Landschaftsformung des Weser-Urstromtals in der letzten Eiszeit

Paul Athmann

 

Eiszeiten wechseln sich mit Warmzeiten ab. Die Eiszeit Elster bedeckt vor 450000 Jahren weite Teile der nördlichen Erdhalbkugel mit einem Eisschild. Ganz Norddeutschland liegt damals unter dem Inlandeis, das in Schweden bis zu 3000 Meter dick ist. Die Eiszeiten prägen die norddeutsche Landschaft mit den Urstromtälern von Ems, Hase und Weser. Wo sich Erhebungen zeigen, sind dies zumeist Endmoränen der Inlandsvereisung, die in den großen Eiszeiten gebildet werden. Die letzte (Weichsel-Eiszeit) hat vor etwa 18000 Jahren ihre größte Ausdehnung und endet vor ca. 10000 Jahren. Die Geest, die Moore sowie die Marschen entstehen ebenso aufgrund der Inlandsvereisung - durch die Gletscherbewegungen, die Material aufhäufen und transportieren, und durch Schmelzwasser nach dem Abschmelzen der Gletscher. In der letzten Eiszeit sind die jetzigen Altmoränenlandschaften Tundren und Kältewüsten. Die Vereisungswelle hat nicht mehr die westliche Weserregion erreicht, sondern reicht nur bis zur Weichsel. Aber auch in der Weserregion ist das Klima eisig und es gibt nur spärliche Vegetation. Dadurch wird die Verwitterung des Bodens begünstigt. Das Schmelzwasser nach Frostperioden trägt Erderhebungen ab und lagert das Erdmaterial in der Geest ab. Diese Ablagerungen erreichen teilweise einige Meter Höhe. Auch vom Wind werden Dünen aufgehäuft. Sandlößgebiete mit Schwemmsandeinlagerungen bilden sich heraus. Die Urströme des Schmelzwassers bilden das Aller-Weser-Urstromtal heraus. In diesem Tal verlagern die Flüsse ständig ihren Lauf. Der Mündungstrichter der Weser schwankt über Jahrtausende hinweg zwischen Wangerooge und Helgoland. Die Weser füllt das Urstromtal mit Sand, Kies und Geröll. Andererseits kann das Meer in den Gezeiten den Mündungstrichter ungehemmt hinaufwandern. Dabei lagert sich Schlick ab, der im Laufe der Zeit zu einer festen Klei-Schicht wird. Daraus entsteht dann das Marschland an der Weser. In niedrig gelegenen Landschaftsteilen bilden sich Moore und Sumpfgebiete. Davon sind die heutigen Niederungsmoore (Teufelsmoor, Diepholzer Moor usw.) übriggeblieben. Reste der kleineren Muldengebiete sind in den heutigen Schlatts zu finden. In der Region südlich von Bremen entsteht die sogenannte Vorgeest. Sie ist der Syker Geest vorgelagert. Hier ist der Boden von Talsand geprägt und weist keine Weser-Gerölle auf. Es handelt sich hier um den Schuttkegel der Flüsse und (ehemals starken) Bäche, die aus der Geest herabströmen: Delme, Hache, Klosterbach, Hombach u.a.

 

 

Die Besiedlung Norddeutschlands

 

Die Besiedlung Norddeutschlands Während die ersten dem Menschen ähnelnde Affen schon vor 6,5 Millionen Jahren in Afrika nachgewiesen sind, tritt das erste Exemplar eines sogenannten Früh-Menschen vor 1,2 Millionen Jahren auf: der homo erectus. Funde dazu gibt es nur in Afrika, so dass man annehmen kann, dass auf dem europäischen Kontinent zu dieser Zeit noch keine Menschen oder menschen-ähnliche Affen leben.

 

In Europa treten die ersten Früh-Menschen erst vor etwa einer Millionen Jahren auf. Ein Fund stammt auch aus Deutschland (Heidelberg, vor ca. 600000 Jahren), so dass ein Auftreten in Norddeutschland zu dieser Zeit nicht ausgeschlossen werden kann. Man nimmt an, dass eine Einwanderung aus Afrika über Arabien und Vorderasien stattgefunden hat.

 

Frühmenschen konnten in England (Boxgrove) schon vor der Elster-Vereisung nachgewiesen werden. Es ist aber abzunehmen, dass in Zeiten der ersten Vereisung Norddeutschlands hier keine Menschen gelebt haben.

