruen in ene ewige besitt vnde hebbende were heb / ben auergheantwordt vn[n] ton[n] handen gedan vnse vrige erffegen oyn stucke landes belege[n] twisthe[n] / den Engelberge[n] wogen vnde Kalenbrok dar in voller twe hympten roggen myt aller tobehoringhe / vn[n] rechticheyt vorlaten vorßeke[n] [verzichten/entsagen] vorkesen [aufgeben] vn[n] vortigen [verzichten] den ogendom[m] vnde […] des suluen stuckes / En schullen noch en willen […]umer mer to nyne[n] tyden vpßaken edder na vragen vnde willen vn[n] stole[n] / wy vn[n] vnse erue[n] den[n] er[…] clawes vam[m] horne vn[n] syne[n] erue[n] zodan[n] stucke stucke landes myt alle syner / tobehoringe nichts vthbescheden rechte warende syn vn[n] gude warschup don[n] to allen tyde[n] wan[n]e  wor / vn[n] wo vaken en des nod vn[n] behoff is se dat van vns vn[n] vnsen erue[n] esschen [fordern] offte essche[n] laten sunder  ar / gelist wor welkere stucke landes de sulue clawes vam[m] horne vns vnde vnsen eruen jn vnse ewig / besitt vn[n] hebbende we[n] hefft auergheantwort ton[n] handen gedan de haluen francken stede myt / appelbome[n] berbome[n] myt aller tobehoringe nichtes vthbescheden, de belegen is harde by vn[n] tegen / by myne[n] cordes va[n] weyge ktohane Nach inholt segel vn[n] breue dat my der vormelden vn[n] medebryngen / […]“ 18
  • Arnold von Horn verpfändet 1518 dem Kloster Heiligenberg einen Hof zu Nenndorf (Ksp. Vilsen).19
  • Eine  Urkunde aus dem Jahr 1531 nennt einen Huner. Es kann sich dabei allenfalls um einen Nachkommen des o.g. “seligen Huner” handeln: "Huner von Horn" verspricht 1531 dem Kloster Heiligenberg einen Zins aus seinem halben Hof zu Sudweyhe, "den Carsten wedeken [Wetjen] buwet".20

 

Bis Ende des 15. Jahrhunderts liegen sonst wohl keine Urkunden mehr vor, in denen die Familie von Horn im Zusammenhang mit Weyher Höfen oder Geschäften genannt wird.

Es gibt aber noch das sog. Antonius- Buch, ein Register der Antonius-Brüderschaft von Bremen, denen viele Edelleute und Pastoren angehörten, auch im Kirchspiel Kirchweyhe. Dort ist bis 1525 verzeichnet:


(Huner von Horne et Anna uxor +, Claus von Horne, Claus von Horne + Mette uxor, Claus von Horne + Hillebroch uxor Beke filia, Rembert von Horne+, Rembert von Horne+ elssebet ux+III pueri II puelle)  Dyderich von dem Horne + Hille uxor puer,  Cordt von dem Horne Venge ux. Hinricus filius (p.2) 21


Man kann davon ausgehen, dass ein Eintrag immer dann erfolgte, wenn ein Beitrag bezahlt wurde, d.h. auch doppelte Einträge sind möglich.Ein „ +“ markiert einen Eintrag zum Todeszeitpunkt, ux=uxor (Gattin), filius=Sohn, puer=Junge  puella=Mädchen 


Auch das Gut Sudweyhe 1 (Frese gen. Quiter) soll auf ein Lehen aus dem Besitz der Familie von Horn zurückgehen. Denn 1585 wird Ortgies Frese gen. Quiter als „Huner von Horn seligen Erben“ bezeichnet. Die Freses waren durch die Heirat des Ortgies Frese mit der Tochter Pelleke des Balduin von Hermeling an das Lehen gekommen.


NN Hermeling 

oo NN v. Horn  ??

Johann Hermeling *14xx +1532

oo Pellecke Hermeling geb.: von Clüver *15xx +1562

1. Arp Hermeling *153x +1589(24.05.1589)   

oo Anna Hermeling geb.: Nagel *15xx +1610

1a. Mette Hermeling *1557 +1620 Äbtissin in Bassum 1604-1620

2. Nicolaus Boldewin Hermeling *15xx +15xx Domherr zu Bremen

2a Pellke Frese gen. Quiter geb.: Hermeling *15xx +16xx     

oo Ortgieß Ernst Frese gen. Quiter * 15xx +1627

 

Nach W. Berner muss die Mutter des Johann v. Hermeling eine geborene von Horn gewesen sein. Einen anderen Schluss lässt die Wappenfolge auf dem Grab des Arp von Hermeling, einem Bruder des Balduin (Boldewin), nicht zu.22 Es ist daher möglich, dass das “Erbe von Weyhe” (oder ein Teil davon) der Pellke Hermeling identisch ist mit dem Erbe des Hüner von Horn, und dass Johann von Hermeling es von seiner Mutter erbte.

Das Wappen derer von Horn auf dem  Grab des Arp Hermeling.


