Die Burg Weyhe

Paul Athmann

 
Die Stader Annalen erwähnen für das Jahr 1167 die Zerstörung der Burg (lat. castrum) 'Wege' durch den Oldenburger Grafen Christian. 81 Dies geschieht im Zusammenhang mit den Streitigkeiten Heinrichs des Löwen mit den Bremern, die sich mit dem Oldenburger Grafen verbündet haben. Man nimmt an, dass die Burg in Weyhe 'herzoglich' war, d.h. dass sie dem Sachsenherzog Heinrich unterstand. Da 1182 in der Gründungsurkunde des Klosters Heiligenrode 82 auch von einer Hufe zu Weyhe aus dem Eigenbesitz des Mackenstedter Grafen erwähnt wird, ist anzunehmen, dass Graf Friedrich von Mackenstedt auch die Burg (d.h. wohl den Hof) zu Weyhe als Lehen hatte. Immerhin stammte seine Mutter Brunifrith ja aus Weyhe. Nach der Schlacht bei Hastedt, die mit einem Sieg Heinrich des Löwen über den Oldenburger Grafen endet, sind die Machtverhältnisse geklärt, und Herzog Heinrich setzt den Bremer Erzbischof ein.

 
Wo die Burg genau stand, ist nicht nachgewiesen. Man vermutet sie in der Nähe der heutigen Kirche, am Kirchweyher See. Eventuell handelte es sich aber auch nur um einen Hof der Ritterfamilie von Weyhe, den die Mackenstedts seit der Heirat Brunifriths von Weyhe mit Christian von Mackenstedt in ihrem Besitz hatten. Die Burg könnte auch ein Teil des Ritterguts Weyhenhof gewesen sein oder auch des Gutes der "von Horn", das später an die "Frese gen. Quiter" fiel. Vermutlich hängt sie jedenfalls eng mit der Familie von Weyhe zusammen.

 

Nach den Katasteramtskarten von 1872 ist die Lage der Burg keine Frage: Eine Flur am Kirchweyher See, der 1773 in der Landesaufnahme auch „Borg See“ genannt wird, ist mit „Die Burg“ bezeichnet. Sie liegt östlich der Mündung der Hache

 

Es sind einige Spekulationen um die Burg entstanden: Laut A.Paul sei das Kirchspiel Weyhe um 1059 nur von "Junkersleuten" bewohnt gewesen. 83 Bei der "Weyher Wasserburg" habe außerdem im 13. Jahrhundert eine Zollstätte zur Sicherung des Weserzolls bestanden. Zu dieser Zeit sei ein Weserarm am Ort Weyhe vorbeigeflossen (heutiger Kirchweyher See), der sich dann in der heutigen Ochtum fortgesetzt habe. Die Wege aus Osnabrück und Nienburg liefen in Weyhe zusammen, wo eine Furt die Querung des alten Weserarms ermöglicht habe. Damit sei Weyhe ein strategisch wichtiger Ort gewesen, den es sich durch eine Burg zu verteidigen lohnte. Gleichzeitig wurden laut Paul die Bewohner zu Vasallen der Fürsten (in diesem Fall: der Welfen) bzw. zu Rittern. In Wahrheit waren aber die „von Weyhe“ schon vorher privilegierte Dienstmannen des Bremer Erzbischofs und dessen „Ritter“ gewesen. Sie wurden damit auch vom Welfenherzog entsprechend behandelt.


Der Historiker Hucker sieht die Wandlung der Weyher Edelherren als einen Emanzipations-Prozess: "Die Emanzipation der ridderschup, der Adelsherren, die buw und veste errichten, setzt im 12. Jahrhundert ein. In unserem Raum sind es vor allem die von Mackenstedt, die Klenckes und die von Weyhe, die Lehen verschiedener Herren kumulieren. Die Ritter von Mackenstedt und von Weyhe gehörten ursprünglich dem nichtfürstlichen Hochadel an, geben ihren edelfreien Status jedoch noch vor 1200 auf, um in die Dienstmannschaft des Erzstifts Bremen einzutreten." 84 

Die Kirchweyher Höfe am See nach einer Karte aus dem Jahre 1729. Man kann annehmen, dass sich die Ritterfamilie von Weyhe an diesem Platz am Vorgeestrand angesiedelt hat und hier das Dorf Wege zu suchen ist. 85

Der sogenannte Weyhenhof (Gut Kirchweyhe I) dürfte in der Nähe des Weyher Sees gelegen haben, südlich der Kirchweyher Kirche; östlich und südlich des Pfarrhauses der ev.-luth. Felicianus-Kirchengemeinde (Kirchweg 24) zwischen den Straßen "Am Weyhenhof" (früher "Mittelweg") und "Kirchweg", d. h. an der Westseite des "Kirchdamms"; heutige Hausgrundstücke Kirchweg 28 und 30, Kirchdamm 7, 9 und 11 sowie "Am Weyhenhof 11" 86