 

Aus den Frühmenschen haben sich die Neandertaler entwickelt, und parallel dazu der Homo Sapiens, unser Vorfahr. Funde aus dem Neandertal sind etwa 500 000 Jahre alt. Auch in Miesenheim (bei Andernach) am Rhein hat man Frühmenschen aus der Zeit um 600000 v. Chr. nachgewiesen. Dort wurden auch Hinweise auf die Verwendung von Feuer gefunden. 

Wie weitere Funde aus Thüringen und anderswo zeigen, haben diese Frühmenschen schon Stein-Werkzeuge (z.B. Faustkeile) benutzt. Eine in Südengland gefundene Lanzenspitze aus Eibenholz ist etwa 420.000 Jahre alt. Die Lanzen aus Schöningen bei Helmstedt sind ca. 100.000 Jahre jünger. Es sind 2 fast vollständig erhaltene Jagdwaffen. Auch wurden neben Schädelfragmenten von Frühmenschen Schaber aus Knochen gefunden (Thüringen, Bilzingsleben).

Mit den Menschen wurden Knochen von folgenden Tieren gefunden: Wollnashorn, Pferd, Wildschwein, Rentier, Bison, Wolf, Murmeltier, Höhlenhyäne, Elch, Reh, Rothirsch und andere. Zu dieser Zeit (d.h. im sog. Pleistozän) leben außerdem Mammut, Rentier, Fellnashorn, Höhlenbär, Huftier Macrauchenia, Riesenfaultier, Riesengürtel-tier, Riesenkänguruh, Riesenhirsch, Urhund, Urgeier,Vierhorn-Gabelbock, Schreckenshorn, Säbelzahntiger, Ur-Bison, Urwolf, Riesenpavian, Zebra.

 

 

Homo Sapiens

Vor etwa 300.000 Jahren tritt der Homo Sapiens in Europa auf - parallel zum Neandertaler, der aus dem Heidelbergmensch hervorgegangen ist. Reste einer frühen Form des homo sapiens wurden bei Weimar in Thüringen gefunden (ca 200.000 Jahre alt). Aus dieser Zeit um 120.000 vor Christus stammt auch der Fund der Lehringer Lanze - einer Spitze aus Eibenholz, die noch in einem Waldelefanten steckte. Das deutet auf eine Verbreitung des homo sapiens in Norddeutschland hin. Lagerplätze von Neandertalern wurden auch in Lebenstädt bei Salzgitter gefunden. Sie sind ca. 50.000 Jahre alt. Artefakte aus der Altsteinzeit wurden in ganz Norddeutschland gefunden, z.B. Feuersteingeräte in Baltrum und in der Wildeshauser Geest bei Hatten und Friesoythe.

 

 

Die Besiedelung nach der Weichsel-Eiszeit

 

Durch die Erwärmung des Klimas nach dem Ende der letzten Eiszeit halten Birke, Erle und Eiche Einzug in den norddeutschen Raum. Mit der Ausbreitung des Waldes ändern sich auch die Lebensbedingungen der Tiere: Mammuts sterben aus, die Rentiere ziehen nach Norden. Menschen kommen schon vor der letzten Eiszeit in den Norddeutschen Raum. In Glane wurden Feuersteingeräte gefunden, die ca. 13000 Jahre alt sein sollen und der sog. Hamburger Kultur zugerechnet werden. Im Emsland und Ammerland wurden Behausungen aus dieser Zeit gefunden, in Meppen Feuersteingeräte der sog. Ahrensberger Kultur. Verbesserte Steingeräte stammen aus der Jungsteinzeit (8000 bis 2000 v. Chr.), die man an verschiedenen Stellen in Norddeutschland fand, z.B. am Dümmer (Artefakte der Federmessergruppe, bearbeitete Rengeweihe) und Kleinenkneten, Sage (Feuersteingeräte) sowie Oldenburg (Hacke). Die Menschen sind zu dieser Zeit größtenteils noch nicht sesshaft, sondern wandern als Jäger und Sammler zu den Plätzen, wo sie Nahrung finden. Erst am Ende der Jungsteinzeit (3000 bis 1800 v.Chr.) lassen die gefundenen Steingräber in der Syker Geest und in der Umgebung von Wildeshausen auf Anfänge der Besiedlung schließen. So hat man einen Hüttenplatz mit Feuersteinherstellung im Landkreis Aurich und eine Steinzeitsiedlung aus der Mittelsteinzeit im Versener Moor bei Meppen gefunden. Auch erste Geräte der Trichterbecherkultur und der Erteböller wurden in Barrien und am Dümmer gefunden. Im Campe-Moor am Dümmer wurden auch Bohlenwege in diese Zeit (2900 bis zu 4800 v.Chr.) datiert