1 (Oncken, 1893) S.65

2 NLA Hannover Dep. 79 Urkunden Nr. 813

3 (Ehmck & von Bippen) Brem UB Band 5 Nr. 548

4 1403: Die Brüder Harbert, Curd und Stacius van Mandelslo bekunden, daß sie dem Ritter Arnde van Weye und zu treuen Händen seinem Sohn Erpe und Diderc van den Horne für eine Schuld von 22 rhein.Gulden als ein rechtes Pfand Pfand versetzt haben Henneken van Ullenstede, dessen Frau Pummelen und deren Kinder sowie Nyemans Land halb, das Henneke bebaut und das den Ausstellern gehört, Leute und Gut mit allen Rechten in Holz und Feld und mit allem Zubehör. Wenn her Arnd, seine beiden Treuhänder oder seine Erben ihr Geld wiederhaben wollen, ist die Kündigung möglich [...] Die Aussteller erklären ferner, dass sie an Arnd und seine Erben keine Forderungen mehr stellen wollen wegen Dyderkes van Weye Gut, sondern sie in dessen Besitz nicht behindern wollen, sie auch nicht mahnen oder gerichtlich belangen wollen wegen der 100 Gulden, deren Rückzahlung ihnen urkundlich zugesichert ist. Endlich verzichten sie auf alle Rechte, die ihnen aufgrund einer Urkunde zustehen könnten, die ihr Vetter Stacius in Händen hat. [Qu: Bötersheim, Regesten 3 = Familienüberlieferung] G.Kegel/D.Kausche S258

5 1485 Johann Rosenhagen verkauft den Grafen Otto und Friedrich von Hoya und Bruchhausen eine Hufe Landes zu Ahausen (Ksp. Weyhe, Amts Syke) 20.3.1485. Siegel des Zeugen Diedrich von Horn. Ein zweites Siegel (des Konrad von Horn) ist abgefallen.[ (Hodenberg, Hoyer Urkundenbuch, Band I (Hausarchiv), 1855)HOY UB 1, Nr. 543] 1485 Gebrüder Konrad und Nikolaus von Horn, Hüner’s Söhne, verkaufen demKloster Heiligenrode für 16 Bremer Mark eine Mark aus einem Gute zu Lahausen (im Ksp Weyhe Amt Syke) auf Wiederkauf. [ (Hodenberg, Hoyer Urkundenbuch, Band 5 (Heiligenrode)) HOY UB V Heilrode Nr. 145] 6 Staffhorster Regesten, zusammengestellt von Elfried Hornecker, Heimatmuseum Hoya (PDF)

7 (Hodenberg, Hoyer Urkundenbuch, Band I (Hausarchiv), 1855) Hoy UB Bd. 1 (Hausarchiv) S. 267 Urk 430

8 (Hodenberg, Hoyer Urkundenbuch, Band I (Hausarchiv), 1855) HOY UB I, Nr. 444

9 P. v. Gebhardt, Genealogie von Horn; zitiert in: Staffhorster Regesten, zusammengestellt von Elfried Hornecker, Heimatmuseum Hoya (PDF)

10 Staffhorster Regesten, zusammengestellt von Elfried Hornecker, Heimatmuseum Hoya (PDF)

11 (Hodenberg, Hoyaer Urkundenbuch Band 2 (Bassum), 1848) rk. 75 S.64 (1470)

12 Staffhorster Regesten, zusammengestellt von Elfried Hornecker, Heimatmuseum Hoya (PDF)

13 (Hodenberg, Hoyer Urkundenbuch, Band I (Hausarchiv), 1855) HOY UB I Nr. 570

14 (Hodenberg, Hoyaer Urkundenbuch Band 4 (Heiligenberg), 1848) Nr. 41S.28 (1509)

15 Veröffentlichungen der niedersächsischen Archivverwaltung 1964 S.193

16 Staffhorster Regesten, zusammengestellt von Elfried Hornecker, Heimatmuseum Hoya (PDF)

17 (Hodenberg, Hoyer Urkundenbuch, Band I (Hausarchiv), 1855) HOY UB I Nr. 612

18 Gutsarchiv Schloss Söder, Urk. 269

19 (Hodenberg, Hoyaer Urkundenbuch Band 4 (Heiligenberg), 1848) Nr. 48 S.30 (1518)

20 (Hodenberg, Hoyaer Urkundenbuch, 1853) HOY UB Bd4 Heiligenberg Nr. 62

21 Angaben aus dem Buch der Antoniusgilde, ohne Jahr, Eintragungen vor  1525, für die Bruderschaft (das Kirchspiel) Weye – s. Krause, Pfarrgeistliche und Ritterbürtige im Bremer Sprengel, am Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, S.283, in: Archiv des Vereins für Geschichte und Alterthümer der Herzogthümer Bremen und Verden und des Landes Hadeln zu Stade, Band 3, 1869

22 Vgl. W.Berner, Das Grabmal des Ritters Arp v. Hermeling, in: Bremisches Jahrbuch, 1955